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Literatur
Wolfgang Effenberger: Vom Krieg zur Weltordnung
Ohne Rücksicht, auf akademische Gremien zu nehmen
Buchvorstellung von Afsane Bahar
Wie und wann die Freundschaft zwischen Wolfgang Effenberger und mir entstand, entzieht sich meiner Gewissheit. Sie wächst sicherlich aus der gemeinsamen Überzeugung, dass Frieden durch Wahrheit und Wahrhaftigkeit erreichbar ist. (1) So verfassten wir am 31. Januar 2023 den Aufruf „Aufstehen fürs Überleben“. (2) Seine Unterstützung ermöglichte es mir, längere Auszüge aus seinen Werken zu veröffentlichen. (3) Anfang Juni 2026 feierte er seinen 80. Geburtstag und bestätigte dadurch erneut, dass Begegnungen beheimaten. (4) Sein aktuelles Buch „Vom Krieg zur Weltordnung“ versammelt seine zentralen Reden und Essays (5) aus dem Zeitraum 2009 bis 2026, in denen er zu Krieg, Frieden und Geopolitik Stellung nimmt. Dank seines historischen Wissens und seiner persönlichen Erfahrung bietet Wolfgang Effenberger eine gehaltvolle Gesamtschau unserer Epoche und plädiert dafür, aus der Vergangenheit Lehren für eine friedlichere Zukunft zu ziehen. Im letzten Satz des Epilogs betont er: „Die Zukunft entsteht aus dem, was wir heute tun oder unterlassen. Und genau darin liegt die Verantwortung: nicht in der Illusion, alles kontrollieren zu können, sondern in der Einsicht, dass unsere Entscheidungen zählen – auch wenn sie nicht sofort die Welt verändern, sondern nur die Richtung, in die sie sich bewegt.“
Das Vorwort des Buches hat Prof. Michael Meyen (6) verfasst. Er schreibt: "Die Artikel und Reden, die in diesem Buch versammelt sind, spannen zeitlich und thematisch einen weiten Bogen. Es ist trotzdem nicht schwer, zum Fundament vorzudringen, auf dem all das gewachsen ist. In drei Schlagworten: historische Tiefenschärfe, Quellennähe und machtpolitischer Realismus. Wolfgang Effenberger weiß um die langen Linien der Geschichte, um die Kontinuität der Großmachtinteressen sowie um die Normalität von Kriegen, die hinter Schlagworten wie Freiheit und Demokratie versteckt wird. Und er muss keine Rücksicht nehmen auf akademische Gremien, die ihn mit lukrativen Stellen ködern könnten oder mit irgendwelchen Fördertöpfen.“ (7)
Epilog: Frieden als politische Aufgabe
(Mit freundlicher Genehmigung des Verlages vollständig wiedergegeben)
Die US-Armee bündelt seit Oktober 2025 in ihrem neugeschaffenen »Transformations- und Trainingskommando« (T2COM) ihre Transformationslogik und verschärft damit den Anspruch, im globalen Machtkampf'– vor allem gegen China und Russland – handlungsfähig zu bleiben. TRADOC (seit 1973 Doktrin und Ausbildungsmotor) und »Army Futures Command« (seit 2018 Modernisierungs- und Technologiebüro) wurden in T2COM mit dem Ziel »from vision to victory« (von der Vision zum Sieg) zusammengeführt.
Inhaltlich bleibt der Kurs von TRADOC 52531 erhalten: Sieg im komplexen, von Rivalen dominierten Umfeld 2020 – 2040. Neu ist die institutionelle Verdichtung zu einer neuen US-Sicherheitsstrategie, die »America First« mit strategischer Konkurrenz verknüpft: China als Hauptgegner, Russland als Störfaktor, Europa als Problemfall und Instrument, Erwartung höherer Rüstungslasten der Alliierten, mögliche Truppenverlagerungen, Nutzung von T2COM als Hebel, um Verbündete an US-Standards (MDO, Cognitive Warfare, Technologiekorridore) zu binden.
Die Transformation von TRADOC/AFC zu T2COM ist keine bloße Umbenennung, sondern eine institutionelle Machtkonzentration, die die Doktrin »Win in a Complex World 2020 – 2040« in ein durchgängig gesteuertes Transformationsregime übersetzt – mit dem Ziel, die schwindende unipolare Dominanz der USA militärisch-organisatorisch so lange wie möglich abzustützen.
