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Aktueller Online-Flyer vom 18. Januar 2017  

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Glossen
Da War doch noch was?
Geheimdunst
Von Harald Schauff

Arg ins Gerede sind sie gekommen, ins Visier kritischer Medien ohnehin, unsere geheimen Nachrichtendienstler und Verfassungsschützer. Es ging so einiges schief über die Jahre: Bei der Erkundung des braunen Sumpfes sind sie in demselben stecken geblieben. Siehe V-Leute-Skandal, misslungenes NPD-Verbot und NSU-Terror. Bis heute bleibt die Frage ungeklärt: Hat der Verfassungsschutz die rechte Szene unterwandert oder diese ihn? So undurchsichtig ist die Verbandelung beider durch V-Leute. Der Gag ist unter Kabarettisten längst ein alter Schlapphut. Ebenfalls nicht sicher ist, ob das V für Verbindung steht oder gar für Verbrüderung. Wahrscheinlich betrifft dies jedoch eher die Kollegen vom BND. Sie führten vor, dass sie nicht nur mit ‘Nationalen’, sondern auch mit ‘Brüdern’ gut kooperieren können. Genauer gesagt: Mit dem nationalen Sicherheitsdienst des Großen Bruders, NSA. Gemeinsam bildete man ein starkes Späh-Team für die gute Sache der nationalen Sicherheit.


NSU-Vertretung in Wiesbaden-Erbenheim, Standort des von der NSA (National Security Agency) mit genutzten Geheimdienstzentrums der US-Armee (Foto: arbeiterfotografie.com)

Sicher, das Ausforschungsschiff hat rechts schwer Schlagseite. Doch es dampft noch, es fährt und, wenn man staatstragenden Stimmen Glauben schenken darf, fischt es erfolgreich in trüben Gewässern. Zumindest in denen des islamistischen Terrors. Deshalb, so dieselbe staatsdiensttragende Meinung, blieben wir hierzulande bislang von den verheerenden Attentaten schieß- und (selbst)zersprengungswütiger Gotteskrieger verschont. Was wollen wir mehr? Er funktioniert doch, der Dienst an der nationalen Sicherheit. Man möge ihm die kleinen Ausrutscher, die nebenher zur Sicherung des Nationalismus beitrugen, in christlich-abendländischem Großmut verzeihen. Denn in Richtung islamischer Fundamentalismus hat er Großartiges geleistet. CIA und französischer Geheimdienst sollen schon wissbegierig an die Tür geklopft haben.

Von deutschen Maulwürfen lernen heißt: Siegreich schnüffeln lernen. Trotz oder vor allem der Klappe überm rechten Auge. Da soll bitte auch kein Bundestags- Untersuchungsausschuss querschießen und maßlose Forderungen stellen. Wie etwa Hans-Christian Ströbele von den Grünen, der mehr Transparenz bei den Schnüffeldiensten verlangt. Er begreift nicht: Ihre Verborgenheit ist der Garant für ihren Erfolg und unsere Sicherheit. Lasst die Maulwürfe buddeln, damit uns IS und El Kaida in Ruhe lassen. Was macht da schon das Bisschen rechte Gewalt, die paar NSU-Morde und abgefackelten Flüchtlingsheime? Wozu IS und Konsorten in der Lage sind, hat man in Paris gesehen. Das hätte eben so gut bei uns passieren können. Schließlich ist auch Deutschland primäres Angriffsziel der IS-Terroristen. Nachdem es deutsche Politiker und Journalisten einhellig und absolut glaubwürdig dazu erklärt haben. Wer will die geballte Wortkompetenz dieser Experten anzweifeln? Genauso gilt es die Funktionstüchtigkeit, die tolle und effiziente Arbeit unserer staatlichen Schnüffeldienste endlich anzuerkennen und über ihre von der Schlammschlacht im braunen Sumpf verschmutzten Finger hinweg zu sehen. Dafür darf man rechts schon mal ein Auge zudrücken.


Harald Schauff ist Redakteur der Kölner Obdachlosen- und Straßenzeitung "Querkopf". Sein Artikel ist im "Querkopf", Ausgabe Februar 2016, erschienen.

Siehe auch:

Über eine gelungene imperialistische Operation
Köder NSU begierig geschluckt
NRhZ Nr. 441 vom 15.01.2014
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=19908

Online-Flyer Nr. 551  vom 02.03.2016

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