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Aktueller Online-Flyer vom 14. Dezember 2019  

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Lokales
Christian DuMont Schütte - NS-Vergangenheit, Medienvielfalt und Profit
Nur vergesslich?
Von Peter Kleinert

„Von Kunst umgeben“ - wie sein inzwischen meist als Aufsichtsratschef  im Süden lebendes 80jähriges Vorbild in einem devoten WDR-TV-Porträt im Jahre 1996 - ließ sich nun Christian DuMont Schütte von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung feiern. Dabei erwies er sich wie Alfred Neven DuMont nicht nur in Sachen NS-Vergangenheit von Familie und Verlag als total vergesslich, obwohl angeblich seit inzwischen mehr als einem Jahr ein „unabhängiger Historiker“ damit beschäftigt ist (siehe NRhZ 31, 34, 39, ff):
„An der „SZ“ haben wir in jedem Fall ein Interesse, ein sehr starkes sogar. Wir wären ein geeigneter publizistischer Partner und könnten an die Tradition unseres Hauses anknüpfen. Mit der „Kölnischen Zeitung“ hatten wir schon einmal ein imageträchtiges Blatt von sogar internationalem Ruf. Unser Verlag ist nach dem Krieg gezwungenermaßen aus dem nationalen Markt ausgetreten. Mein Großvater hat gemeinsam mit dem Vater von Alfred Neven DuMont damals richtigerweise entschieden, zunächst lokal wieder aufzubauen“, erzählte DuMont-Geschäftsführer Christian - über seinen Vater Dieter Schütte angeheirateter Familienspross in der 12. Generation - der FAS.


Christian DuMont Schütte – nur ein bisschen vergesslich?
Quelle: www.dumont.de

Aus dem nationalen Markt „ausgetreten“?

Weil der Kölner Monopolverlag sich nach Kölnischer und Frankfurter Rundschau auch noch die Süddeutsche Zeitung aneignen will, grummelte es anschließend heftig im konkurrierenden deutschen Blätterwald. Warum der Verlag „nach dem Krieg gezwungenermaßen aus dem nationalen Markt ausgetreten“ ist, wissen die Kollegen genau so gut wie Erbe Christian, verschweigen diesen Teil der Tradition des Hauses wie er aber lieber doch: Nach der Befreiung vom Faschismus hatte in Köln die Militärregierung dem Verlag M. DuMont Schauberg keine Zeitungslizenz erteilt, weil der Erbe in der 10. Generation, Kurt Neven DuMont, vom Reichspropagandaminister für seine Verdienste um die Naziherrschaft mit dem selben „Großen Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern“ wie der Judenmörder Adolf Eichmann ausgezeichnet worden war, und weil seine Familie und der Verlag sich eine Reihe wertvoller Häuser und Grundstücke einverleibt hatten, die vorher jüdischen Eigentümern gehörten. „Arisierung“ darf die NRhZ diese Käufe trotz einer einstweiligen Verfügung von Alfreds Anwälten inzwischen wieder nennen. „Profit“ vorerst weiter nicht. Mal sehen, was das Bundeserfassungsgericht dazu sagen wird.

AND
Alfred Neven DuMont: Alle Grundstücke wurden rechtmäßig erworben
Quelle: arbeiterfotografie.com

Was fehlt auf der „DuMont Carrée“-Gedenktafel?

Auf alle Fälle weiß von den Besuchern und Angestellten des Schmuckstücks „DuMont Carrée“ in der teuren Kölner Innenstadt heute kaum jemand, dass erhebliche Teile dieses Grundstücks, nämlich drei Häuser, einst Eigentum der Fa. Brandenstein & Rose KG in Köln waren und dass deren Gesellschafter Fritz Brandenstein mit seiner Frau Sophie 1939 aus Deutschland fliehen musste. Auf einer Prachttafel an der Wand wird ja auch nur an MDS erinnert, dessen Verlagshaus hier „von 1847 bis 1998“ gestanden habe. Mit den Einnahmen aus dem lukrativen Carrée war es jedenfalls leichter, gut 60 Jahre später das Geld für den Ankauf von 25 Prozent der israelischen Tageszeitung Ha’aretz an die Nachfahren der jüdischen Familie Schocken zu überweisen, deren Kaufhäuser damals auch arisiert worden waren. 

Und wenn das nicht reichte, waren da ja noch die Millionen aus KölnArena und Neuem Rat- und Parkhaus, für welche Kölner Steuerzahler an die am Oppenheim-Esch-Fonds beteiligten Kommanditisten ein halbes Leben lang die Miete bezahlen müssen. Zu denen gehören nämlich auch einige Mitglieder der 11. wie die 12. MDS-Generation, wie Werner Rügemer in seinem Buch COLONIA CORRUPTA schreibt. Christian DuMont Schütte natürlich auch. Der KStA berichtet allerdings anlässlich des Ha’aretz-Kaufs lieber, daß Alfred Neven DuMont „in Tel Aviv auf seine seit mehr als 50 Jahren bestehende Verbundenheit mit Land und Leuten in Israel" hingewiesen habe.   

