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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2020  

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Globales
Transkript mit Bemerkungen von General Tod Wolters, Kommandeur des U.S. European Command, in einer Video-Pressekonferenz zu COVID-19 am 20. März 2020
US-Manöver "DEFENDER-Europe 2020" nicht beendet - Schießausbildung in Deutschland und Polen
Von LUFTPOST

"In dieser Woche haben wir die Entscheidung getroffen, weitere im Rahmen des lange geplanten Manövers DEFENDER-Europe 20 vorgesehene längere Übungen zu modifizieren oder zu annullieren. Mit angepassten lokalen Übungen halten wir trotz des Corona-Ausbruchs unsere Einsatzbereitschaft aufrecht. Wir bleiben (kampf-)bereit... Wir achten besonders darauf, unsere Fähigkeiten auf allen Gebieten zu erhalten... Jetzt müssen wir uns mit den US-Soldaten begnügen, die schon hier eingetroffen sind und mit denen Schieß-, Verlegungs- und Kommunikationsübungen innerhalb der Grenzen Deutschlands und Polens durchführen; und sie werden sicher die grundlegende artilleristische Schießausbildung erhalten, die vorgesehen war... In der Zeit bis Mitte Mai werden wir die zur Verfügung stehenden Truppen zu kleineren Übungen aufteilen, um vielleicht sogar 40 bis 45 Prozent der Ziele des  Großmanövers 'DEFENDER-Europe 20' statt 100 Prozent umzusetzen." Das sind deutliche Äußerungen von US-EUCOM-Kommandeur General Tod Wolters bei einer Pressekonferenz am 20. März 2020. Das US-Manöver "DEFENDER-Europe 2020" endet also vorerst nicht. Die Tausenden von US-Soldaten halten sich in Deutschland und Polen auf und erhalten eine Schießausbildung. "Wenn größere Zusammenbrüche und -stöße geschehen sollten, dann ist die internationale 'Ordnungsmacht' schon da, um Gröberes zu verhindern", schreibt Claudia von Werlhof unter dem Motto "Hinter Corona" in ihrem Brief an die Mitdenkenden. Die NRhZ gibt das von LUFTPOST übersetzte und kommentierte Transkript der Pressekonferenz nachfolgend wieder.
 
Auszug aus dem Transkript der Pressekonferenz:

    Moderatorin: Eingeladen zu dieser Pressekonferenz hat General Tod Wolters, der Kommandeur des U.S. European Command. Sir, möchten Sie zur Einführung eine Erklärung abgeben?

    General Tod Wolters: Das möchte ich, Carly, danke. Ich wünsche allen einen guten Morgen; es ist praktisch dass wir uns (via TV) virtuell treffen und so die soziale Distanz einhalten können, dafür möchte ich mich bei Ihnen bedanken.

    Viele von Ihnen wissen bereits, dass sich das U.S. European Command gemeinsam mit all unseren NATO-Verbündeten und Partnern mit extremer Intensität gegen das Coronavirus zur Wehr setzt. Das ist eine sehr, sehr ernste Angelegenheit, und wir treffen seit Monaten alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen, um die Gesundheit nicht nur unserer Soldaten, sondern auch ganzer Militärgemeinden zu schützen und trotzdem unseren Auftrag zu erfüllen.

    In Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten und Partnern unternehmen wir auch weiterhin die notwendigen Schritte, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. In dieser Woche haben wir die Entscheidung getroffen, weitere im Rahmen des lange geplanten Manövers DEFENDER-Europe 20 vorgesehene längere Übungen zu modifizieren oder zu annullieren. Mit angepassten lokalen Übungen halten wir trotz des Corona-Ausbruchs unsere Einsatzbereitschaft aufrecht. Wir bleiben (kampf-)bereit.

    Wir haben alle notwendigen Maßnahmen getroffen, um zu verhindern, dass unsere Soldaten und deren Familien in den Heimatstandorten mit dem Coronavirus in Berührung kommen oder ihn verbreiten. Wir halten die vom Center for Desease Control und dem US-Verteidigungsministerium vorgegebenen Vorbeugungsmaßnahmen und Reisebeschränkungen ein.

    Gemeinsam mit unseren Verbündeten und Partnern befolgen wir auch die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO.

    Die Modifizierung und in einigen Fällen vorgenommene Reduzierung von Übungen ist eine Vorsichtsmaßnahme. Sie schränkt die Fähigkeit unserer Streitkräfte, auf aktuelle oder zukünftige Bedrohungen reagieren zu können, nicht ein. Unsere Soldaten, Soldatinnen und Zivilangestellten, die im Befehlsbereich des EUCOM dienen, bleiben bereit, (nicht zu verstehen) und wachsam.

    Wir achten besonders darauf, unsere Fähigkeiten auf allen Gebieten zu erhalten. Auch wenn wir DEFENDER-Europe 20 nicht in dem Umfang durchführen können, wie wir es geplant hatten, werden wir doch wertvolle Lehren für die Zukunft daraus ziehen können.

    Schon die Aspekte der Zusammenarbeit und Planung, die in allen Phasen des Manövers vorkommen, waren ein Gewinn für die Ausbildung und haben Vertrauen geschaffen.

