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Aktueller Online-Flyer vom 27. Juni 2016  

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Inland
Glaubt die VVN, dass mit Hitler das falsche Schwein geschlachtet wurde?
Anti-deutsches Schauerspiel & die Kunst des Weglassens
Von Hartmut Barth-Engelbart

Als Stalin nach Abschluss des Abkommens in Jalta den Konferenzraum schon verlassen hatte, sagte Winston Churchill zu Teddy Roosevelt: “Ich glaube, wir haben das falsche Schwein geschlachtet!” Von einem Widerspruch Roosevelts ist nichts bekannt. Unter dem Titel “Zauberlehrlinge” führte der Bundesgeschäftsführer der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten" (VVN/BdA) Willms einen Generalangriff gegen den Deutschen Freidenker-Verband, die ARBEITERFOTOGRAFIE, die StreitZeitschrift KROKODIL und viele andere mehr. Meine Frage mit dem falschen Schwein ist bewusst provokativ. Natürlich hoffe ich auf Widerspruch, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass der Willms-Artikel die Mehrheitsmeinung in der VVN wiedergibt.

Meine Artikel zum Bomber Harris sind ihm eine Extra-Erwähnung wert, weil ich dort behaupte (und mit zahlreichen Indizien belege), dass die Bombardierung der deutschen Innenstädte auch die Funktion der Vernichtung antifaschistischen, antikapitalistischen Widerstands zum Ziel hatte und militärische wie industrielle Komplexe bis hin zu BUNA und LEUNA neben dem KZ Auschwitz nicht bombardiert wurden. Besonders verschont wurden Industrieanlagen mit anglo-amerikanischer Beteiligung. Nicht mal die Atombombenwerkstatt Hitlers in Hanau-Wolfgang wurde zerstört, nicht mal die DEGESCH-Gift-Produktion für die Massenmorde in den KZs.


Peter Gingold, Auschwitzüberlebender und ehem. VVN-Bundessprecher, bei Protesten anläßlich Hauptversammlung der I.G. Farben, Frankfurt, 17.9.2001 – protestierte 1999 in einer ganzseitigen Anzeige "Gegen eine neue Art der Auschwitz-Lüge“ in der Frankfurter Rundschau gegen die Rechtfertigung der NATO-Kriegsverbrechen in Jugoslawien (Foto: arbeiterfotografie.com)

Auch der GM-OPEL-Blitz für Hitlers Blitzkrieg lief weiter vom Band, DUNLOP lieferte die großteils zwangserarbeiteten Reifen nicht nur für die ADLER-Schützenpanzer, und Henry Ford lieferte nicht nur die ideologische Vorlage für "Mein Kampf" er lieferte auch entscheidende Wahlkampfhilfe und Rüstungsgüter aus seinen deutschen Werken. Auf welchem Auge ist der Herr Willms denn blind? Die Kooperation zwischen der FED und den deutschen Faschisten über die vom SS-Bankier Freiherr von Schröder kontrollierten Baseler Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) lief unter der Oberaufsicht durch die US-Präsidenten. Das kann den Forschungsergebnissen u.a. von Werner Rügemer entnommen werden. Hat die der Herr Willms nicht gelesen? Oder hat er sich (noch) nicht getraut auch Werner Rügemer anzugreifen, der bei der Verleihung des Kölner Karlspreises an Evelyn Hecht-Galinski in Anwesenheit aller von Willms Angegriffenen gesprochen hat. Willms lässt auch wissentlich die Artikel der von ihm Angegriffenen außer Acht, die sich mit Jürgen Elsässers Positionen kritisch auseinandersetzen.

Nachdem ich von Mitgliedern der Frankfurter VVN/BdA wegen meiner wissenschaftlichen Kritik an der Position des Erziehungswissenschaftlers Prof. Micha Brumlik bezüglich seiner Propaganda gegen den herkunfts-/muttersprachlichen Unterricht („Gastarbeiterromantik!“) zum Antisemiten erklärt wurde und dabei meine öffentlichen Aktionen gegen Brumliks-Kriegstreiberei gegen Jugoslawien eine verschärfenden Rolle gespielt haben, wundert es mich eigentlich nicht mehr sonderlich, dass mich der Herr Willms in der angeblichen “antifa” angreift.

Zu Gaddafi, dem „Diktator“ des Geschäftsführers der VVN/BdA, hat dankenswerter Weise Rainer Rupp in der jungen Welt so ziemlich alles bestätigt, was ich zum „Befreiungsbombardement“ Libyens über Jahre geschrieben habe [https://www.jungewelt.de/2016/01-15/012.php].

