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Aktueller Online-Flyer vom 29. September 2020  

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75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs und Befreiung vom Hitlerfaschismus
"Frieden mit Russland! Raus aus der NATO!"
Von Arbeiterfotografie

"Liebe Anwesende, liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde, wir halten mit unserer heutigen Ehrung die Erinnerung an die Befreiung am 8. Mai 1945 wach, und wir danken den Befreiern, den sowjetischen Soldaten. Die Herrschenden hierzulande tun sich damit schwer, vor allem mit der Anerkennung der Rolle der Sowjetunion, mit der Anerkennung der Rolle der Roten Armee bei der Befreiung vom Faschismus. Ja, sie setzen alles daran, diese Rolle zu negieren, in ihr Gegenteil zu verkehren. Das ist nicht geschichtsvergessen, wie manche meinen – nein, es hat zum Ziel, die Geschichte, die Geschichtsschreibung zu revidieren, die wahren Geschehnisse vergessen zu machen." Mit diesen Worten beginnt Barbara Majd Amin ihre Rede zum Umgang mit der historischen Rolle der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg – vorgetragen am 8. Mai 2020 in Berlin-Tiergarten. "Leider werden diese Tatsachen bis heute nicht gewürdigt. Im Gegenteil: Russland wird zunehmend wieder als Bedrohung und als Feind hingestellt – nicht von der Mehrheit der Bevölkerung – das will ich hier betonen –, aber von einem Großteil der Herrschenden einschließlich der großen Medien." Das sagt Hartmut Drewes am Gräberfeld NN auf dem Osterholzer Friedhof in Bremen am 8. Mai 2020. "Frieden mit Russland! Raus aus der NATO!" sind deshalb Forderungen, die am 9. Mai 2020, 75 Jahre, nachdem Stalin die Sowjetunion zum Sieg über den Hitler-Faschismus geführt hat, erhoben werden. Ergänzen ließen sie sich durch: NATO raus! Das heißt Verbannung der US/NATO-Kriegsmaschinerie aus Deutschland durch Kündigung des Truppenstationierungsvertrags. Die NRhZ dokumentiert die Gedenkfeierlichkeiten am 8. und 9. Mai 2020 in Berlin, Bremen und Köln mit Fotos der Arbeiterfotografie.


Bremen, 8. Mai 2020, Osterholzer Friedhof – alle Fotos: arbeiterfotografie.com (Anneliese Fikentscher, Senne Glanschneider, Ingrid Koschmieder, Georg Maria Vormschlag)


Bremen, 8. Mai 2020, Osterholzer Friedhof


Bremen, 8. Mai 2020, Osterholzer Friedhof


Bremen, 8. Mai 2020, Osterholzer Friedhof


Bremen, 8. Mai 2020, Osterholzer Friedhof


Bremen, 8. Mai 2020, Osterholzer Friedhof


Bremen, 8. Mai 2020, Osterholzer Friedhof – „Deutsch-Russische-Friedenstage Bremen e.V..“


Berlin, 8. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal in Berlin-Tiergarten


Berlin, 8. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal in Berlin-Tiergarten – Moderation: Jutta Kausch-Henken


Berlin, 8. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal in Berlin-Tiergarten – Barbara Majd Amin spricht (rechts) – „Wir danken den sowjetischen Soldaten für die Befreiung vom Faschismus“


Berlin, 8. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal in Berlin-Tiergarten – Pablo Miró singt


Berlin, 8. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal in Berlin-Tiergarten – Pablo Miró singt – „Nein zu Kriegsmanövern! Stopp Defender 2020! Ja zu Frieden mit Russland, Entspannungspolitik und Abrüstung“


Berlin, 8. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal in Berlin-Tiergarten


Berlin, 8. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal in Berlin-Tiergarten – "Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!"


