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Aktueller Online-Flyer vom 29. Oktober 2020  

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Globales
Bayer (Resoquin) vs. Gilead (Remdesevir)
Carpe diem – nutze den Tag
Von Georges Hallermayer

Bis das ganz große Geschäft winkt, ein "wirksamer" Impfstoff gegen Covid-19 entwickelt, erprobt und von der WHO abgenommen ist, tobt ein erbitterter Konkurrenzkampf, um in der Zwischenzeit mit auf dem Markt befindlichen Medikamenten Profit abzuschöpfen (Süddeutsche, 17. April 2020). In einem Boxkampf zwischen den beiden Pharma-Giganten Bayer und Gilead ginge die Runde an den US-Biotech-Konzern, auch wenn Bayers Resoquin seit Trumps Fürsprache im März in den USA zugelassen ist (Manager-Magazin, 19. März 2020) und 3 Mio. Tabletten gespendet hatte (Reuters, 19. März 2020). Der Aktienkurs von Gilead Science Inc. machte einen weiteren Sprung nach oben: Die US-Gesundheitsbehörde gab offizielles grünes Licht für „Remdesevir“, das Ebola-Medikament, von dem gesagt wird, es heile schneller Covid-19. Nach der Aktienanalyse von LynxBroker am 30. April setzt Gilead bereits zum „Höhenflug“ an.

Bayer, mit der Übernahme von Monsanto in finanzieller Bredouille, setzt dennoch große Hoffnung auf den Durchbruch mit Resoquin, dessen Produktion im November eingestellt wurde. „Bayer stemmt sich gegen den Markt“, schreibt „Der Aktionär“ am 19. März. Minister Span müsste wie die Amerikaner lauter trommeln, hatte er sich doch am 2. April nur zu einer bedingten Empfehlung durchringen (Merkur 7. April). Heute wissen warum, Priorität gilt für einen Atlantikbrückler wie Minister Spahn das crowd-funding für einen 3,5 Mrd. Dollar-Impftopf, wie es den neoliberalen Weltenlenkern um Bill Gates und „Bilderberg“ vorschwebt.

Bayer wird sich aufs Geschäft andernorts konzentrieren, wird sich allerdings dort, mit vor allem französischer und chinesischer Konkurrenz herumschlagen müssen. Denn in Asien und Afrika ist die Lage genau umgekehrt. Dort werden seit Monaten Medikamente auf der Basis von Chloroquin erfolgreich angewendet. Und dort wird sicher auch das kubanische Interferon „Heberon“, nach Granma vom 29. April erfolgversprechend getestet, Absatz finden.

In China zeigte die Anwendung von Remdesevir widersprüchliche Ergebnisse. Am 29. April erschien bei der renommierten britischen Medizin-Zeitschrift „Lancet“ die internationale Studie „Remdesivir bei Erwachsenen mit schwerem COVID-19“. Sie wird mit ihrem negativen Ergebnis die profitträchtige Debatte weiter anfachen.

Chloroquin in Afrika

Der Umstand, dass der Virologie Professor Didier Raoult, Chef der Marseiller Universitätsklinik IHU, jahrelang in Dakar Ko-Direktor am dortigen Forschungsinstitut war, half möglicherweise, seinen Empfehlungen zu folgen, und ein in der Bekämpfung von Malaria bewährte Medikament in Verbindung mit einem Antibiotikum auszuprobieren.

Während die Welt auf einen Impfstoff wartet, experimentiert nicht nur Senegal damit. Auch Madagaskar, Kamerun, Südafrika, Burkina Faso folgten wie Marokko und Tunesien den Empfehlungen des Marseiller Professors, das mit anderen Mitteln kombinierte Medikament auf der Basis von Hydroxychlorine zur klinischen Behandlung von Covid-19 auszugeben. (Wie „france24“ am 19. April meldete, liefert Indien, neben China Hauptproduzent des Grundstoffs, Hydroxychlorine auch an die Vereinigten Arabischen Emirate.)

Starke Nebenwirkungen und ein Todesfall infolge von Selbstmedikation befeuerten eine kontroverse Debatte vor allem in Frankreich. Lobbyisten der Pharmaindustrie wie die geoutete Virologin Karin Lacombe tun sich besonders hervor. Frankreichs Präsident Macron erklärte Hydroxychlorine zur Chefsache und sprach in Marseille mit Prof. Raoult. Er hielt die Option einer klinischen Anwendung offen, wie auch die einer weltweiten Impfkampagne für das Milliardengeschäft der großen Pharmakonzerne.