Zur Bombardierung der Innenstädte und damit auch der Widerstandsstrukturen gegen den Faschismus in der Phase der absehbaren Niederlage der deutschen Wehrmacht und des erst dann erfolgenden Kriegseintritts der USA hatte ich in zahlreichen Artikeln am Beispiel der Resistance klar gemacht, was die Bombardierung von La Rochelle, Bordeaux usw., von Städten in der Normandie und in der Bretagne, von Marseille und Lyon bedeutet hätte. Der Resistance ist es u.a. über Charles de Gaulle gelungen, die Westalliierten von den geplanten Bombardierungen dieser Städte mit deutschen Stellungen, Kommandozentralen in diesen Städten abzubringen, da sonst die Widerstandsstrukturen zerbombt und so die Chancen eines D-Day gleich Null würden. Neben dem Kriegsverbrechen der gezielten Bombardierung ziviler Ziele unter dem Kommando von Bomber Harris habe ich nachgewiesen, dass es den Westalliierten auch um die Vernichtung linken Widerstands ging, der für ein zumindest links-sozial-demokratisches oder auch Sowjetdeutschland und aus der Selbstbefreiung u.a. der KZs Buchenwald und Dachau kommend nicht unter dem Einfluss west-alliierter Dienste stand. Folgerichtig entstanden auch zwei verschiedene und in Teilen diametral entgegen gesetzte Linke Partei- und Gewerkschaftszentren: das von britischen und US-Diensten geförderte und wesentlich beeinflusste Hannoveraner Zentrum, besetzt mit aus dem UK-&US-Exil eingeflogenen Funktionären, von wo aus der Schumacherflügel der SPD und die DGB-Gründung vorangetrieben wurden, und das Stuttgarter Zentrum mit den linkssozialdemokratischen und kommunistischen Initiativen zur Schaffung einer Sozialistischen Einheitspartei als Umsetzung der Schwüre von Buchenwald, Dachau, Börgermoor und der Gründung des FDGB, der sich neben der sowjetischen in allen Westzonen ausbreitete. Erinnert sei hier nur an den großen Zustrom auf den Frankfurter Romerberg bei den Kundgebungen mit Otto Grotewohl und Wilhelm Piek.

Nachdem in den letzten Jahren sowohl die Selbstbefreiung des KZs Buchenwald als auch die des KZ Dachau in eine Befreiung durch die US-Army umgelogen wurde, wird jetzt auch noch durch den Geschäftsführer der VVN/BdA die schmerzliche Erfahrung einer weitgehenden und mit erneuter Haft und Folter bestraften Fehleinschätzung der deutschen Linken in den Jahren 1945 bis mindestens 1949 in ein Fortschritts-Fundament für die Deutsch-Amerikanischen Beziehungen und die positive Begründung der NATO umgedeutet. (Willms wendet sich ja gegen die Forderung „Raus aus der NATO“)

Der vom Bundesgeschäftsführer mit dem Zitieren eines Ausschnitts aus dem Buchenwald-Schwur hochgelobte Teddy Roosevelt, war noch vor der Selbstbefreiung Buchenwalds unter der Führung Fritz Cremers und Emil Carlebachs der Meinung, er und Churchill hätten mit Hitler “das falsche Schwein geschlachtet”.

In dem Schwur wird von diesem falschen Schweineschlächter als “des großen Freundes der Antifaschisten aller Länder, eines Organisatoren und Initiatoren des Kampfes um eine demokratische, friedliche Welt” gesprochen. Das war ein Irrtum, der erklärlich und entschuldbar ist, denn die VerfasserINNEN des Schwures hätten ohne den Vormarsch auch der West-Alliierten die Selbstbefreiung Buchenwalds nicht halten können und sie wussten nichts von der Bombardierung Hiroschimas und Nagasakis, mit der die Ausbreitung des Sozialismus in Asien gestoppt und der Anspruch auf Weltherrschaft demonstriert werden sollte. (Denn die japanische Armee hatte bereits kapituliert).

Zur Rolle der britischen und US-Army bei der Niederhaltung des griechischen Widerstands und ihrer Kollaboration mit den griechischen Royalisten und Faschisten, um die ELAM/ELAS zu zerschlagen, ist verständlicher Weise im Schwur von Buchenwald noch nichts zu lesen.

