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Aktueller Online-Flyer vom 03. Dezember 2020  

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Aktuelles
Kundgebung im Rahmen der Verleihung des Kölner Karlspreises an Sabiene Jahn und Julian Assange, Köln, 16.10.2020
Ganze Pandemien aus gefährlichen Gedanken
Von Ansgar Schneider

In Kooperation mit Assange-Aktionsgruppen und dem Bundesverband Arbeiterfotografie hat die NRhZ am 16. Oktober 2020 den Kölner Karlspreis für Engagierte Literatur und Publizistik an die Eventmanagerin und Künstlerin Sabiene Jahn und den WikiLeaks-Gründer Julian Assange verliehen. Stellvertretend für den inhaftierten Julian Assange hat sein Vater John Shipton den Preis entgegengenommen. Die Preisübergabe fand im Rahmen einer ca. 55-stündigen Mahnwache für die Freilassung von Julian Assange statt – verbunden mit der Präsentation der Skulptur "ANYTHINGTOSAY?" des italienischen Künstlers Davide Dormino (drei Stühle, auf denen Edward Snowden, Julian Assange und Bradley/Chelsea Manning stehen, und ein freier Stuhl, auf den sich stellen kann, wer dazu etwas zu sagen hat) – unmittelbar vor dem Kölner Dom. Im Rahmen der Einweihungskundgebung am 16. Oktober 2020 sprach Dr. Ansgar Schneider (Mathematiker, Physiker und Autor von "Stigmatisierung statt Aufklärung"). Seine Rede ist nachfolgend wiedergegeben.


Ansgar Schneider auf dem Stuhl der Skulptur ANYTHINGTOSAY? von Davide Dormino (Fotos: arbeiterfotografie.com)


Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, liebe besorgte Bürger!

Ich möchte etwas sagen zu den dreien, die hier neben mir stehen, und über die Gesellschaft, in der wir vier leben und die so oft mißverstanden wird. Chelsea Manning, Julian Assange und Edward Snowden haben etwas gemeinsam. Sie sind gefährlich. – Sie sind gefährlich, weil sie infiziert sind mit einem gefährlichen Gedanken. Der gefährliche Gedanke, mit dem die drei infiziert sind, ist, daß die Regierung etwas zu verbergen hat, etwas verbergen will. Doch die Regierung weiß sehr gut, was sie zu kommunizieren hat und was nicht. Sie handelt stets zum Wohle aller! Blühende Landschaften sind in Afghanistan, im Irak, in Libyen entstanden – überall dort, wo sich die Regierung für Frieden, Freiheit und Menschenrechte eingesetzt hat. Wir danken der Regierung für diesen Einsatz. Gefährliche Gedanken können das Vertrauen, das die Regierung in uns setzt, leicht verspielen. Wir können verspieltes Vertrauen nicht zurückgewinnen, aber wir können unser Vertrauen in die Regierung stärken.

Beziehungen zwischen Untergebenen und Regenten funktionieren nur, wenn die Untergebenen Vertrauen vorschießen. Und funktionierende Beziehungen stillen unser Bedürfnis nach Geborgenheit, nach Schutz und Liebe. Wir müssen vertrauen. Denn nur das Vertrauen in die Regierung wird uns Schutz bieten, vor dem, was uns bevorsteht. Und was steht uns bevor? – Ganze Pandemien aus gefährlichen Gedanken! Gefährliche Gedanken breiten sich ungehindert aus, wenn wir die Menschen nicht davor schützen. Wir müssen die Menschen vor gefährlichen Gedanken schützen! So schaffen wir eine schöne neue Normalität, frei von Pandemien aus gefährlichen Gedanken.

Und wir sind zuversichtlich, denn wir haben die Mittel gegen solche Pandemien: Dazu gehören gut aufgestellte Behörden, die mit einer umfassenden digitalen Präsenz in allen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens gefährliche Gedanken frühzeitig erkennen, damit sich Super-Spreader gefährlicher Gedanken erst gar nicht entwickeln können. Behandlungsmethoden in akuten Fällen und auch Impfstoffe für die Massen stehen bereit und sind unter Aufsicht erfahrener Experten bereits im Einsatz. Nach einem Befall durch gefährlichen Gedanken ist eine Behandlung im Rahmen einer ausgewogenen staatlichen Betreuung zum Schutz der selbstzerstörerischen Individuen vor sich selbst und zum Wohle aller eine wichtige Ergänzung für unser solidarisches Miteinander. So sind wir alle beruhigt, daß Julian von Staatswegen betreut wird und sein erbärmlicher mentaler Zustand nicht suizidal endet. Danken wir also der Regierung für die Betreuung. Wir werden diese schwierige Zeit gemeinsam bewältigen.


