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Aktueller Online-Flyer vom 14. Dezember 2018  

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Kultur und Wissen
Zur Erinnerung an einen solidarischen Kölner Künstler und Autor
Georg Giesing ist gestorben
Von Peter Kleinert

"Leben! Einzeln und frei wie ein Baum
und brüderlich wie ein Wald.
Das ist unsere Sehnsucht."


In diesen Zeilen von Nazim Hikmet hat unser Kollege Georg Giesing in einem Artikel über das Wandbild an der "Alten Feuerwache" vier Wochen vor seinem plötzlichen Tod, wie er damals in der NRhZ 37 schrieb, auch das Lebensgefühl vieler Beteiligter vor 25 Jahren beim Kampf um diesen Platz und zugleich das der mutigen Besetzer des Barmer Blocks von heute wiedergeben gesehen. Aber auch GEOs eigene Haltung entsprach der, die der türkische Schriftsteller in seinem 1947 im Gefängnis geschriebenen Gedicht "Davet - Der Aufruf" beschrieb.

Georg Giesing bei einer Lesung
Georg Giesing bei einer Lesung
Foto: NRhZ-Archiv


Georg Giesing, geboren 1942 in Wuppertal-Barmen, war 28 Jahre Fachlehrer an einem Kölner Berufskolleg, nachdem er erst eine Lehre als Gärtner, dann eine Ausbildung als Erzieher und das Studium der Sozialarbeit und Sozialpädagogik abgeschlossen hatte. Ab Mitte der 80er Jahre fing er an zu schreiben, zu zeichnen und zu malen. Eine Auswahl seiner Bücher: "Hexenball im Königsforst", Erzählungen, 1985 und 1986, "Rheinpiraten vor Köln", Erzählungen, 1990, "Zwischen Strunde und Flehbach", Erzählungen, 1990, "Wir sind doch ein Leut´, - Auf der Suche nach dem jüdischen Viehhändler Siegfried Forst auf Brodenbach", Erzählung, 2000, "Rheinische Frikadellen" - Geschichten & Grotesken, 2005. Sein wohl wichtigstes Buch ist "Fluchtweg Baybachtal", 1995, ein Bericht über den Einzelkämpfer Peter Zeutsheim, der auch nach seiner Flucht aus dem Koblenzer Gefängnis vom Hunsrück aus weiter Widerstand gegen die Nazis leistete.

Natürlich war GEO auch politisch aktiv. Bereits 1979 gründete er Kölns damals größte Umwelt-Bürgerinitiative, den "Ökologischen Arbeitskreis Köln", dessen ca. 60 aktive Mitglieder sich in Gruppen bis 1985 mit den Themen Wasser, Luft, Nahrungsmittel, Waldsterben, sanfte Energien und Gifte in der Muttermilch befassten. Nach Gründung der Grünen-Partei 1980 beteiligte er sich an deren Aufbau in Köln und war für sie von 1984 bis 1986 als sachkundiger Bürger im Umweltausschuss des Stadtrats.

Zuletzt arbeitete GEO an einer Biografie über den Dichter und Maler Fritz Grasshoff. Durch den aus dieser Arbeit entstandenen Auftritt des "Kölner Trios Balven&Götze&Giesing" in der Mülheimer Bücherstube kam er im November in Kontakt zur "Neuen Rheinischen Zeitung" und arbeitete seitdem engagiert und solidarisch als Autor, Fotograf, Kollege und Berater an diesem Projekt - ohne Honorar.

Trio: MathiasGötze, Petra Balven, Georg Giesing
Trio: MathiasGötze, Petra Balven, Georg Giesing
Foto: NRhZ-Archiv


Für diejenigen unserer LeserInnen, die erst später auf www.nrhz.de gestoßen sind: Es lohnt sich vor allem, seine in der NRhZ 40 mit dem "Aachener Wandmaler" abgeschlossene Serie "Sprühende Ideen" und "Wandmalerei in Köln", die inzwischen zehn Folgen umfasst, zu lesen und die vom Autor dazu gemachten Fotos anzuschauen: Eine Geschichte öffentlich zugänglicher Köln-Kunst von heute bis zurück in die 80er Jahre, die von Politikern, Stadtverwaltung, Polizei und natürlich vom Haus- und Grundbesitzerverein verfolgt und zerstört wird.

Ähnlich umfassend sollte die in NRhZ 37 von Georg Giesing begonnene Serie "Verfemte Kunst" werden, die nach dem Einführungsartikel in NRhZ 39 mit dem von den Nazis verfolgten Künstler Hubert Rüther begann. Wir können sie in dieser und in der folgenden Ausgabe mit Georg Netzband und dem nach Theresienstadt verschleppten Leo Haas fortsetzen, weil ihr Autor diese Beiträge schon abgeschlossen hatte, bevor er am Mittwoch vergangener Woche - am PC arbeitend - starb. Vielleicht werden wir die Serie mit Unterstützung von Dr. Gerhard Schneider, dem Sammler der Bilder und Initiator der "Bürgerstiftung für verfemte Künste" fortsetzen können. GEO wollte ihn in dieser Woche in Olpe besuchen, um ihn unseren LeserInnen in einem Interview vorzustellen.


"Waldhornbläser" von Georg Giesing
Foto: NRhZ-Archiv


Die NRhZ-Redaktion und alle anderen Mitarbeiter- und UnterstützerInnen werden Georg Giesing nicht vergessen. Vielleicht schaffen es seine Freunde, die von ihm 1998 gegründete "Galerie Skurril" mit seinen eigenen Bildern sowie Ausstellungen und Lesungen von NachwuchskünstlerInnen und jungen AutorInnen noch eine Weile zu erhalten.

Siehe auch www.georg-giesing.de


Todesanzeige - Georg Giesing


Online-Flyer Nr. 41  vom 25.04.2006

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