Berlin, 9. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park


Berlin, 9. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park


Berlin, 9. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park – „Frieden mit Russland! Raus aus der NATO!“


Berlin, 9. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park


Berlin, 9. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park


Berlin, 9. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park – „Hanna Podymachina (26.2.1924 - 16.4.2013) - Im Sommer 1934 flüchtet die zehnjährige Hanna mit ihrer Mutter und ihrem Bruder nach Kopenhagen. Von dort emigrierte sie in die Sowjetunion. Im Herbst 1942 ging die 18-jährige Hanna Bernstein an die Front. Sie begleitete die sowjetische Armee auf ihrem Weg von der Ukraine bis nach Wien, wo sie im April 1945 das Kriegsende erlebte.“


Berlin, 9. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park


Berlin, 9. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park


Berlin, 9. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park


Berlin, 9. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park – „Freundschaft“


Berlin, 9. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park


Berlin, 9. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park


Berlin, 9. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park


Berlin, 9. Mai 2020, Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park


Köln-Kalk, 9. Mai 2020, Grabstätte für 37 sowjetische Opfer des Zweiten Weltkriegs


Köln-Kalk, 9. Mai 2020, Grabstätte für 37 sowjetische Opfer des Zweiten Weltkriegs – Inschrift „Wir werden unsere Genossen, die in faschistischen Zwangslagern umgekommen sind, in ewiger Erinnerung behalten – 1941-1945“


Köln-Kalk, 9. Mai 2020, Grabstätte für 37 sowjetische Opfer des Zweiten Weltkriegs – „75 Jahre Sieg“


Köln-Kalk, 9. Mai 2020, Grabstätte für 37 sowjetische Opfer des Zweiten Weltkriegs


Köln-Kalk, 9. Mai 2020, Grabstätte für 37 sowjetische Opfer des Zweiten Weltkriegs


Köln-Kalk, 9. Mai 2020, Grabstätte für 37 sowjetische Opfer des Zweiten Weltkriegs


Köln-Kalk, 9. Mai 2020, Grabstätte für 37 sowjetische Opfer des Zweiten Weltkriegs


Köln-Kalk, 9. Mai 2020, Grabstätte für 37 sowjetische Opfer des Zweiten Weltkriegs


Köln-Kalk, 9. Mai 2020, Grabstätte für 37 sowjetische Opfer des Zweiten Weltkriegs


Köln-Kalk, 9. Mai 2020, Grabstätte für 37 sowjetische Opfer des Zweiten Weltkriegs – „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf“


Köln-Kalk, 9. Mai 2020, Grabstätte für 37 sowjetische Opfer des Zweiten Weltkriegs


Ansprache von Hartmut Drewes am Gräberfeld NN auf dem Osterholzer Friedhof, Bremen, 8. Mai 2020


Liebe Freundinnen und Freunde vom Verein „Deutsch-Russische Friedenstage Bremen“, liebe Gäste, nur eine kleine Gruppe kann sich heute hier zu einer Kranzniederlegung am Gräberfeld „NN, Ausländische Kriegsopfer“ treffen. Die Bezeichnung „Ausländische Kriegsopfer“ ist eine Verharmlosung. In Wahrheit sind diese in Bremen umgekommenen Menschen, zu einem sehr großen Teil sowjetische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Ermordete, ja Ermordete. Der deutsche Faschismus begann gleich nach dem Überfall auf die Sowjetunion mit dem Plan, Russland bis zum Ural von deutschen Siedlern zu kolonisieren und dabei mindestens 30 Millionen Menschen umkommen zu lassen. Das steht schwarz auf weiß in einem Dokument des deutschen Staatssekretärs Herbert Backe aus dem Jahr 1941. Die sowjetischen Kriegsgefangenen ließ man zu großen Teilen verhungern.

Die sowjetischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter erhielten besonders kleine Essensrationen: Eine Tagesration bestand aus 125 gr. Brot, einen Würfel Margarine und abends noch ein Liter Suppe, ohne Kartoffeln, ohne Fleisch; nur ein paar Erbsen oder Bohnen, manchmal auch nur ein paar Kartoffelschalen. Und das bei einem Arbeitstag von 13 Stunden, auch am Sonntag.

Zum Teil wurden diejenigen, die das nicht durchhielten, nahe beim Lager in Massengräbern verscharrt. Zugleich wurden der sowjetischen Bevölkerung in den besetzten Gebieten ihre eigenen Lebensmittel entzogen und sie der Wehrmacht und der deutschen Bevölkerung zugeführt. Auch die Belagerung Leningrads hatte zum Ziel, die Bevölkerung auszuhungern.