200 Jahre Familienunternehmen gefeiert, nicht „fast 400“
Quelle: Querkopf


Unsittliche Angebote

 „Als uns neulich die Werbeagentur eines Ministeriums ein unsittliches Angebot machte - Anzeigen gegen wohlwollende Berichte -, da schoss mir durch den Kopf: Wie würde ein Finanzinvestor in so einem Fall reagieren?“, so Alfreds Erbe Christian. Nicht erzählte er der FAS, wie er trotz angeblichem Auflagen- und Anzeigenschwund darauf reagiert hat, obwohl die SZ wohl eine Milliarde kosten dürfte. Vielleicht wie WDR-Moderator und Grimme-Preisträger Ranga Yogeshwar von „Quarks“, über den (siehe in dieser Ausgabe) jetzt eine Beschwerde beim Rundfunkrat vorliegt? Man kann ja schon mal was vergessen, zum Beispiel auch, dass das Familienunternehmen 2002 seinen 200sten Geburtstag feierte und nicht - so Christian in der FAS - „mit fast 400 Jahren Historie“ glänzen kann.
KND
Kurt Neven DuMont – vom Propagandaminister ausgezeichnet
Quelle: NRhZ-Archiv

Als Beweis, dass man bei MDS nicht nur beim Zeitungen-Kaufen, sondern auch beim Vernichten von Arbeitsplätzen fit ist, sollen bei der Frankfurter Rundschau wegen der Mehrheitsübernahme durch MDS etwa 200 von 750 MitarbeiterInnen bis zum Jahresende ihre Arbeitsplätze verlieren, und für Köln und Halle (dort bei der Mitteldeutschen Zeitung) kündigte in einem stolzen Artikel „DuMont auf Wachstumskurs“ KStA-Redakteur Willi Feldgen am 16. August den „Abbau von 162 Mitarbeitern“ an. Ein Trost: „Der Personalabbau infolge des Abfindungsangebots wird sich erst im laufenden Jahr auswirken.“ Doch: „Auch 2008 soll es im Rahmen der üblichen Fluktuation einen weiteren Stellenabbau geben.“

„In zehn Jahren ist Google tot“

Dass es für ihn noch weitere Erfolgsrezepte gibt, verriet Christian selbst der FAS: „Wir bezahlen Suchmaschinen sogar dafür, dass sie uns oben listen.“ „Pervers“ sei dagegen, dass Google „mit unserer Hilfe den Werbemarkt ab(schöpft)“. Hat er deshalb er an seinem fünfzigsten Geburtstag im Frühjahr „die These aufgestellt: In zehn Jahren ist Google tot“? Es dürfe schließlich „nicht sein, dass die Medienhäuser in Deutschland grob geschätzt neun Milliarden Euro für Nachrichteninhalte ausgeben, die sie dann kostenlos ins Internet stellen“. Vergessen hat er dabei nur, dass sein Verlag „Nachrichteninhalte“ keineswegs "kostenlos" ins Netz stellt, sondern diese kräftig mit Werbung garniert und satt daran verdient. Genau darum lässt er sich ja von Suchmaschinen nach oben listen, weil dann die User seine Zeitungen anklicken, dort dank Stellenabbau in den Redaktionen immer mehr langweilige dpa-Artikel finden und deshalb lieber Werbung gucken - woran aber nicht Google, sondern sein Verlag verdienen dürfte.
Ehrenbürger Alfred und die Wahrheit
Gedenktafel in der Kölner Breite Straße
Quelle: NRhZ-Archiv


Zum Schluss noch dies als Hinweis an den erst 50jährigen: In den online-Auftritten von Stadt-Anzeiger und Rundschau findet man oben rechts das YAHOO-Logo mit dem Wörtchen „SUCHE“. Klicken LeserInnen da drauf; finden sie keineswegs zu den „Nachrichteninhalten“ seiner Zeitungen, sondern landet bei YAHOO und damit auf der Suche im gesamten Web. Verdient der MDS-Verlag also selbst an Suchmaschinen? Und träumt Christian DuMont Schütte gelegentlich von Googles Tod, weil er demnächst, wie in der NRhZ am 29. August gemeldet, nicht nur im Kölner Kabelnetz ein lokales TV-Programm anbieten will, sondern neben den von Redakteur Feldgen angekündigten „weiteren Zukäufen von jungen Online-Firmen“ gar den Einstieg beim Werbepartner YAHOO plant? Microsoft hat das kürzlich versucht. Man wird ja mal fragen dürfen… (PK)
 
Film: "Ein publizistisches Sicherheitsrisiko" - Wie der Kölner Verleger Alfred Neven DuMont einen Redakteur rausschmeißt und eine Stadt beherrscht - mehr www.kaos-archiv.de und Clip in NRhZ 34

Buch: „COLONIA CORRUPTA” von Werner Rügemer - mehr www.dampfboot-verlag.de


Online-Flyer Nr. 111  vom 05.09.2007

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