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Lokales
Rassistische Umtriebe in Köln-Ehrenfeld - Hintergrund und Interview
"Rot-weiß lackierte Braune"
Von Marilena Thanassoula und Carl H. Ewald
Machen Sie den Test mit! Worum geht es hier? "Freiheitlich patriotischer Standpunkt, ausländische Jugendkriminalität, Jessica und Ali, Patriotismus-Welle, orientalische Prachtbude, Deutsch ist geil, Multi-Kulti-Exzesse, Alte Breslauer Burschenschaft, Zigeuner, Jugendoffensive, Großmoschee". Als Bonusmaterial: "Köln soll nicht zum Spielplatz der 68er werden, ...lesen, was die Massenmedien verschweigen, ein wohltuender Ausgleich zu all den links-ideologisch eingefärbten Jugend- und Stadtmagazinen..."
Falls Sie die "Bürgerbewegung Pro Köln" und die selbsternannte "größte Schüler- und Jugendzeitung" in Köln, mit dem zynischen Namen "Objektiv" (erste Ausgabe im August 2006), nicht kennen, dann können Sie hier eine kleine, selbstverständlich nicht objektive Vorgeschichte lesen:
"Pro Köln" nennt sich Bürgerbewegung und hegt laut Verfassungsschutzbericht NRW 2005 "rechtsextreme Bestrebungen". Bei der Kommunalwahl 2004 kandidierte die Partei zum ersten Mal und gewann 4,7 %, somit hat sie vier Abgeordnete im Kölner Rat. Ein Vorstandsmitglied, Manfed Rouhs, ist Herausgeber des rechtsextremistischen Magazins "nation24". Das sind die, wo man "lesen, was die Massenmedien verschweigen" und außerdem unverhohlen Lieder von HJ-Chören bestellen kann.
Das Magazin von Manfred Rouhs finanziert mit seiner Anzeige die angebliche "Schülerzeitung". Der Herausgeber von "Objektiv" ist Martin Schöppe; er ist Oberstufenschüler und Pro Köln Bezirksvertreter. Die Druckerei von Bernd Schöppe hat das Heft gedruckt, dieser ist wiederum durch die Zusammenarbeit im Stadtrat sehr befreundet mit Manfred Rouhs. Martin Schöppe, vermutlich der einzige Schüler, der mit "Objektiv" zu tun hat, ist stolz, das Heft unabhängig und marktorientiert, nur anzeigenfinanziert herausgeben zu können. Dies ermöglicht ihm den Traum, "Objektiv" umsonst zu verteilen. Was auch geschah, in Rodenkirchen. Schüler und Lehrer waren empört und äußerten sich gegen die braune Hetze - um es nicht sehr objektiv wiederzugeben.

Ausriss aus 'Schülerzeitung Objektiv': unverholen rassistisch
Quelle: 'Objektiv'
Ansonsten gab es einige angewiderte, nichtsahnende, aber, wenn wir wieder einmal nicht objektiv sein dürfen, auch nicht gerade nachforschende Geschäftsleute, die nach öffentlicher Empörung ihre Anzeigen zurückgezogen hatten. Aber auch Anzeigen gerichtlicher Art handelte sich das Blatt ein: Die vielleicht kurioseste betraf das Foto einer Blondine mit dem Bildtext "deutsch ist geil", wobei die Schönheit tatsächlich ein tschechisches Modell ist und die "Schülerzeitung" kein Recht hatte, das Foto zu verwenden.
Lieblingsthema von "Pro Köln" und der "Schülerzeitung Objektiv" sind der Bau der angeblichen Großmoschee in Köln-Ehrenfeld. Die letzte Strafanzeige gegen die braune Gruppe stellte Ehrenfelds CDU-Chef Jörg Uckermann: Nachdem der Bezirkspolitiker noch im Frühjahr verbreiten ließ, dass angeblich "80% der Ehrenfelder gegen den Moscheebau" seien, zeigte er nun unlängst "Pro Köln" wegen Volksverhetzung an. Die rechtsextreme Gruppe hatte in ihren Veröffentlichungen einen der mutmaßlichen Bombenattentäter aus dem Libanon mit der türkischen DITIP-Gemeinde in Zusammenhang gebracht.
