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Aktueller Online-Flyer vom 30. Mai 2016  

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Inland
Zur Kandidatin der LINKEN bei der Bundespräsidentenwahl am 18.3.2012
Beate Klarsfeld oder Evelyn Hecht-Galinski?
Offener Brief von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Am 18. März 2012 findet die Bundespräsidentenwahl statt. Kandidatin für die LINKE ist die als Nazi-Jägerin bekannte Beate Klarsfeld. Darin ist ein fundamentales Problem zu sehen. Darin zeigt sich, welche Funktion das Sich Befassen mit der Vergangenheit hat. Geht es darum, aus der Vergangenheit zu lernen? Oder geht es darum, die Vergangenheit zu instrumentalisieren? Für Günter Schenk vom französischen „Collectif Judéo-Arabe et Citoyen pour la Paix“ ist die zu verfolgende Zielrichtung klar: „Wozu kann das Aufarbeiten vergangener Verbrechen dienen, wenn nicht der Verhinderung zukünftiger?“ Das kann, nein das muss der Leitsatz für jede verantwortungsvolle Politik sein. Dazu hier unser Offener Brief an DIE LINKE:
 
Beate Klarsfeld
Foto: arbeiterfotografie.com
 
Ohne Frage war und ist die Aufarbeitung der Geschichte, insbesondere der deutschen Geschichte des Nationalsozialismus, eine wichtige Sache. Ohne Frage ist es – wie auch die jährlich mit Bundeswehr-Beteiligung stattfindenden Gebirgsjägertreffen in Mittenwald zeigen – bis heute wichtig, die Verantwortlichen zu benennen und zur Rechenschaft zu ziehen.
 
Dazu hat Beate Klarsfeld in einigen Fällen beigetragen - möglicherweise beispielhaft für all die Anderen, die verantwortlich waren für die Verbrechen des Nationalsozialismus und in der Zeit danach unbehelligt blieben und teilweise sogar (wieder) hohe Ämter bekleiden konnten. Persönlichkeiten des großen Kapitals, die Hitler zur Macht verholfen haben und ihn gestützt haben, waren allerdings nicht unter denen, auf die sich Beate Klarsfelds Aufmerksamkeit richtete.
 
Für oder gegen die großen Verbrechen unserer Zeit
 
Ganz besonders wichtig ist es zu analysieren, wie die Massen für Hitler und seine Ideologie begeistert werden konnten. Denn bei diesem Aspekt gelangen wir sehr schnell in die heutige Zeit, in der wieder eine Propaganda betrieben wird, die die Massen für das Begehen großer Verbrechen konditioniert. Beispiel im vergangenen Jahr 2011 war der Nato-Krieg gegen Libyen. Aktuelle Beispiele sind die drohenden Kriege gegen Syrien und Iran. Es ist mehr als erschreckend, wie die Machthaber dieser Welt unter Zuhilfenahme ihrer Medien dieses Spiel des Einschwörens auf - offenen - Krieg betreiben.
 
Ein Extrembeispiel ist der Spiegel-Titel vom 5. März 2012. Das ist übelste Kriegshetze gegen Iran, die von jedem unbestechlichen Gericht als Volksverhetzung schwerster Art verurteilt werden müsste:
 
Spiegel-Titel vom 5.3.2012
 
Fast zeitgleich - als würden sich verschiedene Medienorgane das Geschäft mit der Kriegshetze aufteilen - orientiert „Die Zeit“ in ihrer Ausgabe vom 8. März 2012 auf den anderen Krieg: auf den gegen Syrien:
 
Zeit-Titelseite vom 8.3.2012
 
Allein das nicht zu sehen und dagegen nicht Stellung zu beziehen, ist verheerend. Wenn aber eine Person, die ganz offen auf der Seite derer steht, die in Richtung Krieg orientieren, wie Beate Klarsfeld das in Sachen Iran tut, von einer Partei, die sich als links versteht, als Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl aufgestellt wird, dann übersteigt das jedes Vorstellungsvermögen. Das ist in der Zeit der Orientierung auf Krieg mittels intensiver Kriegshetze das vollkommen falsche Signal.
 
Erinnert sei daran, dass diejenigen, die für den Tod von Menschen in Millionenhöhe mitverantwortlich sind, höchste Auszeichnungen erhalten. Das macht deutlich, in was für einer Zeit wir leben. Mitte Februar 2012 erhielt David Petraeus, heute Chef des US-Geheimdienstes CIA und zuvor Kommandeur der im Irak und in Afghanistan eingefallenen Truppen, von dem sich Verteidigungsminister nennenden Politiker Thomas de Maizière das Bundesverdienstkreuz mit Stern. Petraeus sei „eine herausragende militärische Führungspersönlichkeit, ein außergewöhnlicher Stratege und ein wahrer Freund des deutschen Volkes“. Nicht zu vergessen ist die Auszeichnung des US-Kriegspräsidenten Obama mit dem Friedensnobelpreis. Das hätte sich selbst George Orwell nicht träumen lassen.
 
