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Aktueller Online-Flyer vom 13. Dezember 2017  

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Gerichtsverhandlung am Landgericht in Düsseldorf
Wird Opa Hans zwangsgeräumt?
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Die Kette der Zwangsräumungen im kapitalistischen Deutschland am Beginn des 21. Jahrtausends ist schier endlos. Im Frühjahr 2014 war es Kalle Gerigk in Köln, der das Thema Zwangsräumung ins öffentliche Bewusstsein gebracht hat. Jetzt gibt es den Fall des fast 90jährigen Opa Hans Liedloff in Düsseldorf, dem die Zwangsräumung droht, weil er sich mit seinen Vermietern angelegt hat. Das Amtsgericht hatte in erster Instanz auf Räumung entschieden. Am 18. September war in zweiter Instanz – begleitet von Protesten – Verhandlung am Landgericht in der Werdener Straße in Düsseldorf. Kalle aus Köln war mit dabei. Er unterstützt Opa Hans nach Kräften. Wie es ausgeht, ist noch offen. Das Gericht legt den Parteien mit einem weit hinausgeschobenen Spruchtermin im November, den Weg zu einem außergerichtlichen Vergleich nahe.


Opa Hans Liedloff – von Zwangsräumung bedroht
Fotos: arbeiterfotografie.com (Anneliese Fikentscher und Uwe Koopmann)


Protestaktion vor dem Landgericht Düsseldorf


Opa Hans Liedloff


Protestaktion vor dem Landgericht Düsseldorf


Protestaktion vor dem Landgericht Düsseldorf


Protestaktion vor dem Landgericht Düsseldorf


Opa Hans Liedloff mit Unterstützer Kalle Gerigk aus Köln


Protestaktion vor dem Landgericht Düsseldorf


Opa Hans Liedloff


Protestaktion vor dem Landgericht Düsseldorf


Werner Eggert, Unterstützer von Hans Liedloff aus Köln


Protestaktion vor dem Landgericht Düsseldorf


Opa Hans Liedloffs Schwerbehindertenausweis


Auf dem Weg zur Verhandlung im Düsseldorfer Landgericht


Mieter Hans-Eberhard-Liedloff gegen Vermieter Monika und Holger Fehringer


Opa Hans Liedloff


Warten auf Beginn der Verhandlung


Düsseldorfer Landgericht


Warten auf Beginn der Verhandlung


Düsseldorfer Landgericht


Warten auf Beginn der Verhandlung


„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“


Kurz vor Beginn der Verhandlung


„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“


Kurz vor Beginn der Verhandlung


Opa Hans Liedloff


Kurz vor Beginn der Verhandlung


Opa Hans Liedloff


Kurz vor Beginn der Verhandlung (Fotografieren während der Verhandlung ist nicht zugelassen)


Nach der Verhandlung


Nach der Verhandlung


Düsseldorfer Landgericht


Opa Hans Liedloff nach der Verhandlung – entweder kommt es bis zum 9. November 2014 zu einer außergerichtlichen Einigung, oder es kommt an dem Tag zur Urteilsverkündung

Opa Hans soll sich entschuldigen. Aber wofür? Dass er Einspruch gegen die Zwangsräumung eingelegt hat? Dass er seine Wohnung in Düsseldorf-Garath, in der er seit über 50 Jahren und davon die meiste Zeit zusammen mit seiner Frau gelebt hat, nicht verlassen will? Dafür, dass ihn der Mietstreit inzwischen rund 40.000 Euro gekostet hat? Seine Mietrückstände hätten das Gericht bewogen, der Räumungsklage stattzugeben. Aber Hans Liedloff bestreitet, dass es sich um Mietrückstände handelt. Mietminderungen habe er vorgenommen, weil die Zustände unzumutbar wurden: sein Balkon wurde ohne seine Zustimmung in eine Baustelle verwandelt, ein gemieteter Kellerraum zweckentfremdet, eine defekte Heizung wurde erst nach einem Jahr repariert. „Ich schwöre, ich habe noch nie in meinem Leben Schulden gehabt“, ereifert sich der ehemalige Berufsschullehrer und bis heute aktive Schwimmer.