Trotz der verschiedenen Bündnisse, Doktrinen und historischen Erfahrungen ist die Zukunft nicht vorhersehbar – aber auch nicht beliebig. Sicher ist nur, dass die Entscheidungen der Gegenwart die Spielräume der kommenden Jahre entscheidend formen. Damit nicht der Weg in weitere Zerstörung beschritten wird, muss gegen das herrschende Sicherheitsparadigma argumentiert werden: gegen die Logik der unipolaren Hegemonie, gegen die Eskalationsspirale von Aufrüstung und Stellvertreterkriegen, gegen die Vorstellung, dass »der Mensch dem Menschen ein Wolf« und nur durch Macht und Angst zu regieren sei. Stattdessen muss ein anderes Menschenbild ins Zentrum gerückt werden – das des vernünftigen, schöpferischen, politischen Wesens, das Schiller, Kant und Hegel beschrieben haben.
Doppelstandards und analytische Redlichkeit
Die von ihnen postulieren Werte wie Verantwortlichkeit, kritische Selbstreflexion sowie Respekt vor Anderen dürfen nicht zur Bemäntelung von Profitinteressen instrumentalisiert werden, sondern müssen sich in ernsthaft auf Kooperation ausgerichteten Institutionen widerspiegeln: Die heuchlerischen Doppelstandards wie im Fall westlicher »Interventionen« in Jugoslawien 1999, Irak 2003, Libyen 2011 etc., die im Grunde völkerrechtswidrige Angriffskriege waren (ohne UN-Mandat), müssen einer aufrichtigen Haltung und einer Gleichberechtigung aller Akteure weichen.
Das ist keine endgültige Lösung, sondern eine Gegenperspektive: eine Einladung, die Grundannahmen der internationalen Politik infrage zu stellen – die Vorstellung, dass Sicherheit nur durch Überlegenheit und Abschreckung möglich sei, dass Entwicklung nur im Rahmen westlicher Institutionen denkbar sei, dass Konflikte unvermeidlich seien und Krieg eine legitime Politikform bleibe.
Warum ist die Zukunft nicht beliebig?
Weil sie sich aus den bestehenden Strukturen ableitet. Die Doktrinen, die heute wirken – die Wolfowitz-Doktrin, die NATO-Ostausweitung, die »Pax americana«-Logik, die Rüstungsspirale, die Instrumentalisierung des Dollars, die Blockaden gegen Russland und China – sind keine bloßen Zufälle. Sie sind das Ergebnis von Entscheidungen, die über Jahrzehnte getroffen wurden: von der Aufkündigung der Rüstungskontrollverträge über die Regime-Change-Strategien bis hin zur Umwandlung der NATO in eine globale Interventionsallianz.
Diese Strukturen schaffen eine eigene Logik: Wer sich in eine solche Eskalationsdynamik begibt, kann nicht einfach »umkehren«, ohne dass es Konsequenzen hat. Die Aufrüstungsspirale, die heute in Europa und Nordamerika läuft, verändert die Wirtschaft, die Gesellschaft, die politische Kultur. Sie verknüpft Interessen, schafft Abhängigkeiten, verengt die Handlungsspielräume. Wer heute 5% des BIP für Rüstung ausgibt, kann morgen nicht einfach »zurück zur Normalität« kehren – nicht, solange die Angst vor einem äußeren Feind systematisch aufrechterhalten wird.
Die Alternative kann nur heißen: eine multipolare Weltordnung, die auf Souveränität, Respekt und gemeinsamer Entwicklung beruht; eine Sicherheitsarchitektur, die nicht auf Abschreckung, sondern auf gegenseitigem Respekt basiert; eine Entwicklungspolitik, die nicht auf Kontrolle, sondern auf Kooperation setzt.
Diese Alternativen sind keine automatischen Ausgänge. Sie entstehen nur, wenn Akteure – Staaten, Institutionen, Zivilgesellschaft – bereit sind, die bestehenden Strukturen zu hinterfragen, die Eskalationslogik zu durchbrechen und neue Formen der Zusammenarbeit zu wagen. Das setzt nicht nur politischen Willen voraus, sondern auch eine Veränderung der Mentalitäten: weg vom »Krieg als Vater aller Dinge«, hin zu der Überzeugung, dass Frieden, Entwicklung und Sicherheit nur durch Verständigung, Vernunft und Solidarität möglich sind.
