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Lokales
Kölner DuMont-Verlag mit NRW-Regierung offenbar einig:
Bürgerfunk platt machen!
Von Rainer Stach
Sehr geehrte Damen und Herren,
nach dem Lesen des Artikels „Schüler machen bald Programm“ von Ulrike Langer im KStA im Internet vom 13.02.2007 sowie in der Printausgabe komme ich zu dem Ergebnis, dass Recherche offensichtlich nicht mehr zu den Aufgaben von Zeitungsjournalisten gehört. Wann ist denn endlich Schluss mit dem gedankenlosen Nachbeten von einseitigen offiziellen Meinungen, die als Tatsachenbehauptungen dargestellt werden?
Der KStA berichtet: Bürgerfunk sei Abschaltfaktor für die Hörer.
Wenn Radio Köln zu der Uhrzeit, da Bürgerfunk ausgestrahlt wird, einen Hörerverlust hat, so geht es nicht nur Radio Köln so. Alle Radiosender verlieren ab 18 Uhr zunehmend Hörer, weil diese sich anderen Freizeitbeschäftigungen (Fernsehen, Kino, Theater, Kneipe etc.) zuwenden. Dies ergab eine Studie von ARD/ZDF. Nicht der Bürgerfunk ist der Abschaltfaktor. Er wurde ja gerade auf diese Zeit gelegt, weil ohnehin die Hörer abschalten.
Der KStA berichtet: Fremdsprachige Bürgerfunk-Sendungen seien Abschaltfaktor.
Zum Thema fremdsprachige Sendungen sagt die viel- und immer nur bruchstückhaft zitierte Volpers-Studie: Innerhalb des Bürgerfunks in NRW spielen fremd- und gemischtsprachige Programmangebote kaum eine Rolle. Nur 2,2 Prozent des analysierten Gesamtprogramms sind fremdsprachig (Sprachen: Türkisch, Russisch, Portugiesisch, Spanisch und Arabisch) und 0,5 Prozent gemischtsprachig. Lediglich in sechs Verbreitungsgebieten wurden im Untersuchungszeitraum entsprechende Sendungen ausgestrahlt, wobei acht Sendungen speziell für Migranten produziert waren.
Es gibt zur Zeit keine Programme im Kölner Bürgerfunk, die nur auf Russisch senden. Beim Freien Lokalrundfunk Köln gab es in 2006 einmal eine Sendung (die erste) von der Radiogruppe Phönix, die eine halbe Stunde auf Russisch sendete und eine halbe Stunde auf Deutsch. Das wurde sofort abgestellt, weil man einsah, dass man damit keine Hörer gewinnt.
Der KStA berichtet: Mit 2 Millionen € Förderung pro Jahr wird zu 70 % Musik bezuschusst.
Die zwei Millionen Förderung aus den Rundfunkgebühren für den Bürgerfunk hören sich immens an. Das wird aber relativiert, wenn man bedenkt, dass jeder Rundfunkgebührenzahler in NRW 22 Cent pro Jahr für den Bürgerfunk zahlt. (Bitte nachrechnen: z.B. 1.957.000 € für den Bürgerfunk in 2005 bei 8.863.446 angemeldeten Rundfunkgeräten in NRW in 2005. Daten aus dem Geschäftsbericht 2005 der GEZ.)
Die vielzitierte Volpers-Studie zum Bürgerfunk wird immer unvollständig zitiert. Zum Thema Musikanteil ist dort zu lesen: In einer Erhebung aus dem Jahr 2001 ergaben sich für vier exemplarisch untersuchte Lokalradios im Mittelwert bei der Musik 62,8 Prozent. Der Musikanteil des Bürgerfunks liegt (...) mit 68,9 Prozent noch etwas über demjenigen der lokalen Hörfunkangebote. Dennoch hat der Informationsanteil im Bürgerfunk mit 23,2 Prozent einen etwas höheren Wert als im Lokalradioangebot mit 21,2 Prozent.
Dass angeblich zu 70 % Musikanteil im Bürgerfunk zu finden sind, liegt auch an der Landesanstalt für Medien, die seit Jahren in ihren Seminaren für die Bürgerfunker diesen empfiehlt, sich im Format an den Lokalfunk anzupassen: Sprich kurze Wortbeiträge und hoher Musikanteil. Und nun soll dem Bürgerfunk daraus der Strick gedreht werden. Schon viele Sendungen haben einen weit höheren Wortanteil und werden diesen ohne Not auch in Zukunft erhöhen können. Es ist heuchlerisch, den Bürgerfunk mit diesem Argument einzuschränken, um einen höheren Wortanteil zu erzielen.
Noch einmal zur Volpers-Studie: Ohne das Equipment, die Räume und das Personal der Radiowerkstätten wäre die Produktion von Hörfunkbeiträgen für radiojournalistische Laien, wie es die Bürgerfunker sind, kaum möglich. Und: Neben ihrer Kernaufgabe erfüllen etliche Radiowerkstätten einen Zusatznutzen. So gibt es verschiedene Projekte mit sozialpädagogischer Ausrichtung, die von den Radiowerkstätten durchgeführt werden. Hier wird gesellschaftspolitisch wichtige integrative Arbeit geleistet.

SchülerInnen in einem Bürgerfunkprojekt – wie in diesem Bürgerfunkprojekt
Foto: Emma Weiß
Der KStA berichtet: Meistens fehlt den Bürgerfunk-Sendungen der lokale Bezug.
Gerade der Bürgerfunk ist es, der bei Lokalradios den Lokalbezug herstellt, indem Bürger, Gruppen und Organisationen aus dem Nahbereich sich und ihre Arbeit vorstellen und Stellung zu lokalen oder auch globalen Themen beziehen. Das findet sich so nicht im Programm der Lokalradios, am allerwenigsten in der Nachtschiene, wenn Radio-NRW mit dem Mantelprogramm die Ausstrahlung übernimmt. Es fehlt hier noch eine Studie zu den Lokalradios, die dann genau das belegt. Weswegen sie nicht in Auftrag gegeben wird. Wenn der Bürgerfunk auch finanziell soweit eingeschränkt wird, dass die Radiowerkstätten wegen finanzieller Probleme schließen müssen, hat Radio Köln ein Problem. Es müsste dann, um den Lokalbezug zu halten, die Redaktion ganz neu aufbauen.
Der KStA berichtet: Es sollen Radioprojekte in den Schulen stattfinden.
Der Schwerpunkt der Medienkompetenzvermittlung für Schüler und Jugendliche ist ebenfalls heuchlerisch. Das Gesetz schreibt, es sollen Anreize für die Lokalradios geschaffen werden, Sendungen von Jugendlichen in Zusammenarbeit mit ausgewählten Radiowerkstätten zu produzieren. Welche Anreize das sind, wird nicht konkretisiert. Und wenn sie nicht ausreichen, dann liegen die Fördergelder weiter bei der Landesanstalt für Medien herum. Außerdem soll das Lokalradio bestimmen, welche Sendungen aus den Projekten gesendet werden. Hier wird nicht Medienkompetenz, sondern Lokalradiokompetenz vermittelt, mit der Konsequenz, dass später eine Studie ebenfalls feststellt, dass der Musikanteil zu hoch ist. Außerdem weiß schon jetzt Radio Köln nicht, wie die Verwaltung der Projekte zu bewerkstelligen ist.

Seminare des Bürgerfunks vermitteln hörfunkjournalistische Grundlagen und Technik
Foto: FLOK
Der KStA berichtet: Der LfM-Direktor Schneider sieht Alternative für Bürgerfunk im Internet.
Die unkommentierte Stellungnahme des Direktors der Landesanstalt für Medien, Norbert Schneider, ist an Heuchelei nicht zu überbieten und geht an der Realität vorbei. Wenn er vertritt, dass es nur um Partizipation und soziale Identität geht, ist er fehl an seinem Platze. Bei dem Bürgerfunk geht es in erster Linie:
um die Verwirklichung des Grundrechts auf freie Meinungsäußerung (Artikel 5 Grundgesetz) und
um die im Rundfunkstaatsvertrag der Ministerpräsidenten der Länder festgeschriebene „Vielfaltsreserve“ für den privaten Rundfunk und
um deren Festschreibung im bisher noch gültigen Landesmediengesetz.
Wenn die CDU/FDP-Koalition glaubt, dass sie das Landesmediengesetz entgegen anderer rechtlicher Bestimmungen aushöhlen kann, so hat sie mit ernsten rechtlichen Konsequenzen zu rechnen.
Podcasting ist keine Alternative zum Rundfunk. Mit dem Rundfunk erreicht ein Sender viele Hörer gleichzeitig. Die Podcasts müssen runtergeladen werden. Welcher Taxifahrer lädt sich während der Fahrt Podcasts runter? Welche Hausfrau tut dies während der Hausarbeit? Die Berufstätigen, die heute noch Bürgerfunk im Radio hören können, werden nicht während der Arbeitszeit Podcasts herunterladen können. Der Freie Lokalrundfunk Köln hat eine Radiogruppe, die aus der Justizvollzugsanstalt in Ossendorf sendet. Diese ohnehin schon im Abseits lebenden Menschen können sich dann mangels Internetanschluss weder informieren, noch artikulieren. Es wird bei vielen Downloads Streaming-Probleme geben. Erkundigen Sie sich einmal bei der GEMA, wieviel sie für die Musikverwendung abkassiert, oder bei einem Server-Dienstleister, wieviel er für das Podcasting verlangt. Oder soll der Bürgerfunk auf Massenseiten von Google oder YouTube gehen und dort in der Masse untergehen? Bisher war Bürgerfunk für den Bürger mit keinerlei Kosten verbunden. Oder will die LfM diese Kosten übernehmen? Bei der zunehmenden Armut in Deutschland wird gerade der ärmere Bevölkerungsteil ausgeschlossen, der sich nicht einen Computer mit Breitbandanschluss leisten kann.

Franco Clemens - Bürgerfunker & Künstler
Foto: www.magic-street-voices.de
Wie zu sehen ist, gibt es viele Fakten, die mangels Recherche außer Acht gelassen wurden. Dass der Kölner Stadt-Anzeiger keine unabhängige Zeitung ist, habe ich jedoch auch schon vor diesem Artikel gewusst und fühle mich in dieser Meinung nun noch mehr bestätigt. Von einem Mitgesellschafter Radio Kölns (Anteil 70 %), wie dem Verlagshaus Neven DuMont, ist in diesem Thema allerdings auch nichts anderes zu erwarten. Ebensowenig gehe ich davon aus, dass mein Leserbrief veröffentlicht wird.
Mit freundlichen Grüßen
Rainer Stach (stellv. Vorsitzender des Interessenvereins gemeinnütziger Rundfunk in NRW e.V.)
Zum Thema Bürgerfunk finden Sie Beiträge unter diesem Stichwort ab NRhZ 48 in der Suchfunktion auf der Frontseite.
Online-Flyer Nr. 83 vom 21.02.2007
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Kölner DuMont-Verlag mit NRW-Regierung offenbar einig:
Bürgerfunk platt machen!
Von Rainer Stach
Sehr geehrte Damen und Herren,
nach dem Lesen des Artikels „Schüler machen bald Programm“ von Ulrike Langer im KStA im Internet vom 13.02.2007 sowie in der Printausgabe komme ich zu dem Ergebnis, dass Recherche offensichtlich nicht mehr zu den Aufgaben von Zeitungsjournalisten gehört. Wann ist denn endlich Schluss mit dem gedankenlosen Nachbeten von einseitigen offiziellen Meinungen, die als Tatsachenbehauptungen dargestellt werden?
Der KStA berichtet: Bürgerfunk sei Abschaltfaktor für die Hörer.
Wenn Radio Köln zu der Uhrzeit, da Bürgerfunk ausgestrahlt wird, einen Hörerverlust hat, so geht es nicht nur Radio Köln so. Alle Radiosender verlieren ab 18 Uhr zunehmend Hörer, weil diese sich anderen Freizeitbeschäftigungen (Fernsehen, Kino, Theater, Kneipe etc.) zuwenden. Dies ergab eine Studie von ARD/ZDF. Nicht der Bürgerfunk ist der Abschaltfaktor. Er wurde ja gerade auf diese Zeit gelegt, weil ohnehin die Hörer abschalten.
Der KStA berichtet: Fremdsprachige Bürgerfunk-Sendungen seien Abschaltfaktor.
Zum Thema fremdsprachige Sendungen sagt die viel- und immer nur bruchstückhaft zitierte Volpers-Studie: Innerhalb des Bürgerfunks in NRW spielen fremd- und gemischtsprachige Programmangebote kaum eine Rolle. Nur 2,2 Prozent des analysierten Gesamtprogramms sind fremdsprachig (Sprachen: Türkisch, Russisch, Portugiesisch, Spanisch und Arabisch) und 0,5 Prozent gemischtsprachig. Lediglich in sechs Verbreitungsgebieten wurden im Untersuchungszeitraum entsprechende Sendungen ausgestrahlt, wobei acht Sendungen speziell für Migranten produziert waren.
Es gibt zur Zeit keine Programme im Kölner Bürgerfunk, die nur auf Russisch senden. Beim Freien Lokalrundfunk Köln gab es in 2006 einmal eine Sendung (die erste) von der Radiogruppe Phönix, die eine halbe Stunde auf Russisch sendete und eine halbe Stunde auf Deutsch. Das wurde sofort abgestellt, weil man einsah, dass man damit keine Hörer gewinnt.
Der KStA berichtet: Mit 2 Millionen € Förderung pro Jahr wird zu 70 % Musik bezuschusst.
Die zwei Millionen Förderung aus den Rundfunkgebühren für den Bürgerfunk hören sich immens an. Das wird aber relativiert, wenn man bedenkt, dass jeder Rundfunkgebührenzahler in NRW 22 Cent pro Jahr für den Bürgerfunk zahlt. (Bitte nachrechnen: z.B. 1.957.000 € für den Bürgerfunk in 2005 bei 8.863.446 angemeldeten Rundfunkgeräten in NRW in 2005. Daten aus dem Geschäftsbericht 2005 der GEZ.)
Die vielzitierte Volpers-Studie zum Bürgerfunk wird immer unvollständig zitiert. Zum Thema Musikanteil ist dort zu lesen: In einer Erhebung aus dem Jahr 2001 ergaben sich für vier exemplarisch untersuchte Lokalradios im Mittelwert bei der Musik 62,8 Prozent. Der Musikanteil des Bürgerfunks liegt (...) mit 68,9 Prozent noch etwas über demjenigen der lokalen Hörfunkangebote. Dennoch hat der Informationsanteil im Bürgerfunk mit 23,2 Prozent einen etwas höheren Wert als im Lokalradioangebot mit 21,2 Prozent.
Dass angeblich zu 70 % Musikanteil im Bürgerfunk zu finden sind, liegt auch an der Landesanstalt für Medien, die seit Jahren in ihren Seminaren für die Bürgerfunker diesen empfiehlt, sich im Format an den Lokalfunk anzupassen: Sprich kurze Wortbeiträge und hoher Musikanteil. Und nun soll dem Bürgerfunk daraus der Strick gedreht werden. Schon viele Sendungen haben einen weit höheren Wortanteil und werden diesen ohne Not auch in Zukunft erhöhen können. Es ist heuchlerisch, den Bürgerfunk mit diesem Argument einzuschränken, um einen höheren Wortanteil zu erzielen.
Noch einmal zur Volpers-Studie: Ohne das Equipment, die Räume und das Personal der Radiowerkstätten wäre die Produktion von Hörfunkbeiträgen für radiojournalistische Laien, wie es die Bürgerfunker sind, kaum möglich. Und: Neben ihrer Kernaufgabe erfüllen etliche Radiowerkstätten einen Zusatznutzen. So gibt es verschiedene Projekte mit sozialpädagogischer Ausrichtung, die von den Radiowerkstätten durchgeführt werden. Hier wird gesellschaftspolitisch wichtige integrative Arbeit geleistet.

SchülerInnen in einem Bürgerfunkprojekt – wie in diesem Bürgerfunkprojekt
Foto: Emma Weiß
Der KStA berichtet: Meistens fehlt den Bürgerfunk-Sendungen der lokale Bezug.
Gerade der Bürgerfunk ist es, der bei Lokalradios den Lokalbezug herstellt, indem Bürger, Gruppen und Organisationen aus dem Nahbereich sich und ihre Arbeit vorstellen und Stellung zu lokalen oder auch globalen Themen beziehen. Das findet sich so nicht im Programm der Lokalradios, am allerwenigsten in der Nachtschiene, wenn Radio-NRW mit dem Mantelprogramm die Ausstrahlung übernimmt. Es fehlt hier noch eine Studie zu den Lokalradios, die dann genau das belegt. Weswegen sie nicht in Auftrag gegeben wird. Wenn der Bürgerfunk auch finanziell soweit eingeschränkt wird, dass die Radiowerkstätten wegen finanzieller Probleme schließen müssen, hat Radio Köln ein Problem. Es müsste dann, um den Lokalbezug zu halten, die Redaktion ganz neu aufbauen.
Der KStA berichtet: Es sollen Radioprojekte in den Schulen stattfinden.
Der Schwerpunkt der Medienkompetenzvermittlung für Schüler und Jugendliche ist ebenfalls heuchlerisch. Das Gesetz schreibt, es sollen Anreize für die Lokalradios geschaffen werden, Sendungen von Jugendlichen in Zusammenarbeit mit ausgewählten Radiowerkstätten zu produzieren. Welche Anreize das sind, wird nicht konkretisiert. Und wenn sie nicht ausreichen, dann liegen die Fördergelder weiter bei der Landesanstalt für Medien herum. Außerdem soll das Lokalradio bestimmen, welche Sendungen aus den Projekten gesendet werden. Hier wird nicht Medienkompetenz, sondern Lokalradiokompetenz vermittelt, mit der Konsequenz, dass später eine Studie ebenfalls feststellt, dass der Musikanteil zu hoch ist. Außerdem weiß schon jetzt Radio Köln nicht, wie die Verwaltung der Projekte zu bewerkstelligen ist.

Seminare des Bürgerfunks vermitteln hörfunkjournalistische Grundlagen und Technik
Foto: FLOK
Der KStA berichtet: Der LfM-Direktor Schneider sieht Alternative für Bürgerfunk im Internet.
Die unkommentierte Stellungnahme des Direktors der Landesanstalt für Medien, Norbert Schneider, ist an Heuchelei nicht zu überbieten und geht an der Realität vorbei. Wenn er vertritt, dass es nur um Partizipation und soziale Identität geht, ist er fehl an seinem Platze. Bei dem Bürgerfunk geht es in erster Linie:
Wenn die CDU/FDP-Koalition glaubt, dass sie das Landesmediengesetz entgegen anderer rechtlicher Bestimmungen aushöhlen kann, so hat sie mit ernsten rechtlichen Konsequenzen zu rechnen.
Podcasting ist keine Alternative zum Rundfunk. Mit dem Rundfunk erreicht ein Sender viele Hörer gleichzeitig. Die Podcasts müssen runtergeladen werden. Welcher Taxifahrer lädt sich während der Fahrt Podcasts runter? Welche Hausfrau tut dies während der Hausarbeit? Die Berufstätigen, die heute noch Bürgerfunk im Radio hören können, werden nicht während der Arbeitszeit Podcasts herunterladen können. Der Freie Lokalrundfunk Köln hat eine Radiogruppe, die aus der Justizvollzugsanstalt in Ossendorf sendet. Diese ohnehin schon im Abseits lebenden Menschen können sich dann mangels Internetanschluss weder informieren, noch artikulieren. Es wird bei vielen Downloads Streaming-Probleme geben. Erkundigen Sie sich einmal bei der GEMA, wieviel sie für die Musikverwendung abkassiert, oder bei einem Server-Dienstleister, wieviel er für das Podcasting verlangt. Oder soll der Bürgerfunk auf Massenseiten von Google oder YouTube gehen und dort in der Masse untergehen? Bisher war Bürgerfunk für den Bürger mit keinerlei Kosten verbunden. Oder will die LfM diese Kosten übernehmen? Bei der zunehmenden Armut in Deutschland wird gerade der ärmere Bevölkerungsteil ausgeschlossen, der sich nicht einen Computer mit Breitbandanschluss leisten kann.

Franco Clemens - Bürgerfunker & Künstler
Foto: www.magic-street-voices.de
Wie zu sehen ist, gibt es viele Fakten, die mangels Recherche außer Acht gelassen wurden. Dass der Kölner Stadt-Anzeiger keine unabhängige Zeitung ist, habe ich jedoch auch schon vor diesem Artikel gewusst und fühle mich in dieser Meinung nun noch mehr bestätigt. Von einem Mitgesellschafter Radio Kölns (Anteil 70 %), wie dem Verlagshaus Neven DuMont, ist in diesem Thema allerdings auch nichts anderes zu erwarten. Ebensowenig gehe ich davon aus, dass mein Leserbrief veröffentlicht wird.
Mit freundlichen Grüßen
Rainer Stach (stellv. Vorsitzender des Interessenvereins gemeinnütziger Rundfunk in NRW e.V.)
Zum Thema Bürgerfunk finden Sie Beiträge unter diesem Stichwort ab NRhZ 48 in der Suchfunktion auf der Frontseite.
Online-Flyer Nr. 83 vom 21.02.2007
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