Auf “Le Nouvel Afric“ vom 16. April sagte Prof. Moussa Seydi, Chefarzt des Hopital de Fann in Dakar: „Die Patienten gesunden schneller“. Die auf Kliniken beschränkte Anwendung solle auch den Handel mit gefälschten Medikamenten ausschließen, der nach WHO einen Marktanteil von 60 Prozent umfasst (jeune afrique, 18. Januar). Die Dosis des Medikaments wurde auf die Hälfte dessen reduziert, was bei Malaria verabreicht wurde. Das Resultat (Stand 16. April): Im Senegal gab es nur zwei Tote in zweieinhalb Monaten und 61 Prozent der Patienten wurden geheilt – bis zum 3. Mai stieg die Zahl auf 9 Verstorbene. Zum Vergleich wurden in Algerien 30 Prozent geheilt, 15 Prozent der Getesteten sind gestorben. Allerdings warnte Prof. Ousmane Faye vom Institut Pasteur in Dakar: „Wir sind noch zu weit weg, um das Ende des Tunnels zu sehen“. Auf der anderen Seite seien allerdings 16 in New York lebende Senegalesen mit Covid-19 verstorben.

Traditionelle Medizin in Madagaskar

Auf Madagaskar - zwar aus Brasilien eingeschleppt, kostete Covid-19 noch keine Todesopfer unter den 132 getesteten Infizierten (Stand 1. Mai). Nach Prof. Marcel Razanamparany, dem Präsidenten der madegassischen Akademie für Medizin, wird neben dem Hydroxychlorine auf das heimische Artemisia zurückgegriffen. Das Nationale Pharmakologische Forschungszentrum sucht die Verbindung von traditioneller und moderner Medizin (Jeune Afrique 30. April). Die Blätter der Artemisia-Pflanze sind der Grundstoff des Malaria-Medikaments der Traditionellen Chinesischen Medizin – Professorin To You You bekam dafür 2015 den Nobelpreis für Medizin. Präsident Andry Rajoelina verordnete den Schulkindern, Artemisia-Tee zu trinken (Le Monde Afrique, 22.April). Das „Covid-Organics“ genannte Getränk wird auch gratis auf der Straße ausgeschenkt (Jeune Afrique, 27. April).

Das Immunsystem zu stärken suchen Virologen in Gabun mit dem französischen Aids-Medikament „Fagaricine“ und in Benin mit dem im Lande gegen Aids entwickelten „Apivirine“.

Forschungsansätze in Afrika

Auch wenn nach Cytel, dem multinationalen Biotech-Dienstleister, von den weltweit 590 klinischen Studien mit Covid-19 nur etwa 10 in Afrika durchgeführt werden (jeune afrique, 28.April), hat sich eine „Koalition zur klinischen Erforschung von Covid-19“ vorgenommen, diese vorhandenen Behandlungen und das Ebola-Medikament „Remdesevir“ des US-Konzerns Gilead Sciences Inc. zu studieren.

Renommierte Forscher neben Moubarack LO von der an die Staatskanzlei des senegalesischen Präsidenten angebundenen, 2018 gegründeten Statistikbehörde „Bureau de prospective economique“ (BPE) machen der „Fliegenbeinzählerei“ der privaten Johns Hopkins Universität in Baltimore mit einem globalen Barometer wissenschaftlich fundierte Konkurrenz. Die Pandemie hatte ihre Aufgabe, Prognosen für die senegalesischen Wirtschaftssektoren zu erstellen, hinfällig gemacht. In dem „Incice de severite du covid-19“ sind drei Elemente integriert: die Übertragbarkeit des Virus, die Schwere der Krankheit und ihre sozioökonomischen Auswirkungen (Dakaractu 21.April). Wen wundert’s, dass Großbritannien (Platz 132) und die USA (128) das Ende zieren, Vietnam ( Platz 4) vor China (14) steht und Deutschland (Platz 25) einnimmt. Wir werden von dem BPE noch hören…


Top-Bild: aus Karikatur von Kostas Koufogiorgos


Siehe auch:

Petition – gerichtet an Bundes- und Landesregierungen
Sofortige Aufhebung aller in der "Corona-Krise" verfügten Einschränkungen bürgerlicher Freiheiten!
Von Helene und Dr. Ansgar Klein
NRhZ 740 vom 18.03.2020
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=26705

ARTIKELÜBERSICHT Corona-Manöver
Allen Spins und Hintergründen nachspüren
Von NRhZ-AutorInnen
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=26721

Online-Flyer Nr. 743  vom 06.05.2020

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