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Ein Rundgang des Arbeiterfotografen und Publizisten Ulrich Falke über das Gelände des Sowjetischen Ehrenmals in Berlin-Treptow am "Tag des Sieges", 9. Mai 2026
Im Zentrum der Kultur des Erinnerns
Fotos und Text von Ulrich Falke
Die Bildreportage umfasst insgesamt 23 „Momentaufnahmen“ – zwei davon stammen allerdings schon aus der meiner Foto-Auswahl von 2025 - darunter das „Eröffnungsfoto“ -, alle anderen aus 2026. Ergänzt sind die Fotos mit gleich vielen „Bildunterschriften“ aus Erläuterungen, Kommentierungen und Assoziationen. Eingetreten in das Gelände war ich durch das an dem Gedenktag mit hoher Polizeipräsenz gesicherte Portal an der Straße „Am Treptower Park“, dem einen von zwei Haupteingängen. Wie im Vorjahr, wollte ich zuerst die „Stimmung“ auf mich wirken lassen und mich, als Chronist, vor allem von den verschiedenen Perspektiven und Bildmotiven leiten lassen, außerdem am späteren Nachmittag noch Bekannte am Standort des Berliner Chors „Die freien Stimmen“ treffen. Erst später entwickelte sich daraus die Idee, meinen „Rundgang“ als aktuelle Fotodokumentation diesmal zur Veröffentlichung anzubieten.

(1) Brot zum Abbrechen und Salz zum Eindippen auf einem bestickten Handtuch (Rushnyk) anzubieten, sind als Zeichen des Friedens und der Gastfreundschaft, ein im "heiligen Russland" (Helmut Schmidt, erhard-eppler-kreis.de) tief verwurzeltes Ritual der gelebten Kultur des Teilens.

(2) Vor der Statue "Mutter Heimat". „Dank“ der schikanösen und Deutschland beschämenden staatlichen Verordnung des Verbots zum Tragen russischer Fahnen und Embleme – ukrainische waren, wie schon in den vergangenen Jahren, erlaubt – fiel insbesondere vielen Frauen die Wahl leicht, in welcher Farbkombination sie sich an dem Tag kleiden sollten.

(3) Beim MLPD-Stand mussten die Bücher eingepackt werden mit der Begründung, dass jeder kommerzielle Handel auf dem Gelände verboten ist. Ein mögliches Erwerben auf Spendenbasis wollte die Polizei nicht gelten lassen. Die Betreiber des Informationsstandes beugten sich zwar der Anweisung der Beamten, kommentierten deren „Rigorismus“ jedoch öffentlich, per Mikrofonanlage, als faschistoide Vorstufe einer Bücherverbrennung. Ihre Flyer und andere Informationsmaterialien durften weiterhin ausgelegt werden.

(4) „Die freien Stimmen“, der Berliner Chor mit seinem Repertoire internationaler Friedens-Lieder bei seinem ersten Auftritt an dem Tag im Kreis seiner Gäste und Freunde, darunter dem Fotografen dieser Serie. Wie bei den russischen Familien und ihren Wahlverwandten üblich, hatten auch die Chor-Mitglieder Picknick-Decken und einen Imbiss mit Getränken für alle auf der nahen Rasenfläche ausgebreitet.

(5) Gesungen wurde unter anderem das russische Friedenslied „Tyelpe Potim / Immer lebe die Sonne“ auf Russisch und auf Deutsch. Besonders der ebenfalls zweisprachig vorgetragene „Gassenhauer“ von Ivan Petrovich Larionov „Kalinka“ zog Gäste in seinen Bann, die stehen blieben, im Rhythmus der Klänge mitwippten und mitsangen.