Der Ehrenfelder CDU-Politiker erschien uns deshalb als Quelle doch ein wenig zu widersprüchlich (hier weitere Hintergründe), und so unterhielt sich Carl Ewald mit Josef Wirges, Bezirksvorsteher der SPD im Kölner Stadtteil.
Interview: "Kein Gesinnungs-TÜV"
Herr Wirges, Sie wehren sich in der Bezirksvertretung Ehrenfeld gegen die rechtsradikalen Umtriebe von "Pro Köln" im Stadtbezirk. Könnten Sie uns die Hintergründe dazu erläutern?
Es ist ganz klar: Diese Gruppierung versucht Stimmen zu fangen. Letztendlich ist ihr Ziel ja nicht die Verhinderung eines Moscheebaus. Das ist gar nicht zu verhindern, weil das nur baurechtlich geprüft werden kann. Jeder Grundstücksbesitzer kann auf seinem eigenen Grund Umbau- oder Neubaumaßnahmen vornehmen. Und "Pro Köln" versucht nun durch seine Proteste an Stimmen zu kommen, damit sie bei der Kommunalwahl 2009 besser dastehen als bisher...
Der andere Aspekt ist natürlich die tendenzielle Fremdenfeindlichkeit - man kann auch sagen, der verkappte Rassismus, der dahintersteckt. Man muss wissen, wir hatten hier am 4. März einen Naziaufmarsch. Der fand nicht ohne Grund statt. An dem hat sich "Pro Köln" selbstverständlich nicht beteiligt, denn die spielen dann ja die Rolle der Biedermänner. Da herrscht eine gewisse Arbeitsteilung, zwischen der Neonazi-Gruppe Worch und Co. [1] und dieser Gruppierung, wobei die Querverbindungen allerdings offensichtlich sind. Ich verweise an dieser Stelle nur auf den Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen.
Ehrenfeld ist ein sehr multikulturelles Stadtviertel. Was bedeutet der Moscheebau für Ehrenfeld?

Josef Wirges, Vorsteher im Stadtbezirk Ehrenfeld
Foto: www.stadt-koeln.de
Ich werte das als eine Bereicherung! Grundsätzlich ist es ja so, dass diejenigen, die sich zur einer bestimmten Glaubensrichtung bekennen, selbstverständlich auch ihr Gotteshaus haben sollen. Punkt. Von daher haben sich auch die großen christlichen Kirchen dafür ausgesprochen, dass DITIP einen repräsentativen Moscheebau bekommt. Das heißt, dem Wunsch der Gläubigen muss man Rechnung tragen.
Seit über fünfundzwanzig Jahren sitzt die DITIP-Gemeinde bei uns in Ehrenfeld, da gab es noch kein "Pro Köln"... da gab es auch keine Beschwerden wegen Lärmbelästigung, dem Muezzinruf etc. Der Muezzinruf wird genauso laut oder leise sein, wie fünfundzwanzig Jahre vorher auch - das heißt, man hört ihn nicht! Man nimmt auch Rücksicht auf die umliegende Wohnbevölkerung. Des weiteren nimmt man Rücksicht auf die angrenzenden Sportplätze. Ich sage das, weil immer wieder kolportiert wurde, sie würden wegfallen und die armen Pänz könnten da nicht mehr spielen. Das ist auch Blödsinn! Das war wieder einmal nur eine Behauptung, um die Menschen gegen die Moschee aufzubringen.
Es gibt also keinen objektiven Grund gegen den Moschee-Neubau. Der einzige Grund ist ein politischer, nämlich dass eine Gruppierung, die sogenannten "Pro Kölner", versuchen, hiermit auf Stimmenfang zu gehen, um an die unterschwelligen rassistischen Befürchtungen mancher Zeitgenossen zu appellieren und die dann in Wählerstimmen umzumünzen.
Zuletzt hat "Pro Köln" ja versucht, den mutmaßlichen Bombenattentäter von Ehrenfeld und die DITIP-Moschee in Zusammenhang zu bringen...
Das ist durch einen Bildzeitungsartikel entstanden... "Pro Köln" hat diesen wortwörtlich abgedruckt und dann gefragt: "Stimmt es, dass potenzielle Gewalttäter regelmäßig in der Moschee verkehrten?!" Selbstverständlich kann - gemäß des Charakters von DITIP - jeder Mensch diese Moschee besuchen. Ich als Christ, als Atheist oder als gläubiger Moslem kann dort freitags zum Gebet erscheinen. Es wird dort kein Gesinnungscheck durchgeführt!