Einen Tag vor der diamantenen Hochzeit verstarb Hans Liedloffs Ehefrau Elisabeth. Sie sei auch an dem Kummer zerbrochen, den der inzwischen achtjährige Mietstreit den beiden immer pünktlich und zuverlässig zahlenden Mietern bereitet hat. Von seinem vormaligen Vermieter bewahrt er ein Dankesschreiben, in dem dieser das jahrzehntelange Mitverhältnis als gut und für beide Seiten zufriedenstellend beschrieben hat. Jetzt sind die Erben Opa Hans’ Vertragspartner. Modernisierung ist angesagt. Höhere Miete winkt.

„Da wird ein Leben zerstört, wenn Opa Hans aus seiner Wohnung ausziehen muß“, sagt Kalle Gerigk, der Anfang des Jahres in Köln mit zahlreichen UnterstützerInnen einen legendären Protest hingelegt hatte, um damit auf die Gentrifizierungsproblematik zugunsten kapitalträchtiger Luxussanierung weit über Köln hinaus aufmerksam zu machen. Der schwerst Sehbehinderte, dessen Behindertenausweis auf 100% lautet, findet sich in seiner gewohnten Umgebung gut zurecht. Sollte er ausziehen müssen, „werde ich das wahrscheinlich nicht überleben.“

Dem 89jährigen Opa Hans hat Kalle seine Unterstützung zugesagt. Die beiden verstehen sich prächtig, nur bei der Bierwahl gibt es Differenzen. Kalle mag lieber Kölsch als Altbier, und Opa Hans besteht auf Pils. (PK)


Siehe auch:

Reportage vom 22.11.2013
"Alle für Kalle - Zwangsräumung gemeinsam verhindern!" - Protestaktion der Initiative "Recht auf Stadt"
http://www.arbeiterfotografie.com/galerie/reportage-2013/index-2013-11-22-koeln-alle-fuer-kalle.html

NRhZ-Artikel vom 04.12.2013
Drohende Zwangsräumung und der Protest „Alle für Kalle“ - Das Kapital hat Eigenbedarf
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=19734

Reportage vom 17.2.2014
Protest im Agnesviertel wegen der drohenden Zwangsräumung von Kalle Gerigks Wohnung in der Fontanestraße 5
http://www.arbeiterfotografie.com/galerie/reportage-2014/index-2014-02-17-koeln-kalle-fontanestrasse.html

NRhZ-Artikel vom 19.2.2014
Aufruf zur Solidarität - Kalle bleibt! Zwangsräumung verhindern! Jetzt!
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20057

Reportage vom 20.2.2014
Erfolgreiche Blockadeaktion zur Abwendung der Zwangsräumung von Kalle Gerigks Wohnung in der Fontanestraße (in 2 Teilen)
http://www.arbeiterfotografie.com/galerie/reportage-2014/index-2014-02-20-koeln-kalle-tag-X.html

NRhZ-Fotogalerie vom 26.02.2014
Zwangsräumung gegen Kalle Gerigk vorerst abgewendet - Alle für Kalle! Kalle für Alle!
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20076

Reportage vom 16.4.2014
Zwangsräumung von Kalle Gerigks Wohnung in der Fontanestraße und der Protest dagegen
http://www.arbeiterfotografie.com/galerie/reportage-2014/index-2014-04-16-koeln-kalle-zwangsraeumung.html

Reportage - Köln, 21.4.2014
Kalle Gerigk und seine Nachbarn in der Fontanestraße hängen die Transparente gegen seine Zwangsräumung ab
http://www.arbeiterfotografie.com/galerie/reportage-2014/index-2014-04-21-koeln-abhaengen-kalle-transparente.html

NRhZ-Artikel vom 30.04.2014
Interview mit dem zwangsgeräumten Kölner Kalle Gerigk - Im Namen des Volkes
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20298

Online-Flyer Nr. 477  vom 24.09.2014

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