(6) Erinnerungsfotos und Rituale zum Andenken an die im Kampf gegen die Mächte des Faschismus gefallenen Soldaten wie hier an einem der insgesamt 16 „Relief-Sarkophage“, die den Hauptplatz der Anlage umsäumen, mit ihren eingravierten Zitaten des „frühen“ Josef Stalin, acht in Russisch, acht in Deutsch. Allein 3,3 Millionen Soldaten der Roten Armee, ungefähr zwei Drittel der in deutsche Gefangenschaft Geratenen, wurden in den Lagern, zumeist durch Verhungern lassen, systematisch getötet. So schreibt der World Jewish Congress (WJC) auf seinen Seiten zu den „Fakten über den Holocaust“: „Diese stellen somit nach den Juden die zweitgrößte Gruppe von Opfern des Nationalsozialismus dar.“ (aboutholocaust.org, vergleiche Ulrich Falke „Hitlers Rede, Teil 4 von 4“, 7. Februar 2026, manvova.news)

(7) Schlange stehen vor dem Aufstieg zum Ehrenmal. Viele haben rote Rosen, Nelken und andere Blumen zum ehrenvollen Andenken an ihre Vorfahren und deren opferreichen Kampf und schließlich den Sieg über Nazideutschland mitgebracht. Im Hintergrund ist das aus rotem Granitstein, wie zwei wehenden „Siegesfahnen“ gestaltete Tor zum Zentralfeld der Anlage zu sehen. An deren Stirnseiten verbeugt sich jeweils eine Monumentalbronze, ein kniender älterer und junger Soldat.

(8) Behütetes Heranführen an politisches Geschichtsbewusstsein, verbunden mit der eigenen Familiengeschichte schon bei den Jüngsten. Ein wenig irritierend wirken bei dieser weihevollen Aufgabe die blau-gelben Luftballons im Hintergrund, die für pietätlose Werbeträger von Ikea gehalten werden könnten. Auch für diese Randerscheinung wird ein verantwortungsvoller Vater seinem Sohn die richtige Erklärung geben können.

(9) Vor dem Aufstieg zum Ehrenmal mit seiner im Sockel „verborgenen Krypta“ und seiner fast 12 Meter hohen Bronzestatue "Der Befreier" des Bildhauers Jewgeni Wutschetitsch. Die Monumentalfigur symbolisiert einen sowjetischen Soldaten, unter dessen Füßen das mit seinem Schwert zerschlagene Hakenkreuz liegt und der mit seinem anderen Arm ein deutsches Kind trägt, das sich an seinen Retter schmiegt.

(10) „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus", beschwören Russen – wie Deutsche sich selbst – und ihre Gäste. Die alternativlose Botschaft ist auf den Treppenstufen des Ehrenmals platziert.

(11) Erinnerung und Dank an einen der gefallenen sowjetischen Soldaten, der im Kampf gegen die Armeen des Nazi-Regimes viel zu früh aus dem Leben geschieden ist. Rund 80.000 Rotarmisten kostete die „Schlacht um Berlin“ in den letzten Kriegswochen noch ihr Leben. Mehr als 7.000 der Getöteten fanden ihre Ruhestätten auf dem Gelände des Ehrenmals.

(12) Besucher tragen Schilder mit Fotografien von ihrem im Krieg gegen Nazi-Deutschland gefallenen Verwandten oder inzwischen verstorbenen, früheren Veteranen. Russen und ihre ehemaligen Verbündeten wahren historisches Bewusstsein und finden Auswege und Linderung für die beinahe in jede Familie hineinwirkende Kriegstraumata wie dem durch das würdevolle Zelebrieren gemeinsamer Rituale am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow am „Tag des Sieges“.

(13) Umrahmt von vielen Blumen erinnert auch diese Fotografie an einen der gefallenen Soldaten der Roten Armee des Vielvölker-Staates Russland und dessen Verbündeten. Platziert ist das gerahmte Bild nahe dem Statuen-Sockel mit dem darin beherbergten Pavillon. Die begehbare „Krypta“ ist mit Decken-Mosaiken verziert, die Szenen aus Zeiten des „Großen Vaterländischen Krieges“ abbilden. Am „Tag des Sieges“ türmen sich in der Gewölbemitte die hier bevorzugt niedergelegten Schnittblumen der Besucher.

