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Aktueller Online-Flyer vom 07. Januar 2026  

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Aktuelles
Erklärung zum Jahr 2026
Am Puls der Zeit – seit 100 Jahren
Von Bundesverband Arbeiterfotografie

2026 ist ein herausragendes Jahr für die Arbeiterfotografie. 1926 – also vor hundert Jahren – entstand im Umfeld der KPD die Arbeiterfotografen-Bewegung – nicht zuletzt auf Initiative von Willi Münzenberg, dem "roten Pressezaren" auf Seiten der Ausgebeuteten mit seinem "Neuen Deutschen Verlag" und der dort erscheinenden Arbeiter-Illustrierten-Zeitung (A-I-Z) – berühmt insbesondere durch die aufrüttelnden Fotomontagen von John Heartfield. Es war Münzenberg, der in A-I-Z-Ausgabe 8, erschienen am 25. März 1926, alle fotografierenden Arbeiter im Rahmen eines Wettbewerbs dazu aufrief, Fotos einzureichen, die das Arbeits- und Alltagsleben sowie den Kampf der Arbeiterbewegung dokumentierten.


Der Arbeiter-Fotografie, Ausgabe 1, August 1926

Im August 1926 war es dann soweit, dass an alle Einsender eine erste Ausgabe des künftigen Verbandsorgans "Der Arbeiter-Fotograf" verschickt wurde. Auf der Titelseite heißt es unter der Überschrift "Neue Aufgaben der Arbeiter-Fotografen": "Besonders aber ist es die 'Arbeiter-Illustrierte Zeitung', die in den letzten Monaten sehr rasch an Ausbreitung gewonnen und heute zu den meistgelesenen Arbeiter-Zeitschriften der deutschsprachigen Gebiete gehört. Die Zeitung, die heute 14tägig und hoffentlich bald wöchentlich erscheint, wird bereits jetzt in einer Auflage von einer Viertelmillion vertrieben. Uns Arbeiterfotografen erwächst damit die dringende Aufgabe, unsere Kunst in den Dienst der Arbeiteragitation und der Arbeiterbewegung zu stellen. Wir dürfen nicht nur für uns und unsere Freunde fotografieren, wir müssen in erster Linie Bilder aus dem Leben der Arbeiterschaft, aus den Fabriken und Werkstätten, von dem Kampf der revolutionären Arbeiterklasse aufnehmen, um die Arbeiterpresse ständig über Vorgänge innerhalb der Arbeiterschaft zu informieren. Wir müssen heute mit unserem Können helfen, die Agitationsmethoden der Arbeiterbewegung zu verbessern..."

Und auf der Rückseite der vierseitigen Ausgabe wird mit dem Titel "Was soll der Arbeiter-Fotograf aufnehmen?" ausgeführt, was erwartet wird: "Aus dem großen Aufgabenkreis wählen wir heute nur eine spezielle Aufgabe aus, nach unserer Meinung die wichtigste Aufgabe der Arbeiter-Fotografen, nämlich die Bildberichterstattung aus den Betrieben. Jeder Arbeiterleser hat das brennendste Interesse daran zu erfahren, unter welchen Bedingungen seine Kollegen in den anderen Bezirken und Ländern arbeiten, die gesamte revolutionäre Arbeiterschaft wünscht und fordert, daß die Mißstände des kapitalistischen Systems, die Maßnahmen zur Rationalisierung, wie sie jetzt in Deutschland gang und gäbe sind, die mangelnden Schutzvorrichtungen und die daraus sich ergebenden Unglücksfälle im Bilde festgehalten und auf schärfste kritisiert werden."

Bereits im Oktober 1926 wird erneut das Mittel des Preisausschreibens gewählt, um an gutes Bildmaterial zu kommen. In Ausgabe 2 vom Oktober 1926 lautet es: "Der Kampf, den die Arbeiter-Illustrierte-Zeitung gegen diese [bürgerliche] Berichterstattung als erste begonnen hat, hat bereits zu einer Reihe schöner Erfolge geführt. Eine Vereinigung von Arbeiter-Fotografen ist entstanden und hat eine Reichs-Organisation über ganz Deutschland geschaffen. Der Neue Deutsche Verlag hat sich das Verdienst erworben, dieser Organisation gleichzeitig ein Organ in der Zeitschrift "Der Arbeiter-Fotograf" zu geben. Die Arbeiter-Illustrierte-Zeitung hat bereits großen Nutzen aus dem Erwachen der Arbeiter-Fotografen gezogen und vieles wertvolle Material erhalten. Aber es fehlt noch an der notwendigen Planmäßigkeit der Berichterstattung der Arbeiter-Fotografen. Deshalb hat der Neue Deutsche Verlag als Herausgeber des Arbeiterfotografen sich entschlossen, durch ein besonderes Preisausschreiben die Arbeiter-Fotografen zu dieser planmäßigen Berichterstattung anzuregen... Es fehlt uns noch die planmäßige Beobachtung insbesondere der industriellen Betriebe, die Erfassung der Ursachen und Zusammenhänge von sozialer Ausbeutung und kapitalistischem Gewinn im Bilde."

"Arbeiterfotografie ist eine Waffe der Zeit. Sie entnimmt ihre Motive der sozialen Gegenwart, berichtet über den politischen Kampf und sucht ihn durch die anklagende Aufzeigung der furchtbaren Wirkungen der kapitalistischen Wirtschaftsanarchie zu steigern." schrieb der A-I-Z-Bild- und Umbruchredakteur (1928-33) und spätere (ab 1929) Präsident der Vereinigung der Arbeiterfotografen Deutschlands, Hermann Leupold, 1931 im Vereinsorgan "Der Arbeiterfotograf".