Jede weitere NATO-Ostausweitung, jeder neue Rüstungspakt, jeder neue Sanktionszyklus verengt die Optionen. Jede Investition in Abrüstung, in diplomatische Kanäle, in gemeinsame Infrastrukturprojekte (wie den Oasen-Plan oder die Agenda 2063) erweitert sie.
Die Zukunft entsteht aus dem, was wir heute tun oder unterlassen. Und genau darin liegt die Verantwortung: nicht in der Illusion, alles kontrollieren zu können, sondern in der Einsicht, dass unsere Entscheidungen zählen – auch wenn sie nicht sofort die Welt verändern, sondern nur die Richtung, in die sie sich bewegt.
Anmerkungen und Quellenangaben
(1) Auszug aus der Dankesrede von Karl Theodor Jaspers (1883 – 1969) anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1958:
„Niemand weiß, was die Welt im Ganzen ist, wohin sie geht. Die Reinheit dieses Nichtwissens ermöglicht erst, was wir Wahrheit nennen oder Vernunft oder Gottesdienst.
Dass wir auf dem Weg zur Wahrheit sein können, genügt, um Mut zu gewinnen durch den Zusammenhang, von dem wir ausgingen: Friede ist nur durch Freiheit, Freiheit nur durch Wahrheit möglich. Daher ist die Unwahrheit das eigentlich Böse, jeden Frieden Vernichtende: die Unwahrheit von der Verschleierung bis zur blinden Lässigkeit, von der Lüge bis zur inneren Verlogenheit, von der Gedankenlosigkeit bis zum doktrinären Wahrheitsfanatismus, von der Unwahrhaftigkeit des einzelnen bis zur Unwahrhaftigkeit des öffentlichen Zustandes.
Das letzte Wort bleibt: Die Voraussetzung des Friedens ist die Mitverantwortung eines jeden durch die Weise seines Lebens in Wahrheit und Freiheit; die Frage des Friedens ist nicht zuerst eine Frage an die Welt, sondern für jeden an sich selbst.“
https://www.youtube.com/watch?v=xQchgRz45u4
(2) https://afsaneyebahar.com/2023/02/13/20694777/
(3) So konnte der Kapitel „Die Welt im Zangengriff von Covid-19. Von der Abwiegelung zur Panikmache“ aus dem Buch „Schwarzbuch EU & NATO. Warum die Welt keinen Frieden findet“ unter dem folgenden Link vollständig veröffentlicht werden: https://afsaneyebahar.com/wp-content/uploads/2021/06/w.-effenberger-auszug.pdf
(4) https://afsaneyebahar.com/2012/07/15/begegnungen-beheimaten-14111636/
(5) Inhaltsverzeichnis des Buches:
Vorwort von Prof. Michael Meyen: Professor ohne Titel (Seite 8)
Einführung: Vom Krieg zur Weltordnung (Seite 13)
Kapitel 1: Die Gegenwart verstehen. Krieg als Ordnungsinstrument (2022-2026)
(6) Prof. Michael Meyen hat 2026 ein aufschlussreiches Interview mit Wolfgang Effenberger veröffentlicht: https://www.youtube.com/watch?v=3nHWAZ6N5F4
(7) Seite 11 des Buches
Wolfgang Effenberger: Vom Krieg zur Weltordnung - Reden und Essays zu Krieg, Frieden und Geopolitik 2009-2026

Erste Auflage Juni 2026, Corage Media (Etica Media B.V.), Swalmen, NL, ISBN: ?978 9 083 5259 7 6, hier bestellen: https://eticamedia.eu/produkt/vom-krieg-zur-weltordnung/
Online-Flyer Nr. 864 vom 17.06.2026
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Literatur
Wolfgang Effenberger: Vom Krieg zur Weltordnung
Ohne Rücksicht, auf akademische Gremien zu nehmen
Buchvorstellung von Afsane Bahar
