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Aktueller Online-Flyer vom 12. Dezember 2017  

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Kommentar
Warum hat Donald Trump die US-Wahl gewonnen?
Große Verwirrung
Von Felicitas Rabe

Der bekannte investigative Journalist Greg Palast, Autor von „The Best Democracy Money Can Buy“ und auch der US-Analyst Stephen Lendman gehen davon aus, dass das Wahlergebnis zugunsten von Donald Trump manipuliert wurde. Das könnte sein und wäre nicht das erste mal, dass eine US-Wahl manipuliert worden wäre. Aber sollte das tatsächlich stimmen, frage ich mich? Wie kann es sein, dass das US-Establishment einen Kandidaten gewinnen lässt, den sie durch ihre Medien vorher monatelang als Idioten, Sexisten, Rassisten und politischen Tölpel beschimpft haben. Das macht doch keinen Sinn, oder doch?

Nachdem die Finanzelite samt Wallstreet und Soros offensichtlich Hillary Clinton bevorzugt hat, weil sie ja auch Millionen für ihren Wahlkampf ausgaben und während des ganzen Wahlkampfs dafür sorgten, dass ihre menschenverachtende Politik in ihrer Zeit als Außenministerin und Kriegstreiberin nicht thematisiert wurde, hätte ich stets prognostiziert, dass das Wahlergebnis im Zweifelsfalle zu ihren Gunsten bearbeitet worden wäre.

Ich frage mich also, warum konnte es geschehen, dass alle Mainstream-Medien in den USA und Europa und ganz besonders in Deutschland die ganze Zeit Hillary Clinton unterstützt haben, und dann entscheidet man sich für Donald Trump?

Eine Möglichkeit wäre, er hätte tatsächlich so haushoch gewonnen, dass keine Schiebung für Hillary Clinton möglich war und somit das Wahlergebnis dem tatsächlichen Wahlausgang entspricht. Mit dieser Möglichkeit hätte in dem Fall das US-Establishment nicht gerechnet. Schließlich war die neueste Newsweek-Ausgabe mit Hillary Clinton als neuer US-Präsidentin auf dem Titelbild schon vor der Wahl gedruckt und mußte eingestampft werden. Das zeigt jedenfalls, dass die transatlantischen Geldeliten und Medienmogule sich bis zum Schluss völlig sicher waren, dass Clinton Präsidentin werden soll und wird. Und sie waren bis zum Schluss auf ihrer Seite.

Andererseits gab es in alternativen Medien auch mehrfach Meldungen, dass Clinton´s Wahlveranstaltungen im Gegensatz zu den Auftritten von Trump sehr schlecht besucht würden. Clintons Team ließe demnach schon US-Stars wie Beyoncé, Cheers und andere auf den Veranstaltungen auftreten, damit Besucher zu den kostenlosen Auftritten kommen würden. Sollte das stimmen, hätten aber die Clinton-Manager auch wissen müssen, dass sie nicht so beliebt war – warum waren dann die Medien so optimistisch?

Eine Erklärung könnte es geben: Als im Sommer Hillary Clinton´s E-Mail-Affaire ziemlich bald beigelegt wurde, war ich mir eigentlich sicher, dass die Wahl ihr zugesprochen werden würde. Immerhin hatte sie mit der Einrichtung eines privaten Servers für ihre offiziellen Mails als Außenministerin US-amerikanisches Recht verletzt. Danach müssen offizielle Dokumente nach einem festgelegten Zeitraum der Öffentlichkeit präsentiert werden können und gehören daher auch auf einen Server der Administration. Frau Clinton hatte diese Dokumente auf einem privaten Server und außerdem hat sie sie zudem auch noch gelöscht, so dass die Öffentlichkeit sie niemals zu Gesicht bekommen hätte. Nachdem ihr dies aber relativ rasch nicht mehr vorgeworfen wurde, konnte man doch davon ausgehen, dass ihr auch weiterhin alle Vorwürfe entsorgt werden würden?

Daher war ich sehr erstaunt, dass am Freitag, den 28.Oktober, ein paar Tage vor der Wahl, der FBI-Chef James Comey verkündete, dass die Untersuchung von Clinton´s E-Mail-Affaire neu aufgerollt werden würde. Außerdem stellte sich heraus, dass Frau Clinton zwar die Mails gelöscht hat, dass aber diese Mails als Kopien auf dem Server des Ehemanns ihrer Wahlkampfberaterin Huma Abedin in einem Ordner namens „Life Assurance“ gespeichert sein sollten. Dieser Mann sei angeblich sexsüchtig und pädophil und hatte sich womöglich mit den Kopien der E-Mails von Frau Clinton eine Lebensversicherung beschaffen wollen. Diese Mails wurden jedenfalls gekapert, entweder von wikileaks an das FBI geschickt oder vom FBI an wikileaks – das habe ich nicht so genau verstanden.

Allerdings habe ich gelesen, um welche Inhalte es in den Tausenden von Mails ging. Es ging um Clinton´s Verbindungen zu Pädophilen-Netzwerken, es ging um die Strategie, wie man Bernie Sanders los wird, es ging um die Korruption und Geldwäsche bei der Clinton-Stiftung, es ging um US-amerikanische IS-Unterstützung und jede Menge weitere skandalöse Vorgänge. Deswegen hatte Hillary Clinton diese Mails ja schon vor Monaten gelöscht. Weshalb hat sich der FBI-Chef Comey so kurz vor der Wahl entschlossen, die Untersuchung der E-Mail-Affaire wieder aufzunehmen? Das weiß ich nicht. Aber am Freitag, den 28.Oktober war ich mir sicher, dass die Wahl für Hillary Clinton damit erledigt sein würde. Diese Pseudofeministin und Menschenverächterin war für mich immer ein Schlag ins Gesicht aller wirklichen Frauen- und Menschenrechtler gewesen. Daher habe ich mich am Freitag abend gefreut, dass ihre Ära endgültig vorbei sein würde und irgendjemand sie offensichtlich hochgehen lassen wollte.