„Nie wieder Faschismus!“ und „Nie wieder Krieg!“
 
„Ich habe Auschwitz nicht überlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen.“ Das ist die Devise, die Evelyn Hecht-Galinski von ihrem Vater Heinz Galinski, der von 1954 bis 1963 Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland war, übernommen hat und die für sie weiterhin richtungweisend ist. Es kann nicht darum gehen, neuen großen Verbrechen den Weg zu bahnen. Aufgabe der Linken und der Friedensbewegung kann es nur sein, sich diesen Verbrechen in den Weg zu stellen. „Nie wieder Faschismus“ und „Nie wieder Krieg“ muss für die Linke untrennbar miteinander verbunden bleiben.
 
Beate Klarsfeld steht für: die Vergangenheit zum Thema machen, um neues Unrecht zu ermöglichen. Sie stützt den französischen Präsidenten Sarkozy, einen der Hauptverantwortlichen für den Krieg gegen Libyen. Sie stützt die gegen Menschen- und Völkerrecht verstoßende Politik Israels. Und sie treibt mit der Organisation "Stop the Bomb" in Richtung Krieg gegen Iran.
 
Evelyn Hecht-Galinski
Foto: arbeiterfotografie.com
 
Ganz anders Evelyn Hecht-Galinski. Sie steht mit der Devise „Ich habe Auschwitz nicht überlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen“ gegen alle Kriege - den Israels gegen die Palästinenser, den der Nato gegen Libyen und gegen die drohenden Kriege gegen Syrien und Iran. Sie steht für ein gleichberechtigtes Miteinander von Israelis und Palästinensern in einem gemeinsamen demokratischen Staat. Deshalb kann es für die LINKE nur heißen, für das Bundespräsidentenamt als Kandidatin eine Persönlichkeit wie Evelyn Hecht-Galinski aufzustellen. Das wäre das Signal, das die Gesellschaft heute braucht: ein Signal gegen Faschismus - und - gegen Krieg. (PK)


Hinweise:


„Ich kann Beate Klarsfeld nicht wählen“
Brief von Ellen Diederich an die LINKE in Sachen Bundespräsidentenwahl - 05.03.2012
Die NRW-Landtagsfraktion der LINKEN wollte Ellen Diederich vom Internationalen Frauen-Friedensarchiv in Oberhausen als Wahlfrau benennen und hat angefragt, ob sie dazu bereit sei. Nach reiflicher Überlegung hat Ellen Diederich abgesagt und einen Brief an die LINKE im Düsseldorfer Landtag verfasst.
http://www.arbeiterfotografie.com/ellen-diederich

Ohrfeige für Sarkozy?
Nazijägerin Beate Klarsfeld kam nach 40 Jahren nach Essen zurück
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
NRhZ 340 vom 08.02.2012
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17473

Offener Brief an die PDL-Bundestagsfraktion
Mit der Kandidatin Beate Klarsfeld als Opposition Flagge zeigen?
Von Volker Bräutigam
NRhZ 343 vom 27.02.2012
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17532

Erinnerungen an Beate Klarsfeld
Antifaschistischer Impuls für die BundespräsidentInnen-Wahl am 18. März
Von Ulrich Sander
NRhZ 344 vom 07.03.2012
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17550

Kommentar vom Hochblauen - und diesmal noch einiges mehr
Auf gleicher Augenhöhe
Von Evelyn Hecht-Galinski
NRhZ 343 vom 27.02.2012
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17534

Kommentar vom Hochblauen
Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann?
Von Evelyn Hecht-Galinski
NRhZ 345 vom 14.03.2012
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17572

Ex-Isaf-Kommandeur: Bundesverdienstkreuz für CIA-Chef Petraeus
15.02.2012
http://www.handelsblatt.com/politik/international/ex-isaf-kommandeur-bundesverdienstkreuz-fuer-cia-chef-petraeus/6211130.html

Studie des Opinion Research Business vom Januar 2008: 1.033.000 Tote durch Irak-Krieg im Zeitraum von März 2003 bis August 2007
Update on Iraqi Casualty Data: Further survey work undertaken by ORB, in association with its research partner IIACSS, confirms our earlier estimate that over 1,000,000 Iraqi citizens have died as a result of the conflict which started in 2003.
http://www.opinion.co.uk/Newsroom_details.aspx?NewsId=120

Die Liebe höret nimmer auf - Ausstellungsprojekt über Grabstätten von Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft (insbesondere von Industriellen und Bankiers mit NS-Vergangenheit)
http://www.arbeiterfotografie.com/verband/die-liebe-hoeret-nimmer-auf/index.html




Online-Flyer Nr. 345  vom 14.03.2012

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