Wie und wann die Freundschaft zwischen Wolfgang Effenberger und mir entstand, entzieht sich meiner Gewissheit. Sie wächst sicherlich aus der gemeinsamen Überzeugung, dass Frieden durch Wahrheit und Wahrhaftigkeit erreichbar ist. (1) So verfassten wir am 31. Januar 2023 den Aufruf „Aufstehen fürs Überleben“. (2) Seine Unterstützung ermöglichte es mir, längere Auszüge aus seinen Werken zu veröffentlichen. (3) Anfang Juni 2026 feierte er seinen 80. Geburtstag und bestätigte dadurch erneut, dass Begegnungen beheimaten. (4) Sein aktuelles Buch „Vom Krieg zur Weltordnung“ versammelt seine zentralen Reden und Essays (5) aus dem Zeitraum 2009 bis 2026, in denen er zu Krieg, Frieden und Geopolitik Stellung nimmt. Dank seines historischen Wissens und seiner persönlichen Erfahrung bietet Wolfgang Effenberger eine gehaltvolle Gesamtschau unserer Epoche und plädiert dafür, aus der Vergangenheit Lehren für eine friedlichere Zukunft zu ziehen. Im letzten Satz des Epilogs betont er: „Die Zukunft entsteht aus dem, was wir heute tun oder unterlassen. Und genau darin liegt die Verantwortung: nicht in der Illusion, alles kontrollieren zu können, sondern in der Einsicht, dass unsere Entscheidungen zählen – auch wenn sie nicht sofort die Welt verändern, sondern nur die Richtung, in die sie sich bewegt.“Das Vorwort des Buches hat Prof. Michael Meyen (6) verfasst. Er schreibt: "Die Artikel und Reden, die in diesem Buch versammelt sind, spannen zeitlich und thematisch einen weiten Bogen. Es ist trotzdem nicht schwer, zum Fundament vorzudringen, auf dem all das gewachsen ist. In drei Schlagworten: historische Tiefenschärfe, Quellennähe und machtpolitischer Realismus. Wolfgang Effenberger weiß um die langen Linien der Geschichte, um die Kontinuität der Großmachtinteressen sowie um die Normalität von Kriegen, die hinter Schlagworten wie Freiheit und Demokratie versteckt wird. Und er muss keine Rücksicht nehmen auf akademische Gremien, die ihn mit lukrativen Stellen ködern könnten oder mit irgendwelchen Fördertöpfen.“ (7)
Epilog: Frieden als politische Aufgabe
(Mit freundlicher Genehmigung des Verlages vollständig wiedergegeben)
Die US-Armee bündelt seit Oktober 2025 in ihrem neugeschaffenen »Transformations- und Trainingskommando« (T2COM) ihre Transformationslogik und verschärft damit den Anspruch, im globalen Machtkampf'– vor allem gegen China und Russland – handlungsfähig zu bleiben. TRADOC (seit 1973 Doktrin und Ausbildungsmotor) und »Army Futures Command« (seit 2018 Modernisierungs- und Technologiebüro) wurden in T2COM mit dem Ziel »from vision to victory« (von der Vision zum Sieg) zusammengeführt.
Inhaltlich bleibt der Kurs von TRADOC 52531 erhalten: Sieg im komplexen, von Rivalen dominierten Umfeld 2020 – 2040. Neu ist die institutionelle Verdichtung zu einer neuen US-Sicherheitsstrategie, die »America First« mit strategischer Konkurrenz verknüpft: China als Hauptgegner, Russland als Störfaktor, Europa als Problemfall und Instrument, Erwartung höherer Rüstungslasten der Alliierten, mögliche Truppenverlagerungen, Nutzung von T2COM als Hebel, um Verbündete an US-Standards (MDO, Cognitive Warfare, Technologiekorridore) zu binden.
Die Transformation von TRADOC/AFC zu T2COM ist keine bloße Umbenennung, sondern eine institutionelle Machtkonzentration, die die Doktrin »Win in a Complex World 2020 – 2040« in ein durchgängig gesteuertes Transformationsregime übersetzt – mit dem Ziel, die schwindende unipolare Dominanz der USA militärisch-organisatorisch so lange wie möglich abzustützen.
