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Aktueller Online-Flyer vom 14. Dezember 2018  

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Lokales
Serie Sprühende Ideen - Teil 8
Wandmalerei in Köln: DIE HOFFNUNG
Von Georg Giesing

1972 schnappte sich der österreichische Künstler Friedensreich Hundertwasser einen langen Pinsel, tauchte diesen in rosa Farbe und öffnete ein Fenster in einem tristen Mietshaus. Dann reckte er Arm und Pinsel aus dem Fenster und strich, so weit er reichen konnte, die Außenumrandung  an. Das war ein Fanal.  Ein sichtbares Zeichen gegen die Monotonie und Seelenlosigkeit städtischer Durchschnittsarchitektur.

In der BRD erreichte die Wandmalerei erst mit internationaler Verspätung die Öffentlichkeit. In der DDR, wenn überhaupt, stand die Wandmalerei im Dienste des "realen Sozialismus". Ein Blick in die USA machte klar, dass die dortige Wandmalbewegung in den 1970ger Jahren ethnische Selbstbestimmung, soziale Ungerechtigkeit und den wachsenden Protest gegen den Vietnamkrieg in den Vordergrund rückten. Die Sorge um das Stadtbild war in den USA untergeordnet.

Die Kunst im "Öffentlichen Raum" startete hierzulande in Bremen und dann Berlin (West). In der Hansestadt wurde ein Modell entwickelt durch beauftragte Künstler Wände im öffentlichen Raum bildhaft zu gestalten.

In Köln, sich damals schon gerne Kulturmetropole nennend, blieben die Impulse aus Bremen und Berlin nahezu ungehört. Stadtkölnische Initiativen oder ein Konzept für Gegenwartskunst im öffentlichen Raum, von ein paar Brunnen abgesehen, waren und sind in der Domstadt nicht erkennbar. Die altmodische Vorstellung in Köln ist nach wie vor, Kunst gehört in Museen, und dafür muss der Besucher (möglichst viel) Geld abdrücken.  Fehlende und nachhaltige Konzepte für Kunst im öffentlichen Raum, dazu gehören auch attraktive Wandbilder, provozieren regelrecht die wilden Spray-Künstler.

Gründe also um noch einmal an einige Wandbilder zu erinnern.

'Das Kölner Segelschiff'
'Das Kölner Segelschiff'
Foto: Bürgerinitiative Alte Feuerwache



Auf Initiative von Heinrich Dreidoppel und Monika Wild-Dreidoppel wurde am 3. und  4. Oktober 1980 zur Unterstützung der Bürgerinitiative Alte Feuerwache (BAF) ein 14 mal 16 Meter großes Wandbild, "Das Kölner Segelschiff",  an der Brandmauer der Alten Feuerwache Köln gemalt. An dieser Malaktion nahmen über 50 Künstler vom "Bund Deutscher Kunsterzieher" teil. Das Motiv, die "MAYFLOWER", sollte ein hoffnungsvolles Signal zur Unterstützung des Kampfes gegen den Abriss der  "Alten Feuerwache" sein.

Neben das "Kölner Segelschiff" wurde ein Baum gemalt, zu dem ein Spruch des türkischen Dichters Nazim Hikmet geschrieben wurde, der das Lebensgefühl vieler Beteiligter zum Ausdruck brachte:

"Leben/ einzeln und frei wie ein Baum/
und brüderlich wie ein Wald/
ist unsere Sehnsucht."

Die Stadt Köln hat den Platz vor dem großen Wandbild nicht geschützt, so dass das Kunstwerk nicht mehr zu sehen ist. Heute ist das Bild zugebaut.

Aber Sehnsucht nach einem freien Leben treibt auch 25 Jahre nach dem Kampf um die "Alte Feuerwache"  die mutigen Besetzer der Häuser im Barmer Viertel in Deutz an. Die gesunden  Nadelbäume in diesem Wohnquartier sind allerdings schon gefällt worden.

GEO-Porträt LesungGeorg Giesing, 1942 in Wuppertal-Barmen geboren, diplomierter Sozialpädagoge, war 28 Jahre Fachlehrer an einem Kölner Berufskolleg, nachdem er eine Lehre als Gärtner, eine Ausbildung als Erzieher und das Studium der Sozialarbeit und Sozialpädagogik abgeschlossen hatte. Giesing ist freier Mitarbeiter bei Zeitungen, Stadtmagazinen und Online-Zeitungen, schreibt Bücher und zeichnet. Eine Auswahl seiner Bücher: "Hexenball im Königsforst", Erzählungen,1985 und 1986, "Rheinpiraten vor Köln", Erzählungen, 1990, "Zwischen Strunde und Flehbach", Erzählungen, 1990, "Wir sind doch ein Leut´, - Auf der Suche nach dem jüdischen Viehhändler Siegfried Forst auf Brodenbach", Erzählung, 2000, "Rheinische Frikadellen" - Geschichten & Grotesken, 2005 .




Online-Flyer Nr. 37  vom 28.03.2006

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