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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Besuch auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg
Superlative der Massenpsychose
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Das Zeppelinfeld, die SS-Kaserne und die Kongresshalle gehören zu den noch weitgehend erhaltenen Relikten des Nationalsozialismus. Sie sind Teil des so genannten Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg, einem Ort der Superlative für die Umsetzung der nationalsozialistischen Massenpsychose. Das von 1934 bis 1937 nach den Plänen von Albert Speer entstandene Zeppelinfeld war ein 300 mal 300 Meter großes Gelände, auf dem unter den Augen von 60.000 Zuschauern mehr als 100.000 Menschen aufmarschieren konnten. Die 300 Meter lange Haupttribüne an der nördlichen Längsseite war der Ort, von dem aus die NS-Führer die Paraden abgenommen haben. Im April 1945 feierten die USA hier ihren Sieg, und es erhielten fünf US-Soldaten die höchste militärische Auszeichnung. Die 1939 fertig gestellte SS-Kaserne wurde nach dem Krieg von den USA übernommen. Während des Krieges hatten US-Konzerne gern die von der SS gelieferten Zwangsarbeiter genutzt und Gelder an die SS fliessen lassen. Der Bau der Kongresshalle begann 1935 und blieb mit Kriegsbeginn 1939 unvollendet.


Kongresshalle
Alle Fotos: arbeiterfotografie.com


Kongresshalle


Kongresshalle


Kongresshalle


Kongresshalle


Kongresshalle


Kongresshalle – heute u.a. Sitz der Volksfestleitung der Süddeutschen Schausteller


SS-Kaserne – heute u.a. Sitz des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge


Bundesamt für Migration und Flüchtlinge  in der SS-Kaserne


Bundesamt für Migration und Flüchtlinge  in der SS-Kaserne


Haupttribüne des Zeppelinfelds


Haupttribüne des Zeppelinfelds


Haupttribüne des Zeppelinfelds


Haupttribüne des Zeppelinfelds


Haupttribüne des Zeppelinfelds


Haupttribüne des Zeppelinfelds


Haupttribüne des Zeppelinfelds


Blick von der Haupttribüne des Zeppelinfelds auf das Stadion – heute nach Grundig benannt


Blick von der Haupttribüne des Zeppelinfelds auf das Stadion


Auf der Haupttribüne des Zeppelinfelds


Haupttribüne des Zeppelinfelds


Tafel an der Haupttribüne des Zeppelinfelds


Am Zeppelinfeld


Tribünen am Zeppelinfeld


Tribünen am Zeppelinfeld


Zeppelinfeld – Einen "Lichtdom" aus Flakscheinwerfern entwarf der NS-Architekt Albert Speer

„Am 20. April 1945 befreiten die 3. und die 45. Infantriedivision des 15. Armeekorps der 7. US-Armee Nürnberg von der nationalsozialistischen Herrschaft. Die offizielle Siegesfeier beider US-Infantriedivisionen fand am 21. April 1945 auf dem Hauptmarkt statt. Bei einer weiteren Siegesfeier der 3. US-Infantriedivision am 22. April 1945 auf dem Zeppelinfeld wurde fünf Soldaten die höchste militärische Auszeichnung für Tapferkeit im Kampfeinsatz – die 'Medal of Honor' – verliehen. Bis 1994 blieben US-amerikanische Soldaten in Nürnberg stationiert. Die Erinnerung an diese gemeinsamen Jahre, geprägt von Respekt und Freundschaft, besteht bis heute fort.“ So steht es auf einer Tafel an der Haupttribüne des Zeppelinfelds, des ehemaligen Aufmarsch-Areals der Nationalsozialisten auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, ohne dass dabei die Frage berührt würde, inwieweit die USA die Entstehung des Hitler-Faschismus befördert und – folgerichtig – seine Entwicklung nicht aufgehalten hatten.

Göttergleiche Herrscher

Aus dem Blickwinkel der USA ist zu lesen: „Ist es nicht wunderbar, wen wir in der Lage sind, für uns zu mobilisieren! Faschistische Kräfte kommen wie gerufen, wenn sie erforderlich sind – siehe Griechenland, siehe Portugal, siehe Spanien und heute die Ukraine. Wenn wir sie brauchen, sind sie zur Stelle...“ Und bezogen auf den Hitler-Faschismus: „Erst haben wir es zugelassen und sogar gestützt, dass Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg wieder hochgerüstet worden ist, dass Hitler an die Macht gekommen und in den Krieg gezogen ist, um uns anschließend – als der Krieg mit dem Ergebnis der totalen Unterwerfung Deutschlands und der gravierenden Schwächung der Sowjetunion gewonnen war – als die Retter der Menschheit darzustellen, die den Faschismus besiegt hatten. Sogar die Judenverfolgung haben wir damals billigend in Kauf genommen. Wahnsinn, wie es uns dennoch gelungen ist, als moralische Instanz, als das Gute in dieser Welt zu erscheinen! Das Böse, den Teufel entstehen lassen und dann entsprechend unserer geostrategischen Pläne bekämpfen und besiegen, das ist eine unserer genialen Strategien. Einzigartig, wie wir es auf diese Weise geschafft haben, unser militärisches Eingreifen in den Zweiten Weltkrieg im Bewusstsein fast aller Menschen zum Prototyp des Gerechten Krieges werden zu lassen...“ So ist es in der im KROKODIL und in der NRhZ veröffentlichten "Ode an den Imperialismus" zu lesen.

