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Aktueller Online-Flyer vom 31. Januar 2023  

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Kultur und Wissen
Gesunder Menschenverstand versus magische Weltanschauung
Wissenschaftliche Psychologie fordert neue "Aufklärung" (2)
Ein Appell von Rudolf Hänsel

Die kritischen Gedanken über die Religion und ihre Auswirkungen auf das menschliche Fühlen, Denken und Handeln beruhen vor allem auf eigenen Erfahrungen des Autors mit dem religiösen Glauben und der Institution der katholischen Kirche. Darüber hinaus stützt sich der Autor als Pädagoge und Psychologe auf die Wissenschaft der Psychologie und das einzigartige Lebenswerk seines geschätzten Züricher Psychologie-Lehrers und Psychotherapeuten Friedrich Liebling (1893-1982). Von ihm stehen dem Autor unveröffentlichte Manuskripte und umfangreiche persönliche Aufzeichnungen von privaten und öffentlichen Gesprächen zur Verfügung.

Eine weitere Grundlage sind die Werke des französischen Aufklärers und Enzyklopädisten Baron Paul-Henri Thiry d’Holbach (1723-1789) „System der Natur“ (5) und „Der gesunde Menschenverstand des Pfarrers Meslier“ (6). Hinzu kommen die Gedanken des französischen Radikalaufklärers und „Atheisten im Priesterrock“ Jean Meslier (1664-1729), die er in seinem Testament „Memorandum der Gedanken und Überzeugungen des J. M“ niedergeschrieben hat.

Holbachs Buch „System der Natur oder von den Grenzen der physischen und der moralischen Welt“ erschien im Jahre 1770 unter fingierter Autorenschaft und erregte skandalöses Aufsehen. Der französische Klerus verlangte sein sofortiges Verbot durch das Parlament, weil es „gottlos, gotteslästerlich und aufrührerisch“ sei. Auszüge aus dem Vorwort des Verfassers lassen dies erahnen:
    „Der Mensch ist nur darum unglücklich, weil er die Natur verkennt. Sein Geist ist durch Vorurteile derart verseucht, dass man glauben könnte, er sei für immer zum Irrtum verdammt: er ist mit dem Schleier der Anschauungen, den man von Kindheit an über ihn breitet, so fest verwachsen, dass er nur mit der größten Mühe daraus gelöst werden kann. Ein gefährlicher Gärstoff ist all seinen Kenntnissen beigemischt und macht sie notwendig schwankend, unklar und falsch; er wollte zu seinem Unglück die Grenzen seiner Sphäre überschreiten und versuchte, sich über die sichtbare Welt zu erheben; (…)

    Es gibt nur eine Wahrheit; sie ist für den Menschen notwendig, sie kann ihm niemals schaden, ihre unbesiegbare Macht wird sich früher oder später offenbaren. Darum muss sie dem menschlichen Geschlecht enthüllt werden; (…)

    Versuchen wir also, die Nebel zu verscheuchen, die den Menschen daran hindern, mit sicherem Schritt auf seinem Lebensweg voranzuschreiten, flößen wir ihm Mut und Achtung vor seiner Vernunft ein; er lerne sein Wesen und seine legitimen Rechte erkennen, er frage die Erfahrung um Rat und verzichte auf die Vorurteile seiner Kindheit; er gründe seine Moral auf seine Natur, seine Bedürfnisse, seine wirklichen Vorteile, welche die Gesellschaft ihm gewährt; er wage es, sich selbst zu lieben; er arbeite für sein eigenes Glück, indem er dasjenige der anderen fördert; mit einem Wort: er sei vernünftig und tugendhaft, um hier auf dieser Erde glücklich zu sein, und beschäftige sich nicht mit gefährlichen und unnützen Träumereien!“ (7)
1772, gerade einmal zwei Jahre nach Veröffentlichung von „System der Natur“, erschien unter dem Titel „LE BONS SENS DU CURE MESLIER“ das Buch „Der gesunde Menschenverstand des Pfarrers Meslier“ (8). Um sich der Verfolgung durch die „heilige Inquisition“ zu entziehen, veröffentlichte Holbach seine Gedanken unter dem Namen des bereits verstorbenen freidenkenden Pfarrers Jean Meslier.

