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Aktueller Online-Flyer vom 26. Juni 2017  

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Kultur und Wissen
Ein erfrischendes Magazin für Kunst und Literatur – mindestens.
um[laut]: ’ohne barcode’
Von Christian Heinrici

Kurz bevor der Karneval über weite Teile Deutschlands hereinbrach, erschien die dritte Ausgabe von um[laut] – einem bemerkenswert frischen Magazin für „junge kunst. politische kunst. mindestens.“ wie es im Untertitel heißt. Genau: mindestens, denn um[laut] bietet mehr, als man erwartet: Ein Heft, das von jungen Leuten mit einem deutlich erkennbaren ästhetischen Anspruch gemacht wird und gleichzeitig überhaupt nicht inhaltsleer ist: ohne Zweifel eine löbliche Ausnahmeerscheinung und ein triftiger Grund für eine Kooperation mit der NRhZ.

„Die Grundidee ist nicht, rebellisch den Zeigefinger zu erheben“, erklärte Chefredakteurin Anne von der Bey den Hintergrund des Magazins, sondern zu versuchen, eine Verknüpfung aus gesellschaftspolitischer Arbeit und Kunst zu schaffen. Über die Frage, was denn genau politische Kunst sei, diskutierten sie in der um[laut]-Redaktion selbst immer wieder. Selbstverständlich habe das nichts mit Parteipolitik zu tun, so von der Bey, sondern vielmehr mit einer jungen, frischen und kritischen Sicht auf die Welt: „Das kann auch heißen, dass man nicht das Schlechte kritisiert, sondern das Positive erhellt...“

um[laut] Magazin die Redaktion Chefredakteurin Anne von der Bey
Mitglieder der um[laut]-Redaktion, Chefredakteurin Anne von der Bey
(3. von links und von rechts) | Quelle: um[laut]

Wie diese frische und gleichzeitig kritische Sicht auf die Welt aussehen kann, „erhellt“ sich wiederum gleich, wenn man das Magazin aufschlägt: Ein klares Layout, Fotos und eindrucksvollen Graphiken werden viel Platz eingeräumt. In der dritten Ausgabe wurde konsequent alles klein geschrieben, soweit es von den Lyrikern nicht anders vorgesehen war. Dazwischen anspruchsvolle Texte zumeist junger Autoren – siehe „Brot und Spiele“ von Kathrin Weßling in dieser Ausgabe der NRhZ. Der Inhalt liest sich am Beispiel der zweiten Ausgabe im um[laut]-Jargon so:

um[laut] Magazin Heft 02 Cover
Heft 02: „mit thema“                                               
„ausgabe 2/08, erschienen am 10. oktober 2008, thema: 'mit thema', bleibt dem credo der ausgabe 1/08 (thema: 'ohne thema') treu: forum zu sein für junge kunst, politische kunst. mindestens. das kann ein gedicht über zahnstocher sein, eine überdimensionale selbstausstellung auf berliner häuserwänden oder, warum nicht, gleich ein brief von gott. wir fragen fotos, ob körper nationalitäten haben, liefern grundrisse für das ministerium für selbstironie und privatisieren den öffentlichen raum. wir fahren herdenweise strandbiester auf, sitzen auge in auge mit sämtlichen superführern der weltgeschichte, lassen uns von anderer leute persönliche durchhalteparolen mut zusprechen und gucken sogar unter ihre betten. wir blicken in die nische und auf lichtungen, bieten brot und spiele, kauen kaugummis in geschlossener gesellschaft (kein mensch ist illegal). die ART, sich auszudrücken, interessiert.“ [1]

Um[laut] ist also weniger eine Zeitschrift über Kunst, als vielmehr ein Forum für Kunst – und etwas mehr als nur ein wenig ein Gesamtkunstwerk – mindestens. Das schließt natürlich auch einen gewissen experimentellen Charakter mit ein: Gleich in der ersten Ausgabe konnte man Graphiken der in Berlin lebenden Japanerin Maki Shimizu bewundern, die auf traditionelle Art gestaltet sind, aber ganz eindeutig Einflüsse ihrer mitteleuropäischen Umgebung zeigen. Da sieht man beispielsweise „Kirsten“ im Dirndl, aber im Stil eines japanischen Holzschnitts dargestellt. Daneben steht ein erläuternder Text der Künstlerin, die die Redaktion um Korrektur gebeten hatte. Doch um[laut] lehnte ab, redigierte nicht, und der Text behielt seinen frischen und authentischen Charakter.

um[laut] Magazin Heft 03 Cover
Heft 03: „ohne barcode“
„Politische kunst“ mit Augenzwinkern und „junge kunst“ mit Humor? Ganz genau und besser so!
„ohne barcode“ lautet der Titel der dritten Ausgabe des Magazins. Und da die berühmten Strichcodes ja heutzutage sonst auf fast allen Produkten prangen, fragte ich nach Kommerz und Rentabilität: „Das Projekt trägt sich momentan selbst – wir hoffen auf ganz viele Ausgaben über mehrere Jahre“ antwortete von der Bey, und es könne passieren, dass man den Kommerz darüber vergesse: „Wir erwarten ihn nicht, aber vielleicht kommt der Kommerz ja – wir arbeiten daran!“

Wer bei diesem lohnenden Projekt mithelfen möchte, kann nicht nur einsenden, was sie oder er Kunst nennt (wie es die jedoch anspruchsvolle Redaktion formuliert), sondern sich auch natürlich für fünf Euro eines der Hefte kaufen. Die haben im Allgemeinen ein langes Haltbarkeitsdatum, und man findet sie in ausgesuchten Geschäften, zumeist Buchläden, zwischen Köln, Bonn, Frankfurt und Berlin, oder, nachdem man ein Abonnement abgeschlossen hat, direkt im eigenen Briefkasten.

um[laut] Magazin eigenwerbung
Man kann sich um[laut] auch umhängen – im Design von Maki Shimizu

Vermutlich liest man, dass ich befangen bin (auf Grund der Begeisterung), also lassen wir um[laut] lieber selbst sprechen – in Bildern [2]:

Aus um[laut], heft 02:

„Lichtungen“ Foto: Caro Bäumer
„Lichtungen“ | Foto: © Caro Bäumer


„Haben unsere Körper Nationalitäten?“
fragte Leila Garfield

„Body Language“ Leila Garfield um[laut] Magazin


„Body Language“ Leila Garfield um[laut] Magazin
Leila Garfield – „Body Language“ (150 Bilder – Analog – Berlin)
www.leilagarfield.com


Weitere Auszüge aus den um[laut]-Heften im Internet

Notdürftige Erklärungen:
[1] Darstellung des Inhalts von „Heft 02“ durch die um[laut]-Redaktion, unter Auslassung der Autorennamen (NRhZ)
[2] um[laut] wird in regelmäßiger Folge auch in den kommenden Ausgaben der NRhZ selbst sprechen.
(CH)


Online-Flyer Nr. 187  vom 04.03.2009

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