Informationsüberlegenheit und Psychotechniken als Schlüssel

Der vorchristliche Stratege und chinesische General Sunzi verfasste 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung Thesen über die „Die Kunst des Krieges“ mit (auch in Manager-Seminaren) bis heute währender Gültigkeit: zeige dem Gegner niemals Dein wahres Gesicht, verschweige Deine Absicht. Täuschung und Irritation ist ein Hauptverfahren der Macht- und Kriegsausübung. Die 1998 verfasste „Joint Vision 2010“ der US-Kriegsplanung für das einundzwanzigste Jahrhundert basiert auf vergleichbaren Steuerungsgrundlagen, den potentiellen Gegner (wie Figuren auf dem Schachbrett) zum Werkzeug zu machen: „The trick is to manage behavior through perception management“, charakterisiert Michael L. Warsocki (vom U.S. Army Land Information Warfare Center – nach Dirk Eckerts „Theorie und Praxis der Information Warfare in den USA“) den Trick der Verhaltens-Steuerung durch Erkenntnis-Management – eine Spielart der Information Operations. „We want to modify the enemy’s perception of the situation and change his behavior, to get into his decision cycle and influence it“. Ziel sei es, die Erkenntnis des Feindes zu beeinflussen und damit in den Kreislauf seiner Verhaltens- und Entscheidungshoheit einzugreifen. Eckert (in: Kölner Arbeitspapiere zur internationalen Politik Nr.1, 2001): „Damit ist der Weg frei für Information Operations in Friedenszeiten, die dann nicht automatisch als Kriegführung angesehen werden. Mit anderen Worten: ein Bewusstseins-Szenarium der Kriegsvorbereitung soll ermöglicht werden.“

NS-Performance verkörperte in Wort und Bild, Musik und Architektur – mit Aufmärschen in theatralischer Selbstdarstellung auf dem Gelände der Speerschen Monumental-Architektur unter Einbeziehung der Unterhaltungs- und „Informations“-Medien Film, Bühne und Rundfunk einen gewaltigen Wirkungsmechanismus, dem viele Menschen – wie heutzutage – nicht zu widerstehen vermochten und vermögen. Wenn der Begriff „Verschwörungs-Theorie“ (VT) fällt, sind die Psychotechniken der „Verhaltens-Theorie“ (VT) in wirkungsmächtigem Einsatz.

Skrupellose Konstrukte der Macht

Werner Rügemer schreibt: „Die USA traten möglichst spät in den [Zweiten Welt]Krieg ein und machten, solange es ging, Geschäfte mit Kriegsteilnehmern beider Seiten. Die Wall-Street-Banken, die dem Deutschen Reich während der 1920er Jahre umfangreiche Kredite gegeben hatten (Dawes-Plan 1924, Young-Plan 1929), stundeten und erließen sie dem NS-Regime. Zwanzig US-Großkonzerne hatten in der gewerkschaftsfrei nach dem Führerprinzip organisierten deutschen Wirtschaft eine ideale Wirkungsstätte, zum Beispiel IBM, General Motors (Opel), Ford, General Electric, Westinghouse, EastmanKodak, Goodrich, DuPont, Union Carbide. Sie nutzten gern auch von der SS gelieferte Zwangsarbeiter.“

Verbindungsmann zum US-Konzern ITT war – gemäß Historiker Antony C. Sutton – Bankier Kurt Freiherr von Schröder, in dessen Kölner Villa im Januar 1933 das entscheidende Treffen für Hitlers Machtergreifung stattfand und der als Hüter der ITT-Interessen in Deutschland ITT-Gelder an die SS fließen ließ. Und so wundert es nicht, dass ab 1952 in der SS-Kaserne auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände das 2. US-Panzeraufklärungsregiment stationiert war, das 1990 nach Saudi-Arabien verlegt wurde und 1991 am Angriff auf den Irak beteiligt war – und heute das Amt für Migration und Flüchtlinge.

1945 ist in Deutschland das Jahr der Befreiung vom Faschismus. Das Jahr der Befreiung vom US-Imperialismus, der immer wieder mit faschistischen Kräften zusammenwirkt (man denke neben Hitler-Deutschland nur an Spanien, Griechenland, Portugal, Chile... und heute an die Ukraine), lässt noch auf sich warten. Eine Gedenktafel, die an den US-Imperialismus erinnert, suchen wir deshalb noch vergebens. (PK)


Siehe auch:

Befreiung vom Faschismus – Aktionen anlässlich des Kriegsendes vor 69 Jahren und der aktuellen Kriegsgefahr
Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann in NRhZ Nr. 458 vom 14.05.2014
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20340

Ode an den Imperialismus – Teil 2 – Eine Betrachtung aus dem Blickwinkel der Sieger
Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann in NRhZ Nr. 478 vom 01.10.2014
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20840

Wer war Kurt Freiherr von Schröder? - Auf den Spuren des Hitler-Faschismus und seiner Finanzquellen
Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann in NRhZ Nr. 479 vom 08.10.2014
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20855

Online-Flyer Nr. 483  vom 05.11.2014

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