Meslier, der es in seiner Amtszeit nicht wagen durfte, der Kirchengemeinde seine kritischen Gedanken mitzuteilen, schrieb diese während seiner letzten Jahre nieder. Dieses umfassende, antireligiöse Manifest „Mémoire“ wurde nach seinem Tod 1729 als Testament veröffentlicht und übte einen erheblichen Einfluss auf die beginnende Aufklärung aus. Das Gedankengut Meliers wurde in vielen Auszügen verbreitet und galt als Bestseller unter den geheimen Schriften. 1792 nahm auch Voltaire dazu Stellung.

1878 erschien eine deutsche Übersetzung von „LE BONS SENS DU CURE MESLIER“: „Der gesunde Menschenverstand oder das religiöse Testament des Pfarrers Meslier aus Étrépigny. Eine religiös-philosophische Abhandlung über den Begriff ‚Religion‘ und über die Existenz eines göttlichen schöpferischen Wesens – Dem geistig fortgeschrittenen Volke gewidmet -“ (9). Orthographie, Interpunktion und Satzstellung wurden unverändert übernommen.

Bereits in der Einleitung schreibt Holbach:
    „Es ist vergebene Mühe, die Menschen von ihren Lastern heilen zu wollen, wenn man nicht mit der Heilung ihrer Vorurtheile beginnt. Man muss ihnen die Wahrheit sagen, damit sie ihre theuersten Interessen kennen lernen, und die wahren Motive, welche sie der Tugend und ihrem wahren Glück zuführen.

    Die Volkslehrer haben lange genug ihre Augen zu dem Himmel erhoben; möchten sie endlich sie der Erde zuwenden! Gebeugt durch die unbegreifliche Theologie, durch lächerliche Fabeln, durch undurchdringliche Mysterien, durch kindliche Ceremonien, möchte der Mensch doch endlich sich mit natürlichen Dingen, mit verständlichen Gegenständen, mit sichtbaren Wahrheiten, mit nützlichen Kenntnissen befassen! Man beseitige die eitlen Chimären, welche die Menschen in Fesseln halten; und die vernünftigen Gedanken werden gleichsam von selbst in den Köpfen Wurzeln fassen, von denen man glaubte, sie seien für ewigen Irrthum bestimmt. (…)

    Um die wahren Prinzipien der Moral zu entdecken, bedarf der Mensch weder der Theologie, noch einer Offenbarung, noch eines Gottes; er bedarf nur eines gesunden Verstandes; er braucht nur in sich selbst zu blicken, seine eigene Natur zu erforschen, seine Vortheile zu berücksichtigen, den Zweck der Gesellschaft und aller ihrer Mitglieder zu betrachten, und er wird leicht zur Einsicht kommen, dass die Tugend glücklich und das Laster unglücklich macht.

    Sagen wir den Menschen, dass sie gerecht sein sollen, wohltätig, mäßig und gesellig, nicht weil es ihre Götter verlangen, sondern weil man seinen Nebenmenschen zu gefallen suchen muss; sagen wir ihnen, dass sie sich der Sünde und des Lasters enthalten sollen, nicht weil man in einer andern Welt gestraft wird, sondern weil sich das Böse schon in diesem Leben bestraft. (…).

    Die Wahrheit ist einfach; der Irrthum ist compliziert, unsicher in seinem Gange und von Abwegen umgeben. Die Stimme der Natur ist verständlich; die der Lüge ist zweideutig, rätselhaft, mysteriös. Der Weg der Wahrheit ist gerade, jener des Betruges ist krumm und finster. Diese Wahrheit ist allen Menschen nothwendig, und wird von allen Gerechten gefühlt. Die Lehren der Vernunft sind für alle Jene, die redlichen Gemüthes sind. Die Menschen sind unglücklich, weil sie unwissend sind; sie sind unwissend, weil sich Alles gegen ihre Aufklärung verschwört, und bloß darum schlecht, weil ihre Denkkräfte nicht hinreichend entwickelt.“ (10)
Der französische Philosoph und Schriftsteller Pierre Bayle (1647-1706), ebenfalls eine zentrale Figur der Aufklärung, ist der Auffassung:
    „Dass eine Meinung nur deshalb, weil sie sich von Jahrhundert zu Jahrhundert fortgeschleppt hat, nun eine Wahrheit sei, das ist ganz einfach eine Täuschung.“ (11)
Hohe „Suggestibilität“ im Kindesalter unterstützt religiöse Glaubensbereitschaft

Die christliche Kirche ist der Überzeugung, dass das, was an religiöser Erziehung des Kindes versäumt wird, kaum wieder eingeholt werden kann. Sie muss ihre Lehren dem jungen, geistig noch hilflosen Menschen erst künstlich induzieren, um ihn als Erwachsenen fest in der Hand zu haben.