Bei Interviews zur Nazizeit erzählte ein Oslebshauser, dass er als Junge einen russischen Zwangsarbeiter von ihrer Schweineabfallgrube verjagt habe, in der sich eingesäuerte Kartoffelschalen befanden. Sein Vater, ein Arbeiter auf der Stahlhütte, sah das und hat seinen Sohn so verprügelt, dass der Sohn dachte, er schlüge ihn tot.

Er war vorher von seinem Vater nie geschlagen worden. Der Vater sagte ihm: „Wer sowas isst, den jagt man nicht weg. Der muss doch wohl Hunger haben. “ Und der Sohn fügte uns hinzu: „Wir hatten in der Schule gelernt, dass das Untermenschen, Menschen dritter Klasse waren.“ In einer Befragung des Magazins DER SPIEGEL zu 1945 wurde ein ehemaliger sowjetischer Besatzungsoffizier nach der Zeit befragt. Und er sagte: „Die meisten deutschen Wörter, die ich kannte, habe ich vergessen, Das Wort ‘Untermensch‘ nicht.“

Wir gedenken hier der 27 Millionen Toten, die der Zweite Weltkrieg der Sowjetunion gekostet hat. 71 000 Städte und Dörfer wurden vernichtet. Zugleich denken wir auch an die Demütigung, die diese Millionen Menschen erfahren mussten. Dieser verbrecherische Krieg gegen die Sowjetunion war neben dem Judenmord der zweite Holocaust.

Umso bewundernswerter ist es, dass die Rote Armee und die Völker der Sowjetunion diese Leistung erbracht haben, die Wehrmacht aus ihrem Land zu vertreiben, und den wesentlichen Beitrag zur Befreiung der Völker Europas, auch des deutschen Volkes, zu bringen. Noch mehr: Sowjets haben gleich nach der Eroberung Berlins dafür gesorgt, dass die deutsche Bevölkerung zu essen bekam, obgleich sie selbst nicht genug hatten. Der Hamburger Literat Ralph Giordano hat einmal gesagt: „Wenn der Russe nach der Regel verfahren wäre, Auge um Auge, Zahn um Zahn“, dann wäre von Deutschland nichts geblieben.

Leider werden diese Tatsachen bis heute nicht gewürdigt. Im Gegenteil: Russland wird zunehmend wieder als Bedrohung und als Feind hingestellt, nicht von der Mehrheit der Bevölkerung – das will ich hier betonen -, aber von einem Großteil der Herrschenden einschließlich der großen Medien.

Deutschland militarisiert, rüstet weiter auf, nimmt an riesigen Manövern teil, wie jetzt an „Defender 2020,“ hält an der atomaren Teilhabe fest, ja, hat Truppen an der Grenze Russlands stehen, nur 150 Kilometer von St. Petersburg entfernt – alles mit der Begründung einer russischen Bedrohung und der Staatspräsident Russlands wird aus dem Kreis unserer herrschenden Politik und der Medien ständig an den Pranger gestellt.

Zum Verhalten der Regierung in Berlin hat der deutsche Historiker Götz Aly ein klares Wort gesprochen: „Es war die Sowjetarmee, die die Deutschen von den Nationalsozialisten befreit hat. Die deutsche Politik kann sich nicht überwinden, Russland zu danken. Das ist eine Schande.“

Ich schließe eine Frage an, die der Bremer Hochschullehrer Lothar Peter kürzlich am Ende eines Leserbriefes zu diesem Thema gestellt hat: „Wäre nicht gegenüber Russland, wie gegenüber anderen Völkern und Ländern auch, eine Erinnerungskultur notwendig, die dazu beiträgt, das sich das vom russischen Volk erlittene unermessliche Leid nie wiederholt und damit auch Deutschland zukünftig von den apokalyptischen Folgen eines Krieges verschont bleibt?“

Die „Deutsch-Russischen Friedenstage“ haben begonnen, in ihrer Arbeit dazu einen Beitrag zu leisten, um ein gutes Verhältnis zu Russland zu fördern, ein friedliches und freundschaftliches Verhältnis. Das dient nicht nur Deutschland, das dient Europa, das dient dem Frieden der Welt. „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“


Barbara Majd Amin: Anmerkungen zum Umgang mit der historischen Rolle der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg - vorgetragen am 8. Mai 2020 in Berlin-Tiergarten

Liebe Anwesende, liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde, wir halten mit unserer heutigen Ehrung die Erinnerung an die Befreiung am 8. Mai 1945 wach, und wir danken den Befreiern, den sowjetischen Soldaten.

