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Aktueller Online-Flyer vom 14. Dezember 2018  

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Serie Wandmalerei in Köln - Teil 10
"Süd-Afrika brennt!" - an der Kölner Nord-Süd-Fahrt
Von Georg Giesing

Seit 1987 gibt es an der Nord-Süd-Fahrt in Köln ein politisches Wandbild des ursprünglich als "Aachener Wandmaler" bekannt gewordenen Künstlers Klaus Paier. Titel des Bildes: "Süd-Afrika brennt!" So die Botschaft. Ein Bild mit Signalcharakter. Hochaktuell!

Bundespräsident Horst Köhler besucht derzeit Afrika. Mosambik, Madagaskar, dann Botswana. Mit dabei, Eva-Luise, seine Frau und ein Schwarm akkreditierter Medienmenschen. Weltwirtschaftsfachmann Köhler kennt sich da aus. Auf den Bildern, die uns per TV über den Besuch des deutschen Präsidenten ins Haus geliefert werden, wirkt der Mann bescheiden, fast bedrückt, auch ein wenig hilflos.

Im Dezember 2004 bereiste Köhler das erste Mal diesen Kontinent. Damals Benin, Sierra Leone, Äthiopien und Dschibuti. Egal wo er hinkam, überall war Armut, Zerstörung in Folge bewaffneter Konflikte, Hunger, Durst und Bildungsnotstand. Dies war auch bei seiner zweiten Reise nicht anders. Es gibt marode Regierungen und epidemische Massenerkrankungen wie Aids und Ebula. Und wir können sicher sein, dass die wirklichen Problemzonen Horst Köhler nicht gezeigt wurden.

Wandbild gegen das Apartheidregime in Südafrika (1987)
Wandbild gegen das Apartheidregime in Südafrika (1987)
Historische Postkarte, NRhZ-Archiv


Die Situation in Afrika ist  niederdrückend. Wer zeigt einem Staatsgast schon gerne die Korruption im eigenen Land? Da ist die große Gier der internationalen Konzerne, die wirtschaftsbrutal das fortsetzen, was die Kolonialmächte der Vergangenheit noch übrig gelassen haben. Dazu sagt der Bundespräsident wenig.

Wir sehen fast jede Woche im TV, wie Afrikaner mit defekten Booten das Mittelmeer überqueren, als Wasserleichen stranden oder abgeführt und wie Kriminelle in Lager gebracht werden. Das sind Menschen,  die aus der Katastrophe fliehen, leben wollen, eine bessere Zukunft suchen und dabei ihr Leben riskieren. Es sind ausschließlich schwarze Afrikaner, die jungen und starken, sie fliehen vor den Brandstiftern und den Flammen.

Der "Aachener Wandmaler" hatte die Probleme Afrikas  schon 1987 verstanden  und zu seinem Thema gemacht. Er wollte ein Zeichen gegen das damals noch herrschende Apartheidregime in Südafrika setzen. Der inzwischen in Köln lebende Wandmaler hatte sich dafür - neben anderen Wänden - eine Mauer an der Nord-Süd-Fahrt in Köln ausgesucht. Den Dom in der Nähe. Tausende von Autos Tag und Nacht. Eine graue Wand als Blickfang.

Paier wollte wie üblich nachts malen. Als er die Skizze zum Bild aufzeichnete, fühlte er sich beobachtet. "Da ist einfach zu viel los", sagte er den Filmemachern, die drei Jahre zuvor einen Dokumentarfilm über ihn für den WDR gemacht hatten. "Dann mal´ doch am Tag, und wir kommen mit dem Team dazu. Dann sieht das ganz offiziell aus", sagten die. Einer der beteiligten Filmer erinnert sich:

"Und das hat wunderbar geklappt. Es kamen zwei Polizisten vorbei, guckten interessiert zu. Es kamen drei, vier Herren vom Grünflächenamt, um die Bäume zu beschneiden. Nix! Doch dann kam der Pfarrer, dessen Gemeinde das Haus gehört(e). Der fragte mich, was wir hier machten. Ich: Müssen Sie den Herrn da vorn fragen..."