(14) Blick aus der „Froschperspektive“ hinauf zum “Befreier“, der sich wie ein gigantischer Wächter auf seinem Hügel und Sockel bis zu 30 Meter Höhe über die Anlage erhebt.

(15) Die Perspektive von der Plattform des Sockels hinab auf das zentrale Hauptfeld der Anlage, das mit ihren fünf quadratischen Steinplatten und jeweils einem großen bronzenen Lorbeerkranz als „symbolisches Gräberfeld“ gestaltet ist. Die sechzehn aus weißen Kalkstein geschaffenen „Sarkophage“ begrenzen den Hauptplatz des Soldatenfriedhofes. Die Gesamtanlage, das größte Sowjetische Ehrenmal Deutschlands, mit seiner Ausdehnung von rund 10 Hektar wurde 1949 fertiggestellt, und zwar „nach den Entwürfen eines sowjetischen Gestaltungskollektivs unter der Leitung des Architekten Jakow S. Belopolski, des Bildhauers Jewgeni W. Wutschetitsch, des Malers Alexander A. Gorpenko und der Ingenieurin Sarra S. Walerius.“ (gruen-berlin.de, siehe auch: „Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park“, Version 12. März 2026, de.wikipedia.org)

(16) Corpus Delicti. Fahnen der sowjetischen Befreier der Deutschen von ihrem Faschismus, darunter selbst das „Banner des Sieges“ (vergleiche de.wikipedia.org), sind von dem heutigen deutschen Regime den Russen und ihrer früheren Verbündeten an ihrem Gedenktag auf ihrer Ehrenstätte verboten. Dieser Fahnenträger hielt bei seinem „Abstieg“ offenkundig nichts von dieser schändliche Untersagung. Möglicherweise erinnerte er sich statt dessen an das Postulat der deutsch-US-amerikanischen Totalitarismus-Forscherin Hannah Arendt: "Niemand hat das Recht zu gehorchen!“

(17) Blick zurück auf den Andrang der geduldig wartenden Gäste, die sich zum Aufstieg des „Grabhügels“ und dem Besuch des Pavillons eingereiht haben.

(18) Musik zur Unterhaltung, Erbauung und Brauchtumspflege. Dabei denke ich auch an die Dokumentation des ZDF von 1999 „Der Fall Friedrich Nietzsche – Kriminalgeschichte einer Verfälschung“, Buch und Regie Reinhold Jaretzky, die noch heute auf YouTube zu sehen ist. Demzufolge setzte der konsequente Freidenker „in fast jeder Hinsicht auf die Russen, und auf die Juden“. Und, so das wörtliche Nietzsche-Zitat: „Ich werde nicht zulassen, daß ein Deutscher wissen könne, was Musik ist. Was man deutsche Musiker nennt, die größten voran, sind Ausländer, Slaven, Croaten, Italiener, Niederländer – oder Juden.“

(19) „Die freien Stimmen“, der Chor, zu dessen „Dunstkreis“ auch ich mich zähle, bei ihrem zweiten Auftritt an diesem Ehrentag, nun auf der „Terrasse“ unterhalb des Portal-Flügels mit der monumentalen Bronze des knienden jungen Soldaten.

(20) Das Banner der Friko (Berliner Friedenskoordination) mit ihrem Dank an die sowjetischen Soldaten für die Befreiung vom Faschismus war auch am 9. Mai 2026 an der gleichen Stelle wie im Vorjahr, aus dem diese Aufnahmen stammt, aufgespannt: vor dem als wehende Siegesfahne gestalteten „Torflügel“ mit der Bronze des knienden jungen Rotarmisten. (Vergleiche auch „Offener Brief aus Berlin an die russländische Bevölkerung“ von Laura von Wimmersperg: frikoberlin.de; vergleiche auch „Botschaft der Veteranen und Kriegskinder des Großen Vaterländischen Krieges an das deutsche Volk und die deutsche Regierung. Tragödie in der Ukraine“, germany.mid.ru)

(21) Aussicht von der „Terrasse“ über das „Gräberfeld“ hin zum Blickfang „Befreier“. Viele Blumen sind auch auf dem zentralen Sarkophag und, dahinter, vor dem aufgerichteten Bronzekranz am Rande des Gräberfeldes niedergelegt.