Die Herrschenden hierzulande tun sich damit schwer, vor allem mit der Anerkennung der Rolle der Sowjetunion, mit der Anerkennung der Rolle der Roten Armee bei der Befreiung vom Faschismus. Ja, sie setzen alles daran, diese Rolle zu negieren, in ihr Gegenteil zu verkehren. Das ist nicht geschichtsvergessen, wie manche meinen – nein, es hat zum Ziel, die Geschichte, die Geschichtsschreibung zu revidieren, die wahren Geschehnisse vergessen zu machen.

So fanden z.B. die Feiern zum 75. Jahrestag der Landung der Westalliierten in der Normandie im Juni letzten Jahres ohne den russischen Präsidenten statt – er war nicht eingeladen, so als sei die Sowjetunion kein Teil der Anti-Hitler-Koalition gewesen. Zudem wird dieser sog. D-Day häufig als Wendepunkt des Krieges, als Anfang vom Ende des Hitlerfaschismus bezeichnet, als habe es nicht zuvor den Sieg der Roten Armee in Stalingrad gegeben, unter ungeheuren Opfern der sowjetischen Soldaten erkämpft.

Die ungeheuerlichste Geschichtslüge hat unlängst das EU-Parlament beschlossen: In seiner Entschließung mit der Bezeichnung "Zur Bedeutung des euroäischen Geschichtsbewusstseins für die Zukunft Europas" – in dieser Entschließung wird die deutsche Schuld am Zweiten Weltkrieg nicht nur relativiert, sondern die Sowjetunion wird zum gleichermaßen Schuldigen an diesem Raub- und Vernichtungskrieg erklärt. Nicht mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. 9. 1939 habe der Krieg begonnen, sondern mit dem Nichtangriffsvertrag zwischen Hitler-Deutschland und der Sowjetunion, der einige Tage zuvor unterzeichnet worden war.

Die EU-Parlamentarier haben damit nicht nur die gesamte Vorgeschichte des Krieges ausgeblendet, u.a. das Münchner Abkommen, die Appeasementpolitik des Westens, die vergeblichen Bemühungen der Sowjetunion, ein Militärbündnis mit England, den USA und Frankreich zur Abwehr des drohenden Krieges einzugehen.

Sie haben mit ihrer Entschließung den Unterschied zwischen Opfern und Tätern eingeebnet, ja sie haben die Opfer zu Tätern gemacht. Dagegen protestieren wir aufs Schärfste! Welchem Zweck diese Geschichtslügen dienen, liegt auf der Hand: Sie dienen der Zementierung des Feindbildes Russland. Dieses Feindbild muss heute dafür herhalten, die Konfrontation und die Sanktionen gegen Russland und die Aufrüstungspläne für die Bundeswehr und das NATO-Bündnis zu begründen.

Mit unserer Kundgebung danken wir den Befreiern und fordern für das Heute, für unser aller Zukunft: Nein zu Aufrüstung und Kriegsdrohung! Nein zum Krieg! Frieden mit Russland!


Lühr Henken (Friedenskoordination Berlin) - vorgetragen am 8. Mai 2020 in Berlin-Tiergarten


Liebe Freundinnen und Freunde, von dieser Stadt ging die Planung des Zweiten Weltkriegs aus. Und hier endete er auch – jedenfalls für die Völker außerhalb Asiens. Mehr als 55 Millionen Menschen fielen den deutschen Angriffskriegen und der Vernichtung der Juden zum Opfer, die Hälfte von ihnen betrauerten die Völker der Sowjetunion. Ihnen haben wir es vor allem zu verdanken, dass die deutsche Mordmaschinerie zum Erliegen kam.

