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Aktueller Online-Flyer vom 19. August 2017  

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Lokales
Enthüllungen über die Verlegerfamilie Neven DuMont in der Nazi-Zeit:
Durch Einstweilige Verfügung erstmal verboten
Von Albrecht Kieser und Peter Kleinert

Auf 10 Milliarden Reichsmark, so eine Schätzung der nationalsozialistischen Behörden kurz nach der Machtübernahme, sei das Vermögen der deutschen Juden zu beziffern. Wenn es gelänge, sich dieser Summe zu bemächtigen, befördere das die deutsche Sache ganz ungemein. Der Raubzug wurde 1936 beschlossen, organisiert aber wurde er nicht etwa von SA- und SS-Horden, sondern vom alten Beamtenapparat in den Finanz- und Devisenbehörden.



Foto: Querkopf-Archiv


Bis heute hat die Geschichtswissenschaft die Schätzung von den 10 Milliarden nicht eindeutig bestätigen können - die Zahl liege eher zu niedrig, lauten die Vermutungen, denn nach 1935, mit den Nürnberger Rassegesetzen, habe das Regime die Definition dessen, was jüdisch sei, erheblich erweitert. Und den Raub des Vermögens der europäischen Juden hatten die Nazis 1933 ja überhaupt noch nicht im Blick.

Kurt Neven DuMont: 'Auf Hitler kommt es an'Dass der Kenntnisstand von den Arisierungen 61 Jahre nach Kriegsende immer noch bruchstückhaft ist, verdankt die Nachwelt dem Umstand, dass dieser Raubzug nahezu mit beiläufiger Selbstverständlichkeit abgewickelt wurde und dass in einem bis heute kaum realisierten Umfang Hunderttausende "Volksgenossen" davon profitierten. Das Interesse an der Aufdeckung dieses Verbrechens kollidiert mit dem Interesse am Verschweigen - zu viele Deutschen aus allen Schichten und Klassen waren seine Nutznießer.

Wie jüdisches Eigentums in "arische" Hände übertragen wurde, zeigt eine Ausstellung, die noch bis Mitte Februar in Köln Station macht. Wolfgang Dreßen von der Fachhochschule Düsseldorf hat in den 90er Jahren mit seinem Team die Akten der Oberfinanzdirektionen Düsseldorf und Köln ausgewertet und einige Dutzend von ihnen zu einer Ausstellung zusammengefügt; ihr Titel "Aktion 3 - Wie Deutsche ihre jüdischen Nachbarn verwerteten". Hinter Glasrahmen legen sie Zeugnis ab von der Schnörkellosigkeit und Beiläufigkeit der Enteignung.

-Carré - teilweise auf arisierten GrundstückenAb 1936 zwangen die Devisenbehörden alle Juden, ihre Vermögensverhältnisse offen zu legen. Wobei alles bis buchstäblich zur letzten Unterhose und dem letzten Sack Kartoffeln aufzuführen war. Dieses Vermögen wurde nach der Flucht oder später der Deportation der jüdischen Eigentümer öffentlich versteigert und an die meistbietenden Deutschen verkauft. Die ausgestellten Dokumente geben nicht nur die Vermögenslisten wieder, sie enthalten auch die Namen derer, die Geschirr, Betten, Besteck, Nahrungsmittel, Bilder, Bekleidung, Firmen, Immobilien usw. usf. gekauft haben. Der Geldbetrag für jedes einzeln versteigerte Stück wurde selbstverständlich ebenfalls aufgelistet. Schließlich war die deutsche Bürokratie seit langem für Akribie bekannt.

Mit den Akten der Oberfinanzdirektionen hat es allerdings eine eigenartige Bewandtnis. Entgegen allen Versprechungen, zuletzt auf der internationalen Holocaust-Konferenz in Stockholm 2000, werden sie der Öffentlichkeit und der Forschung gar nicht oder nur sozusagen aus Versehen zur Verfügung gestellt. Wolfgang Dreßen hatte während seiner Forschungen in den 90er Jahren denn auch eher Glück und einige hilfreiche Beamte auf seiner Seite, als er die Arisierungsdokumente aus den Archivkellern der Finanzbehörden ans Licht hob. Und: Nach der Auswertung verschwanden viele Akten wieder in den Katakomben der amtlichen Verdrängung: Finanzakten aus der NS-Zeit, so die häufige behördliche Auskunft seit Ende der 90er Jahre, unterlägen dem Datenschutz und seien nicht zugänglich.

In der Kölner Volkshochschule fand am vergangenen Freitag ein Kongress zum Thema Arisierung statt. Dort säte der Journalist und Historiker Ingo Niebel Zweifel. Niebel, der keinen Zugang zu Finanzamtsakten hatte, zitierte in seinem Vortrag aus der Entnazifierungsakte von Kurt Neven DuMont, Herausgeber der "Kölnischen Zeitung" in der Nazi-Zeit und Vater des jetzigen Herausgebers Alfred Neven DuMont. (Siehe auch NRhZ Nr.12).