Es gibt außerdem genügend Beispiele, dass Menschen, die Schlimmes getan haben, in den Kölner Dom zum Beichten gegangen sind, und deshalb stellt man doch auch nicht die gesamte katholische Kirche unter Generalverdacht!
DITIP hat natürlich auch Vorkehrungen für die Zukunft getroffen, damit dort keine Extremisten, falls das erkennbar sein sollte, erscheinen. Aber grundsätzlich gilt die Glaubens- und Gewissensfreiheit. Das ist ja auch das Bezeichnende gerade an DITIP, die sagen: "Wir sind offen für alle Menschen, die zu uns kommen wollen..." Und deshalb findet dort kein Gesinnungs-TÜV statt. Deshalb ist der Zusammenhang, den "Pro Köln" herstellt, verwerflich und falsch!
Nur halte ich nichts davon, presserechtlich gegen die Bildzeitung vorzugehen oder "Pro Köln" zu verklagen... Man muss das politisch angehen und politisch lösen! Es gibt ein breites Bündnis aller Demokraten, von den Kirchen, über Jugendorganisationen der politischen Parteien bis hin zu Bürgervereinigungen, die sagen: Wir sind für den Bau der Moschee, und wir wollen hier keine Rechten in Ehrenfeld haben! Und es ist mir viel wichtiger, dass wir das der Bevölkerung deutlich machen, dass diese Gruppe hier nichts zu suchen hat. Es ist ja ohnehin schon eine Provokation, sich "Pro Köln" zu nennen: Das sind für mich rot-weiß lackierte Braune und weiter nichts!
Haben Sie einen Vorschlag, was das Zusammenleben der Kulturen im Stadtbezirk positiv fördern könnte - was können die einzelnen Bürger tun?

DITIP-Moschee - seit 25 Jahren auf Ehrenfelder Hinterhof
Foto: Carl H. Ewald
Das ist ja so, dass aufgrund dieser Flugblattaktion von "Pro Köln", manche bei mir anrufen und sagen: "Ja, wat is dann jetz mit dem Moscheebau... dat finden mer doch nit richtig... und außerdem in der Türkei werden die Christen verfolgt... und da muss man doch was machen... Ich bin jo keene Rechtsradikale, aber do ess Schluss..." Dann sage ich den Leuten, darüber können wir uns gerne mal unterhalten. Und es ist auch Aufgabe der politischen Kräfte im Bezirk, Aufklärungsarbeit zu leisten. Das geschieht schon, aber es muss verstärkt werden, damit die Menschen denen nicht auf den Leim gehen.
Dann muss man sagen: Erstens, was die "Christenverfolgung" anbetrifft, ist das objektiv falsch. Es wurde jetzt zuletzt z.B. in Antalya eine ökumenische Glaubensstätte errichtet... Das ist natürlich den meisten Menschen nicht bekannt! Problematisch finde ich die vielleicht noch etwas erklärungsbedürftigen Aussagen "unseres" Papstes hinsichtlich der Muslime. Darüber sollte man nachdenken...
Ich erinnere da im Besonderen an die Vorsitzende des Katholikenausschusses, die Frau Bartscherer, die mit klaren Worten gesagt hat, selbstverständlich müsse man auch darauf achten, dass in der Türkei auch die Rechte Andersgläubiger weiterhin gewahrt und ausgebaut würden. Aber das kann doch nicht heißen, falls es dort Probleme geben sollte, dass wir uns hier genauso verhalten, wie vielleicht in der Türkei! Es gibt die Glaubens- und Religionsfreiheit, und bitte schön, wir leben in einem demokratischen Gemeinwesen, da muss man das auch respektieren und beachten!
Vielen Dank für dieses Interview!
[1] Christian Worch ist einer der führenden Köpfe der militanten Neonazi-Szene in Deutschland und meldete den Naziaufmarsch in Köln-Ehrenfeld an.
Das ganze Interview im Original-Ton. (Mp3 - 7,7Mb)
Lesen Sie auch dazu aus der NRhZ ein Interview mit einem Repräsentanten der DITIP-Moschee und einen Aufruf des Kölner Appells!
