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Aktueller Online-Flyer vom 12. Dezember 2017  

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Krieg und Frieden
Zur Debatte um die "Engagierten Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas"
"Mir fallen da nur Stalin und Pol Pot ein"
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Wer den US-Imperialismus und dessen Verbrechen anprangert, muss ausgeschaltet werden – muss als "Nazi", als "rechts", als "rechts-offen", als "neu-rechts" oder dergleichen diffamiert werden. Das ist aus der Sicht des US-Imperiums klar. Ein Imperium lässt keinen Richter über sich zu – erst recht nicht, wenn es faschistische Züge trägt. Ein Imperium hat seine Leute – auch in der Linken und in der Friedensbewegung. Das ist wichtig. Denn eine Opposition muss am besten von innen heraus zerstört werden. Problematisch wird es, wenn sich neue Kräfte wie die "Montagsmahnwachen für den Frieden" oder gar die "Engagierten Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas" bilden, die (noch) nicht genügend durchsetzt sind. Dann müssen spezielle Geschütze aufgefahren werden. Dann formieren sich Kräfte des offensichtlichen Herrschaftsapparats und Kräfte, die sich einen linken Anstrich geben, zu einer gemeinsamen Front, schießen gemeinsam, und – das ist das interessante – sie enttarnen sich damit unfreiwillig. Auch eine Publikation wie die NRhZ, die sich dem Imperium nicht beugt, wird selbstverständlich unter Beschuss genommen.


Endgame in Hannover am 14. März 2015 in Hannover (Foto: arbeiterfotografie.com)

„Am 21. Februar 2015 hat in Halle an der Saale ein Protest mit der Bezeichnung EnDgAmE stattgefunden. Es war nach Erfurt der zweite dieser Art. EnDgAmE steht für 'Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas'. Es hat sich wieder einmal gezeigt: wer öffentlichkeitswirksam gegen den US-Imperialismus auftritt, soll kaputt gemacht werden. Dem werden die Reifen aufgeschlitzt. Dem werden 'linke' Gegendemonstranten gegenübergestellt, die mit USA- und Israel-Fahnen auftreten. Und der wird als 'rechts' diffamiert – mit heimtückischen Methoden. Eine zentrale Rolle spielte dabei eine Abordnung der Geheimdienstorganisation NPD. Wojna von der Band DIE BANDBREITE hatte eine fulminante antifaschistische Rede gehalten und den Song 'Kein Sex mit Nazis' vorgetragen, da kam mit freundlicher Miene ein Mann auf ihn zu und sprach ihn und den Versammlungsleiter Frank Geppert an. In dem Moment entstehen Fotos und werden alsbald ins Netz gestellt – eine Nähe von BANDBREITE und rechter Szene suggerierend. Der Mann war ein NPD-Funktionär.“ (1)

Das ist die Einleitung zu einem Artikel in der Neuen Rheinischen Zeitung (NRhZ) vom 11.03.2015. Und eine Woche später erscheint in der NRhZ eine Fotogalerie mit dem Titel "Das Spiel ist aus" über die Endgame-Aktion in Hannover am 14.3.2015, die wie folgt eingeleitet wird:

„Das Spiel ist aus. Diejenigen, die sich als 'links' tarnen und wie Jutta Ditfurth bezogen auf 'Endgame' in diffamierender Absicht einen desorientierenden Satz wie 'Inhaltlich ist diese Veranstaltung als ein Querfront-Angebot zwischen den so genannten neurechten Mahnwachen und rassistischen Pegida anzusiedeln' von sich geben, sind entlarvt als Handlanger des US-Imperialismus und des damit verbundenen Großkapitals. Sie sind es, die weit rechts stehen. Um es marxistisch zu formulieren: sie stehen auf der Seite des Klassenfeindes. Die 'Engagierten Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas' dagegen sind diejenigen, die erkannt haben, von wo die großen Bedrohungen für die Menschheit ausgehen. Sie sind am 14. März 2015 in Hannover – nach Erfurt und Halle –zum dritten Mal auf die Straße gegangen.“ (2)

Entlarvt

Das führt zu Reaktionen. Ein Leander Sukov fühlt sich angesprochen. Am 18.3.2015 schreibt er bei Facebook, einem der so genannten sozialen Netzwerke, in dem der Guardian „eine Art verlängerten Arm des imperialistischen Programms der USA“ erkannt hat, folgendes:

„Ich bin entlarvt. Jutta Ditfurth ist entlarvt. Die Antifa ist entlarvt. Alle sind entlarvt. Wir sind Knechte des Kapitals, wir tarnen uns links, wir sind Handlanger des US-Imperialismus und des mit ihm verbundenen Großkapitals. Wir stehen auf der Seite des Klassenfeindes. Wir sind total gefährliche Diener der Neuen Weltordnung, wir duschen selten und haben ungeschützten Sex, wir hören dekadente Zwölftonmusik und trinken Coca Cola, wir essen Hamburger und begehen andere Sauereien, um den Sieg des Proletariats unter der Führung von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann zu verhindern. Und sogar an Stalin haben wir was rumzumäkeln. Na dann ...“