    Wir werden unsere täglichen Operationen fortsetzen und dabei geeignete Maßnahmen ergreifen, um die Infizierung mit dem Virus und die Möglichkeit zu dessen Ausbreitung zu reduzieren. Dabei sind aktualisierte Einschätzungen und die strikte Einhaltung von Weisungen aller Kommandoebenen unerlässlich. Unsere Verbündeten, Partner und potenziellen Gegner sollten wissen, dass unsere Streitkräfte einsatzbereit bleiben. Wir stehen zu unsere Verpflichtung, alle Verbündeten und unsere gemeinsamen Werte zu schützen.

    Ich freue mich darauf, Ihre Fragen zu beantworten. Carly, das waren meine einführenden Worte.

In Beantwortung einer der nachfolgenden Fragen, die – in Englisch – in dem eingangs verlinkten Transkript der gesamten Pressekonferenz nachzulesen sind, hat Wolters außerdem geäußert:

    ...für diese große Übung wollten wir etwa 17.000 US-Soldaten zusätzlich nach Europa transportieren, die mit Schieß-, Verlegungs- und Kommunikationsübungen aus Manöverperspektive die Belastbarkeit der Infrastruktur ausloten sollten. Jetzt haben wir nur 5.000 bis 6.000 zusätzliche US-Soldaten zur Verfügung, mit denen wir DEFENDER-Europe20 nur teilweise umsetzen können.

    Einige Teilmanöver mussten wir annullieren; es handelte sich um realistische Kampfübungen, die sich über Polen und Deutschland hinaus erstrecken sollten. Jetzt müssen wir uns mit den US-Soldaten begnügen, die schon hier eingetroffen sind und mit denen Schieß-, Verlegungs-und Kommunikationsübungen innerhalb der Grenzen Deutschlands und Polens durchführen; und sie werden sicher die grundlegende artilleristische Schießausbildung erhalten, die vorgesehen war.

    Wir werden vermutlich nur rund 40 Prozent der Ziele des Manövers DEFENDER-Europe 20 erreichen können, aber 30 bis 40 Prozent sind besser als nichts.

    In der Zeit bis Mitte Mai werden wir die zur Verfügung stehenden Truppen zu kleineren Übungen aufteilen, um vielleicht sogar 40 bis 45 Prozent der Ziele des Großmanövers DEFENDER-Europe 20 statt 100 Prozent umzusetzen.


LUFTPOST-Kommentar:

Dass das Manöver DEFENDER-Europe 20 abgesagt, abgesetzt oder beendet ist, hat das EUCOM bisher  n i c h t  bestätigt. Nach Aussage des kommandierenden Generals Wolters soll es – auf Deutschland und Polen beschränkt – mit weniger US-Truppen bis mindestens Mitte Mai fortgesetzt werden.

Unter stripes.com (1) haben wir noch folgende Zusatzinfo gefunden: "Es wird erwartet, dass sich die US-Truppen auf dem Luftwaffenstützpunkt Ramstein für die Übung versammeln, die auch Operationen mit "gewaltsamem Eindringen" (Forcible Entry) umfasst, bei denen Fallschirmjäger Krisenreaktionsmissionen in Lettland, Litauen und der Republik Georgien ausführen werden."

Durch einen Beitrag des regionalen TV-Senders SWR Rheinland-Pfalz (2) wurde bekannt, dass die Waffen- und Materialtransporte während des Manövers DEFENDER-Europe 20 vom 21st Theater Sustainment Command der U.S. Army organisiert werden, das in der Panzerkaserne in Kaiserslautern stationiert ist. Damit wird wieder einmal die zentrale Rolle der US-Militäranlagen in der Region Kaiserslautern/Ramstein bestätigt, auf die wir seit Jahren immer wieder hinweisen.


Fußnoten

1 Army readies plan to deal with coronavirus during Defender Europe exercise
(Armee bereitet sich auf den Umgang mit dem Coronavirus während der Übung von Defender Europe vor)
John Vandiver in "Stars and Stripes" am 4.3.2020
https://www.stripes.com/news/europe/army-readies-plan-to-deal-with-coronavirusduring-defender-europe-exercise-1.621213

2 "Defender Europe 2020" - Große Militärübung wird in Kaiserslautern organisiert
SWR am 4.3.2020
https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/kaiserslautern/Uebung-Defender-der-US-Armee-wirdin-Kaiserslautern-koordiniert,kaiserslautern-defender-104.html


Mit Dank übernommen von LUFTPOST – Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein – dort veröffentlicht am 29.03.2020 (mit zusätzlichen Hinweisen)
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_19/LP02720_290320.pdf

Englischsprachiger Originalartikel: "Remarks by General Wolters in a Press Briefing via Teleconference on COVID-19 Response", General Tod Wolters, Commander, U.S. European Command (EUCOM), 20.03.2020
https://www.defense.gov/Newsroom/Transcripts/Transcript/Article/2120572/remarks-bygeneral-wolters-in-a-press-briefing-via-teleconference-on-covid-19-r/



Siehe auch:

Zur Behauptung von der Absage des US-Manövers "Defender Europe 2020"
Defender-Absage ist Desinformation
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
NRhZ 740 vom 18.03.2020
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=26685

Online-Flyer Nr. 740  vom 28.03.2020

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