Wer nun gehofft hatte, dass die Anti-Hitler-Koalition über die Zerschlagung des deutschen Faschismus hinaus Bestand haben, eine gute Zukunft für Europa und die Welt bereiten würde, sah sich getäuscht. Nur Wochen nach ihren Atombombenabwürfen auf dicht besiedelte japanische Städte beschlossen die USA, ihr Atombombenarsenal samt Langstreckenbombern auszubauen. Und wozu? „Atombombenziel Sowjetunion“ war der Titel ihres ersten Geheimplans aus dem November 1945. Unterstellt wurden der Sowjetunion Angriffspläne auf den Westen, obwohl man in Washington genau wusste, dass der faschistische Vernichtungskrieg in der Sowjetunion ganze Arbeit geleistet hatte, die Völker den Krieg satt hatten und nur an den friedlichen Aufbau dachten.

Die US-Atombomber nahmen zunächst 20 sowjetische Zentren ins Visier. Es folgten elf weitere geheime US-Atomkriegspläne, die eine Fließbandproduktion von Atombomben, Bombern, später Raketen und Marschflugkörpern in Gang setzten. Die USA setzten die Sowjetunion mit Atomwaffen unter Druck. Aus anfangs 20 Zielen wurden 1959 20.000 Ziele in der Sowjetunion. Auch die DDR wurde von den USA atomar bedroht. Laut Planungspapier des Strategischen US-Luftkommandos aus dem Jahr 1956 sollten 258 DDR-Städte mit US-Atombomben angegriffen werden. Allein 100 Atombomben waren für den Berliner Raum vorgesehen.

Der Warschauer Pakt sah sich gezwungen das atomare Wettrüsten anzunehmen – und zerbrach schließlich daran. Denn er war totgerüstet worden. Er löste sich auf, die NATO nicht. Im Gegenteil. Sie stellte Krisenreaktionskräfte auf und führte Kriege außerhalb ihres Vertragsgebiets. Trotz aller anders lautenden Bekenntnisse dehnte sie sich nach Osten aus. Die EU folgte ihr. Georgien und der Ukraine ist die NATO-Mitgliedschaft versprochen. Russland muss sich auch nach Ende des Kalten Krieges zunehmend bedroht fühlen.

NATO und EU setzten die sowohl nach Westen als auch auf Russland orientierte Ukraine so sehr unter Entscheidungszwang, dass das Land in drei Teile zerfiel. Russland, das um seine Schwarzmeerflotte fürchten musste, unterstützte darum die Sezession der Krim. Seitdem wirft der Westen Moskau Völkerrechtsbruch vor, belegt Russland mit Wirtschaftssanktionen und verlangt, dass es sein Militär aus der Ukraine, Moldau und Georgien zurückzieht. Nachdruck verleiht die NATO diesen Forderungen seit 2014 durch ein gigantisches Aufrüstungsprogramm. Bis 2024 sollen alle NATO-Staaten – außer den USA, die das Soll seit langem übererfüllen, – zwei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für ihr Militär einsetzen.

Russland gibt gegenwärtig 65 Milliarden aus, die NATO bringt es auf das Fünfzehnfache und hält viermal so viele Soldaten unter Waffen wie Russland. NATO und USA steigern die anti-russische Manövertätigkeit. Deutschland wird wieder zum Aufmarschgebiet gegen Russland.

CDU/CSU, AfD, FDP und Teile der SPD tragen die NATO-Aufrüstungsbeschlüsse bereitwillig mit. Im vergangenen Jahr stiegen die deutschen Rüstungsausgaben um zehn Prozent. Das ist die höchste Steigungsrate unter den 15 größten Militärmächten und macht Deutschland zum Aufrüstungsweltmeister!