Online-Flyer Nr. 62 vom 19.09.2006
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Rassistische Umtriebe in Köln-Ehrenfeld - Hintergrund und Interview
"Rot-weiß lackierte Braune"
Von Marilena Thanassoula und Carl H. Ewald
Machen Sie den Test mit! Worum geht es hier? "Freiheitlich patriotischer Standpunkt, ausländische Jugendkriminalität, Jessica und Ali, Patriotismus-Welle, orientalische Prachtbude, Deutsch ist geil, Multi-Kulti-Exzesse, Alte Breslauer Burschenschaft, Zigeuner, Jugendoffensive, Großmoschee". Als Bonusmaterial: "Köln soll nicht zum Spielplatz der 68er werden, ...lesen, was die Massenmedien verschweigen, ein wohltuender Ausgleich zu all den links-ideologisch eingefärbten Jugend- und Stadtmagazinen..."
Falls Sie die "Bürgerbewegung Pro Köln" und die selbsternannte "größte Schüler- und Jugendzeitung" in Köln, mit dem zynischen Namen "Objektiv" (erste Ausgabe im August 2006), nicht kennen, dann können Sie hier eine kleine, selbstverständlich nicht objektive Vorgeschichte lesen:
"Pro Köln" nennt sich Bürgerbewegung und hegt laut Verfassungsschutzbericht NRW 2005 "rechtsextreme Bestrebungen". Bei der Kommunalwahl 2004 kandidierte die Partei zum ersten Mal und gewann 4,7 %, somit hat sie vier Abgeordnete im Kölner Rat. Ein Vorstandsmitglied, Manfed Rouhs, ist Herausgeber des rechtsextremistischen Magazins "nation24". Das sind die, wo man "lesen, was die Massenmedien verschweigen" und außerdem unverhohlen Lieder von HJ-Chören bestellen kann.
Das Magazin von Manfred Rouhs finanziert mit seiner Anzeige die angebliche "Schülerzeitung". Der Herausgeber von "Objektiv" ist Martin Schöppe; er ist Oberstufenschüler und Pro Köln Bezirksvertreter. Die Druckerei von Bernd Schöppe hat das Heft gedruckt, dieser ist wiederum durch die Zusammenarbeit im Stadtrat sehr befreundet mit Manfred Rouhs. Martin Schöppe, vermutlich der einzige Schüler, der mit "Objektiv" zu tun hat, ist stolz, das Heft unabhängig und marktorientiert, nur anzeigenfinanziert herausgeben zu können. Dies ermöglicht ihm den Traum, "Objektiv" umsonst zu verteilen. Was auch geschah, in Rodenkirchen. Schüler und Lehrer waren empört und äußerten sich gegen die braune Hetze - um es nicht sehr objektiv wiederzugeben.
Ausriss aus 'Schülerzeitung Objektiv': unverholen rassistisch
Quelle: 'Objektiv'
Ansonsten gab es einige angewiderte, nichtsahnende, aber, wenn wir wieder einmal nicht objektiv sein dürfen, auch nicht gerade nachforschende Geschäftsleute, die nach öffentlicher Empörung ihre Anzeigen zurückgezogen hatten. Aber auch Anzeigen gerichtlicher Art handelte sich das Blatt ein: Die vielleicht kurioseste betraf das Foto einer Blondine mit dem Bildtext "deutsch ist geil", wobei die Schönheit tatsächlich ein tschechisches Modell ist und die "Schülerzeitung" kein Recht hatte, das Foto zu verwenden.
Lieblingsthema von "Pro Köln" und der "Schülerzeitung Objektiv" sind der Bau der angeblichen Großmoschee in Köln-Ehrenfeld. Die letzte Strafanzeige gegen die braune Gruppe stellte Ehrenfelds CDU-Chef Jörg Uckermann: Nachdem der Bezirkspolitiker noch im Frühjahr verbreiten ließ, dass angeblich "80% der Ehrenfelder gegen den Moscheebau" seien, zeigte er nun unlängst "Pro Köln" wegen Volksverhetzung an. Die rechtsextreme Gruppe hatte in ihren Veröffentlichungen einen der mutmaßlichen Bombenattentäter aus dem Libanon mit der türkischen DITIP-Gemeinde in Zusammenhang gebracht.