Ansgar Schneider

Wir müssen auch vermehrt Impfen. Wir haben einen langerprobten und zuverlässigen kognitiven Impfstoff, der für jeden willigen Bürger einen sicheren Schutz vor gefährlichen Gedanken bietet. Der polymorphe Wirkstoff dieser Impfung ist im Zentralregister der Bundeszentrale für politische Bildung eingetragen unter firmiert dort unter dem Namen »Verschwörungstheorie« [2,3]. So sollten wir heute mit großem Zuspruch den selbstlosen Einsatz von Tatjana Hörnle zur Kenntnis nehmen: Sie ist Direktorin am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht in Freiburg und beteiligte sich am 20. Februar 2020 vorbildlich an der notwendigen Massenimpfungskampagne: Sie stellte dazu in der Neuen Zürcher Zeitung fest, daß Julian ein »wenig glaubwürdiges Opfer einer großen Verschwörung« sei, um dann die Äußerungen des UN-Sonderberichterstatters Nils Melzer über das staatliche Vorgehen in Julians Fall als »Theorie der großen Verschwörung« und schließlich als »Verschwörungstheorie« zu bezeichnen [4]. Danke, Tatjana Hörnle, für die anständige Haltung. Du bist ein guter Untertan. Danke für das Vertrauen in die Regierung, das wir jetzt alle brauchen.


Quellen:

[1] www.anythingtosay.com/

[2] Siehe dazu: Ansgar Schneider: Der heilige Gral der Gegenaufklärung, Multipolar, 11. September 2020, https://multipolar-magazin.de/artikel/der-heilige-gral
[3] Siehe auch: Ansgar Schneider: Wissenschaft und Gesellschaftliche Leugnung, Vortrag für die Gruppe 42, Wien, 12. Dezember 2019, online erschienen am 8. Januar 2020, ab 1h 34min 8sec, https://www.youtube.com/watch?v=ICgr-Lg7Yvw&t=5648
[4] Orthographie angepaßt. Tatjana Hörnle: Julian Assange ist ein wenig glaubwürdiges Opfer einer grossen Verschwörung, NZZ, 20. Februar 2020, https://www.nzz.ch/international/julian-assange-ist-ein-wenig-glaubwuerdiges-opfer-einer-grossen-verschwoerung-ld.1541522


Ansgar Schneider studierte Physik und promovierte in Mathematik. Seine anschließenden Tätigkeiten in Lehre und Forschung führten ihn an verschiedene Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen im In- und Ausland. In seinem 2018 erschienen Buch Stigmatisierung statt Aufklärung erklärt er allgemeinverständlich die wissenschaftlichen Grundlagen der Zerstörung des World Trade Centers.


Siehe auch:

Kölner Karlspreis für Engagierte Literatur und Publizistik verliehen an Eventmanagerin und Künstlerin Sabiene Jahn und WikiLeaks-Gründer Julian Assange
Für aufrechten, wahrheitsgemäßen Journalismus
Von NRhZ-Redaktion
NRhZ 755 vom 23.10.2020
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=27065

Fotogalerie
Mahnwache "Freiheit für Julian Assange" mit Skulptur "ANYTHINGTOSAY?" und Karlspreis-Verleihung an Sabiene Jahn und Julian Assange, Köln, 16. bis 18.10.2020
"Wir sind das Immunsystem der Demokratie"
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
NRhZ 755 vom 23.10.2020
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=27089

Filmclip
Kundgebung im Rahmen der Verleihung des Kölner Karlspreis an Sabiene Jahn und Julian Assange, Köln, 16.10.2020
john shipton ::: we bring julian home ::: on your shoulders
Von Arbeiterfotografie
NRhZ 755 vom 24.10.2020
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=27092

Kundgebung im Rahmen der Verleihung des Kölner Karlspreises an Sabiene Jahn und Julian Assange, Köln, 16.10.2020
Ein Titan, ein Held unserer Kultur, der den Göttern trotzt
Von Davide Dormino (Bildhauer von ANYTHINGTOSAY?)
NRhZ 755 vom 23.10.2020
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=27066

Kundgebung im Rahmen der Verleihung des Kölner Karlspreises an Sabiene Jahn und Julian Assange, Köln, 16.10.2020
Foltern und die Guten sein?
Von Patrick Bradatsch und Claudia Daseking
NRhZ 755 vom 23.10.2020
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=27067

Kundgebung im Rahmen der Verleihung des Kölner Karlspreis an Sabiene Jahn und Julian Assange, Köln, 16.10.2020
Befreit Julian Assange! Befreit die Presse!
Von John Shipton (Vater von Julian Assange)
NRhZ 755 vom 23.10.2020
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=27068

Kundgebung im Rahmen der Verleihung des Kölner Karlspreises an Sabiene Jahn und Julian Assange, Köln, 16.10.2020
Macht korrumpiert, wenn sie nicht überwacht wird
Von Annette Groth
NRhZ 755 vom 23.10.2020
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=27069

Kundgebung im Rahmen der Verleihung des Kölner Karlspreises an Sabiene Jahn und Julian Assange, Köln, 16.10.2020
Wir werden nicht locker lassen
Von Hermann Ploppa
NRhZ 755 vom 23.10.2020
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=27070

Benefizversteigerung der Galerie Arbeiterfotografie in den Kunsträumen der Michael Horbach Stiftung, Köln, 13./14.11.2020
IMAGINEartists4assange
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
NRhZ 755 vom 23.10.2020
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=27091

Ankündigung
Kölner Karlspreis an Sabiene Jahn und Julian Assange, Köln, 16. Oktober 2020
Wider das Schweigen: Anything to say?
Von NRhZ-Redaktion
NRhZ 754 vom 30.09.2020
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=27063




Online-Flyer Nr. 755  vom 23.10.2020

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