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Aktueller Online-Flyer vom 11. Juni 2026  

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Medien
Mit "Heuschrecken" gegen Monopolisierung der Presse in Berlin
Was aber sagen die "Kartellwächter" zu Köln?
Von Peter Kleinert

"Raffgier" von "Finanzabenteurern" könne "den publizistischen Ruin bedeuten", hieß es in einer Erklärung des "Journalisten-Netzwerks Recherche", die gestern veröffentlicht wurde. Erreichen wollten damit deren Unterzeichner - unter ihnen Günter Grass und Peter Rühmkorf, Wim Wenders und Christa Wolf, Heribert Prantl und Roger Willemsen, Heiner Geissler und Egon Bahr -, dass der ihrer Meinung nach "respektable Holtzbrinck-Verlag" die "Berliner Zeitung", den "Berliner Kurier" und "Tipp" nicht an den britischen Investor David Montgomery, sondern an einen "ernsthaften deutschen Verleger" verkaufen sollte. Montgomery, der selbst auch mal Verleger war, bevor er Spekulant in Sachen Medien wurde, habe nämlich "keinen Ruf mehr zu verlieren". Notwendig sei es hingegen, das Angebot "eines seriösen und verantwortungsvollen Verlegers als Käufer" anzunehmen, so die Kämpfer gegen britisch-amerikanische "Heuschrecken" und für deutsche Pressefreiheit.

Gemeint war damit wohl Alfred Neven DuMont - siehe NRhZ-Flyer Nr.14. Es gehe ihm, so Neven in der vergangenen Woche, mit seinem Angebot von 175 Millionen an Holtzbrinck darum, dass man "eine achtsame Stimme in der deutschen Presselandschaft...mit Würde behandeln sollte", wofür sich anschließend prompt auch der medienpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Marc Jan Eumann im "Kölner Stadt-Anzeiger" engagierte. Daraus wurde nun nichts. "Die Würfel sind gefallen", meldete die FAZ in ihrer gestrigen Online-Ausgabe den perfekten Verkauf an Montgomerys Mecom und die US-Firma Veronis Suhler Stevenson: "Heute morgen um neun Uhr haben die Chefredakteure und leitenden Manager des Berliner Verlags davon erfahren. Um zehn Uhr wurden die Börsen und die Öffentlichkeit informiert" - und wohl auch Alfred Neven auf Mallorca, der nun weiter über eine geplante "schöne Ergänzung unseres Portfolios" nachdenken muss. Vielleicht wird er die für den beabsichtigten Deal mit Holtzbrinck bereit gelegten 175 Millionen erstmal in den nächstmöglichen Oppenheim-Fonds einbringen, damit sie ihm - wie die in den KölnArena-Fonds - wenigstens ein bisschen Rendite bringen.

Proteste von Belegschaft und Promis halfen nicht
Proteste von Belegschaft und Promis halfen nicht
Foto: NRhZ-Archiv



Interessanter für die Leser der DuMont-Zeitungen in Köln und Umgebung dürfte an diesem Medienereignis etwas ganz anderes sein, das im "Kölner Stadt-Anzeiger" gestern - wohl aus Versehen und ganz am Rande, weil von der Nachrichtenagentur ddp übernommen - veröffentlicht wurde. Der von "FAZ" bis "taz" tagelang mit Texten und Kommentaren besorgt begleitete Verkauf des Berliner Verlags durch Holtzbrinck an die "Heuschrecken" ist vom Bundeskartellamt erzwungen worden, weil "nach Ansicht der Kartellwächter Holtzbrinck mit der "Berliner Zeitung" und dem bereits zum Konzern gehörenden "Tagessspiegel" eine marktbeherrschende Stellung im Berliner Abonnentenmarkt erlangt" haben würde. Wenn sie in Berlin mit Recht so pingelig sind, wo, von "Springers Morgenpost" bis zur "jungen Welt", ein hundertprozentiges Tagespressemonopol noch für absehbare Zeit verhindert wird - warum brechen die "Kartellwächter" dann nicht endlich das seit Jahren existierende Kölner Monopol des Verlags M.DuMont Schauberg auf und sorgen so dafür, dass Alfred Neven noch ein paar Millionen Bargeld zusätzlich für eine Ergänzung seines Portfolios außerhalb von Köln aufs Konto bekommt?

Online-Flyer Nr. 15  vom 26.10.2005

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