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Aktueller Online-Flyer vom 17. Dezember 2017  

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Glossen
Nach Irak, Afghanistan, Libyen nun Syrien
Freiheit und Terror
Von Wolfgang Bittner

Wer sind eigentlich Freiheitskämpfer und wer sind Terroristen? Für unsere Regierung wie auch für die Medien, die maßgeblich unsere öffentliche Meinung bilden, scheint das eindeutig zu sein: Die aufständischen Taliban in Afghanistan sind zum Beispiel Terroristen, weil sie bekanntlich gegen die von den USA und ihren Verbündeten eingesetzte Regierung kämpfen. Dagegen sind die Aufständischen in Syrien Freiheitskämpfer, obwohl sie gegen die (nicht von den USA und ihren Verbündeten eingesetzte) Regierung kämpfen, wobei sie die unter ihren Betten aufbewahrten Maschinengewehre, Panzerfäuste und Raketen einsetzen können. In Libyen durften sie sogar das Staatsoberhaupt ermorden, nachdem die Nato das Land in Grund und Boden gebombt hatte.
 
Dagegen waren wiederum die Aufständischen in Bahrain Terroristen, weil sie sich gegen ihre Regierung wandten, nur dass der Westen nicht einzugreifen brauchte, weil der König und seine Anhänger militärische Hilfe zur blutigen Niederschlagung des Aufstands aus Saudi Arabien erhielten. Vielleicht hing das damit zusammen, dass uns das bahrainische Öl und Erdgas, aber nicht die dortigen Menschenrechtsverletzungen interessieren und dass wir den Saudis gerade Panzer geliefert hatten.
 
In Afghanistan wurden und werden die Frauen von den Taliban unterdrückt, die außerdem unsere Freiheit gefährden. Deswegen müssen diese Terroristen (die früher Mudschahedin hießen und von den USA unterstützt und mit Waffen versorgt wurden) alle umgebracht werden. Am besten geht das durch sogenannte chirurgische Einzelschläge mit Drohnen, damit keiner „unserer“ Soldaten verletzt oder getötet wird. Merkwürdigerweise war Afghanistan, bevor der CIA die Mudschahedin unterstützte, ein blühendes Land mit öffentlichen Schulen und Universitäten, die selbstverständlich auch Frauen offenstanden.
 
In den Emiraten dürfen Frauen noch nicht einmal Auto fahren. Außerdem wird dort heftig gefoltert. Sollten die Emirate deswegen vielleicht nach einer Medienkampagne mal rasch bombardiert werden? Dazu schweigen unsere Regierung und ihre Medien, obwohl das eventuell einen „humanitären Einsatz“ der Bundeswehr wert wäre. Aber die liefern uns Öl.
 
Was also dürfen wir nun den Verlautbarungen der Regierung und der Medien glauben? Worüber berichten sie und worüber nicht? Was sind „humanitäre Einsätze“? Ist Frau Timoschenko wirklich eine bemitleidenswerte Gefangene der ukrainischen Regierung, oder ist sie eine milliardenschwere Kriminelle? Und ist nicht der Iran bereits vor Jahrzehnten wegen seiner Ölvorkommen destabilisiert und mit Krieg überzogen worden, so dass sich dort die Ayatollahs breit machen konnten?
 
Und China? Die USA haben kürzlich wieder einmal gegen Menschenrechtsverletzungen und Hinrichtungen protestiert. Wahrscheinlich ist der US-Regierung nicht bekannt, dass sie selbst in Guantanamo und anderswo foltern lässt und in ihren Todeszellen zahlreiche aufgrund von fragwürdigen Prozessen verurteilte Häftlinge auf den elektrischen Stuhl oder die Todesspritze warten - vor allem Schwarze. (1)
 
Wodurch unterscheiden sich also die USA von China oder vom Iran? Offenbar dadurch, dass in China Chinesen leben und im Iran Iraner, während vor New York eine Freiheitsstatue ihre Fackel gen Himmel streckt und nicht nur den Amerikanern, sondern ebenso uns in Europa die Freiheit garantiert – hier selbstverständlich neben unseren Millionären und Milliardären und einigen Millionen Empfängern von Sozialhilfe, Arbeitslosengeld und Hungerlöhnen. (PK)

(1) Anmerkung der Redaktion: Dies gilt z.B. für den Politikaktivisten, Journalisten und Schriftsteller Mumia Abu Jamal, der 1982 wegen angeblichen Polizistenmordes zum Tode verurteilt wurde, ab 1995 im Hochsicherheitsgefängnis SCI-Greene und seit 2011 in Frackville auf ein neues Verfahren wartet. Dass die vielen Jahre in der Todeszelle und anschließend als Lebenslänglicher ihn zu Unrecht und unter Verstoß gegen die US-Verfassung trafen, bestätigte der US Supreme Court im November 2011. Mehr dazu in dem Bericht "Das Urteil war verfassungswidrig" im NRhZ-Flyer 331 vom 7.12.2011 und in dem Dokumentarfilm "Hinter diesen Mauern - Mumia Abu-Jamal und der lange Kampf um Freiheit" von KAOS Film- und Video-Team Köln in der NRhZ-Ausgabe 52: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17270 und http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=1732



Online-Flyer Nr. 360  vom 27.06.2012

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