Es stellte sich heraus, dass die Wand der Gemeinde der Evangelischen Kreuzkirche gehörte und der Pastor deutlich machte, dass eben diese als Eigentümerin nicht befragt worden war. Klaus Paier vollendete das Bild. Pfarrer und hinzugekommene Gemeindemitglieder diskutierten kontrovers. Schließlich luden sie den Wandmaler zur nächsten Gemeindeversammlung ein. Das Thema Afrika stand seit langem auch im Blickpunkt der Gemeinde. Ergebnis: Das Bild durfte bleiben. Seit Frühjahr 1987 hat das Wandbild dort seinen Platz, doch Witterung und die aggressiven Autoabgase setzen dem Kunstwerk zu. Eine Restaurierung würde gut tun. Immerhin bekam Klaus Paier im gleichen Jahr den Aachener Kunstpreis - von der Stadt, deren Verantwortliche jahrelang seine Bilder übermalt oder weggeätzt hatten...

Den Filmbeitrag der NRhZ dazu finden Sie hier.

Wandbild: Der Tod ist ein Meister aus Deutschland
Wandbild: Der Tod ist ein Meister aus Deutschland
Historische Postkarte, NRhZ-Archiv


In Afrika sind die Probleme  nicht geringer geworden. Der dürftige Finanzstrahl der westlichen Welt wird verteilt. Das ist zu wenig. Köhler lud auch schon Regierungschefs zu einer Afrika-Konferenz auf den Bonner Petersberg ein. Dort initiierte er das Projekt "Partnerschaft mit Afrika".

Wir werden abwarten müssen, ob diese Initiative auch die Profitgier der internationalen Konzerne bremsen  kann. In der deutschen Öffentlichkeit spielen die Probleme Afrikas eine untergeordnete Rolle. Das Hauptaugenmerk gilt der Abwehr von Flüchtlingen. Parallel zu den eher bescheidenen Entwicklungshilfeprojekten, die selektive Hilfe bedeuten, sind aber auch noch andere deutsche Aktivitäten in Afrika festzustellen. 

Deutsches Militär steht am "Horn von Afrika" als "Späher und Wächter" (für was?).  Demnächst werden deutsche Soldaten mit hoher Waffenpräsenz einen EU-Einsatz im Kongo anführen.  Der Bundeswehrverband lehnt derzeit die geplante Anwesenheit der Bundeswehrsoldaten im Kongo ab. Begründung: Das sind viel zu wenig! Die Bundeswehr begreift sich anscheinend als Feuerlöschtruppe im Busch von Afrika. Die Bundesregierung hat die Rohstoffinteressen deutscher Konzerne im Auge.

Mit der Vergangenheit des deutschen Militärs  hat sich der "Aachener Wandmaler" immer wieder auseinandergesetzt. Sein Bild "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland" wurde in Aachen allerdings schnellstens wieder entfernt.

Siehe auch den NRhZ-Filmclip "Der Aachener Wandmailer"

Georg Giesing, 1942 in Wuppertal-Barmen geboren, diplomierter Sozialpädagoge, war 28 Jahre Fachlehrer an einem Kölner Berufskolleg, nachdem er eine Lehre als Gärtner, eine Ausbildung als Erzieher und das Studium der Sozialarbeit und Sozialpädagogik abgeschlossen hatte. Giesing ist freier Mitarbeiter bei Zeitungen, Stadtmagazinen und Online-Zeitungen, schreibt Bücher und zeichnet. Eine Auswahl seiner Bücher: "Hexenball im Königsforst", Erzählungen,1985 und 1986, "Rheinpiraten vor Köln", Erzählungen, 1990, "Zwischen Strunde und Flehbach", Erzählungen, 1990, "Wir sind doch ein Leut´, - Auf der Suche nach dem jüdischen Viehhändler Siegfried Forst auf Brodenbach", Erzählung, 2000, "Rheinische Frikadellen" - Geschichten & Grotesken, 2005 .



GEO-Porträt LesungDie NRhZ trauert um Georg Giesing, dessen Tod für uns alle überraschend war. Georg war ein kreativer Autor, ein guter Fotograf, der unser Projekt bis zu seinem Tod unterstützt und bereichert hat. Seine Serie über Graffiti, seine Ausstellungsbesprechungen und seine Glossen drückten seine differenziert Weltsicht aus, die heutzutage zunehmend selten wird. Doch nicht nur der Autor und Fotograf Georg ist gestorben, mit ihm haben wir auch einen Freund und Berater verloren.


Online-Flyer Nr. 40  vom 18.04.2006

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Von Kostas Koufogiorgos
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