Trotz der verschiedenen Bündnisse, Doktrinen und historischen Erfahrungen ist die Zukunft nicht vorhersehbar – aber auch nicht beliebig. Sicher ist nur, dass die Entscheidungen der Gegenwart die Spielräume der kommenden Jahre entscheidend formen. Damit nicht der Weg in weitere Zerstörung beschritten wird, muss gegen das herrschende Sicherheitsparadigma argumentiert werden: gegen die Logik der unipolaren Hegemonie, gegen die Eskalationsspirale von Aufrüstung und Stellvertreterkriegen, gegen die Vorstellung, dass »der Mensch dem Menschen ein Wolf« und nur durch Macht und Angst zu regieren sei. Stattdessen muss ein anderes Menschenbild ins Zentrum gerückt werden – das des vernünftigen, schöpferischen, politischen Wesens, das Schiller, Kant und Hegel beschrieben haben.
Doppelstandards und analytische Redlichkeit
Die von ihnen postulieren Werte wie Verantwortlichkeit, kritische Selbstreflexion sowie Respekt vor Anderen dürfen nicht zur Bemäntelung von Profitinteressen instrumentalisiert werden, sondern müssen sich in ernsthaft auf Kooperation ausgerichteten Institutionen widerspiegeln: Die heuchlerischen Doppelstandards wie im Fall westlicher »Interventionen« in Jugoslawien 1999, Irak 2003, Libyen 2011 etc., die im Grunde völkerrechtswidrige Angriffskriege waren (ohne UN-Mandat), müssen einer aufrichtigen Haltung und einer Gleichberechtigung aller Akteure weichen.
Das ist keine endgültige Lösung, sondern eine Gegenperspektive: eine Einladung, die Grundannahmen der internationalen Politik infrage zu stellen – die Vorstellung, dass Sicherheit nur durch Überlegenheit und Abschreckung möglich sei, dass Entwicklung nur im Rahmen westlicher Institutionen denkbar sei, dass Konflikte unvermeidlich seien und Krieg eine legitime Politikform bleibe.
Warum ist die Zukunft nicht beliebig?
Weil sie sich aus den bestehenden Strukturen ableitet. Die Doktrinen, die heute wirken – die Wolfowitz-Doktrin, die NATO-Ostausweitung, die »Pax americana«-Logik, die Rüstungsspirale, die Instrumentalisierung des Dollars, die Blockaden gegen Russland und China – sind keine bloßen Zufälle. Sie sind das Ergebnis von Entscheidungen, die über Jahrzehnte getroffen wurden: von der Aufkündigung der Rüstungskontrollverträge über die Regime-Change-Strategien bis hin zur Umwandlung der NATO in eine globale Interventionsallianz.
Diese Strukturen schaffen eine eigene Logik: Wer sich in eine solche Eskalationsdynamik begibt, kann nicht einfach »umkehren«, ohne dass es Konsequenzen hat. Die Aufrüstungsspirale, die heute in Europa und Nordamerika läuft, verändert die Wirtschaft, die Gesellschaft, die politische Kultur. Sie verknüpft Interessen, schafft Abhängigkeiten, verengt die Handlungsspielräume. Wer heute 5% des BIP für Rüstung ausgibt, kann morgen nicht einfach »zurück zur Normalität« kehren – nicht, solange die Angst vor einem äußeren Feind systematisch aufrechterhalten wird.
Die Alternative kann nur heißen: eine multipolare Weltordnung, die auf Souveränität, Respekt und gemeinsamer Entwicklung beruht; eine Sicherheitsarchitektur, die nicht auf Abschreckung, sondern auf gegenseitigem Respekt basiert; eine Entwicklungspolitik, die nicht auf Kontrolle, sondern auf Kooperation setzt.
Diese Alternativen sind keine automatischen Ausgänge. Sie entstehen nur, wenn Akteure – Staaten, Institutionen, Zivilgesellschaft – bereit sind, die bestehenden Strukturen zu hinterfragen, die Eskalationslogik zu durchbrechen und neue Formen der Zusammenarbeit zu wagen. Das setzt nicht nur politischen Willen voraus, sondern auch eine Veränderung der Mentalitäten: weg vom »Krieg als Vater aller Dinge«, hin zu der Überzeugung, dass Frieden, Entwicklung und Sicherheit nur durch Verständigung, Vernunft und Solidarität möglich sind.
