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Aktueller Online-Flyer vom 29. September 2016  

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Lokales
Erster Kölner Anti-Militäratlas ist erschienen
Krieg beginnt, wo nur ausgewählter Opfer gedacht wird
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Krieg beginnt (auch) in Köln! Die Broschüre „Wir.Machen.Krieg. Kölner Anti-Militäratlas“ zeigt, wo Widerstand und Protest in der Domstadt auf die teils verborgenen Bundeswehr-Partner trifft: vor Standorten, bei Vereinen und gewinnorientierten Unternehmen (Banken, Industrie, Anwaltskanzleien, Gewalt-Software-Hersteller ElectronicArts EA), bei Kultur und Kirchen, innerhalb des Stadtbildes und innerhalb städtischer Einrichtungen wie in Schulen und der KölnMesse. Informativ.


Gamescom 2009 (Foto:arbeiterfotografie.com)

Krieg beginnt immer mit Lügen: Wir.Dienen.Deutschland.

In einer Fleißarbeit auf rund 80 Seiten im A4-Format dokumentiert eine umfangreiche Info-Sammlung beispielhaftes Vorgehen unterschiedlicher Proteste und Protestformen. Ein Lageplan liefert auf einen Blick Orientierung über Einrichtungen, die der Bundeswehr am Standort als drittgrößtem Arbeitgeber Kölns (in Geldwerten gemessen zweitgrößtem Arbeitgeber) nützlich sind. Bundesweit ist die Bundeswehr auf mehreren hundert Messen und öffentlichen Veranstaltungen in Deutschland vertreten. Beispiel einer Aktion zur Bildungsmesse didacta von schulfrei-fuer-die-bundeswehr war es, Infotexte in Postkartenform unter das Bundeswehr-Werbematerial zu mischen. Darauf hieß es: „Krieg beginnt immer mit einer Schlacht der Lügen. Auch Jugendoffiziere lügen, wenn sie behaupten, sie hätten in Afghanistan an ‘friedenssichernden Maßnahmen und Konfliktbewältigung’ teilgenommen. In Afghanistan wird von 36 Staaten seit zwölf Jahren Krieg geführt. In Slums leben nicht mehr 2,4 Mio. sondern 4,5 Mio. Menschen. Unterernährt sind nicht mehr 30% sondern 39% der Bevölkerung“ nach einer UNO-Erhebung.

Krieg beginnt nicht mit dem ersten Schuss

„Krieg beginnt nicht mit dem ersten Schuss, sondern dort, wo er vorbereitet wird“, heißt es in einem Schreiben an Abgeordnete aller Parteien im Kölner Rat, mit der Bitte, einen vier Punkte umfassenden Fragenkatalog zu beantworten. Antworten, wenn auch ausweichend kommen von SPD, CDU, FDP. Die AfD findet die Fragen „suggestiv“ und möchte lieber „telefonieren“. Die GRÜNEN beantworten nur die relativ unverfängliche Frage Nr. 1. Keine Antworten kommen – man lese und staune – von Die Linke, Deine Freunde, Piraten und Pro Köln. Wer will sich schon entsprechend der unter Nr. 4 gestellten Frage schriftlich festlegen: „Würden Sie eine Initiative unterstützen, die ‘Köln – militärfrei’ auf den Weg bringt?“ Der FDP-Geschäftsführer äußert hierzu ein klares Nein.


Militärmusikfestival in der KölnArena, 2002 (Foto:arbeiterfotografie.com)

Kultur und Kirche für den Krieg

Der Kölner Anti-Militäratlas hat auch ein Gedächtnis. 2007 tritt die Kölsche Bänd Brings anlässlich des 50jährigen Bestehens der Luftwaffenkaserne in Porz-Wahn neben Uniform-Modenschau und ausgestellten Jagdbombern in einem Programm auf, das das „große und kleine Publikum begeistern“ soll. Vielleicht nur ein „Ausrutscher“ der traditionsreichen Gruppe um die Söhne des „Antifaschisten“ Rolly Brings. Genannt werden neben Presseorganen Rundschau und Stadtanzeiger und der Jugendzeitschrift „K50“ für Köln, in der unverhohlen für Militär-Karriere geworben wird, auch die Veranstalter und Unterstützer von Musikchorps der Bundeswehr in der Philharmonie, der so genannten Lanxess-Arena und in der Kirche St. Agnes. Von Militärseelsorge und dem berüchtigten Soldaten.Gottes.Dienst. ist an anderer Stelle die Rede. Nicht zu vergessen die Dance Factory Cologne, die laut der Illustrierten Stern zum Tag der offenen Tür im Bendlerblock „bei Bombenwetter... Uniformen aller Gattungen“ als „scharfe Granaten“ im „Tanz- statt Gleichschritt“ präsentierten.

Krieg beginnt immer mit Lügen. Auslassungen sind Lügen.

"Krieg beginnt da, wo nur der eigenen Opfer gedacht wird", heißt es auf Seite 50. Zu bedenken ist folgendes Folgenschwere: selektiver Antifaschismus (für den einige im Anhang aufgeführte „Friedensgruppen“ zeichnen) im Sinne deutscher (!) Staatsräson (!) passt da irgendwie nicht ins Bild. Eine erweiterte Fassung des Atlas könnte – über zivile Partner hinaus – militärische und Nachrichten "dienstliche" Bündnisse offen legen.

Der Atlas hat einen bemerkenswerten Vorläufer:
Paula Elvira Keller und Erasmus Schöfer: „Neues von der Heimatfront. Krieg beginnt hier – Widerstand auch“. Ein antimilitaristischer – zeitloser – Lesekalender. Eigenverlag, Köln 2013, 197 Seiten Bezug: Paula Keller, Trajanstraße 5, 50678 Köln oder über E-Mail: paulilula@gmx.de für 10 Euro + 1 Euro Versand



Unter dieser Adresse ist auch der (von bundeswehr-wegtreten herausgegebene) Kölner Anti-Militäratlas zu beziehen für 5 Euro + 1 Euro Versand

Online-Flyer Nr. 547  vom 03.02.2016

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