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Aktueller Online-Flyer vom 18. Oktober 2017  

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Lokales
Die Ruhrgebietskonzerne Hochtief, Thyssen-Krupp, Opel-Bochum usw.
Ein Drama
Von Lothar Reinhard und Peter Kleinert

Was sich bereits im letzten Jahr andeutete, als ein Spanier Hochtief-Chef wurde, wird nun ernst. Der bankrotte spanische Baukonzern und Real Madrid-Finanzier ACS hatte bekanntlich den viel größeren und ökonomisch gesünderen Essener Konzern Hochtief „feindlich übernommen“. Mit dem Zusammenbruch der spanischen Immobilienblase musste die trudelnde ACS ganze Aktienpakete an Hochtief bei spanischen Banken als Sicherheit hinterlegen. Doch auch die spanischen Banken standen bekanntlich vor dem Kollaps, was verhindert bzw. aufgeschoben wurde durch hunderte Milliarden aus dem Europäischen „Rettungsschirm“ ESM.

Hochtief AG, Vorstand
berichte.hochtief.de 
 
Als im letzten Herbst ganze Teile des Vorstands ausgewechselt wurden und der Spanier Fernandez Hochtief-Chef wurde, war eigentlich klar, dass nun Hochtief filettiert und teilweise verkauft würde, um die Schulden von ACS zu tilgen und sich „natürlich“ weiter die teuerste Fußballelf der Welt halten zu können. Dazu reichen die Überschüsse von Hochtief anscheinend nicht aus, die zum größeren Teil aus den „bombensicheren“ PPP (public private partnership)-Geschäften stammen u.a. mit Schulen (u.a. Kreis Offenbach, Köln, Leverkusen u.v.v.m.), Rathäusern (u.a. Gladbeck usw.), Flughäfen (u.a. Düsseldorf, bis zur Pleite auch Athen usw.) in England und etlichen anderen Ländern.
 
Wie „bombensicher“ Hochtief und dem Konzern gehörende Töchter arbeiteten, konnten NRhZ-LeserInnen schon im Sommer 2011 dem Artikel "Zwei aktuelle Gründe zum Feiern in Köln Mülheim" entnehmen. Am 24. August 2011 hatte das Landgericht Köln in einer einstweiligen Verfügung der Hochtief-Tochter Aurelis verboten, weitere Abbrucharbeiten an den "Alten Güterhallen" in der Kölner Schanzenstraße vorzunehmen, die eine islamische und eine christliche Gemeinde für ihre religiösen Versammlungen nutzen konnten. Hochtief-Tochter Aurelis hatte das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes an die Immobilien-Firma OSMAB-Holding verkaufen wollen und deshalb die Abbruchfirma Krämer aus Bergisch-Gladbach beauftragt, das Pflaster im Hof der alten Güterhallen herauszureißen, einen Graben quer über den Hof zu ziehen, an den Gebäuderampen die Brücken abzubrechen und die Einfahrt mit einem Erdhaufen zuzuschütten. So sollten die islamische und die christliche Gemeinde vom weiteren Nutzen der Gebäude abgehalten werden. Der Hochtief-Tochter wurde laut Urteil des Landgerichts immerhin "für jeden Fall der Zuwiderhandlung" ein "Ordnungsgeld" von bis zu 250.000 Euro oder "Ordnungshaft von bis zu sechs Monaten" angedroht. (1)
 
Was letztes Jahr noch bestritten wurde, steht jetzt an, wie der WAZ-Artikel "Hochtief-Chef plant, wesentliche Unternehmensteile zu verkaufen" vom 6. 2. zeigt. (2) Hochtief wird wohl zerschlagen werden. Die sehr profitable „Hochtief Solutions“, die die langfristigen PPP-Geschäfte betreibt, bringt am meisten und steht wohl als erstes zum Verkauf, um die Riesen-ACS-Schulden zu decken.
 
Nicht zuletzt für das Ruhrgebiet ist die ganze Geschichte mehrfach tragisch. Arbeitsplätze werden wegfallen, wofür dann der deutsche Steuerzahler mehrfach bezahlt hat, ob für ESM oder für Schul- bzw. Rathaus-„Miete“ o.ä.
 
Opel in Bochum ist massiv bedroht, auch weil der marode „US-Mutter“konzern GM seiner Tochter verboten hatte, Autos in den Wachstumsmärkten China und Indien zu verkaufen.
 
Thyssen-Krupp kündigte Massenentlassungen an, nachdem der Zusammenschluss der beiden Ruhrgebietstraditionsstahlkonzerne aufgrund massiven Missmanagements (Stahlwerke Brasilien, USA) und bedenklicher Kartell- und Korruptionsgeschichten (u.a. Schienen- und Aufzugskartelle) zu viel Geld verschlungen hatte.
 
Die Energiekonzerne Eon und RWE kündigten ebenfalls Entlassungen an, auch wegen milliardenschwerer Fehlinvestitionen insbesondere beim Essener RWE, das lange Jahre unter dem Mülheimer Stahlmilliardär Großmann alle Zeichen der Zeit wissentlich ignorierte.
 
Kurzum: Dem Ruhrgebiet stehen stürmische Zeiten ins Haus! Ob dafür noch ein europäischer Rettungsschirm übrig sein wird? Man wird sehen. Nicht wenigen Menschen im Ruhrgebiet blieb bei den Schreckensmeldungen zur Karnevalszeit jedes Helau oder Alaaf im Halse stecken. (PK)
 
(1) http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16876
(2) http://www.derwesten.de/wirtschaft/hochtief-chef-plant-wesentliche-unternehmensteile-zu-verkaufen-id7577701.html
 
Lothar Reinhard ist Fraktionssprecher der Mülheimer Bürger-Initiativen (MBI) im Mülheimer Stadtrat
 


Online-Flyer Nr. 393  vom 13.02.2013

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