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Aktueller Online-Flyer vom 09. Dezember 2022  

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Globales
Aus der Quartalsschrift DAS KROKODIL, Ausgabe 42
Putin, Hitler und das Imperium
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

„Die westlichen Länder behaupten seit Jahrhunderten, sie würden anderen Völkern Freiheit und Demokratie bringen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Anstatt Demokratie erleben wir Unterdrückung und Ausbeutung, anstatt Freiheit erleben wir Versklavung und Gewalt. Die ganze unipolare Weltordnung ist antidemokratisch und nicht frei per se, sie ist heuchlerisch und bis ins Mark verlogen. Die USA sind das einzige Land, das zweimal Nuklearwaffen einsetzte, als sie mit Hiroshima und Nagasaki zwei japanische Städte auslöschten. Damit haben sie übrigens einen Präzedenzfall geschaffen. Zusammen mit den Engländern haben die USA im Zweiten Weltkrieg ohne jedweden militärischen Zwang Dresden, Hamburg, Köln und viele andere deutsche Städte dem Erdboden gleichgemacht. Das war eine demonstrative Aktion, ohne dass sie, wie gesagt, militärisch notwendig war. Das Ziel war nur eins – auch wie es bei den Nuklearbombardements in Japan der Fall war – unserem Land und der ganzen Welt Schrecken einzujagen. Mit ‘Flächenbombardements’, Brand- und Chemiewaffen haben die USA eine furchtbare Spur in der Erinnerung der Völker in Korea und Vietnam hinterlassen. Nach wie vor stehen Deutschland, Japan, die Republik Korea und andere Länder de facto unter ihrer Besatzung.“

Das sagte Russlands Staatschef Wladimir Putin am 30.09.2022 im Kreml im Rahmen der Unterzeichnung der Abkommen über den Beitritt der vier neuen Gebiete Donezk, Lugansk, Saporoschje und Cherson zu Russland, wofür sich deren Bevölkerungen mit großer Mehrheit ausgesprochen hatte. Jemand, der die Perversität des Westens in einer derart zutreffenden Weise verdeutlicht, muss natürlich verteufelt werden. So jemand muss mit der Inkarnation des Bösen in Verbindung gebracht werden. Schon Ende Februar 2022 war von den westlichen Herrschaftsmedien eine Stimmung erzeugt worden, die sich z.B. am Rosenmontag in Köln mit Schildern wie „Stopp Adolf Putin“, „Stop Putin“ oder „Diktator Putin“ entlud, auf denen Putin als Hitler dargestellt war. „Eigentlich sollte man niemanden mit Hitler vergleichen, auch Putin nicht. Doch die Gemeinsamkeiten im Untergang sind frappierend.“ Es gehe darum, dass sich zentrale Elemente des Untergangs „gerade auf Putins Seite wiederfinden“, meint ein Kommentator im SPIEGEL am 04.10.2022, um deutlich zu machen, worum es dem Imperium geht – um einen Regime-Change in Russland. Russland soll wieder wie zu Zeiten Jelzins – von Gorbatschow eingefädelt – ein Vasallenstaat des Imperiums werden.

Deutschland und Russland gegeneinander in die Schlacht ziehen lassen

Das alles im Blick hätte Russlands Präsident bei seiner Rede noch weiter ausholen können und auf Guido Giacomo Preparata und dessen Buch „Conjuring Hitler – How Britain and America made the Third Reich“ (Hitler heraufbeschwören – Wie Großbritannien und USA das Dritte Reich haben entstehen lassen) verweisen können, in dem dargelegt wird, wie die Strategie der USA und insbesondere Großbritanniens darauf ausgerichtet war, Deutschland und die Sowjetunion gegeneinander in die Schlacht ziehen zu lassen – beginnend in den 1920er-Jahren damit, die Aufrüstung Deutschlands, den Aufstieg der NSDAP und dann die einzelnen militärischen Schritte Hitler-Deutschlands hin zur Operation Barbarossa, des Feldzugs gegen die Sowjetunion, zuzulassen und zu fördern.

Guido Giacomo Preparata: „Es war kein Versehen, dass Deutschland im Rahmen des Versailler Vertrags allmählich, aber stetig aufgerüstet wurde. Seit 1924 gewährten die Angloamerikaner dem, was später Hitlers Kriegsmaschine werden sollte, in weniger als sieben Jahren gut über 150 langfristige Devisendarlehen: Je gründlicher und moderner die Ausrüstung, desto zerstörerischer die deutsche Armee, desto blutiger der Krieg, desto gewaltiger der im Voraus feststehende Sieg der Alliierten (und die Niederlage der präparierten Deutschen) und desto radikaler und nachhaltiger die Eroberungen der Angloamerikaner.“ Fernziel sei es gewesen, „einen voraussichtlichen Feind hochzurüsten, um ihn in einer kriegerischen Konfrontation – eine Konfrontation, die zu einem späteren Zeitpunkt inszeniert werden sollte – wieder niederzuwerfen.“ Und weiter: „Nachdem ... Hitler mit seinen Leuten mit Hilfe angloamerikanischen Finanzkapitals die Reichskanzlerschaft erlangt hatte (Januar 1933), begann die beeindruckende Erholung Deutschlands unter den Fittichen der Nazis, mit britischen Anleihen und den Finanzkunststücken des Leiters der deutschen Zentralbank, Hjalmar Schacht [Protegé des Gouverneurs der Bank von England, Montagu Norman]. Hierauf folgte der unglaubliche ‘Tanz’ von Großbritannien und Nazideutschland (1933-1943), von ersterem geführt, um letzteres in einen Krieg gegen Russland zu drängen.“

