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Aktueller Online-Flyer vom 16. Juli 2019  

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Medien
Eine lockere Folge von Leserbriefen und Kommentaren
Hajos Einwürfe
Von Hajo Kahlke

Wie es zu werten, wenn sich die extreme politische Gleichschaltung auch in einer marxistischen Tageszeitung vollzieht? Und wie ist es zu werten, wenn in dem Herrschaftsmedien anlässlich des Todes von Ex-BRD-Außenminister Klaus Kinkel zügellose, rassistische Hetze gegen die Serben mit schönen Worten verklärt wird? Das sind Fragen, die in "Hajos Einwürfen" zum Thema gemacht sind. Die Neue Rheinische Zeitung versteht sich im Verbund mit der Vierteljahresschrift DAS KROKODIL als ein Forum, das zum Nachdenken anregen, eingefahrene, verkrustete Denkstrukturen aufbrechen bzw. der bewusst lancierten Desorientierung des Denkapparats – besonders der Linken – entgegenwirken will. Hajos kurze Texte sollen dazu ihren Beitrag leisten. Die Neue Rheinische Zeitung bringt deshalb in loser Folge von ihm verfasste Leserbriefe und Kommentare, die bei den Angeschriebenen nur selten das Licht der Öffentlichkeit erblicken.


Ausdruck extremer politischer Gleichschaltung

Die junge Welt hat ein seltsames Verständnis davon, was (nicht nur) im Karneval mit dem - Interessantes und Eigenwilliges versprechenden - Attribut "provokant" zu versehen ist: Nicht etwa das, was den Herrschenden, dem Kapital und seinen Medien, missfällt und widerspricht - sondern vielmehr das, was deren omnipräsente Propaganda dann brav noch ein weiteres Mal von sich gibt. Wie zum Beispiel auf dem diesjährigen Düsseldorfer Karnevalsumzug der Motiv-Wagen gegen Italiens Innenminister Salvini: Wagt es doch dieser Ittaker, die Souveränität seines Landes über die Weisungen aus Berlin und Brüssel zu stellen! Wagt er es doch, Merkels und Junckers Migrationismus abzulehnen, ihre massive Mittelmeer-Schleuserei gar zu unterbinden!


Ausschnitt aus Seite 2 der Tageszeitung "junge Welt" vom 05.03.2019

Ein so ungehorsames Italien ist natürlich dann eine "brutta Italia" - wie es auf den Italien-Fahnen denn geschrieben steht, welche von der (absurderweise auch noch mit einem "Mafia"-Herzchen-Tatoo bemalten!) Motivwagen-Figur Salvini hochgehalten werden. Und hässlich anzusehen sind auch die zwei auf dem Wagen platzierten Monsterbaby-Figuren "Rassismus" und "Nationalismus", die an den Brüsten der Salvini-Figur säugen.

Klar, für das ersehnte Großeuropäische Reich deutscher Dominanz und atomwaffenmäßiger Anmaßung sind die Nationalstaaten ein Hindernis, sie müssen weg, und dazu muss der "Nationalismus" verteufelt, mit Rassismus gleichgesetzt werden; er ist der eigentliche Gegner der fleißig werkelnden neuen Reichs-Achitektenkammer. So stellt sich denn der Düsseldorfer Anti-Salvini-Motivwagen tatsächlich als Ausdruck extremer politischer Gleichschaltung, Anpassung und Konformität dar. Doch für die junge Welt in ihrer politisch korrekten Orientierungslosigkeit ist dieser Motivwagen ganz im Gegenteil "provokant".