Der Ehrenfelder CDU-Politiker erschien uns deshalb als Quelle doch ein wenig zu widersprüchlich (hier weitere Hintergründe), und so unterhielt sich Carl Ewald mit Josef Wirges, Bezirksvorsteher der SPD im Kölner Stadtteil.
Interview: "Kein Gesinnungs-TÜV"
Herr Wirges, Sie wehren sich in der Bezirksvertretung Ehrenfeld gegen die rechtsradikalen Umtriebe von "Pro Köln" im Stadtbezirk. Könnten Sie uns die Hintergründe dazu erläutern?
Es ist ganz klar: Diese Gruppierung versucht Stimmen zu fangen. Letztendlich ist ihr Ziel ja nicht die Verhinderung eines Moscheebaus. Das ist gar nicht zu verhindern, weil das nur baurechtlich geprüft werden kann. Jeder Grundstücksbesitzer kann auf seinem eigenen Grund Umbau- oder Neubaumaßnahmen vornehmen. Und "Pro Köln" versucht nun durch seine Proteste an Stimmen zu kommen, damit sie bei der Kommunalwahl 2009 besser dastehen als bisher...
Der andere Aspekt ist natürlich die tendenzielle Fremdenfeindlichkeit - man kann auch sagen, der verkappte Rassismus, der dahintersteckt. Man muss wissen, wir hatten hier am 4. März einen Naziaufmarsch. Der fand nicht ohne Grund statt. An dem hat sich "Pro Köln" selbstverständlich nicht beteiligt, denn die spielen dann ja die Rolle der Biedermänner. Da herrscht eine gewisse Arbeitsteilung, zwischen der Neonazi-Gruppe Worch und Co. [1] und dieser Gruppierung, wobei die Querverbindungen allerdings offensichtlich sind. Ich verweise an dieser Stelle nur auf den Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen.
Ehrenfeld ist ein sehr multikulturelles Stadtviertel. Was bedeutet der Moscheebau für Ehrenfeld?
Josef Wirges, Vorsteher im Stadtbezirk Ehrenfeld
Foto: www.stadt-koeln.de
Ich werte das als eine Bereicherung! Grundsätzlich ist es ja so, dass diejenigen, die sich zur einer bestimmten Glaubensrichtung bekennen, selbstverständlich auch ihr Gotteshaus haben sollen. Punkt. Von daher haben sich auch die großen christlichen Kirchen dafür ausgesprochen, dass DITIP einen repräsentativen Moscheebau bekommt. Das heißt, dem Wunsch der Gläubigen muss man Rechnung tragen.
Seit über fünfundzwanzig Jahren sitzt die DITIP-Gemeinde bei uns in Ehrenfeld, da gab es noch kein "Pro Köln"... da gab es auch keine Beschwerden wegen Lärmbelästigung, dem Muezzinruf etc. Der Muezzinruf wird genauso laut oder leise sein, wie fünfundzwanzig Jahre vorher auch - das heißt, man hört ihn nicht! Man nimmt auch Rücksicht auf die umliegende Wohnbevölkerung. Des weiteren nimmt man Rücksicht auf die angrenzenden Sportplätze. Ich sage das, weil immer wieder kolportiert wurde, sie würden wegfallen und die armen Pänz könnten da nicht mehr spielen. Das ist auch Blödsinn! Das war wieder einmal nur eine Behauptung, um die Menschen gegen die Moschee aufzubringen.
Es gibt also keinen objektiven Grund gegen den Moschee-Neubau. Der einzige Grund ist ein politischer, nämlich dass eine Gruppierung, die sogenannten "Pro Kölner", versuchen, hiermit auf Stimmenfang zu gehen, um an die unterschwelligen rassistischen Befürchtungen mancher Zeitgenossen zu appellieren und die dann in Wählerstimmen umzumünzen.
Zuletzt hat "Pro Köln" ja versucht, den mutmaßlichen Bombenattentäter von Ehrenfeld und die DITIP-Moschee in Zusammenhang zu bringen...
Das ist durch einen Bildzeitungsartikel entstanden... "Pro Köln" hat diesen wortwörtlich abgedruckt und dann gefragt: "Stimmt es, dass potenzielle Gewalttäter regelmäßig in der Moschee verkehrten?!" Selbstverständlich kann - gemäß des Charakters von DITIP - jeder Mensch diese Moschee besuchen. Ich als Christ, als Atheist oder als gläubiger Moslem kann dort freitags zum Gebet erscheinen. Es wird dort kein Gesinnungscheck durchgeführt!