(22) Prozession der Männer mit den Fahnen sowjetischer Fronten des Großen Vaterländischen Krieges – darunter Ukrainische und Belorussische Fronten der Roten Armee, die an der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus beteiligt waren. Das Zeremoniell ist fester Bestandteil der Gedenkveranstaltungen zum Tag des Sieges.

(23) Prozession traditionell gekleideter Russinnen zum Gedenken an die Gefallenen und Beerdigten auf dem Gelände des sowjetischen Ehrenmals. Das Tragen von Trachten an diesem Tag unterstreicht den kulturellen und zeremoniellen Charakter des Gedenkens, wie ich es mir ebenfalls von einer mir bekannten gebürtigen Russin erklären ließ.
Mein erstes Fazit des in diesem Jahr rund vierstündigen Aufenthaltes und Rundganges an diesem geschichtlich, emotional und vielleicht sogar metaphysisch „aufgeladenen“ Ort des Erinnerns ist, dass Russen und andere Bürger der ehemaligen Sowjetunion mit diesem Ehrenmal einen „Tempel“ für sich gefunden haben und ihn für ihre seelische Gesundheit auch zu nutzen wissen, wozu ganz besonders die Erinnerung, der Dank und der Ehrung ihrer Vorfahren gehört. Auf sie sind sie stolz und können es uneingeschränkt auch zu recht sein.
Wir Deutschen sind eingeladen und werden willkommen geheißen, um mitzufeiern, dass uns andere Völker von unserem Hitler-Faschismus befreit haben, zu der unsere Vorfahren aus eigener Kraft nicht in der Lage waren.
Siehe auch die Fotoreportage:
"Tag des Sieges" am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow, 9. Mai 2026
81 Jahre nach dem Sieg über Hitler-Deutschland
Fotos von Frank Becker, Text: NRhZ
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=29810
Online-Flyer Nr. 862 vom 15.05.2026
Druckversion
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Ein Rundgang des Arbeiterfotografen und Publizisten Ulrich Falke über das Gelände des Sowjetischen Ehrenmals in Berlin-Treptow am "Tag des Sieges", 9. Mai 2026
Im Zentrum der Kultur des Erinnerns
Fotos und Text von Ulrich Falke
Die Bildreportage umfasst insgesamt 23 „Momentaufnahmen“ – zwei davon stammen allerdings schon aus der meiner Foto-Auswahl von 2025 - darunter das „Eröffnungsfoto“ -, alle anderen aus 2026. Ergänzt sind die Fotos mit gleich vielen „Bildunterschriften“ aus Erläuterungen, Kommentierungen und Assoziationen. Eingetreten in das Gelände war ich durch das an dem Gedenktag mit hoher Polizeipräsenz gesicherte Portal an der Straße „Am Treptower Park“, dem einen von zwei Haupteingängen. Wie im Vorjahr, wollte ich zuerst die „Stimmung“ auf mich wirken lassen und mich, als Chronist, vor allem von den verschiedenen Perspektiven und Bildmotiven leiten lassen, außerdem am späteren Nachmittag noch Bekannte am Standort des Berliner Chors „Die freien Stimmen“ treffen. Erst später entwickelte sich daraus die Idee, meinen „Rundgang“ als aktuelle Fotodokumentation diesmal zur Veröffentlichung anzubieten.
(1) Brot zum Abbrechen und Salz zum Eindippen auf einem bestickten Handtuch (Rushnyk) anzubieten, sind als Zeichen des Friedens und der Gastfreundschaft, ein im "heiligen Russland" (Helmut Schmidt, erhard-eppler-kreis.de) tief verwurzeltes Ritual der gelebten Kultur des Teilens.

(2) Vor der Statue "Mutter Heimat". „Dank“ der schikanösen und Deutschland beschämenden staatlichen Verordnung des Verbots zum Tragen russischer Fahnen und Embleme – ukrainische waren, wie schon in den vergangenen Jahren, erlaubt – fiel insbesondere vielen Frauen die Wahl leicht, in welcher Farbkombination sie sich an dem Tag kleiden sollten.