Russlands Präsident hätte darlegen können, dass es besonders die in Basel in der Schweiz ansässige „Bank für Internationalen Zahlungsausgleich“ (BIZ) mit dem US-amerikanischen Bankier Thomas H. McKittrick an der Spitze gewesen ist, über die die Finanzierung der deutschen Kriegsmaschinerie lief und die damit ein entscheidendes Instrument bei der Umsetzung der Strategie war, das Böse zu züchten, von dem es dann die Welt zu befreien galt. Damit wäre die Frage beantwortet, wie es unter den Augen der Welt zum Holocaust und zum Hochrüsten der Wehrmacht kommen konnte. Russlands Präsident hätte mit den Worten von Guido Giacomo Preparata von den angloamerikanischen Kräften sprechen können, „für die das Aufhetzen eingeborener Ungeheuer zum Krieg Routine ist und die das Höllenchaos anheizen, um es ihren imperialen Zielen dienstbar zu machen“ – wie seinerzeit von Hitler und heute von Figuren wie der an der Spitze der Ukraine oder denen in der so genannten Ampel-Koalition in Deutschland, die im Rahmen des Young-Global-Leader-Programms des World Economic Forum (WEF) gezüchtet worden sind.

Wir wollen dieses beschämende Blatt der Geschichte wenden

Dieser Routine gilt es aus Sicht der Präsidenten Russlands ein Ende zu bereiten. Gegen Schluss seiner Rede vom 30.09.2022 heißt es: „Heute kämpfen wir für einen gerechten und freiheitlichen Weg, den vor allem wir, Russland, zu gehen haben. Wir kämpfen dafür, dass Despotie und Diktate für immer der Vergangenheit angehören. Ich bin überzeugt, dass Völker und Länder verstehen, dass eine Politik, die auf wie auch immer gearteter Ausschließlichkeit basiert und andere Kulturen und Nationen unterdrückt, eine im Kern verbrecherische Politik ist. Wir wollen dieses beschämende Blatt der Geschichte wenden. Der einsetzende Zusammenbruch der westlichen Hegemonie ist unumkehrbar. Nichts wird so sein wie früher. Das Schlachtfeld, wohin uns die Geschichte und das Schicksal gerufen haben, ist ein Schlachtfeld für unser Volk, für ein großes historisches Russland. Für künftige Generationen, für unsere Kinder, Enkelkinder und Urenkel. Wir müssen sie vor Versklavung, vor ungeheuerlichen Experimenten schützen, die ihr Bewusstsein und ihre Seele verstümmeln sollen... Unsere Werte sind Menschenliebe, Barmherzigkeit und Mitgefühl.“

Solche Werte den Kapital-Verbrechern des Westens entgegenzuhalten und gleichzeitig deren verbrecherische Politik, die das Böse tut und züchtet, in aller Klarheit verbrecherisch zu nennen, versetzt die herrschenden Kräfte des Westens in helle Aufregung. Und das ist gut und richtig so! Die Verbrechen von Hiroshima und Nagasaki, Dresden, Hamburg und Köln, die der Welt vor Augen führen sollten, wer – jede Moral missachtend – Herr im Hause ist, zu benennen, und offen zu legen, dass auch der Hitler-Faschismus, dessen Bekämpfung die Verbrechen von Hiroshima usw. angeblich erforderlich gemacht hat, von den Strategen des angloamerikanischen Imperiums heraufbeschworen worden ist, ist von ganz entscheidender Bedeutung. Nur so kann derartigen Strategien ein Strich durch die Rechnung gemacht werden und die Welt vor weiteren Kapital-Verbrechen bewahrt werden.


Veröffentlichung aus der Quartalsschrift DAS KROKODIL, Ausgabe 42 (September 2022) – Grundsatzschrift über die Freiheit des Denkens – bissig – streitbar – schön und wahr und (manchmal) satirisch.



Mehr dazu und wie es sich bestellen lässt, hier: http://www.das-krokodil.com/



Siehe auch:

Auszüge aus der am 30. September 2022 in Moskau gehaltenen Rede
An die wirklichen Herren im Westen
Von Wladimir Putin (Präsident der Russischen Föderation)
NRhZ 799 vom 19.10.2022
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28288

Aus der Quartalsschrift DAS KROKODIL, Ausgabe 42
Putin, Gorbatschow und das Vordringen der NATO nach Osten
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
NRhZ 800 vom 02.11.2022
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28305

Online-Flyer Nr. 801  vom 18.11.2022

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