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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Globales
Wie das Trump-Feindbild seinen Lauf nimmt
Auf den Spuren des Rockefeller-Netzwerks
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Was ist CFR? CFR steht für "Council on Foreign Relations". Das ist einer der einflussreichsten Think-Tanks des US-basierten supranationalen Kapitals – aus dem Rockefeller-Spektrum – in dem unter anderem Bill Clinton und Madeleine K. Albright Mitglied sind. Albright ist diejenige Außenministerin der USA, die bezogen auf die Sanktionen gegen den Irak gesagt hat, die daraus resultierenden 500.000 getöteten Kinder seien ihren Preis wert. Für eine Publikation dieses Think Tanks entsteht am 2. März 2017 ein Artikel mit der Überschrift "Der (nicht so) friedliche Übergang der Macht: Trumps Drohnen-Einsätze übertreffen Obama". Darin heißt es: „Während der zwei Amtsperioden von Präsident Obama genehmigte er 542 gezielte Schläge in 2.920 Tagen – einer alle 5,4 Tage. Präsident Trump hat in 45 Tagen mindestens 36 Drohnen-Schläge oder -Angriffe genehmigt – einer alle 1,25 Tage.“ Obwohl nicht klar ist, was genau miteinander verglichen wird, wird diese Meldung – ohne jede Hinterfragung – begierig aufgegriffen. Sie ist ein gefundenes Fressen für die Anti-Trump-Kampagne.


Website der "Council on Foreign Relations" mit Artikel vom 2.3.2017

Auf einer website, die sich den Namen "Anti Media" gegeben hat, ist am 7. März 2017 unter Bezugnahme auf die "Information" des "Council on Foreign Relations" – angereichert mit einer in Brauntönen gehaltenen Trump-Darstellung, die Hitler-Assoziationen weckt – zu lesen: „Seit Trumps Amtsübernahme sind die US-Drohnen-Schläge um 432 Prozent gestiegen.“

Am 8. März 2017 greift der "Propaganda-Ticker" der website "Die Propagandaschau" die Anti-Media-Meldung auf und schreibt „Seit Trumps Amtsübernahme sind die US-Drohnen-Schläge um 432 Prozent gestiegen“ – gefolgt von der Angabe "Kommentare deaktiviert" – und verlinkt mit "Anti Media".

Der "Ron Paul Liberty Report" meldet es am 9. März 2017: "Seit Trumps Amtsübernahme sind die US-Drohnen-Schläge um 432 Prozent gestiegen."

Im Fefe-Blog heißt auf einer Seite ohne Datum (zuletzt modifiziert am 9. März 2017): „Eine der Hoffnungen mit Trump war ja, dass er wenigstens weniger Drohnenmorde anordnen würde, aber Trump drohnt sogar noch schneller als Obama Leute in fernen Ländern tot.“ Dann folgt (auf englisch) der eingangs zitierte Passus aus der "Information" des "Council on Foreign Relations", um dann genüsslich zu schließen: „Na super. Nicht mal das.“

Am 10. März 2017 kommt die "Information" bei "Left over Rights" an. Hier heißt es dann: „KILLER Trump hat die Drohnen-Schläge um 432 Prozent erhöht – täglich befiehlt er Angriffe“ (KILLER Trump has Increased Drone Strikes By 432%, He’s Ordering Strikes DAILY).

Die "Kampagne Stopp Ramstein" transportiert die "Information" am 13. März 2017 unter der Überschrift "Mehr Drohnenangriffe unter Trump" so: „Donald Trump hat in den ersten 45 Tagen seiner Amtszeit einen Drohnenangriff alle 1,25 Tage genehmigt. Unter Obama war es einer alle 5,4 Tage. Jeder Drohnenangriff ist zu viel! Nein zu Drohnen und zu Krieg!" Dann wird die Quelle angegeben: blogs.cfr.org – gefolgt von dem Aufruf "Unterstütze uns!“.

"The New American", eine website "für freiheitsliebende Amerikaner" schreibt unter Bezugnahme auf die "Information" des "Council on Foreign Relations" am 16. März: „Drohnen-Schläge steigen unter Donald Trump um 432 Prozent“.