(3) Beim MLPD-Stand mussten die Bücher eingepackt werden mit der Begründung, dass jeder kommerzielle Handel auf dem Gelände verboten ist. Ein mögliches Erwerben auf Spendenbasis wollte die Polizei nicht gelten lassen. Die Betreiber des Informationsstandes beugten sich zwar der Anweisung der Beamten, kommentierten deren „Rigorismus“ jedoch öffentlich, per Mikrofonanlage, als faschistoide Vorstufe einer Bücherverbrennung. Ihre Flyer und andere Informationsmaterialien durften weiterhin ausgelegt werden.

(4) „Die freien Stimmen“, der Berliner Chor mit seinem Repertoire internationaler Friedens-Lieder bei seinem ersten Auftritt an dem Tag im Kreis seiner Gäste und Freunde, darunter dem Fotografen dieser Serie. Wie bei den russischen Familien und ihren Wahlverwandten üblich, hatten auch die Chor-Mitglieder Picknick-Decken und einen Imbiss mit Getränken für alle auf der nahen Rasenfläche ausgebreitet.

(5) Gesungen wurde unter anderem das russische Friedenslied „Tyelpe Potim / Immer lebe die Sonne“ auf Russisch und auf Deutsch. Besonders der ebenfalls zweisprachig vorgetragene „Gassenhauer“ von Ivan Petrovich Larionov „Kalinka“ zog Gäste in seinen Bann, die stehen blieben, im Rhythmus der Klänge mitwippten und mitsangen.

(6) Erinnerungsfotos und Rituale zum Andenken an die im Kampf gegen die Mächte des Faschismus gefallenen Soldaten wie hier an einem der insgesamt 16 „Relief-Sarkophage“, die den Hauptplatz der Anlage umsäumen, mit ihren eingravierten Zitaten des „frühen“ Josef Stalin, acht in Russisch, acht in Deutsch. Allein 3,3 Millionen Soldaten der Roten Armee, ungefähr zwei Drittel der in deutsche Gefangenschaft Geratenen, wurden in den Lagern, zumeist durch Verhungern lassen, systematisch getötet. So schreibt der World Jewish Congress (WJC) auf seinen Seiten zu den „Fakten über den Holocaust“: „Diese stellen somit nach den Juden die zweitgrößte Gruppe von Opfern des Nationalsozialismus dar.“ (aboutholocaust.org, vergleiche Ulrich Falke „Hitlers Rede, Teil 4 von 4“, 7. Februar 2026, manvova.news)

(7) Schlange stehen vor dem Aufstieg zum Ehrenmal. Viele haben rote Rosen, Nelken und andere Blumen zum ehrenvollen Andenken an ihre Vorfahren und deren opferreichen Kampf und schließlich den Sieg über Nazideutschland mitgebracht. Im Hintergrund ist das aus rotem Granitstein, wie zwei wehenden „Siegesfahnen“ gestaltete Tor zum Zentralfeld der Anlage zu sehen. An deren Stirnseiten verbeugt sich jeweils eine Monumentalbronze, ein kniender älterer und junger Soldat.

(8) Behütetes Heranführen an politisches Geschichtsbewusstsein, verbunden mit der eigenen Familiengeschichte schon bei den Jüngsten. Ein wenig irritierend wirken bei dieser weihevollen Aufgabe die blau-gelben Luftballons im Hintergrund, die für pietätlose Werbeträger von Ikea gehalten werden könnten. Auch für diese Randerscheinung wird ein verantwortungsvoller Vater seinem Sohn die richtige Erklärung geben können.

(9) Vor dem Aufstieg zum Ehrenmal mit seiner im Sockel „verborgenen Krypta“ und seiner fast 12 Meter hohen Bronzestatue "Der Befreier" des Bildhauers Jewgeni Wutschetitsch. Die Monumentalfigur symbolisiert einen sowjetischen Soldaten, unter dessen Füßen das mit seinem Schwert zerschlagene Hakenkreuz liegt und der mit seinem anderen Arm ein deutsches Kind trägt, das sich an seinen Retter schmiegt.

