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Aktueller Online-Flyer vom 21. Oktober 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Prozess wegen luftiger Aktion gegen einen Uranmülltransport vom April 2009
Aber „Eichhörnchen“ klettert weiter
Von Peter Kleinert

Am Montag vergangener Woche musste die als „Eichhörnchen" bekannte Atomkraftgegnerin und Kletteraktivistin Cécile Lecomte vor dem Amtsgericht Münster erscheinen, weil sie bei einer Abseilaktion vor einem Uranmüllzug von Gronau nach Südfrankreich einen Polizisten „verbal genötigt" habe. Probleme bei diesem Termin bekam allerdings nur die Amtsrichterin, gegen die „Eichhörnchen" einen Befangenheitsantrag stellte, der zur Vertagung des Prozesses führte. Am Samstag nach dem Termin beteiligte sich die Anti-AKW-Aktivistin unbeeindruckt von dem aktuellen Verfahren am Aktionstag „Dem Castor entgegen!“



„Eichhörnchen“ in Aktion am 16. Januar 2008 bei Steinfurt
Alle Bilder: Hompage Eichhörnchen

Erst am 26. März 2009 hatte das Verwaltungsgericht Köln aufgrund einer Klage der französischen Atomkraftgegnerin per Urteil festgestellt, dass ihr stundenlanges Festhalten durch die Polizei wegen einer Kletteraktion gegen einen Urantransport von Gronau nach Russland teilweise rechtswidrig gewesen sei. Bestraft wurden die Polizisten dafür zwar nicht. Aber “Eichhörnchen“ konnte ihre Lieblingsaktionsform „Klettern gegen den Atomstaat!“ fortsetzen. (Mehr dazu in diesem Artikel der NRhZ).

Einen Monat danach, am Abend des 27./28. April 2009 seilte sich "Eichhörnchen" zum dritten Mal vor einem Uranmülltransport der EON- und RWE-Tochter Urenco ab. Diesmal von einer Autobahnbrücke der A 1 bei Münster über der Bahnstrecke Gronau-Münster und stoppte so einen mit radioaktivem und hochgiftigem Uranhexafluorid beladenen Atommülltransport aus der Urananreicherungsanlage Gronau nach Südfrankreich für mehr als 90 Minuten.

Lebensgefahr oder "verbale Nötigung"?

Ein Polizist wollte sie dort hochziehen, was für die junge Frau beim Reißen des Kletterseils Lebensgefahr bedeutet hätte. Kommentar der Staatsanwaltschaft: „Eine Beschädigung oder ein Reißen des Seils musste die Angeklagte dulden." Stattdessen habe sie den Beamten durch eine "verbale Nötigung" angegriffen, als sie versuchte, ihn von seinem Eingriff abzuhalten.


RichterInnen begrüßt “Eichhörnchen“ gern schon vor Prozeßbeginn – wie hier in Steinfurt

Unmittelbar vor dem Prozessbeginn in Münster ging “Eichhörnchen“ erstmal kurz ihrer  Lieblingsbeschäftigung nach und kletterte – zur Freude ihrer Begleiter – auf einen Fahnenmast vor dem Amtsgericht. Dort wurde ein langes Transparent entfaltet, was Hektik im Gericht und bei der Polizei auslöste. Von Cécile und zwei anderen AktivistInnen wurden die Personalien festgesstellt. Dann ging es den Gerichtssaal, der schnell mit FreundInnen gefüllt war, die ihre Solidarität zeigen wollten.

Erfoilgreicher Befangenheitsantrag

Gleich nach Beginn drohte die Staatsanwältin mit der Räumung des Saals, belehrte die Angeklagte: „Sie haben hier gar nichts zu fragen", versicherte „Die Staatsanwaltschaft arbeitet nicht mit Tricks", wurde dann aber schnell kleinlaut: „Ich kenne die Akte gar nicht." Die Richterin schloß sich diesem Niveau an: „Wir sind hier nicht bei Barbara Salesch." Doch Cécile trug immer mehr Ungereimtheiten aus dem Vorfeld des Prozesses vor. So hatte Amtsrichterin Sabine Terhechte versucht, ihr Akteneinsicht zu verweigern, ihre ZeugInnen nicht geladen und eine Pflichtverteidigung abgelehnt.


"Eichhörnchen" – hier nach dem Freispruch vor dem Amtsgericht Steinfurt

So kam es zu einem Befangenheitsantrag, für den die Richterin der Angeklagten nur zwei Minuten einräumen wollte. Auch das funktionierte nicht. Sie gab erst nach lautstarken Protesten der im Gerichtsaal anwesenden 30 UnterstützerInnen nach  Schließlich wurde der Befangenheitsantrag formuliert, vorgetragen und mit den Worten quittiert: „Wir vertagen den Prozess. Beim nächsten Termin sitzt hier dann ja vielleicht ein anderer Richter oder eine andere Richterin."

In den nächsten Wochen stehen neue Atommülltransporte nach Ahaus, u. a. aus Duisburg, Karlsruhe und Dresden-Rossendorf an. Und ab 2011 sind 152 Castoren aus Jülich angesagt. Deshalb gehen die Anti-Atomkraft-Initiativen jetzt in die Gegenoffensive und tragen den Widerstand aus dem Münsterland hinaus zu den Absender-Atomanlagen. (PK)

Weitere Infos unter:
Kein Castor nach Ahaus,
auf der Eichhörnchen-Homepage und bei
Sofa Münster


Online-Flyer Nr. 234  vom 27.01.2010

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