Der Mensch glaubt gerne, was seinen Wünschen und seiner jeweiligen Gemütsstimmung entspricht. Die „Suggestibilität“ ist ein Persönlichkeitsmerkmal, welches das Ausmaß der „Empfänglichkeit“ für suggestiv übermittelte Informationen über bestimmte Sachverhalte ausdrückt, die in die eigenen kognitiven Systeme (Wahrnehmen, Denken, Erinnern usw.) integriert werden. Oft vermitteln Menschen diese Informationen als Selbsterlebtes oder eigene Erfahrungen weiter. Bei diesem Prozess werden von außerhalb Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen oder Vorstellungen übernommen, die nicht der Realität entsprechen und die Person in manipulativer Weise geistig-psychisch beeinflussen sollen (12).

Durch die mehr oder weniger große Suggestibilität fast aller Menschen wird die religiöse Glaubensbereitschaft wesentlich unterstützt. Sehr suggestible Erwachsene werden oft als „naiv“ oder „leichtgläubig“ bezeichnet. Anders verhält es sich bei Kindern: Ihre Suggestibilität ist sehr hoch, weshalb junge Menschen in besonderem Maße Ziel manipulativer Beeinflussung sind. Außerdem können Kinder dazu neigen, suggerierte Informationen mit Erlebtem zu verwechseln (13). Bevor noch das Bewusstsein erwacht und bevor es denken und bewerten kann, werden dem Kind die Ideen von Gott, Teufel, Dämonen, finsterer Mächte und der Hölle eingeflößt. Allein der Gedanke, an diesen Ideen zu zweifeln, führt direkt in die Hölle.

In der Regel betritt der gläubige Mensch seine Kirche bereits in einem halbsuggerierten Zustand; weiteres geschieht automatisch: Das feierliche kirchliche Milieu, die priesterliche Kleidung, Weihrauch, Orgelmusik, Litaneien und die Predigt, die pathetisch überreden will. All das vervollständigt die Suggestion und schaltet das kritische Denkvermögen aus. Das Denken wird leise und unbemerkbar beiseitegeschoben und durch die Stimme des Predigers eingelullt. Zum hundertsten und tausendsten Mal wird immer das gleiche gesagt, man hört kaum noch zu.

Durch die religiöse Suggestion wird nicht nur die Intelligenz eingeschüchtert, sondern auch der Wille und das Selbstbewusstsein, weil der Abfall vom Glauben und der Austritt aus der Kirche seit apostolischen Zeiten als schwere Sünde, als Untreue und Judas-Tat gelten. Der gesunde und geistig-psychisch nicht manipulierte Mensch äußert Urteile erst dann, wenn er sie an der Erfahrung überprüft und als nicht vernunftwidrig erkannt hat.

Die einschläfernde Wirkung der monotonen religiösen Zeremonien und die religiösen Feste, die den Höhepunkt des Jahres darstellen sowie die ständige Entwertung einer vorübergehenden Existenz auf Erden zugunsten des ewigen Lebens im Jenseits bewirken, dass eine fatalistische und passive Haltung häufig zum dominanten Charaktermerkmal der Persönlichkeit wird.

Ein Mensch kann sich aber in seiner Denkungsart und Gedankenwelt ändern. Die Jugend ist heute freier als früher; das ist schon eine andere Welt, weil die Zivilisation fortgeschritten ist. Dieser junge Mensch ist mit der Religion aufgewachsen, er kennt das ganze mystische Gedankengut und hat immer noch Angst, nicht zu glauben, weil das eine Sünde ist und er das ewige Leben verlieren könnte.

Wenn er jedoch zum Beispiel zu einem aufgeklärten Psychotherapeuten Vertrauen hat und bekommt Mut, steht nach einiger Zeit ein Mensch vor uns, der das alles ablegen kann: Er glaubt nicht mehr, weil er Einblick in die Naturwissenschaft bekommen hat, weil er angefangen hat zu lesen und weil er die Kirchengeschichte und die Geschichte der anderen Seite, der Zweifler, kennengelernt hat, die sich gegen die Religion aufgelehnt haben. Er fängt an, einen Blick für die reale Welt zu haben und bekommt neue Gedanken; an die alten glaubt er nicht mehr. Er hat eine andere Lebensauffassung, weil er seine Gedanken und Gefühle überprüft hat.

