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Aktueller Online-Flyer vom 18. Oktober 2017  

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Filmclips
Publizistische Sicherheitsrisiken
Von Peter Kleinert



Neven DuMont Alfred

"Ein publizistisches Sicherheitsrisiko" titelten wir vor 13 Jahren unseren Fernsehfilm zu dem Thema „Wie der Kölner Verleger Alfred Neven DuMont einen Redakteur rausschmeißt und eine Stadt beherrscht“. - Kölns Medienzar hatte diese originelle Bezeichnung für seinen Redakteur Hartmut Schergel erfunden, weil er dachte, so würde er das Arbeitsgericht überzeugen, dass er den Kollegen nach 25 Jahren untadeliger journalistischer Arbeit mit Recht rausgeschmissen hatte.
 
Aufgrund der mir - als 20 Jahre zuvor mit ähnlich haarsträubenden Begründungen am Ende aber ebenfalls erfolglos gefeuertem  KStA-Redakteur - bis dahin bereits bekannten Karriere unseres Verlegers und weiterer Recherche-Ergebnisse hielten wir es im KAOS Film-Team für angemessen, nun den Kündiger Neven als “publizistisches Sicherheitsrisiko“ einzustufen, nachdem das Arbeitsgericht diese Bezeichnung für den gekündigten Kollegen Schergel als unangemessen beurteilt hatte. Und Neven selbst scheint dieses Umtaufen am Ende auch für korrekt gehalten zu haben. Jedenfalls teilte er dem Kölner Landgericht mit, unsere Vermutung, RTL weigere sich, den Film am Karnevalssonntag 1997 auf dem offiziellen Sendeplatz des „unabhängigen Fernsehfensters KANAL 4“ auszustrahlen, weil ihm - Neven - das Projekt missfalle, sei völlig falsch. Im Gegenteil: Er habe bei dem dort Verantwortlichen durch Telefonanruf eines seiner leitenden Mitarbeiter dringend darum ersuchen lassen "Ein publizistisches Sicherheitsrisiko" auf alle Fälle zu senden. - Wir hätten uns also die Mühe, RTL mit einer einstweiligen Verfügung erfolgreich dazu zu zwingen, offenbar ersparen können.  
 
Wie richtig Neven DuMont mit seinem Engagement für die Sendung des Films mit dem uns von ihm spendierten Titel lag, der sogar der FAZ am 11. Februar 1997 einen Dreispalter wert war, haben wir in den 13 Jahren danach mehr als einmal tief beeindruckt wahrgenommen. Hier nur einige Beispiele, die zwar ihm und seinen von ihm vor gut einem Jahr in die “Dreieinigkeit“ berufenen Nachfolgern Christian DuMont Schütte und Konstantin Neven DuMont - nicht besonders gefallen dürften (siehe http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13365), die aber ihre Abonnenten ein bisschen darüber aufklären könnten, warum wir den schönen Filmtitel in der Überschrift dieses Textes in den Plural gestellt haben:
 
Medienberichte über die Zukunftspläne der Verlagsführung mit den von der britischen Mecom-Gruppe erworbenen Zeitungen seien bloße "Prophetie“ und hätten mit "faktenorientiertem Journalismus nichts zu tun“, hatte “Dreieinigkeits“-Vater Alfred anlässlich seines Neujahrsempfangs im Januar 2009 in einem KStA-Artikel verkünden lassen. Die Konkurrenz hatte nämlich kräftige Rationalisierungsmaßnahmen vorausgesagt, weil sich der teure Einkauf sonst nicht richtig lohnen würde. Wer als KStA-LeserIn auf diese "faktenorientierte“ Mitteilung des Vaters der “Dreieinigkeit“ gewettet hätte, wäre jetzt im Mai ein Jahr später auf die Nase gefallen, wie man dem aktuellen NRhZ-Artikel “DuMont-Verlag: Einfalt statt Vielfalt“ entnehmen kann. Bei der Berliner Zeitung macht man jetzt nämlich ähnliche Erfahrungen wie die KollegInnen der Frankfurter Rundschau und im Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH (DUV) nach der Übernahme der Kapitalmehrheit durch DuMont.
 
Ähnlich publizistisch zuverlässig war der vom Verleger/Herausgeber unter Kontrolle gehaltene Journalismus in den Stadt-Anzeiger-Redaktionen aber auch schon als die noch ihr Domizil in der Breite Straße hatten und noch nicht im Glaspalast in der Amsterdamer Straße. Immer mal wieder erfuhren die Abonnenten - mal vom ehemaligen Lokalchef Klaus Zöller mal von dessen oberstem Chef selber - wie arg der Verlag und seine Eltern unter den Nazis gelitten hätten, weil sie sich denen keineswegs anpassen wollten, sondern sogar heimlich Widerstand geleistet hätten. Nachdem in unserem Film ein Kölner Historiker die Zuschauer über die NSDAP-Mitgliedschaft von Verlegervater Kurt Neven DuMont aufgeklärt hatte, bekamen wir mit Hilfe weiterer Historiker heraus, dass Vater Kurt vom Reichspropagandaminister für seine Verdienste auch einen der höchsten Nazi-Orden erhalten hatte. Und als wir über die NRhZ auch noch ans Licht brachten, dass einige der ursprünglich jüdischen Geschäftshäuser dort, wo heute das DuMont-Carré für kräftige Einnahmen sorgt, in der Nazizeit arisiert worden waren, wurde uns das auf Wunsch von Sohn Alfred vom Kölner Landgericht zunächst verboten.
 
Der hatte sich schon ein Jahr vor der Sendung des Films als “publizistisches Sicherheitsrisiko“ erwiesen. Einen von seiner stellvertretenden Chefredakteurin bei den Autoren Werner Rügemer und Erasmus Schöfer nach einer Rundfunksendung für die Wochenendbeilage des KStA bestellten kritischen Artikel erkannten die Autoren bei dessen Veröffentlichung nicht mehr wieder. An 82 Stellen war er geändert, und zum Teil ins Gegenteil umgeschrieben worden - zugunsten der für die Vergiftung des Kölner Abwassers Verantwortlichen im Rathaus und in Kölner Betrieben. Darüber und dass er und Co-Autor Schöfer den Verlag für diesen publizistischen Übergriff erfolgreich auf Schadensersatz verklagten, berichtet Werner Rügemer ausführlich in einem anderen Ausschnitt dieses Films (siehe http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=10148).
 
"Ein publizistisches Sicherheitsrisiko - Wie der Kölner Verleger Alfred Neven DuMont einen Redakteur rausschmeißt und eine Stadt beherrscht.“
Autor: Peter Kleinert, Auftraggeber: Kanal 4, Produktionsjahr: 1997, Länge: 29 und 56 Minuten, Kamera: Hans Hausmann, Lars Jessen, Sybille Stürmer, Ton: Rico Prauss, Schnitt: Dorothee Plaß, Moritat und Musik: Rolly Brings und Klaus der Geiger, Bomben und Tricks: Michaela Jordan, Sprecher: Josef Tratnik.
Weitere Informationen unter www.kaos-Archiv.de
 

 


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Online-Flyer Nr. 248  vom 18. Oktober 2017



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