Aber der Herr VVN/BdA-Bundesgeschäftsführer Willms kennt die griechische Geschichte, kennt die Tatsache, dass das deutsche Besatzungskommando viele Stellungen und besetzte Regionen nahtlos an die Briten und Amerikaner übergaben, um sie nicht in die Hände der ELAM/ELAS fallen zu lassen. Er weiß auch, dass heute noch die Evakuierung von Kleinstädten und Dörfern zur Rettung vor den deutschen Faschisten und den mit ihnen kollaborierenden griechischen Faschisten als Kindesentführungen, Geiselnahme (u.a. mit dem in de USA produzierten Roman “Eleni”) gerufmordet wurden. Übrigens die gleiche Methode nach der die linken SPDlerinnen und KPDlerinnen zwischen 1946 und 1950 wegen angeblicher Kindesentführung verfolgt wurden, weil sie Hungerzüge für Kinder aus den zerbombten westlichen Industriezentren in die Kornkammern Magdeburger Börde und Mecklenburg-Vorpommern organisierten.

Nun unterschlägt Willms noch weit mehr – wohl, um den Massen, bei denen ja immer zu höchster Vorsicht zu raten ist, weil die sicher genetisch rechts determiniert und deshalb nur an der Leine oder in Hochsicherheitszonen zu halten sind, wie jetzt aktuell das Köln und das Nachköln beweisen. Nun unterschlägt Herr Willms, um den Massen eine biologisch vererbte Rechtslastigkeit nachzuweisen, zum Beispiel die MI5-Agenten-Rolle des Adolf von Thadden bei der DKP-Ausgleichsgründung der NPD Mitte bis Ende der 1960er. Er unterschlägt auch die führende Rolle des tiefen Staates bei den NSU-Morden. Er unterschlägt die ebenfalls geheimdienstlich als Spruchkammer-„Opfer“-Auffangbecken und KPD-Verbots-Versuchsballon installierte SRP. Er unterschlägt die Installierung des als Allzweckdienstwaffe eingesetzten Horst Mahler und dessen auch dienstliche Entsendung in den Iran, um dort die iranische angebliche „Holocaust-Leugnung“ zu belegen. Er verschweigt die dienstliche Lenkung der RAF (u.a. durch Urbach und Schmücker). Er verschweigt die dienstliche Lenkung der „Wehrsportgruppe“(n) bis hin zum Oktoberfest-Anschlag usw.

Nun zur Auseinandersetzung mit den „Rechtspopulisten“

Mal abgesehen davon, dass diese schwammige Vokabel in den gescholtenen Publikationen eher selten benutzt wird, weil sie vermischt, verwischt und verschleiert, komme ich als Gewerkschafter nicht umhin, mich mit den äußerst geschickt in verschiedenen Think-Tanks entwickelten Argumentationsgängen in den Köpfen meiner KollegINNen auseinanderzusetzen. Sonst dürfte ich morgens nicht mehr zur Arbeit fahren. Da nützen die vermeintlich wirksamen AntiFa-Parolen „Nazis raus“ oder „Nazis raus aus den Köpfen“ allein überhaupt nichts. Wenn wir im Gleichklang mit der kapitalstaatlichen Administration als Hilfspolizisten administrativen Druck ausüben (als Gewerkschafter, Betriebsratsmitglieder, Vertrauensleutekörpervorsitzende), erzeugen wir lediglich opportunistisches Duckmäusertum. Das bezieht sich nicht auf die faschistischen Blei-, Silber- oder Goldfasanen, aber auf alle, die denen auf den Leim gehen.

Ohne hier Assad, Milosevic, Gaddafi (die allesamt von Willms als Diktatoren denunziert werden) mit dem präfaschistischen Groß-Polen-Propagandisten und Landräuber Pilsudski gleichzusetzen, führt die Willmsche Logik zu Ende gedacht, wenn nicht zur Rechtfertigung des Überfalls auf Polen, so doch zu einer Äquidistanz zwischen Polen und dem faschistischen Deutschland. Pilsudski und seine ebenfalls präfaschistisch-ständestaatlichen Nachfolger unterdrückten ethnische Minderheiten, verfolgten Gewerkschafter und linke Opposition genauso blutig, waren ausgewiesene Antisemiten und planten ein Großpolen, das nicht nur die bereits auf ewig raub-polonisierten Gebiete Westrusslands sondern auch die baltischen Provinzen und große Teile, wenn nicht die gesamte Ukraine für einen polnischen Sperr-Gürtel von der Ostsee bis ans Schwarze Meer beanspruchte, den die Westalliierten gegen eine mögliche deutsch-russische Allianz förderten.


Quelle des "antifa"-Artikels:
http://antifa.vvn-bda.de/2016/01/10/zauberlehrlinge/

Siehe auch die Stellungnahme von Irene Eckert
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22475

sowie die von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann:

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22485




Online-Flyer Nr. 546  vom 27.01.2016

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