(10) „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus", beschwören Russen – wie Deutsche sich selbst – und ihre Gäste. Die alternativlose Botschaft ist auf den Treppenstufen des Ehrenmals platziert.

(11) Erinnerung und Dank an einen der gefallenen sowjetischen Soldaten, der im Kampf gegen die Armeen des Nazi-Regimes viel zu früh aus dem Leben geschieden ist. Rund 80.000 Rotarmisten kostete die „Schlacht um Berlin“ in den letzten Kriegswochen noch ihr Leben. Mehr als 7.000 der Getöteten fanden ihre Ruhestätten auf dem Gelände des Ehrenmals.

(12) Besucher tragen Schilder mit Fotografien von ihrem im Krieg gegen Nazi-Deutschland gefallenen Verwandten oder inzwischen verstorbenen, früheren Veteranen. Russen und ihre ehemaligen Verbündeten wahren historisches Bewusstsein und finden Auswege und Linderung für die beinahe in jede Familie hineinwirkende Kriegstraumata wie dem durch das würdevolle Zelebrieren gemeinsamer Rituale am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow am „Tag des Sieges“.

(13) Umrahmt von vielen Blumen erinnert auch diese Fotografie an einen der gefallenen Soldaten der Roten Armee des Vielvölker-Staates Russland und dessen Verbündeten. Platziert ist das gerahmte Bild nahe dem Statuen-Sockel mit dem darin beherbergten Pavillon. Die begehbare „Krypta“ ist mit Decken-Mosaiken verziert, die Szenen aus Zeiten des „Großen Vaterländischen Krieges“ abbilden. Am „Tag des Sieges“ türmen sich in der Gewölbemitte die hier bevorzugt niedergelegten Schnittblumen der Besucher.

(14) Blick aus der „Froschperspektive“ hinauf zum “Befreier“, der sich wie ein gigantischer Wächter auf seinem Hügel und Sockel bis zu 30 Meter Höhe über die Anlage erhebt.

(15) Die Perspektive von der Plattform des Sockels hinab auf das zentrale Hauptfeld der Anlage, das mit ihren fünf quadratischen Steinplatten und jeweils einem großen bronzenen Lorbeerkranz als „symbolisches Gräberfeld“ gestaltet ist. Die sechzehn aus weißen Kalkstein geschaffenen „Sarkophage“ begrenzen den Hauptplatz des Soldatenfriedhofes. Die Gesamtanlage, das größte Sowjetische Ehrenmal Deutschlands, mit seiner Ausdehnung von rund 10 Hektar wurde 1949 fertiggestellt, und zwar „nach den Entwürfen eines sowjetischen Gestaltungskollektivs unter der Leitung des Architekten Jakow S. Belopolski, des Bildhauers Jewgeni W. Wutschetitsch, des Malers Alexander A. Gorpenko und der Ingenieurin Sarra S. Walerius.“ (gruen-berlin.de, siehe auch: „Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park“, Version 12. März 2026, de.wikipedia.org)

(16) Corpus Delicti. Fahnen der sowjetischen Befreier der Deutschen von ihrem Faschismus, darunter selbst das „Banner des Sieges“ (vergleiche de.wikipedia.org), sind von dem heutigen deutschen Regime den Russen und ihrer früheren Verbündeten an ihrem Gedenktag auf ihrer Ehrenstätte verboten. Dieser Fahnenträger hielt bei seinem „Abstieg“ offenkundig nichts von dieser schändliche Untersagung. Möglicherweise erinnerte er sich statt dessen an das Postulat der deutsch-US-amerikanischen Totalitarismus-Forscherin Hannah Arendt: "Niemand hat das Recht zu gehorchen!“

(17) Blick zurück auf den Andrang der geduldig wartenden Gäste, die sich zum Aufstieg des „Grabhügels“ und dem Besuch des Pavillons eingereiht haben.

