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Aktueller Online-Flyer vom 17. Oktober 2017  

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Verleihung der Ehrendoktorwürde an Ernesto Cardenal
Von Arbeiterfotografie



https://youtu.be/aWtbBGCalr0aWtbBGCalr0

Der Revolutionär, Dichter und ehemalige Kulturminister von Nicaragua, Ernesto Cardenal, hat am 4. März 2017 die Ehrendoktorwürde der Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften der Bergischen Universität Wuppertal erhalten. Die Fakultät würdigt Cardenals Beitrag zur Weltliteratur und sein Engagement für den kulturellen Austausch zwischen Nicaragua und Deutschland. Ernesto Cardenal dankte mit seinem Wuppertal-Gedicht:

    In Wuppertal, der Stadt von Engels
    wünscht Dieter Rosenkranz, Millionär wie Engels
    und Besitzer von Textilfabriken in mehreren Ländern,
    den Sozialismus herbei. Er will seine Fabriken loswerden.
    Geld interessiert ihn nicht.
    Er holt linke Leute in seine Fabriken
    damit sie Kritik üben
    und ihm sagen, was er noch besser machen kann für die Arbeiter.
    Beim Abendessen in seiner Wohnung voller Gemälde
    erzählt er mir von seinem Besuch beim Dalai Lama.
    Meditation und Revolution
    das sind seine Interessen.

    Und als ich in einem Saal in Wuppertal sprach
    unterbrach mich schimpfend ein alter bärtiger
    Nazi (ein Irrer, erklärte man mir).
    Zwei Brüder, Nachkommen von Engels,
    achtzigjährig, evangelische Pfarrer
    und wichtige Theologen alle beide.

    Moselwein lieblich wie Limonade
    kalt und golden, Pfirsichkuchen.
    Hinter den Fenstern: die alten, steilen Dächer von Wuppertal
    im Herbstnachmittag, und der Park.
    Engels' Großvater, ein Kaufmann, ging Pleite
    zur Zeit Napoleons
    und zeigte seinen Arbeitern die Rechnungsbücher
    damit sie sähen, dass er sie nicht betrog.
    Einmal stahl ihm ein Arbeiter Kohlen,
    da brachte er ihm eine Karre Kohlen ins Haus.
    Friedrichs Vater hatte an die 50 Häuser.
    Und es gibt ein Gedicht von Engels
    geschrieben kurz vor seiner Konfirmation,
    in dem es heißt: »Christus, wie sehr ich dich liebe«.
    Doch dann sah er die Ausbeutung der Arbeiter
    und kehrte dem Christentum den Rücken.

    Marx wählte freiwillig die Armut
    aus Liebe zu den Armen. Und litt Verfolgung.
    Engels genauso.
    »Ich hoffe, ihm im Himmel zu begegnen«,
    sagt der ältere der beiden
    in seinem Rollstuhl, eine Hand ist lahm.
    Und als ich vom Leben nach dem Tode sprach,
    an das ich glaube,
    verbarg seine Frau
    die Tränen.

    (aus "Deutschlandreise 1973", veröffentlicht in deutsch in: Ernesto Cardenal, Aus Sternen geboren, Das Poetische Werk I, Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2012)

Siehe auch:
Verleihung der Ehrendoktorwürde der Uni Wuppertal an Ernesto Cardenal
„Türme Gottes! Dichter!“
Laudatio von Ottmar Ette in NRhZ 603 vom 08.03.2017
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23614

Aus dem Buch von der Liebe
Leidenschaft, unendlich
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NRhZ 603 vom 08.03.2017
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23607

Fotogalerie
Ernesto Cardenal auf Lesereise durch Deutschland
Die Liebe zu Gott brachte mich zur Revolution
NRhZ 604 vom 15.03.2017
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23625

Aus dem poetischen Werk "Aus Sternen geboren"
Gebet für Marilyn Monroe
Von Ernesto Cardenal
NRhZ 604 vom 15.03.2017
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23630

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Online-Flyer Nr. 603  vom 17. Oktober 2017



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