Jede weitere NATO-Ostausweitung, jeder neue Rüstungspakt, jeder neue Sanktionszyklus verengt die Optionen. Jede Investition in Abrüstung, in diplomatische Kanäle, in gemeinsame Infrastrukturprojekte (wie den Oasen-Plan oder die Agenda 2063) erweitert sie.
Die Zukunft entsteht aus dem, was wir heute tun oder unterlassen. Und genau darin liegt die Verantwortung: nicht in der Illusion, alles kontrollieren zu können, sondern in der Einsicht, dass unsere Entscheidungen zählen – auch wenn sie nicht sofort die Welt verändern, sondern nur die Richtung, in die sie sich bewegt.
Anmerkungen und Quellenangaben
(1) Auszug aus der Dankesrede von Karl Theodor Jaspers (1883 – 1969) anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1958:
„Niemand weiß, was die Welt im Ganzen ist, wohin sie geht. Die Reinheit dieses Nichtwissens ermöglicht erst, was wir Wahrheit nennen oder Vernunft oder Gottesdienst.
Dass wir auf dem Weg zur Wahrheit sein können, genügt, um Mut zu gewinnen durch den Zusammenhang, von dem wir ausgingen: Friede ist nur durch Freiheit, Freiheit nur durch Wahrheit möglich. Daher ist die Unwahrheit das eigentlich Böse, jeden Frieden Vernichtende: die Unwahrheit von der Verschleierung bis zur blinden Lässigkeit, von der Lüge bis zur inneren Verlogenheit, von der Gedankenlosigkeit bis zum doktrinären Wahrheitsfanatismus, von der Unwahrhaftigkeit des einzelnen bis zur Unwahrhaftigkeit des öffentlichen Zustandes.
Das letzte Wort bleibt: Die Voraussetzung des Friedens ist die Mitverantwortung eines jeden durch die Weise seines Lebens in Wahrheit und Freiheit; die Frage des Friedens ist nicht zuerst eine Frage an die Welt, sondern für jeden an sich selbst.“
https://www.youtube.com/watch?v=xQchgRz45u4
(2) https://afsaneyebahar.com/2023/02/13/20694777/
(3) So konnte der Kapitel „Die Welt im Zangengriff von Covid-19. Von der Abwiegelung zur Panikmache“ aus dem Buch „Schwarzbuch EU & NATO. Warum die Welt keinen Frieden findet“ unter dem folgenden Link vollständig veröffentlicht werden: https://afsaneyebahar.com/wp-content/uploads/2021/06/w.-effenberger-auszug.pdf
(4) https://afsaneyebahar.com/2012/07/15/begegnungen-beheimaten-14111636/
(5) Inhaltsverzeichnis des Buches:
Vorwort von Prof. Michael Meyen: Professor ohne Titel (Seite 8)
Einführung: Vom Krieg zur Weltordnung (Seite 13)
Kapitel 1: Die Gegenwart verstehen. Krieg als Ordnungsinstrument (2022-2026)
- Einführung (Seite 18)
- Bilderberger: Ein geheimes Zentrum der Macht transformiert die Welt (verfasst am 27. Juni 2025) (Seite 20)
- Macht der Ohnmacht – Das Alaskatreffen im Lichte strategischer Beschränkungen (verfasst am 30. August 2025) (Seite 36)
- Chronik und Muster scheinheiliger Friedensabkommen: 28-Punkte Wirrwarr (verfasst am 12. Dezember 2025) (Seite 55)
- Souveränität versus Zwangsumsiedlung. Die Shanghai Cooperation Organisation (SCO) und die US-Pläne zur Umsiedlung der Palästinenser im Spannungsfeld internationaler Prinzipien (verfasst am 11. September 2025) (Seite 71)
- 2026: Zwischen Hoffnung und Ernüchterung – Versuch einer Prognose (verfasst am 30. Dezember 2025) (Seite 82)
- Einführung (Seite 96)
- »Win in a Complex World« - Wie die USA die »neue Weltordnung« planen (verfasst am 30. Oktober 2014) (Seite 97)
- Friedensvisionen ohne Fundament. General Kujats fehlende Auseinandersetzung mit TRADOC-Doktrinen und sicherheitspolitischem Kontext (verfasst am 01. November 2025) (Seite 101)