(18) Musik zur Unterhaltung, Erbauung und Brauchtumspflege. Dabei denke ich auch an die Dokumentation des ZDF von 1999 „Der Fall Friedrich Nietzsche – Kriminalgeschichte einer Verfälschung“, Buch und Regie Reinhold Jaretzky, die noch heute auf YouTube zu sehen ist. Demzufolge setzte der konsequente Freidenker „in fast jeder Hinsicht auf die Russen, und auf die Juden“. Und, so das wörtliche Nietzsche-Zitat: „Ich werde nicht zulassen, daß ein Deutscher wissen könne, was Musik ist. Was man deutsche Musiker nennt, die größten voran, sind Ausländer, Slaven, Croaten, Italiener, Niederländer – oder Juden.“

(19) „Die freien Stimmen“, der Chor, zu dessen „Dunstkreis“ auch ich mich zähle, bei ihrem zweiten Auftritt an diesem Ehrentag, nun auf der „Terrasse“ unterhalb des Portal-Flügels mit der monumentalen Bronze des knienden jungen Soldaten.

(20) Das Banner der Friko (Berliner Friedenskoordination) mit ihrem Dank an die sowjetischen Soldaten für die Befreiung vom Faschismus war auch am 9. Mai 2026 an der gleichen Stelle wie im Vorjahr, aus dem diese Aufnahmen stammt, aufgespannt: vor dem als wehende Siegesfahne gestalteten „Torflügel“ mit der Bronze des knienden jungen Rotarmisten. (Vergleiche auch „Offener Brief aus Berlin an die russländische Bevölkerung“ von Laura von Wimmersperg: frikoberlin.de; vergleiche auch „Botschaft der Veteranen und Kriegskinder des Großen Vaterländischen Krieges an das deutsche Volk und die deutsche Regierung. Tragödie in der Ukraine“, germany.mid.ru)

(21) Aussicht von der „Terrasse“ über das „Gräberfeld“ hin zum Blickfang „Befreier“. Viele Blumen sind auch auf dem zentralen Sarkophag und, dahinter, vor dem aufgerichteten Bronzekranz am Rande des Gräberfeldes niedergelegt.

(22) Prozession der Männer mit den Fahnen sowjetischer Fronten des Großen Vaterländischen Krieges – darunter Ukrainische und Belorussische Fronten der Roten Armee, die an der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus beteiligt waren. Das Zeremoniell ist fester Bestandteil der Gedenkveranstaltungen zum Tag des Sieges.

(23) Prozession traditionell gekleideter Russinnen zum Gedenken an die Gefallenen und Beerdigten auf dem Gelände des sowjetischen Ehrenmals. Das Tragen von Trachten an diesem Tag unterstreicht den kulturellen und zeremoniellen Charakter des Gedenkens, wie ich es mir ebenfalls von einer mir bekannten gebürtigen Russin erklären ließ.
Mein erstes Fazit des in diesem Jahr rund vierstündigen Aufenthaltes und Rundganges an diesem geschichtlich, emotional und vielleicht sogar metaphysisch „aufgeladenen“ Ort des Erinnerns ist, dass Russen und andere Bürger der ehemaligen Sowjetunion mit diesem Ehrenmal einen „Tempel“ für sich gefunden haben und ihn für ihre seelische Gesundheit auch zu nutzen wissen, wozu ganz besonders die Erinnerung, der Dank und der Ehrung ihrer Vorfahren gehört. Auf sie sind sie stolz und können es uneingeschränkt auch zu recht sein.
Wir Deutschen sind eingeladen und werden willkommen geheißen, um mitzufeiern, dass uns andere Völker von unserem Hitler-Faschismus befreit haben, zu der unsere Vorfahren aus eigener Kraft nicht in der Lage waren.
Siehe auch die Fotoreportage:
"Tag des Sieges" am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow, 9. Mai 2026
81 Jahre nach dem Sieg über Hitler-Deutschland
Fotos von Frank Becker, Text: NRhZ
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=29810
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