Aber das ist längst nicht alles. Bis 2031 ist ein Zwölf-Jahres-Aufrüstungsprogramm aufgelegt, was die Schlagkraft der Bundeswehr massiv erhöhen soll, allein beim Heer um das Doppelte. Kramp-Karrenbauer versprach kürzlich, beim Aufrüstungskurs zu bleiben: Sie sagte „Im Schnitt bekommt die Bundeswehr jede Woche einen neuen Panzer, jeden Monat ein neues Flugzeug und jedes Jahr ein neues Schiff.“ Wird der Kurs nicht gestoppt, verdoppeln sich die schon jetzt rekordhohen Rüstungsausgaben auf 100 Milliarden Euro. Bezahlt werden sollen damit unter anderem Waffen für Kampfdrohnen, für die eventuell schon im Juni Bundestagsentscheidungen anstehen. Zudem 21 bewaffnete Eurodrohnen, die in der Entwicklung sind.

Mehr als die Hälfte der Kampfflugzeuge der Luftwaffe soll erneuert werden. 135 Maschinen will Kramp-Karrenbauer. Die gefährlichsten darunter sind 30 US-Atombomber des Typs F-18 Super-Hornet, deren Stationierung in Büchel vorgesehen sind, um 20 US-Atomwaffen in Russland ins Ziel zu bringen – das ist die so so genannte Nukleare Teilhabe. Hochmodernisierte atomare Fliegerbomben dafür sollen dort ab 2024 zu Verfügung stehen. Sie können präzise ins Ziel gelenkt werden und sind so ausgelegt, dass sie ins Erdreich eindringen, um gehärtete Ziele zu zerstören. Das ist ein äußerst aggressives Konzept und hat mit Verteidigung nichts zu tun. Die Welt wird dadurch nicht sicherer, sondern unsicherer. Wieder wird von deutschem Boden mit Krieg gegen Russland gedroht. Russland wird militärisch reagieren.

Die Anschaffung dieser Kampfflugzeuge wird unserer Öffentlichkeit als Ersatz für alte Tornados und Eurofighter verkauft. Zugegeben, sie sind alt. Aber müssen sie wirklich ersetzt werden? Wie viele Kampfflugzeuge hat Russland eigentlich zurzeit? 1.640. Und die NATO? 6.230. Das ist das 3,8 fache. Eine gewaltige NATO-Überlegenheit. Was würde passieren, wenn Deutschland die alten Flieger nicht ersetzen würde? Die NATO-Luftüberlegenheit würde sinken – und zwar vom 3,8 fachen auf das 3,73 fache. Geradezu lächerlich!

Idiotisch ist es, die neuen Flieger kaufen zu wollen. 20 bis 25 Milliarden Euro könnten so gespart und für Gesundheitsvorsorge, Bildung, soziale Verbesserungen und so weiter verwendet werden.

Die Entscheidung über den Kauf der US-Atombomber soll in zwei Jahren fallen. Es wäre also Zeit, den Versuch zu unternehmen, dagegen einen Sturm der Entrüstung zu entfachen. Würden wir uns durchsetzen, wäre dies ein wichtiger deutscher Beitrag, um endlich die Konfrontationspolitik gegen Russland zu beenden. So könnte nicht mehr nur Krieg, sondern mal Frieden von Berlin ausgehen.


Offener Brief aus Berlin an die russländische Bevölkerung - vorgetragen am 8. Mai 2020 in Berlin-Tiergarten


Das an der Westgrenze Ihres Landes begonnene und wegen der Corona-Krise vorübergehend ausgesetzte Großmanöver "Defender 2020" von NATO-Staaten, mit Beteiligung Deutschlands und unter Führung der USA, ist Anlass für uns, diesen Brief an Sie zu richten.

Wir sehen in dieser gigantischen Kriegsübung eine verantwortungslose Provokation, die die Beziehung zwischen unseren Staaten belastet und die ohnehin vorhandenen Spannungen erhöht.

75 Jahre nach der Befreiung Europas vom Faschismus und der siegreichen Beendigung des Krieges maßgeblich durch die Rote Armee stehen wieder deutsche Soldaten an der russischen Grenze. Gleichzeitig werden östlich der Manöverlinie bei den Gedenkveranstaltungen und Siegesfeiern die Erinnerungen an die Nazi-Verbrechen im Bewusstsein der Menschen ganz besonders gegenwärtig sein.