- Franziskus im unheiligen Club: Karlspreis. Was macht Seine Heiligkeit im unheiligen Club? (verfasst am 30. Mai 2016) (Seite 112)
- Reiseroute: Kriegsgefahr. Sowjetunion / Russland 1977 und China 2025 (Seite 119)
- Betrachtung 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs: Serbien – Spielball der Großmächte (verfasst am 21. November 2018) (Seite 131)
- Einführung (Seite 144)
- Erster Weltkrieg und die Folgen 1914 bis 2025: Europa steht nach zwei Weltkriegen kurz vor der Vernichtung. Visionen im Herbst 1887 (verfasst am 11. Mai 2025) (Seite 145)
- Der verzerrte Ursprung unserer Gegenwart. Wenn Vergangenheit zur Ideologie wird: Britanniens unaufgearbeitete Erblast (Seite 164)
- Der Beginn des Zweiten Weltkriegs – eine differenzierte Betrachtung (verfasst am 18. August 2019) (Seite 254)
- Einführung (Seite 262)
- Warnsignale überhört? Julikrise 1914 und Juli 2025 - Wenn Geschichte plötzlich Gegenwart wird (verfasst am 19. Juli 2025) (Seite 263)
- Das kommende europäische Schlachtfeld nimmt immer konkretere Formen an (verfasst am 20. Januar 2015) (Seite 273)
- Ukrainischer Außenminister verkauft Aufnahme in die NATO als alternativlos - »Foreign Affairs« bietet die Plattform (verfasst am 20. Mai 2023) (Seite 278)
- Raketeneinsätze gegen Russland. Wäre die NATO beim JA zu Rakenteneinsätzen gegen Russland im direkten Krieg mit der Russischen Föderation? Die deutsche Regierung nimmt einen Atomkrieg billigend in Kauf. (verfasst am 27. September 2024) (Seite 286)
- Israels Heimstatt in Palästina – Ergebnis eines geopolitischen Kalküls der Briten? Die ungelösten Konflikte des 1. Weltkrieges sind wieder aufgebrochen. (verfasst am 03. Juli 2025) (Seite 302)
- Strategische Kette – von der Transformation über Omniwar zu T2COM (verfasst am 03. März 2026) (Seite 321)
- Einführung (Seite 340)
- Die UN-Charta und Kants »Zum Ewigen Frieden« - Anspruch und Wirklichkeit (verfasst am 18. Juli 2024) (Seite 341)
- Vernunft und Menschlichkeit statt US-Exzeptionalismus - Für eine echte regelbasierte Ordnung (Rede auf dem Kongress Mut zur Ethik vom 29. – 31. August in Sirnach (Seite 349)
- Der Reformvorschlag der G-4 Staaten (Deutschland, Brasilien, Indien und Japan) in Bezug auf eine Erweiterung des VN-Sicherheitsrats vor dem Hintergrund der geopolitischen Interessen der USA (Vortrag gehalten am 17. Mai 2013 in der juristischen Fakultät der Bundesuniversität Rio de Janeiro anlässlich eines bilateralen Seminars zum Thema Völkerrecht und Menschenrechte) (Seite 355)
- Der Mensch ist nicht des Menschen Wolf (Reflexionen zur Konferenz des Schiller-Instituts vom 12./13. Juli 2025) (Seite 374)
- Zweifel an den offiziellen Kriegsgründen von 1949 bis heute (Rede bei der Kundgebung »Soldaten für Neutralität« am 21. September 2022 in Wien) (Seite 389)
- Neue Kriege um Rohstoffe (Rede am 25. Juli 2009 in Berlin) (Seite 396) Epilog: Frieden als politische Aufgabe (Seite 428)
(6) Prof. Michael Meyen hat 2026 ein aufschlussreiches Interview mit Wolfgang Effenberger veröffentlicht: https://www.youtube.com/watch?v=3nHWAZ6N5F4
(7) Seite 11 des Buches
Wolfgang Effenberger: Vom Krieg zur Weltordnung - Reden und Essays zu Krieg, Frieden und Geopolitik 2009-2026

Erste Auflage Juni 2026, Corage Media (Etica Media B.V.), Swalmen, NL, ISBN: ?978 9 083 5259 7 6, hier bestellen: https://eticamedia.eu/produkt/vom-krieg-zur-weltordnung/
Online-Flyer Nr. 864 vom 17.06.2026
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