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Aktueller Online-Flyer vom 22. Oktober 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Eine Woche „Aktion für Klimaverantwortung und Klimagerechtigkeit“ in Bonn
„Klimawelle“
Von Peter Weissenfeld und Peter Kleinert

Nach dem gescheiterten Klimagipfel in Kopenhagen trafen sich in den letzten Wochen in Bonn Vertreter aus fast allen Ländern der Erde zu Detailgesprächen zur Vorbereitung des nächsten Klimagipfels, der diesmal im mexikanischen Cancún stattfinden wird. Wie in NRhZ 248 angekündigt (1), wurden diese Verhandlungen in Bonn vom 29. Mai bis zum 5. Juni von Aktionen eines breiten Bündnisses unter dem Namen „Klimawelle – Aktion für Klimaverantwortung und Klimagerechtigkeit“ begleitet, um möglichst breite Proteste gegen die politische Tatenlosigkeit der UN zu organisieren.


Abschlusskundgebung in der Bonner Innenstadt
Alle Fotos: http://www.klimawelle.de/aktuelles.html
 
Trotz geringer Vorlaufzeit und knappen personellen und materiellen Ressourcen organisierte die „Klimawelle“ erfolgreiche Protestaktionen und Informationsveranstaltungen. Am 29. Mai wurde ein „Klimacamp“ eröffnet. Idyllisch gelegen, beim Bio-Gut Ostler in Bonn-Meßdorf, bot es neben Übernachtungsmöglichkeiten auch Raum für Workshops und Diskussionsrunden. Ein internationales Treffen der Gruppe „Climate Justice Action“ (CJA) fand an den ersten Camptagen dort statt. Am Samstag, dem 5. Juni, wurde der Abschluss der „Klimawelle“ mit einem Fest im Camp gefeiert.
 
Im Rheinischen Landesmuseum in Bonn fand - organisiert von BUND, Attac und der „Klimawelle“ - an zwei Tagen (3. + 4. Juni) ein Klimaforum statt. Es bot Raum zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit Workshops, Diskussionen und Vorträgen für eine andere Klimapolitik.


Ankunft der Fahrrad-Demo aus Potsdam
 
Ein Höhepunkt der Aktionen war eine sehr gut besuchte Fahrraddemo – „Critical Mass“ am Donnerstag, dem 3. Juni. Bei tollem Wetter war es ein Vergnügen, mit circa 350 Radfahrern demonstrierend für Klimaschutz und Radfahren durch Bonn zu fahren. In gutes Dutzend RadlerInnen hatten sich dafür bereits am Pfingstsonntag von Potsdam auf den 650 km weiten Weg nach Bonn gemacht. Auf elf Zwischenstationen von Magdeburg über Hannover und Köln hatten sie Protestbriefe gesammelt, mit einer mobilen Ausstellung über das Desaster von Kopenhagen informiert und natürlich zur Großdemo am 5. Juni in Bonn eingeladen. Die  Protestbriefe sollten stellvertretend für deren Verfasser an einer langen Kette aufgefädelt an der Demonstration teilnehmen.  
 
Während der Woche fanden weitere Protestaktionen statt, darunter am Freitag die Blockade eines Zugangsweges zum Hotel „Maritim“, das von den Vereinten Nationen für ihre Klima-Vorkonferenzen genutzt wird. Die Delegierten mussten sich dort (symbolisch) zwischen dem Weg des Kopenhagen-Abkommens und dem Weg des Cochabamba-Protokolls entscheiden. Damit wurde die bolivianische Delegation bei ihrem Versuch unterstützt, das Cochabamba-Protokoll in die Tagung einzubringen (2). In der bolivianischen Stadt Cochabamba hatten - wie in der NRhZ berichtet - im April fast 20.000 Menschen an dem alternativen Weltklimagipfel nach Kopenhagen teilgenommen.
 
Am Freitagnachmittag wurden die RadlerInnen von „Klimarad“, die den langen Weg von Potsdam nach Bonn gefahren waren, auf dem Bonner Münsterplatz mit Sekt empfangen. Auf der letzten Etappe von Köln aus fuhr die Gruppe „cycle or die“, die Kölner Fahrradguerilla, mit. Am Samstag, den 5. Juni wurde um 5 vor 12 ein „Kohletransport” auf einem Tieflader direkt vor dem Hotel „Maritim“ mit einer Sitzblockade gestoppt. Im Führerhaus saßen Aktivisten mit den Masken von Jürgen Rüttgers und Angela Merkel.
 
Kundgebung für Klimaverantwortung und Klimagerechtigkeit in der Innenstadt
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Den Abschluss der Aktionen der „Klimawelle“ bildete eine Kundgebung am Samstag, auf der circa 1.600 Menschen für Klimaverantwortung und Klimagerechtigkeit demonstrierten. Nach der Auftaktkundgebung ging der bunte und kreative Zug durch die Innenstadt. Zur guten Stimmung trugen ganz erheblich etwa 100 SambaspielerInnen bei. Nach der Abschlusskundgebung fand noch eine Tankstellenblockade statt. Diese Aktion zivilen Ungehorsams nahm ausdrücklich auch Bezug auf die vom BP-Konzern angerichtete Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko. Mit einer anschließenden spontanen Demonstration zum Hauptbahnhof wurde die erfolgreiche Aktionswoche beendet.

Sonderlich beeindrucken ließen sich die Vertreter der Industrieländer von den Aktionen der „Klimawelle“ in den folgenden Tagen allerdings nicht. Die zweiwöchigen Gespräche zur Vorbreitung der UN-Konferenz im mexikanischen Cancún endeten am Freitag, 11. Juni, im Streit mit den Entwicklungsländern. Ein Abschlussprotokoll, das die bisherigen Gespräche zusammenfassen sollte, wurde vor allem von Boliviens UN-Botschafter Pablo Solon scharf kritisiert. Es würde die Industriestaaten bevorzugen, zu viele Elemente der Konferenz von Kopenhagen enthalten und den Industriestaaten Hintertüren so weit offen halten, dass diese ihre Emissionen um acht Prozent steigern könnten, anstatt sie endlich wirksam zurückzufahren.
 
Wie es nun weitergeht mit der „Klimawelle“, soll auf deren nächstem Plenum besprochen werden. Da sich das UN-Klimasekretariat in Bonn befindet und hier vermutlich noch weitere Vorbereitungen für Cancún laufen sollen, wird es wohl noch öfter Anlass zu Protesten geben. Wer auf dem Laufenden bleiben möchte, kann den Newsletter abonnieren: newsletter@klimawelle.de. (PK)
.
 
(1) http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=15103
(2) http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=15052


Online-Flyer Nr. 254  vom 16.06.2010

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