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Aktueller Online-Flyer vom 20. Juni 2019  

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Medien
Eine lockere Folge von Leserbriefen und Kommentaren
Hajos Einwürfe
Von Hajo Kahlke

Darf eine linke Zeitung zusammen mit einem Imperium die Liquidierung jeglicher syrischer Staatlichkeit betreiben? Wem liegt der Weltfrieden am Herzen? Wer hat ein Interesse an der Neudefinition des Begriffs der Migration?  Das sind Fragen, die in "Hajos Einwürfen" zum Thema gemacht sind. Die Neue Rheinische Zeitung versteht sich im Verbund mit der Vierteljahresschrift DAS KROKODIL als ein Forum, das zum Nachdenken anregen, eingefahrene, verkrustete Denkstrukturen aufbrechen bzw. der bewusst lancierten Desorientierung des Denkapparats – besonders der Linken – entgegenwirken will. Hajos kurze Texte sollen dazu ihren Beitrag leisten. Die Neue Rheinische Zeitung bringt deshalb in loser Folge von ihm verfasste Leserbriefe und Kommentare, die bei den Angeschriebenen nur selten das Licht der Öffentlichkeit erblicken.


Liquidierung jeglicher syrischer Staatlichkeit

In der Sicht von Öcalans PKK ist bei jedem Ereignis natürlich am wichtigsten, ob dieses für die Türkei ("Erdogan") gut ist, oder aber umgekehrt für die PKK samt YPG-Ableger. Der - bislang nur angekündigte - Rückzug der US-Aggressionstruppen aus Syrien wäre in dieser Sicht vor allem ein unbedingt abzulehnendes Geschenk für Erdogan. In der Sicht Syriens hingegen wäre ein US-Rückzug in erster Linie ein Erfolg im Kampf für die Souveränität und territoriale Integrität des Landes, ein Erfolg bei der Zurückdrängung der imperialistischen Intervention.


Ausschnitt aus der Titelseite, junge Welt, 21.12.2018

Da Syrien insoweit sowohl Opfer als auch Opponent des Imperialismus ist, müssen Antiimperialisten und ernsthafte Kriegsgegner dann selbstverständlich auch die Sicht Syriens teilen und mitteilen. Für die junge Welt jedoch ist die PKK-Sicht das Maß aller Dinge, wie die Überschrift des Artikels, aber auch das anschließende Interview mit einer Vertreterin jenes "Kurdischen Dachverbands" zeigt. Also ausgerechnet die Sicht des kurdisch-völkischen Separatismus wird von unserer marxistischen Zeitung präferiert, welcher sich in Syrien nicht als nur Profiteur, sondern als klarer Kollaborateur der imperialistischen Intervention betätigt.

Das, was da bewusst irreführend "Selbstverwaltung" oder "autonome Region" genannt wird, beinhaltet in Wahrheit die Liquidierung jeglicher syrischer Staatlichkeit in den von PKK & Co kontrollierten und zu einem großen Teil schlicht besetzten Gebieten. Das ist die völlige Verneinung der territorialen Integrität Syriens, es setzt die vom Imperialismus betriebene Zerschlagung des Landes unmittelbar um. Notabene: jegliche tatsächliche Selbstverwaltung bzw. Autonomie, ob bescheiden oder exzessiv, findet stets im Rahmen und mit Einverständnis des Gesamtstaats statt!

Leserbrief zum Artikel "Geschenk für Erdogan" von Karin Leukefeld in "junge Welt" vom 21.12.2018, Seite 1, und zum Artikel "Erdogan erhält freie Bahn für Intervention - Türkische Angriffe in Nordsyrien vorbereitet - Kurden in BRD kritisieren Agieren der Bundesregierung", Gespräch von Gitta Düperthal mit Ayten Kaplan, junge Welt, 21.12.2018, Seite 2


Wem der Weltfrieden am Herzen liegt...