Am Montagmorgen, den 1. November war ich dann fassungslos, als James Comey verkündete, die Untersuchung der E-Mail-Affaire würde eingestellt. Was war zwischen Freitag und Montag passiert? Warum war sich der FBI-Chef zunächst so sicher, dass er die dreckige E-Mail-Wäsche waschen durfte, und dann hat er wieder zurück gerudert?

Das deutete ich zunächst als Zeichen, dass Hillary Clinton vermutlich öffentlich Kinder erschießen dürfte und immer noch als Präsidentin ernannt werden sollte – oder zumindest ein Zeichen dafür, dass Donald Trump der Wallstreet und der Finanzelite so verhasst war, dass Hillary Clinton ihn auf jeden Fall verhindern musste.

Umso weniger habe ich am Tag nach dem Zurückrudern des FBI-Chefs Comney verstanden, warum Trump in der Wahlnacht nun doch Präsident werden konnte?

Da kann ich nur spekulieren: Möglicherweise hat es ganz kurzfristig einen Deal gegeben. Möglicherweise durften die Inhalte der Mails auf keinen Fall untersucht werden. Da stand ja nicht nur die Zukunft und die Reputation von Hillary Clinton auf dem Spiel. Wer weiß wievielen hochgestellten Personen und Institutionen bei einer gerichtlichen Untersuchung das Wasser bis zum Scheitel gestanden hätte. Schließlich wäre vermutlich auch aufgedeckt worden, welche US-Kreise den IS in Syrien mitfanziert hätten, wer mit in das Pädophilen-Netzwerk verstrickt ist, wer wo in Korruption und Geldwäsche verwickelt ist, die allerübelsten Machenschaften wären ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt worden. Insofern musste die Untersuchung der E-Mails auf jeden Fall verhindert werden. Vermutlich wurde dem Wikileaksgründer Julian Assange in diesem Zusammenhang nicht nur sein Internetzugang gesperrt. Zur Sperrung wurde die ecuardorianische Regierung, in deren Botschaft in London Julian Assange seit 4 Jahren festsitzt, von wem auch immer gezwungen.

Im Interview mit dem Titel „Secret World of US-Election“ berichtete er dem bekannten investigativen Journalisten John Pilger am 5. November 2016 in einem Nebensatz, dass er Angst hat um seine Kinder. Das hat John Pilger ausdrücklich wiederholt. Es könnte sein, dass Julian Assange damit dem mit Sicherheit dezentralen Wikileaksnetzwerk, für das er als Pfand in der Botschaft sitzt, etwas mitteilen wollte.

Jedenfalls wurden meines Wissens nach keine weiteren E-Mails von wikileaks veröffentlicht. Warum könnte es dann noch wichtig gewesen sein, Hillary Clinton trotzdem kurzfristig verhindern? Möglicherweise haben die Kreise, die die E-Mail-Affaire wieder ausgepackt haben und Clinton ganz offensichtlich nicht wollten, massiv mit der Veröffentlichung vieler Mails gedroht.

So wurde Trump vielleicht nicht deshalb Präsident, weil die Finanzelite ihn auf einmal wollte, sondern weil man einen Deal akzeptiert hat, bei dem man Clinton geopfert hat. In der Wahlnacht hat es so ausgesehen, dass noch nicht einmal Hillary Clinton in diesen Deal eingeweiht war. Es sah so aus, als hätte sie nicht einmal eine Rede für den Fall ihrer Nichtwahl vorbereitet, so sicher war sie sich, gewählt zu werden.

Direkt nach der Bekanntgabe des unwahrscheinlichen Wahlergebnisses mit dem Sieg von Donald Trump sind erstaunlicherweise nicht die Aktienmärkte eklatant zusammen gebrochen. Damit hätte ich gerechnet. Die Finanzelite, die Donald Trump nicht wollte, schien jedoch in den Trump-Sieg eingeweiht gewesen zu sein, oder hat ihn kurzfristig selbst diktiert.

Die sehr, sehr kurzfristige Verhinderung von Frau Clinton heißt aber womöglich nicht, dass Trump auf jeden Fall Präsident werden kann. Interessanterweise rennen die Wahl-Protestler auf den Straßen der US-amerikanischen Großstädte nicht mit Clinton-Unterstützungsplakaten herum – sie laufen Sturm gegen Trump. Dazu hat Hillary Clinton sie in ihrer Abschiedsrede auch ausdrücklich aufgefordert. Sie sollen weiterkämpfen. Sie hat nicht gesagt „für mich“. Vielleicht war das auch Bestandteil des Deals. Sie kann es nicht mehr werden, aber sie fordert nochmal auf zum Weiterkämpfen - jetzt geht es weiter gegen Trump. Die angeblich demokratischen Organisationen wie zum Beispiel change.org haben schon eine massive professionelle Kampagne samt Unterschriftensammlung gestartet, wonach die Wahlmänner entgegen der US-Gesetzeslage Donald Trump im Dezember nicht wählen sollen. Er steht also weiterhin unter Druck – mal sehen wie es weiter geht.

Über Rückmeldungen würde ich mich freuen.


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