Es gibt außerdem genügend Beispiele, dass Menschen, die Schlimmes getan haben, in den Kölner Dom zum Beichten gegangen sind, und deshalb stellt man doch auch nicht die gesamte katholische Kirche unter Generalverdacht!
DITIP hat natürlich auch Vorkehrungen für die Zukunft getroffen, damit dort keine Extremisten, falls das erkennbar sein sollte, erscheinen. Aber grundsätzlich gilt die Glaubens- und Gewissensfreiheit. Das ist ja auch das Bezeichnende gerade an DITIP, die sagen: "Wir sind offen für alle Menschen, die zu uns kommen wollen..." Und deshalb findet dort kein Gesinnungs-TÜV statt. Deshalb ist der Zusammenhang, den "Pro Köln" herstellt, verwerflich und falsch!
Nur halte ich nichts davon, presserechtlich gegen die Bildzeitung vorzugehen oder "Pro Köln" zu verklagen... Man muss das politisch angehen und politisch lösen! Es gibt ein breites Bündnis aller Demokraten, von den Kirchen, über Jugendorganisationen der politischen Parteien bis hin zu Bürgervereinigungen, die sagen: Wir sind für den Bau der Moschee, und wir wollen hier keine Rechten in Ehrenfeld haben! Und es ist mir viel wichtiger, dass wir das der Bevölkerung deutlich machen, dass diese Gruppe hier nichts zu suchen hat. Es ist ja ohnehin schon eine Provokation, sich "Pro Köln" zu nennen: Das sind für mich rot-weiß lackierte Braune und weiter nichts!
Haben Sie einen Vorschlag, was das Zusammenleben der Kulturen im Stadtbezirk positiv fördern könnte - was können die einzelnen Bürger tun?
DITIP-Moschee - seit 25 Jahren auf Ehrenfelder Hinterhof
Foto: Carl H. Ewald
Das ist ja so, dass aufgrund dieser Flugblattaktion von "Pro Köln", manche bei mir anrufen und sagen: "Ja, wat is dann jetz mit dem Moscheebau... dat finden mer doch nit richtig... und außerdem in der Türkei werden die Christen verfolgt... und da muss man doch was machen... Ich bin jo keene Rechtsradikale, aber do ess Schluss..." Dann sage ich den Leuten, darüber können wir uns gerne mal unterhalten. Und es ist auch Aufgabe der politischen Kräfte im Bezirk, Aufklärungsarbeit zu leisten. Das geschieht schon, aber es muss verstärkt werden, damit die Menschen denen nicht auf den Leim gehen.
Dann muss man sagen: Erstens, was die "Christenverfolgung" anbetrifft, ist das objektiv falsch. Es wurde jetzt zuletzt z.B. in Antalya eine ökumenische Glaubensstätte errichtet... Das ist natürlich den meisten Menschen nicht bekannt! Problematisch finde ich die vielleicht noch etwas erklärungsbedürftigen Aussagen "unseres" Papstes hinsichtlich der Muslime. Darüber sollte man nachdenken...
Ich erinnere da im Besonderen an die Vorsitzende des Katholikenausschusses, die Frau Bartscherer, die mit klaren Worten gesagt hat, selbstverständlich müsse man auch darauf achten, dass in der Türkei auch die Rechte Andersgläubiger weiterhin gewahrt und ausgebaut würden. Aber das kann doch nicht heißen, falls es dort Probleme geben sollte, dass wir uns hier genauso verhalten, wie vielleicht in der Türkei! Es gibt die Glaubens- und Religionsfreiheit, und bitte schön, wir leben in einem demokratischen Gemeinwesen, da muss man das auch respektieren und beachten!
Vielen Dank für dieses Interview!
[1] Christian Worch ist einer der führenden Köpfe der militanten Neonazi-Szene in Deutschland und meldete den Naziaufmarsch in Köln-Ehrenfeld an.
Das ganze Interview im Original-Ton. (Mp3 - 7,7Mb)
Lesen Sie auch dazu aus der NRhZ ein Interview mit einem Repräsentanten der DITIP-Moschee und einen Aufruf des Kölner Appells!
Online-Flyer Nr. 62 vom 19.09.2006
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