Die britische "Stop the War Coalition" greift die "Information" am 20. März 2017 auf und schreibt: "Wenn Du Dir hinsichtlich Trumps Außenpolitik nicht sicher gewesen bist – jetzt kannst Du es sein."

„36 Drohneneinsätze in den ersten 45 Tagen der Trump Regierung sind eine Vervierfachung der Einsätze gegenüber dem unverantwortlichen Handeln der Obama Administration (542 Einsätze in 2920 Tagen).“ So heißt es am 27. März 2017 in einer Pressemitteilung der "Kampagne Stopp Ramstein".


Artikel von Knut Mellenthin in "junge Welt" vom 6.3.2017 (online-Fassung)

Auch in der Tageszeitung "junge Welt" gibt es einen Bezug zum Artikel des "Council on Foreign Relations". Auf der Titelseite der Ausgabe vom 6.3.2017 wird ein Artikel von Knut Mellenthin präsentiert. Der Titel "Trump lässt bombardieren" lässt erkennen, was mit diesem Artikel beabsichtigt ist. Es heißt darin: „Donald Trump hat den Streitkräften freie Hand gegeben, ihre Kriegführung im Jemen auszuweiten. Einer offiziellen Mitteilung des US-Verteidigungsministeriums zufolge wurden dort am Donnerstag und Freitag [2. und 3. März 2017] mehr als 30 Luftangriffe geflogen... Beteiligt waren sowohl Kampfflugzeuge als auch unbemannte Flugkörper, so genannte Drohnen.“ Einen direkten Bezug zum Text der "Information" des "Council on Foreign Relations" gibt es zwar nicht, aber als Illustration wird genau das Bild verwendet, das auch für den Artikel des "Council on Foreign Relations" zum Einsatz kommt.

Komplett lautet die Passage aus dem Artikel des "Council on Foreign Relations" – verfasst von Micah Zenko – wie folgt: “By at least one measure at this point in his presidency, Trump has been more interventionist than Obama: in authorizing drone strikes and special operations raids in non-battlefield settings (namely, in Pakistan, Yemen, and Somalia). During President Obama’s two terms in office, he approved 542 such targeted strikes in 2,920 days – one every 5.4 days. From his inauguration through today, President Trump had approved at least 36 drone strikes or raids in 45 days – one every 1.25 days. These include three drone strikes in Yemen on January 20, 21, and 22; the January 28 Navy SEAL raid in Yemen; one reported strike in Pakistan on March 1; more than thirty strikes in Yemen on March 2 and 3; and at least one more on March 6.”

In der Auflistung der Drohnen-Einsätze schlägt also die Operation im Jemen am 2. und 3. März 2017 mit "30 Schlägen" am stärksten zu Buche. Das war nach Darstellung von Knut Mellenthin eine Militäroperation mit einer Welle von 30 Luftangriffen, bei denen „sowohl Kampfflugzeuge als auch... Drohnen“ zum Einsatz gekommen sind. Das gibt einen Hinweis darauf, dass in der "Information" des "Council on Foreign Relations" sehr wahrscheinlich Äpfel mit Birnen verglichen werden.


Es folgt abschließend ein Querschnitt durch die Darstellungen der Web-Veröffentlichungen, die auf der "Information" des "Council on Foreign Relations" basieren:



"Anti Media" am 7. März 2017


"Propaganda-Ticker" der website "Die Propagandaschau" am 8. März 2017


"Ron Paul Liberty Report" am 9. März 2017


Fefe-Blog am 9. März 2017


"Left over Rights" am 10. März 2017


"Kampagne Stopp Ramstein" am 13. März 2017


"The New American" am 16. März 2017


"Stop the War Coalition" am 20. März 2017


Siehe auch:

Pressemitteilung der Kampagne "Stopp Ramstein"
"Schaden vom deutschen Volk abwenden"
NRhZ 606 vom 29.03.2017
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23671

Online-Flyer Nr. 607  vom 05.04.2017

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