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Aktueller Online-Flyer vom 08. Juli 2020  

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Medien
Eine lockere Folge von Leserbriefen und Kommentaren
Hajos Einwürfe
Von Hajo Kahlke

Wo ist die Linke geblieben, so dass es zu einem Zurückweichen im doppelten Sinne kommt: vor den Rechtsnationalen und den Regierenden? Gehört es zum neuen Stil, beim Sturm auf den Amtssitz eines Premierministers auf naiv zu machen? Ist Aufgabe einer "marxistischen" Zeitung, die Hetze gegen die Literaturnobelpreisverleihung an Peter Handke zur "hitzigen Debatte" umzulügen? Das sind Fragen, die in "Hajos Einwürfen" zum Thema gemacht sind. Die Neue Rheinische Zeitung versteht sich im Verbund mit der Vierteljahresschrift DAS KROKODIL als ein Forum, das zum Nachdenken anregen, eingefahrene, verkrustete Denkstrukturen aufbrechen bzw. der bewusst lancierten Desorientierung des Denkapparats – besonders der Linken – entgegenwirken will. Hajos kurze Texte sollen dazu ihren Beitrag leisten. Die Neue Rheinische Zeitung bringt deshalb in loser Folge von ihm verfasste Leserbriefe und Kommentare, die bei den Angeschriebenen nur selten das Licht der Öffentlichkeit erblicken.


Zurückweichen im doppelten Sinne: vor den Rechtsnationalen und den Regierenden

Dass die Ablehnung imperialistischer Herrschaft immer auch deren jeweilige regierungsmäßige Ausprägung einbeziehen muss, liegt auf der Hand. Dabei steht dann eine entsprechende Forderung wie "Merkel muss weg" nicht für sich allein, sondern wird durch andere zentrale Forderungen begründet und eingeordnet. Umgekehrt ist die Muss-weg-Forderung sowohl eine logische Konsequenz als auch eine Bestärkung aller Forderungen gegen die diversen Einzelmaßnahmen der Regierung. Sie ist daher imgrunde eine linke Selbstverständlichkeit. Nicht jedoch für die junge Welt und ihren Gast-Autor Jürgen Herold von der sich so nennenden Kommunistischen Plattform. Für sie ist die Merkel-muss-weg-Forderung, da auch von rechtsnationaler Seite - wenn auch mit unterschiedlicher Botschaft - erhoben, nicht nur tabu, sondern bereits selbst eine "bekannte rechte Forderung". Dies aber ist ein Zurückweichen im doppelten Sinne. Zum einen vor den Rechtsnationalen, denen man so die zugespitzte Form von Regierungsablehnung überlässt, zum anderen aber vor den Regierenden selbst als den aktuell tätigen Sachwaltern der imperialistischen Herrschaft. Die fehlende Linke (Losurdo) - hier kommt sie einmal mehr zum Ausdruck.

Leserbrief zum Artikel "Neue Normalität - In der Bundesrepublik haben Faschisten inzwischen einen gehörigen Teil des politischen Raums erobert" von Jürgen Herold in "junge Welt" vom 2.12.2019, Seite 12/13



Bei Sturm auf Amtssitz des Premierministers von Maltas auf naiv machen

Ein bisschen erinnert die Szene aus Malta an Bolivien: Die Sicherheitskräfte (im Foto der jW-online-Ausgabe so beschnitten, dass nur noch die Unterkörper zu sehen sind) stehen untätig herum, damit ganze 30 Personen auch ja den Amtssitz des legalen Premierministers Maltas stürmen können. Um dort selbstverständlich dessen sofortigen Rücktritt zu verlangen. Gleichermaßen eine Gewalttat wie eine Farce. Allem Anschein nach von oben ermöglicht bzw. inszeniert.


Meldung in "junge Welt" vom 10.12.2019 auf Seite 2 (in der jW-online-Ausgabe ist das Foto entsprechend der beiden weißen Markierungslinien beschnitten)

Die junge Welt aber macht auf naiv, und tut so, als sei es die normalste Sache der Welt, wenn 30 Leutchen den Amtssitz eines Premiers stürmen. Nein, das ist es nicht, auch nicht in einem kleinen Inselstaat. Wenn also - und das ist kein Vorwurf - die junge Welt bislang nicht weiß, wer genau für das Eindringen der 30 Leute in den Amtsitz des Premiers gesorgt hat, sollte sie dies auch so schreiben. Das ist zwar keine sehr gehaltvolle, aber immerhin auch eine Information, welche zu dieser Meldung unbedingt dazu gehört.

Leserbrief zur dpa/jW-Meldung "Journalistenmord - Amtssitz gestürmt" in "junge Welt" vom 10.12.2019, Seite 2


Hetze gegen Literaturnobelpreisverleihung an Peter Handke zur "hitzigen Debatte" umgelogen

Die Zeiten haben sich geändert: Der Hetze der Wertegemeinschaft gegen die Serben zu widersprechen, einschließlich jener gegen Handke gerichteten, hier klare Kante zu zeigen und solidarisch zu sein, ist der jungen Welt von heute kein wirkliches Anliegen. Allenfalls alteriert sie sich da etwas und hält sich im Prinzip raus. Und im Geiste dieser Nicht-Solidarität konstatiert das jW-Feuilleton nun eine "hitzige Debatte", die durch "Handkes Auswahl als Preisträger für das Jahr 2019 verursacht" worden sei.

Die von den Mainstreammedien in zwei Varianten (zum einen als "nicht preiswürdig, da Serbenfreund", zum anderen als "preiswürdig, obwohl Serbenfreund") , also sicherheitshalber doppelt, und in der Zielsetzung völlig uniform, betriebene Hetze gegen die Serben und Handke wird doch tatsächlich zu einer Debatte umgelogen - obwohl nur eine Seite, nämlich die antiserbische, da überhaupt zu Wort kommt! Und dann auch noch zu einer "hitzigen" Debatte, so, als handle es sich hier um ein Problem zu großer Emotionalität, und als ginge es nicht um die systematische, kampagnenmäßige Ausschaltung jeglicher wirkungsmächtigen Kritik an den vom Imperialismus postulierten Feindbildern.

Leserbrief zur dpa/jW-Meldung "Literaturnobelpreis - Ewiger Friede" in "junge Welt" vom 09.12.2019, Seite 10 (Feuilleton)


Siehe auch:

AFP-Meldung vom 08.12.2019 über neueste Attacke Israels gegen Gaza
"junge Welt" präsentiert israelisches Militär-Sprech
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
NRhZ 729 vom 11.12.2019
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=26425

Online-Flyer Nr. 729  vom 11.12.2019

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