NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 18. September 2019  

zurück  
Druckversion

Literatur
Auszug aus "Ausbruch aus der Stille. Persönliche Lebensbilder" anlässlich des 70. Jahrestages der Gründung der DDR am 07. Oktober 1949 (4)
Bei Präsident Pieck
Von Harry Popow

Die Ziebells scheinen „Weltmeister im Umziehen“ zu werden. Wieder einmal heißt es zurück nach Berlin, diesmal in die Mühlenstraße in Pankow. Gleich nebenan das Rathaus. Im Keller ein sowjetisches Magazin. Da gibt es eine Spezialität: Moskauer Eis! Aber nur Russen dürfen dort kaufen. Mama darf! Henry lernt schnell zwei Brocken russisch von seiner Mutter, die aber wieder zur Arbeit muß, zum Dolmetschen. Er nimmt allen Mut zusammen, und nun bekommt auch er die begehrten Kugeln. Seine Geschwister, sie warten zu Hause, jubeln vor Freude. Henry ist der Größte. Gleich um die Ecke befindet sich die Wilhelm-Pieck-Schule. Dorthin gehen auch Sophia, Axel und Henry. In dieser Schule machen sie auch persönliche Bekanntschaft mit der berühmten Schriftstellerin Anna Seghers. Die Pionierwochenschau filmt das ganze. Unvergessen auch der 1. Mai 1951. Der große Demonstrationszug defiliert an der Tribüne vorbei. Henry gibt als Trommler für seine Schule den Tritt an, mit Angst, es zu schaffen, aber auch mit Stolz.

Da die Schule den Namen des Präsidenten trägt, dürfen die Besten ihm auch zu seinem Geburtstag persönlich gratulieren. Eine kleine Delegation trippelt, unter ständigen Ermahnungen der Schulleiterin, daß die Schüler sich ja anständig benehmen sollen, zum Schloss Niederschönhausen. Auch Sophia und Henry. (Davon gibt es ein Foto, zuerst veröffentlicht in der „Frau von heute“, Jahre später im „Neuen Deutschland“, in den 70er Jahren noch einmal im Pionierkalender.) Im Gästebuch tragen sie ihre Namen ein: Ziebell. In einem großen Raum warten alle Gäste. Viele Leute von Betrieben und Schulen. Dann kommt Wilhelm Pieck! Freundlich, nicht groß, etwas kräftig gebaut. Der Präsident lächelt, gibt jedem die Hand. Danach weist der Präsident mit der Rechten zu einem benachbarten Raum. Er lädt alle zum Essen ein. Den Jungen Pionieren läuft bereits das Wasser im Munde zusammen. „Jugend voran“, bekräftigt der Arbeiterpräsident.
Doch die Schuldirektorin drängt ihre Schützlinge zum Ausgang, sie müssten wieder gehen. Schade, schade ...


Harry Popow: „Ausbruch aus der Stille. Persönliche Lebensbilder in Umbruchzeiten“



Druck und Verlag: epubli – ein Service der neopubli GmbH, Berlin, Erscheinungsdatum 18.02.2019, ISBN: 9783748512981, 500 Seiten: 500, 26,99 Euro, Bestellen hier


Der Autor Harry Popow wurde 1936 in Berlin-Tegel geboren, wuchs in der DDR auf, arbeitete als Militärjournalist im Dienstgrad Oberstleutnant in der NVA und betätigt sich heute als Blogger, Buchrezensent und Autor. Er ist seit 1961 glücklich verheiratet.


Siehe auch:

Auszug aus "In die Stille gerettet. Persönliche Lebensbilder" anlässlich des 63. Jahrestags der Gründung der Nationalen Volksarmee am 1. März 1956 (1)
Ohrfeige für Henry
Von Harry Popow
NRhZ 692 vom 13.02.2019
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25625

Auszug aus "Ausbruch aus der Stille. Persönliche Lebensbilder" anlässlich des 70. Jahrestages der Gründung der DDR am 07. Oktober 1949 (2)
Weiße Armbinden
NRhZ 700 vom 10.04.2019
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25802

Auszug aus "Ausbruch aus der Stille. Persönliche Lebensbilder" anlässlich des 70. Jahrestages der Gründung der DDR am 07. Oktober 1949 (3)
Träumender Trommler
NRhZ 701 vom 17.04.2019
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25821

Online-Flyer Nr. 702  vom 24.04.2019

Druckversion     



Startseite           nach oben

KOSTARIKATUREN


Von Kostas Koufogiorgos
FILMCLIP
FOTOGALERIE


#unteilbar in Dresden: Mit Rassisten gegen Rassismus?
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann