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Aktueller Online-Flyer vom 02. März 2024  

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Medien
WDR bleibt hart: MBI darf Rügemer-Feature nicht ins Netz stellen
"Das Schweigen" in aller Munde
Von Mimi

Ausdrücklich und endgültig verboten hat inzwischen Intendant Fritz Pleitgen der Mülheimer Bürgerinitiative MBI eine weitere Internet-Verbreitung von Werner Rügemers von der WDR-Internetseite gestrichenem Feature über Privatisierung in Mülheim/Ruhr und die Rolle, die dabei der damalige Mülheimer OB und heutige CDU-Staatssekretär Jens Baganz gespielt hat. Siehe dazu den Offenen Brief der beiden MBI-Sprecher L. Reinhard und H.G. Hötger an Pleitgen in der NRhZ-Ausgabe 54. Die Zensur-Affäre zugunsten von Baganz hat "Mimi" in der "Mülheimer Woche" zu einem Kommentar veranlasst:
"Und? Haben Sie das "Schwei­gen in Mülheim" schon gehört? Auch wenn der Bei­trag auf Drängen von Baganz aus dem Internet genommen wurde - Sie hatten ihn sich ja schon im April so zahlreich ausdrucken lassen, dass Ver­sorgungsengpässe nicht zu befürchten sind. Nun hört man ja, dass der ein oder andere Mülheimer sauer ist, ja nach­gerade stinkesauer, da geht üble Nachrede um, die Presse sei auch nicht mehr frei, und... und... und... Und was das überhaupt für eine Frechheit von Baganz sei! Und natürlich auch von Frau Mühlenfeld! Und sowieso und überhaupt von Herrn Pleitgen. Die ganze Angelegenheit sei ja wohl ein unglaublicher Skandal!... Wenn ich Ihnen als Oberhausenerin einen Rat geben darf: Regen sie sich doch nicht im­mer so auf!

Fritz Pleitgen - wird wohl nicht wieder gewählt
Fritz Pleitgen - will mit CDU-Hilfe noch mal Intendant werden
Foto: WDR

Mal ganz abgese­hen davon, dass Sie bei die­sen Temperaturen wirklich je­de Aufregung vermeiden soll­ten, gibt das auch noch diese fiesen Magenfalten. Wollen Sie das? Vorzeitig altern? Und das obendrein wegen einer Sache, für die Sie den Protagonisten sogar dankbar sein könnten! Der Rundfunkbeitrag über Pri­vatisierungen, Korruptionsvor­würfe und das Mülheimer Schweigen war ja doch längst schon dem öffentlichen Inter­esse entrückt, die ersten Wo­gen hatten sich bereits geglät­tet, die Ruhr lag wieder spie­gelglatt im Morgengrauen. Hätte sich im politischen Raume nicht ein so reges und vehementes Interesse an der Löschung des Beitrages ent­wickelt: die bis dahin infor­mierten Bürger hätten zähne­knirschend die Faust in der Ta­sche machen müssen. Die öffentliche Diskussion wä­re wahrhaftig nach dem ersten Keime erstickt. Nach dieser klitzekleinen... nennen wir es "Intervention" aber, da ist "Das Schweigen" wieder in al­ler Munde, und auch der letz­te Nachzügler auf dem Felde der Demokratie hat die feine Gelegenheit, sich auch im Juli noch kundig zu machen über das, was schon im April die Gemüter erregte und beinahe in Vergessenheit geraten wäre.

Doch, Sie können und sollten von Herzen dankbar sein, über jede Bildungschance, die man Ihnen gibt... Während der.Weltmeisterschaft nannte man solche fehlgeleiteten Glanzlei­stungen übrigens "gegneri­sches Eigentor"... Wer dauerhaftes Schweigen will, der darf auch selbst niemals ein Wort verlieren... Ich erinnere mich an eine Ausstellung in der Al­ten Post, vor vielen vielen Jah­ren. Da gab es, neben ande­rem, viele Ausgaben einer "Zeitung" zu sehen, jede Ausgabe hatte nur ein einziges Blatt (La Fiche), darauf Nach­richten, die verbreitet und Zeichnungen, die gedruckt sein wollten - aber unterdrückt wurden. Eine französische Wi­derstandszeitung, die in der Bevölkerung von Hand zu Hand weitergereicht wurde. Es sieht so aus, als habe die Aus­stellung bei dem Mülheimer Publikum einen viel nachhalti­geren Eindruck hinterlassen, als bei dem damaligen Ein­führungsredner. Der hieß Jens Baganz, war vor nicht allzu langer Zeit Oberbürgermeister von Mülheim geworden und hatte scheinbar das Werk des Zeichners (war es Theophile?) studiert. Aber anscheinend nicht begriffen, wie wir nun wissen...

Nein, nein, das ist nicht etwa ein Eingriff in die Pressefreiheit, was Sie sehen - das ist erstklassige PR-Arbeit. Baganz kann`s.  Und weil gera­de Sie doch wissen, was sich gehört, was sagen Sie da? Ge­nau! Sie lächeln jetzt mal, ent­spannen schön - und sagen endlich: DANKE"

Schauen Sie hierzu mal in der Filmclip "Ist die Rundfunkfreiheit bedroht?"

Online-Flyer Nr. 55  vom 02.08.2006

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