Aufgrundeiner "Einstweiligen Verfügung" wegen "Unterlassung", die Alfred Neven DuMont beim Kölner Landgericht "wegen der Dringlichkeit ohne vorherige mündliche Verhandlung" erreicht hat,haben wir einige seine Familie im Zusammenhang mit der Arisierung in Köln betreffendeAbsätze vorläufig aus diesem Artikel rausgenommen.

Es wurde den Autoren
"unter Androhung eines Ordnungsgeldes bis zu 250.000 Euro und für den Fall, daß dieses nicht beigetrieben werden kann, der Ordnungshaft bis zu sechs Monaten, für jeden Fall der Zuwiderhandlung verboten,

I.
1) den Eindruck zu erwecken, die Familie des Antragstellers habe sich in der Nazi-Zeit unrechtmäßig an fremdem Vermögen bereichert...

2) den Eindruck zu erwecken, der Vater des Antragstellers habe zugegeben,sich ein im jüdischen Eigentum befindliches Grundstück widerrechtlich verschafft zu haben...

3) den Eindruck zu erwecken, die Familie des Antragsstellers sein unrechtmäßig in den Besitz von Häusern in der Breite Straße gelangt...

4) durch die nachstehend wiedergegebene Äußerung den Eindruck zu erwecken, der der Familie gehörende Verlag habe sich das Haus des Kaufmanns Emil Lippmann unrechtmäßig verschafft...


II.
1) über den Kauf von drei Grundstücken in der Breite Straße durch die Mutter des Antragstellers zu behaupten...

2) zu behaupten..."

Wir werden die Einstweilige Verfügung auf ihre rechtliche und historische Stichhaltigkeit überprüfen lassen und dann durch einen Anwalt die erforderlichen Rechtsmittel einlegen.

Fortsetzung unseres Artikels:

Das alles scheint jedoch kein Schuldeingeständnis gewesen zu sein. Ein Ablass eher. Zumindest muss das Haus Neven DuMont das so verstanden haben: bis jetzt hat es jede öffentliche Auseinandersetzung mit seiner Teilhabe am Arisierungsraub vermieden. Und ob die Finanzamtsakten, von denen Wolfgang Dreßen für die Ausstellung eine begrenzte Zahl auswerten konnte, präzisere Auskunft geben, muss künftigen Forschungen vorbehalten sein - wenn diese Akten dafür geöffnet werden dürfen.

Auf konkrete Fragen antwortete das Verlagshaus des Kölner Ehrenbürgers Alfred Neven DuMont jedenfalls bisher nur mit einer weitschweifigen Presseerklärung zum "Spiegel"-Artikel über die Verwicklungen des Verlagshauses in die Nazi-Diktatur. Zu diesen gehörten über die Arisierungen hinaus auch publizistische Propaganda für Hitler wie in einem Artikel der "Kölnischen Zeitung" vom 1. Januar 1933 "Auf Hitler kommt es an!" und die NSDAP-Mitgliedschaft von Kurt Neven DuMont (siehe NRhZ 12). Auf die Arisierungsvorwürfe geht der Verlag dabei nur mit einem einzigen Absatz ein:

Alfred Neven DuMont - Nazizeit aufarbeiten?
Alfred Neven DuMont - Nazizeit aufarbeiten?
Foto: NRhZ-Archiv



"Bei der Behauptung des "Spiegel", Verlag und Familie zählten durch den Kauf von drei Grundstücken zu den Profiteuren der Arisierung, schreckt das Magazin vor leichtfertigen Behauptungen nicht zurück. Selbst den "Spiegel" hätte es nachdenklich machen müssen, dass kein jüdischer Veräußerer der von ihm zitierten Grundstücke nach dem Krieg Wiedergutmachung von der Firma oder der Familie forderte oder direkt mit Forderungen an sie herantrat. Lediglich in einer Ausnahme hat es nach dem Krieg eine Zahlung von 10.000 DM gegeben. Der "Spiegel" unterstellt leichtfertig, dass die Erwerber der Grundstücke wussten, dass diese aus jüdischem Besitz stammen. Hier bewegt sich das Magazin in einer verleumderischen Grauzone." Auf die "außergerichtlichen Einigungen" geht die Pressemitteilung mit keinem Wort ein.

Abschließend noch eine überraschende dpa-Meldung vom Dienstag: "Der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg (MDS) lässt seine Geschichte während der Nazizeit von einem renommierten unabhängigen Historiker aufarbeiten. Wer beauftragt werde, sei noch offen, sagte eine Verlagssprecherin. Das Projekt sei aber schon seit längerem geplant gewesen." Wir helfen der Verlagssprecherin gern bei der offenbar schwierigen Suche und geben ihr auf Wunsch Ingo Niebels Telefonnummer.

Albrecht Kieser ist Mitarbeiter im Rheinischen JournalistInnen Büro, das zuletzt das Buch "Unsere Opfer zählen nicht - Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg" veröffentlicht hat. Verlag Assoziation A.

Mehr unter www.filminitiativ.de/dwi2wk/3w2wk.pdf



Online-Flyer Nr. 31  vom 14.02.2006

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