Die Zeitspanne, die der Arbeiterfotografen-Bewegung mit der im April 1927 in Erfurt gegründeten "Vereinigung der Arbeiterfotografen Deutschlands" gegeben war, um ihre Wirkung zu entfalten, war knapp bemessen. Bereits sechs Jahre später wurde in Deutschland der Faschismus implantiert – eingefädelt durch den Mittelsmann zwischen deutschem und angloamerikanischen Kapital, den Kölner Bankier Kurt Freiherr von Schröder beim Treffen mit Hitler am 4. Januar 1933 in der Villa Schröder. Es dauerte knapp vierzig Jahre, bis im Umfeld der DKP die Arbeiterfotografen-Bewegung wiederentstand – mit ersten Gruppen Anfang der 1970er Jahre und der Gründung des Bundesverbands Arbeiterfotografie 1978 in Essen.

Damals in der Weimarer Republik wie auch nach der Wiedergründung waren die Arbeiterfotografen gehalten, sich den Herausforderungen der Zeit zu stellen. War es damals in erster Linie die Brutalität des Kapitalismus und die Gefahr des Faschismus, die zum Thema zu machen waren, ging ab den 1970er Jahren ein halbes Jahrhundert lang mit einer Vielzahl von Gegebenheiten weiter, die nicht selten menschheitsbedrohend waren.

Willi Münzenberg schrieb in seinem 1937 im Exil veröffentlichten Buch "Propaganda als Waffe": "Die Hitlerpropaganda war bis heute vor allem auch deshalb erfolgreich, weil es keine ernsthafte Gegenpropaganda gab. Eine ernste, zentral geleitete Gegenpropaganda hat um so größere Aussicht auf Erfolg, als diese Propaganda für höchste Ziele, für Frieden, Freiheit, kulturellen Aufstieg, die im Grunde alle Völker und Menschen mit Ausnahme weniger Individuen heiß ersehnen, mit einer Waffe kämpft, die bisher auf die Dauer immer den Sieg davongetragen hat … der Wahrheit." Das ist eine Aussage, die die Arbeiterfotografie sich auch heute noch zu Eigen machen kann. Sie erinnert an Julian Assange, der geäußert hat: wenn Kriege mit Lügen begonnen werden, können sie durch Aussprechen der Wahrheit beendet werden.

Immer wieder gilt es, der grassierenden Propaganda der Machtausübenden durch Aufklärung zu begegnen. Als besondere Herausforderungen seit der Wiedergründung der Arbeiterfotografie seien genannt: die sogenannte "Nachrüstung" mit atomaren Pershing II und Cruise Missiles in den 1980er Jahren, der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der NATO inklusive Deutschlands gegen die Bundesrepublik Jugoslawien 1999, die Inszenierung der Angriffe auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September 2001, die mit Lügen angezettelten Kriege gegen Irak und Libyen 2003 bzw. 2011 und nicht zuletzt die Operation Corona ab März 2020. Bereits Ende März waren es vier Arbeiterfotografen, die eine Petition auf den Weg brachten, mit der gezeigt wurde, dass die Lockdown-Maßnahmen jeglicher medizinischer Grundlage entbehrten (denn die Zahl der fiebrigen Atemwegserkrankungen war laut RKI auf einem Tiefpunkt – niedriger als in den Wochen und auch in den Jahren zuvor), und mit der die unverzügliche Wiederherstellung der Grundrechte gefordert wurde – mit ca. 90.000 Unterzeichnern – und gegen den Widerstand zu vieler staatstragender "Linker"..

2026 kann es nur heißen: die Aufklärungsarbeit der Arbeiterfotografie – im Verbund mit anderen um Erkenntnis ringenden Kräften – wird dringender gebraucht denn je. Heute geht es darum, dazu beizutragen, dass der Stellvertreterkrieg gegen Russland und Israels Völkermord in Gaza schnellstmöglich zum Ende gebracht werden. Völkerrechtswidrig angegriffenen Staaten wie Syrien, Iran oder Venezuela gilt unsere Solidarität. Den Kriegsplanungen – Stichwort kriegstüchtig bis 2029 – stellen wir uns entschieden entgegen. Die Rolle Deutschlands muss sich dringend ändern. Einen wirkmächtigen Weg hin zu einem friedenstiftenden, souveränen Deutschland weist die vom Bundesverband Arbeiterfotografie mitgetragene Kampagne für ein neutrales Deutschland (deutschlandNEUTRAL.de).

"Arbeiterfotografie seit ihren Anfängen ist Gegenposition, Information und Aufklärung mit überwiegend bildnerischen Mitteln, verstärkt in neuester Zeit zunehmend mit den Mitteln der Medienkritik. Der Kritik der interessengelenkten Verdummungsmaschinerie muss heute wie in den Anfängen der Arbeiterfotografie große Bedeutung beigemessen werden, wenn man bei intensiverer Beschäftigung mit der Materie erkennt, wie gewaltsam, allgegenwärtig penetrant und perfide die gegnerischen Methoden sind." So schrieben wir im Februar 2006 unter dem Titel "Wer eigentlich sind Sie? – Gestatten: Arbeiterfotografie" Das gilt auch zwanzig Jahre später.


Erklärung als PDF:
http://arbeiterfotografie.com/verband/2026-zu-100-jahre-arbeiterfotografie/arbeiterfotografie-zu-2026.pdf

Online-Flyer Nr. 856  vom 04.01.2026

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