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Aktueller Online-Flyer vom 19. Oktober 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Montagsdemo für ein Nachtflugverbot in Frankfurt am Main
Immer wieder montags
Von Dietmar Treber

Seit vier Wochen treffen sich jeden Montagabend Menschen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet um gegen die Umweltzerstörung, gegen Lärm und Krach zu demonstrieren. Sie fordern, dass es endlich ein Nachtflugverbot für den Flughafen Frankfurt gibt! Waren es beim ersten Treffen rund 4.000 Menschen, wächst ihre Zahl immer noch. Denn der Zorn ist groß. Für den 4. Februar 2012 ist eine zentrale Demonstration und Kundgebung auf dem Frankfurter Airport geplant.


"Besuch" im Flughafen Frankfurt/M.

Die Bürgerbewegung gegen den Bau der Startbahn West am Flughafen Frankfurt am Main zählt mit über 30 Jahren Beständigkeit zu den größten und ältesten Bürgerbewegungen Deutschlands. Dass man weiter kämpfen will, obwohl sich bisher noch kein Erfolg einstellen wollte, ringt deshalb manchen ein gehöriges Maß an Achtung ab. Aufgeben will man aber auf keinen Fall. Vergangenen Montag sprach Rudi Hechler über seine Erfahrungen beim Flughafenausbau. Er verfügt über große Protesterfahrung und ist darüber 77 Jahre alt geworden. Hier Auszüge aus seiner Rede, die mit einem Satz von Thomas Müntzer begann:
 
„Die Herren machen das selber, dass ihnen der arme Mann Feind wird.
Die Ursache des Aufruhrs wollen sie nicht wegtun.
Wie kann es die Länge gut werden?
So ich das sage, muss ich aufrührerisch sein.“
 
Liebe Freunde
 
Ich gehöre zu jenen, die vor über 30 Jahren begannen, den Ausbau des Flughafens, die Waldvernichtung, die Nachtflüge und die Zahl der Flugbewegungen kritisch zu hinterfragen. Wir wissen heute: Der Flughafen frisst sich wie ein Braunkohle-Tagebau durch die Landschaft. Fluglärm und Abgase werden unerträglich und machen die Menschen krank. Schon werden Häuser aufgekauft. Ich bin sicher, es gibt bereits Entsiedlungs-Pläne, die so umfassend sind wie im Braunkohle-Tagebau. Auch die FAZ schreibt schließlich: „Nach dem Ausbau ist vor dem Ausbau.“
 
Ja, aber sollen wir da ruhig sein - sollen wir da schweigen?
 
Wir müssen erkennen: Wir werden von den Oberen seit über 30 Jahren getäuscht und belogen. Nach den Startbahn/West-Kämpfen sagten alle Parteien: „Nie wieder dürfen solche Großprojekte gegen den Willen der betroffenen Bevölkerung durchgesetzt werden!“ und Ministerpräsident Börner meinte „Kein Baum wird mehr fallen“.
 
Ministerpräsident Eichel versprach seinerzeit: „An den Start- und Landebahnkonfigurationen wird nichts geändert...“. Dann erklärte man den Frankfurter Stadtwald noch am 14.12.1992 zum Bannwald und alle großen Parteien sagten: „Ausbau nur innerhalb der Flughafengrenzen“. So wurden wir getäuscht und belogen. Das ist zwar „Schnee von gestern“, aber sollen wir an diese Versprechungen nicht erinnern - sollen wir schweigen? Immerhin es folgten neue Lügen: „Der Betrieb der neuen Bahn erfolgt nur bei einem Nachtflugverbot“ meinte Roland Koch, als er noch Chef in Wiesbaden war.
Manche haben es geglaubt, heute donnern die Maschinen in 250 Meter Höhe über ihr Haus.
 
Es stimmt jedoch, der Flughafen wächst - aber auch Krankheiten nehmen zu. Jeder kann die aktuellen Aussagen der Wissenschaftler nachlesen: „Sie

Einige mit langer
Protesterfahrung
  belegen, dass Lärm zu vermehrtem Auftreten von Hypertonie, Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs führt.“ Es gab mal einen sehr bekannten Satz: „Weil du arm bist, musst du früher sterben.“ Wir können diese Erkenntnis konkretisieren: „Weil du unter der Einflugschneise wohnst, musst du früher sterben.“ Wir fragen: Warum kommt in den Medien die Gesundheit des Flughafens meist immer vor der Gesundheit der Menschen im Flughafenumland?
 
Wie soll es weitergehen? Wir stellen fest, die Politik gibt keine Antwort auf die Frage, wie der Luftverkehr der Zukunft organisiert werden soll. Während des Startbahn/West-Konfliktes gab es auf Rhein-Main gerade knapp 179.000 Flugbewegungen, heute haben wir knapp 500.000. Frankfurt und München sollen als zentrale Flughäfen weiter entwickelt werden. Demnächst sind es vielleicht 800.000.
 
Deshalb wiederholen wir unsere Forderungen: Wir wollen ein totales Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr, und das ist das Mindeste! Wir wollen eine Reduzierung der Flugbewegungen.



Vorn rechts mit dabei: Frankfurts OB-Kandidatin Janine Wissler von der Linken
Fotos: Dietmar Treb
er

Wir wollen eine entschiedene Ausweitung der Schallschutzzonen und eine Verdoppelung der finanziellen Mittel für den passiven Schallschutz. Wir werden künftig alle Politiker daran messen. Wir sagen Fraport, Lufthansa, den Banken, Konzernen und den momentan Regierenden und Mitregierenden: "Nehmt uns ernst!“ Wir sind gewaltfrei, kreativ, ideenreich und wir haben einen langen Atem.
 
Wir demonstrieren gewaltfrei und rechtmäßig in einem sensiblen Bereich. Genau das wollen wir, weil wir endlich gehört werden wollen! Man wird mit uns rechnen müssen! (PK)


Online-Flyer Nr. 331  vom 07.12.2011

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