Wir sind uns der großen Opfer bewusst, die Ihr Volk, die die Völker der Sowjetunion im Kampf gegen den deutschen Faschismus gebracht haben. Wir vergessen nicht: Dem vom faschistischen Deutschland begonnenen Raub- und Vernichtungskrieg von unvorstellbarer Grausamkeit fielen 27 Millionen Bürgerinnen und Bürger der Sowjetunion zum Opfer.

Es ist uns darum wichtig, Sie wissen zu lassen, dass wir Krieg ablehnen. Wir verurteilen militärische Provokationen wie dieses Manöver an der Westgrenze Ihres Landes. Außerdem widersetzen wir uns allen neuerlichen Versuchen, die Geschichte des 2. Weltkrieges zu fälschen. Wir sehen darin den Versuch, die aggressive Politik gegen die russische Föderation zu rechtfertigen.

In unserer Stadt, aber auch überall im Land, besonders entlang der Transportwege, die dem Manöver zur Verfügung gestellt wurden, bilden sich Gruppen und Initiativen, die sich untereinander vernetzen. Sie arbeiten daran, gegen das Manöver Widerstand zu leisten und informieren unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger über die konfrontative Politik der NATO-Staaten.

Wir sehen in Russland unseren Nachbarn. Wir wollen mit Ihnen in Frieden leben. Dafür setzen wir uns ein.

Verfasst von Laura v. Wimmersperg (FRIKO) - initiiert und erstunterzeichnet von Heinrich Bücker, Lühr Henken, Jutta Kausch-Henken, Gabriele Jäger, Anita Jeske, Ingrid Koschmieder, Monika Kremmer, Dr. Horsta Krum, Michael Lang, Klaus Linder, Barbara Majd Amin, George Pumphrey, Doris Pumphrey und Elisabeth Wissel.



Siehe auch:

8 mai 2020 ::: 75 jahre befreiung von faschismus und krieg
Video von Elke Zwinge
NRhZ 744 vom 13.05.2020
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=26797

9 mai 2020 in köln ::: 75 jahre sieg über den faschismus
Video von Anneliese Fikentscher
NRhZ 744 vom 13.05.2020
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=26806

Kundgebung der Friedenskoordination Berlin zum 75. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg
"Dank euch Sowjetsoldaten!"
Von Ingrid Koschmieder (Fotos) und NRhZ (Foto-Text-Zusammenstellung)
NRhZ 744 vom 13.05.2020
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=26796

Filmclip
Tag des Sieges und der Befreiung am 8./9. Mai 2019
Das unsterbliche Regiment – Die Hand zur Freundschaft ausgestreckt
Von Arbeiterfotografie
NRhZ 704 vom 09.05.2019
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25892

Fotogalerie
Tag des Sieges, Berlin-Treptow, 9. Mai 2018
Dank Euch, ihr Sowjetsoldaten, für die Befreiung vom Faschismus
NRhZ 659 vom 16.05.2018
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24864

Filmclip
Tag des Sieges, Berlin-Treptow, 9. Mai 2018
Owe Schattauer: es soll keine neuen Soldatengräber geben
Von Arbeiterfotografie
NRhZ 659 vom 16.05.2018
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24865

VideoGRUSS an die NRhZ-LeserInnen vom Tag des Sieges, Berlin-Treptow, 9. Mai 2018
Den russischen Menschen danke sagen
Von Ulrich Streffing
NRhZ 659 vom 16.05.2018
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24853

Fotogalerie
Aktionen zum 70. Jahrestag der Befreiung vom Hitler-Faschismus
Nie wieder Krieg! – Nie wieder Faschismus!
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
NRhZ 510 vom 13.05.2015
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=21615

Befreiungsideologie 70 Jahre nach Ende des Hitler-Faschismus
Das Böse züchten und dann die Welt davon befreien
NRhZ 509 vom 06.05.2015
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=21590

Befreiung vom Faschismus
Aktionen anlässlich des Kriegsendes vor 69 Jahren und der aktuellen Kriegsgefahr
NRhZ 458 vom 14.05.2014
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20340

Online-Flyer Nr. 745  vom 23.05.2020

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