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Aktueller Online-Flyer vom 22. Juli 2019  

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Inland
VORHANG AUF für Michael Zobel und Eva Töller
Die Welt gestalten
Von KROKODIL

Kleiber, Sperber, Nachtigallen sind für den Naturführer und Waldpädagogen Michael Zobel bekannte und bedeutende Stimmen, denen er im Dreiländer-Euregio-Gebiet rund um Aachen auf der Spur ist. Seine monatliche Führung „Waldkäuze“ richtet sich an Kinder. Aber auch große Kinder, Betriebsgruppen, Behinderten-Organisationen, Geburtstagsrunden und Wandergruppen sind ebenso willkommen wie Schülerinnen und Schüler zum Beispiel aus einem Bio-Leistungskurs, um mehr über das Lebewesen Wald zu erfahren – sei es in Tages- oder Nachtwanderungen, bei Sonnenaufgang oder in der Dämmerung. Im Mai 2014 war der Start für eine besondere Führung durch einen Wald am Rand des Braunkohlentagebaus bei Kerpen, der vom Baggerfraß bedroht wird. Gemeinsam mit Eva Töller, die die Idee hatte, den Restbestand des 12.000 Jahre alten Urwaldes Hambacher Forst einer breiten Öffentlichkeit ans Herz zu legen, starteten die beiden regelmäßig monatliche Führungen, die bis Februar 2017 von mehr als 7000 Menschen besucht wurden.


Aus dem Arbeiterfotografie-Projekt "Verheizte Heimat"

Zuvor war den beiden der „Zauberwald“ kein Begriff, aber Schlagzeilen über kriminalisierte Wald- und Baumbesetzungen machten sie aufmerksam. Immer mehr Menschen aus der unmittelbaren Umgebung und bis September 2018 aus allen Teilen Deutschlands und darüber hinaus wollten bei stetig anwachsenden Teilnehmerzahlen bei so genannten Waldspaziergängen mit ihrer Präsenz zeigen, dass sie mit der Vernichtung eines unwiederbringlichen Naturdenkmals nicht einverstanden sind. Im Zusammenwirken mit dem Bund für Umwelt- und Naturschutz BUND NRW und regionalen Initiativen wie „Buirer für Buir“ entstand eine mächtige, nicht mehr einfach zu ignorierende Bürgerbewegung, die mit allen Wald- und BaumhausbewohnerInnen dem Energiekonzern RWE Power (vormals Rheinbraun) die rote Karte zeigte. Mit einer menschlichen „roten Linie“ entlang der verlegten Autobahntrasse A4 wurde ein deutliches Stoppzeichen gesetzt. Jedes Jahr im Oktober fraßen sich die Bagger unter dem Patronat der Politik (von SPD Hannelore Kraft, CDU Laschet und Reul und mit Zustimmung der Grünen) weiter vor – bis 2018.

Nach der brutalen Räumung aller Baumhausdörfer wie Oaktown und Gallien durch die unter dem Vorwand der Brandgefahr eingeschaltete Polizei – von KritikerInnen bezeichnet als instrumentalisierter verlängerter Werkschutz von RWE – und dem Todesfall des 27jährigen Steffen Meyn in Beechtown, schwollen die Besucherzahlen der nunmehr wöchentlich stattfindenden Waldspaziergänge dramatisch an. Bei sengender Hitze und strömendem Regen brachten Menschen unter dem Aspekt „Aufbäumen“ Baumsetzlinge zur Wiederaufforstung mit. Keine dieser vielfältigen Aktionen aber fand ohne Michael Zobel und Eva Töller statt, die als Integrationsfiguren immer die richtigen Worte fanden, Musiker- und RednerInnen einluden zu Waldfesten und Widerstand. Nur einen Tag nach dem bejubelten (vorläufigen) Rodungsstopp des Oberverwaltungsgerichts Münster kamen 50.000. „Genau so wollte ich es!“, sprach der Kleine Prinz von St. Exupery. Die Welt gestalten. Michael Zobels Dank ging insbesondere an die 6 Jahre ausharrenden Waldbewohner in den Baumhäusern, die sich den Besetzern RWE und Polizei in unnachahmlicher Weise mit hohem persönlichen Risiko in den Weg stellten.


Veröffentlichung aus der Quartalsschrift DAS KROKODIL, Ausgabe 26 (September 2018) – Grundsatzschrift über die Freiheit des Denkens – bissig – streitbar – schön und wahr und (manchmal) satirisch.



Mehr dazu und wie es sich bestellen lässt, hier: http://www.das-krokodil.com/



Siehe auch:

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http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23564

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http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=21872

Online-Flyer Nr. 679  vom 24.10.2018

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