Leserbrief zum Artikel "Politisch feiern", "junge Welt" vom 05.03.2019, Seite 2

Anmerkung der Redaktion: Über den Rosenmontagszug in Düsseldorf ist am 6. März 2019 ein Artikel auch beim "Humanistischen Pressedienst" erschienen. Er trägt den Titel "Tilly sagt Nationalisten den satirischen Kampf an" und präsentiert wohlwollend die von Jacques Tilly entworfenen großen Teils propagandistischen Wagen des Rosenmontagszugs – darunter auch den Motiv-Wagen gegen Italiens Innenminister Salvini. Das wird dort wie folgt kommentiert: "Doch nicht nur in Deutschland, auch in Italien finden rechtsextreme und nationalistische Positionen immer mehr Zulauf. Deswegen bekam auch der dortige Innenminister Matteo Salvini einen eigenen Wagen, der den Schwulenfeind als 'wunderbare Tunte' (Tilly) zeigt. Der Wagenbauer nennt ihn 'den Trump Italiens'. 'Total traurig' sei diese Entwicklung in dem weltoffenen und liberalen Land, in das Salvini das Gift von Hass und Abgrenzung gieße. Er agiere wie ein Mafia-Boss, was ihm ein entsprechendes Tattoo einbrachte." Der "Humanistische Pressedienst" (hpd) ist nach Recherchen von Markus Fiedler und Dirk Pohlmann Teil eines Netzwerks, das der Desinformation und Desorientierung durch herrschende Kreise dient. Zu diesem Netzwerk gehören die Verleumdungswebsite Psiram, der "antideutsche" Blog "Ruhrbarone", die "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP), Brights und Wikipedia. Jacques Tilly ist Mitglied im Kuratorium der mit dem "Humanistischen Pressedienst" eng verbundenen Giordano-Bruno-Stiftung und schürt mit ihr zusammen Feindbilder - insbesondere das Feindbild Islam. (Siehe dazu auch den Vortrag "Bilder als Waffe", in dem auch die Rosenmontagswagen von Jacques Tilly zum Thema gemacht sind.)



Teil zügelloser, rassistischer Hetze gegen die Serben

Sehr geehrte Damen und Herren, wenigstens behauptet die Rhein-Neckar-Zeitung diesmal nicht, dass nun die Welt Trauer trüge. Aber wie immer beim Tode westlicher Spitzenpolitiker gilt: De mortuis nihil nisi bene. Und so ist der verstorbene Klaus Kinkel in der Lobrede denn "gradlinig und prinzipienfest" gewesen. Auf eine zynische Weise stimmt das sogar: Mit seinem klaren Herren-Wort "Die Serben müssen in die Knie!" setzte Kinkel zu Beginn der 1990er Jahre gradlinig und prinzipienfest die unselige Serbien-Muss-Sterbien-Politik Deutschlands von 1914 und 1941 fort. Kinkel war Teil jener zügellosen, rassistischen Hetze gegen die Serben, die dann 1999 im verbrecherischen NATO-Angriffskrieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien ihre Erfüllung fand.

Ebenso gradlinig und prinzipienfest wie auf dem Balkan war Kinkel aber auch im Hinblick auf DAS große Ziel des deutschen Imperialismus seit 1890: Es gälte, so verkündete er 1993, nun "zu vollbringen, woran wir zuvor zweimal gescheitert sind: Im Einklang mit unseren Nachbarn eine Rolle zu finden, die unseren Wünschen und unserem Potential entspricht". Was "wir", in Form von Wilhelm II. und Adolf, nicht schafften, sprich den Griff nach der Weltmacht, soll also in einem dritten Versuch, jetzt im "europäischen Einklang", will heißen europäisch gewandet und dimensioniert, doch noch klappen! Das sind in der Tat klare Worte Kinkels gewesen, drohende Worte von brutaler Deutlichkeit. Zugleich lassen sie aber besser verstehen, weshalb in den seitdem vergangenen 25 Jahren die Europatümelei in Deutschland immer schriller geworden ist. Wie sagt doch das Sprichwort? Alter Wein braucht neue Schläuche!

Leserbrief zu Artikel "Ein Mann der klaren Worte" (Titelbild mit Text zum Tode von Klaus Klinkel) in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 6.3.2019

Online-Flyer Nr. 696  vom 13.03.2019

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