Leander Sukov bewirbt dann den Artikel per Link. Und auch die zitierte Jutta Ditfurth fühlt sich angesprochen. Sie verweist am 21.3.2015 auf Sukov und schreibt auf Facebook selber:

Kein kritisch denkender Mensch kann sie noch ernst nehmen


„NRhZ verteidigt EndGame. Die Nationalbolschewisten von der NRhZ sind schon lange keine Linken mehr und kein kritisch denkender Mensch kann sie noch ernst nehmen. Sie haben es jetzt geschafft, eine weitere Grenze zu überschreiten, die ins Nichts. Denn wenn Gegner_innen in einer politischen Auseinandersetzung sich so verhalten, dass nur noch psychiatrische Kategorien zutreffend zu sein scheinen, dann höre ich auf, solche Kontrahent_innen wahrzunehmen, denn ich verwende in einem politischen Streit prinzipiell keine psychiatrischen Begriffe. Ich stelle mir aber für einen kurzen Moment vor, was solche Leute mit andersdenkenden z.B. mit antiautoritären Linken täten, wären sie an der Macht – mir fallen da nur Stalin und Pol Pot ein.“

Auch Jutta Ditfurth lädt dann mit einem Link zum Studieren der NRhZ-Fotogalerie ein, der zu entnehmen ist, dass die Endgame-Teilnehmer mit ihrer anti-militaristischen, anti-rassistischen und anti-faschistischen Haltung nicht vor dem US-Imperialismus inklusive Israel halt machen. Jutta Ditfurth und Leander Sukov werden wissen, warum sie allergisch reagieren statt zu argumentieren.

Übrigens: am 25.4.2015 findet eine Podiumsdiskussion statt: "Wie quer steht die Front? Putinversteher, Verschwörungstheorien und rot-braune Querfronten. Was bleibt von der Linken?" – gemeinsam veranstaltet von zwei sich links gebenden, aber dem US-Imperium engstens verbundenen Zeitungen: TAZ und Jungle World – letztere mitbegründet von Jürgen Elsässer. Mit dabei: Jutta Ditfurth. Es ist sonnenklar, auf welcher Seite sie steht.

Die Kriegsparteien können zufrieden sein

Aber es gibt auch andere Reaktionen. Ein Freidenker z.B. schreibt: „Habe 'Das Spiel ist aus' gelesen. Finde den von Euch getexteten Teil zu der Fotogalerie ganz großartig. Habt Ihr das Gespräch mit Monty Schädel in der Wochenendausgabe der 'jungen Welt' gelesen? Der Mann hat gelinde gesagt nicht alle Tassen im Schrank. Die Friedensbewegung wurde schon vor Jahren von solchen Leuten wie Monty Schädel und E.H. – und davon gibt es noch einige andere – auf Sparflamme gesetzt und kaputt gemacht. Es ist schon eine unverschämte Dreistigkeit von M. Schädel. Die Politiker der Kriegsparteien im Bundestag und in den Landtagen können mit ihren Auftragnehmern wohl zufrieden sein.“

Absolut gelungene nachrichtendienstliche Aktion

Und ein Arbeiterfotograf sieht es so: „Die Friedensbewegung fordert: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus – Raus aus der Nato – Nato abschaffen – Krieg in der Ukraine beenden – und so weiter, dann haben die Herrschenden damit kein Problem, solange nicht Millionen auf die Strasse gehen. Nun kommt eine ganz kleine Gruppe an und nennt sich 'EnDgAmE' (Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas). Dieses Thema darf ABSOLUT nicht von der Friedensbewegung angenommen werden. Würde es zu einem wesentlichen Teil der Forderung der Friedensbewegung werden, könnte ein 'erweitertes' Bewusstsein in der Öffentlichkeit entstehen und damit zur echten Gefährdung der imperialistischen Politik. Auf der Endgame-Demo in Halle war nicht 'zufällig' ein NPD-Funktionär in traditioneller Arbeiterkluft á la Ernst Thälmann, der den Kontakt mit Frank Geppert und Wojna gesucht und gefunden hat. Auch sicher kein Zufall, dass ein Mario Bialek diesen Kontakt fotografisch dargestellt und öffentlich verbreitet hat. Entsprechend wird nun die 'Endgame' von allen traditionellen Friedensorganisationen als RECHTS abgelegt, stärker noch als die Montagsmahnwachen und mit Pegida und Co in einem Atemzug genannt. Absolut gelungene nachrichtendienstliche Aktion.“


Hinweise:

(1) Es herrscht Krieg
Betrachtung zu den Ereignissen bei EnDgAmE am 21.2.2015 in Halle
NRhZ vom 11.3.2015
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=21402

(2) Hannover: Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas
Das Spiel ist aus
Fotogalerie in der NRhZ vom 18.3.2015
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=21428

Online-Flyer Nr. 504  vom 01.04.2015

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