Auch der sprunghafte US-Präsident Trump kann ja einmal in die richtige Richtung springen. So wäre denn auch ein Rückzug der rechtswidrig nach Syrien eingedrungenen US-Truppen die Beendigung einer dreisten völkerrechtswidrigen Aggression. Kein vernünftiger Mensch, dem der Weltfrieden am Herzen liegt, kann dagegen etwas haben. Das US-Establishment, das Trump leider dann fast immer, vielleicht auch jetzt wieder, in seine Richtung zu drehen versteht, hingegen schon. Und natürlich auch jene imperialistischen Musterschüler zu Berlin (wie von der Leychen und Maas-ist-nicht-genug), die sich reflexartig als Wadenbeißer betätigen, wenn sich nur ein bißchen die Möglichkeit einer ein etwas friedlicheren US-Politik abzeichnen könnte.

Leserbrief zum Artikel "Kritik am Abzug aus Syrien" in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 21.12.2018, Seite 1



Neudefinition des Begriffs der Migration

Wird schon der Begriff der Flucht von interessierter Seite ständig überdehnt, bis hin zu einer "Flucht aus Perspektivlosigkeit" und ähnlichen Fantastereien, gilt dies für den Begriff der Migration nicht minder: Migranten sollen nämlich, so wird es laut jW nun auf der Homepage der UNO behauptet, jetzt auch diejenigen sein, die das Land ihres gewöhnlichen Aufenthalts auch illegal, d.h. ohne Einverständnis des betreffenden Ziellandes, ändern wollen. Diese Definition jedoch widerspricht dem, was Migration im üblichen Sprachgebrauch und in ihrer Essenz ausmacht: Sie ist eine zwischen Migrant und Zielland EINVESTÄNDLICH vorgenommene Änderung des gewöhnlichen Aufenthaltslands des Migranten.

Zunächst einmal muss der Migrant diese Änderung wollen - weshalb es niemandem in den Sinn käme, z.B. Vertreibung oder Verschleppung in ein anderes Land als "Migration" bezeichnen. Aber eben auch das Zielland muss diese Änderung dann zumindest akzeptieren - weshalb eine Änderung des gewöhnlichen Aufenthaltslands in Form von Eroberung, Landnahme oder sonstigem Eindringen vernünftiger Weise ebenso wenig als Migration bezeichnet werden kann!

Genau genommen ist die Rede von der "illegalen Migration" daher ein Widerspruch in sich, und dient einzig dazu, das tatsächlich gegebene illegale Eindringen nicht so deutlich benennen zu müssen. Mit der auf der Homepage der UNO dargebotenen Neudefinition des Begriffs der Migration soll diese sinnwidrige Rede nun quasi offiziell werden. Man will eben beide Arten der Bevölkerungsverschiebung aus dem Trikont mit allen Mitteln steigern, legale Migration wie auch illegales Eindringen.

Leserbrief zum Artikel "Flüchtlinge schützen - Nach Migrationspakt weiteres Abkommen bei UNO in New York beschlossen" auf Basis der Nachrichtenagentur dpa in "junge Welt" vom 18.12.2018, Seite 1



Siehe auch:

Was ist von der Ankündigung des US-Truppenabzugs aus Syrien zu halten?
"Trump verrät alle"
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
NRhZ 688 vom 26.12.2018
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25514

US-Truppenabzug aus Syrien und Afghanistan
Trump bringt mit Truppenabzug die alte & die "junge Welt" ins Schleudern
Von Hartmut Barth-Engelbart
NRhZ 688 vom 26.12.2018
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25515

Der US-Truppenabzug aus Syrien stößt auf Protest, und die Tagesschau lässt sogar unseren Prachtaußenminister Maas motzen
Die Kriegermeute heult wütend auf
Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam gegen die "Macht um Acht"
NRhZ 688 vom 26.12.2018
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25523

Kampf zwischen dem US-Präsidenten und der Kriegsfraktion mit langem Werdegang
Keine Zeit zu verlieren, sich nicht verwirren lassen: Zurück auf die Bahnen des Rechts
Von Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait
NRhZ 688 vom 26.12.2018
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25522

Online-Flyer Nr. 688  vom 26.12.2018

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