Das Problem der Gewalt in der autoritären Erziehung

In unserer Gesellschaft und Kultur wird immer mit Gewalt vorgegangen. Bei der Mutter fängt es an. Wie kommt es, dass eine Mutter ihr Kind schlägt, beschimpft und irritiert? Das ist doch nicht gewollt: Sie hat ein Kind auf die Welt gebracht und war mit dem ganzen Herzen dabei. Beziehen wir jedoch unsere gesamte Gesellschaftsordnung mit ein – das Prinzip der Gewalt und des Zwanges –, dann ist die Mutter schon so erzogen worden und ist der Meinung, dass sie ihr Kind auch in diesem Sinne zu erziehen hat.

Ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung – die Intelligenten, die Dummen, die Akademiker, die Nichtakademiker, die Gläubigen und die Ungläubigen –, sie alle stimmen für „Ruhe und Ordnung!“. Das ist der Kasernenhof, unser kulturelles Problem und unser Unglück! Da liegt „der Hund begraben“. Wir haben alle den Zwang in der Erziehung erlebt – und deshalb haben wir den Zwang in uns.

Auch die Schule ist eine Gewaltinstitution – selbst dann, wenn sie heute wegen der psychologischen Erkenntnisse etwas gemildert ist. Der Lehrer darf nicht mehr schlagen – aber er schlägt trotzdem. Die ganze Haltung des Lehrers ist autoritär, auch wenn er nicht schlägt. Das Kind wird seines Lebens nicht froh. Es lebt nicht in einer freundlichen Welt; alles ist die Fortsetzung des Erziehungsproblems zuhause.

Der Professor ist ebenso ein Machthaber, dem der Student nicht gewachsen ist. Dieser Autoritätsgedanke wird überall gepflegt. Lehrer und Professor haben Angst, ihr Prestige zu verlieren, wenn sie sich mit dem Schüler oder Studenten unterhalten und ihm helfen. Sie haben Angst, weil auch sie diese Erziehung erlebt haben. Es ist kein gutes, gleichwertiges Verhältnis.

In der autoritären Erziehung führen wir das Kind nicht behutsam und behandeln es nicht wie ein Wesen, das werden soll, das sich entwickelt. Wir verlangen sehr viel und werden schnell nervös. Vater und Mutter kommen eben vom Schmelzkessel der Kirche und der Mystik. Unsere Moral und Meinung sind durchzogen vom Gedanken der Religion.


Fußnoten:

(5) D’Holbach, Paul Thiry (1978). System der Natur oder von den Gesetzen der physischen und der moralischen Welt. Frankfurt am Main
(6) D’Holbach, Paul-Henri Thiry (1878). Der gesunde Menschenverstand oder das religiöse Testament des Pfarrers Meslier aus Étrépigny. St. Gallen
(7) D’Holbach, Paul Thiry (1978). System der Natur oder von den Gesetzen der physischen und der moralischen Welt. Frankfurt am Main, S. 11 f.
(8) D’Holbach, Paul-Henri Thiry (1878). Der gesunde Menschenverstand oder das religiöse Testament des Pfarrers Meslier aus Étrépigny. St. Gallen
(9) D’Holbach, Paul-Henri Thiry (1976). Der gesunde Menschenverstand des Pfarrers Meslier. Zürich
(10) A. a. O., S. 4 ff.
(11) Hagen, Friedrich (1977). Jean Meslier oder ein Atheist im Priesterrock. Leverkusen und Köln, S. 36
(12) https://de.wikipedia.org./wiki/Suggestibilität
(13) A. a. O.



English version:
Scientific Psychology Demands New "Enlightenment" (Part 2)
Common sense versus magical worldview

An appeal by Dr. Rudolf Hänsel

The critical thoughts on religion and its effects on human feeling, thinking and acting are based primarily on the author's own experiences with religious faith and the institution of the Catholic Church. In addition, as an educator and psychologist, the author draws on the science of psychology and the unique life work of his esteemed Zurich psychology teacher and psychotherapist Friedrich Liebling (1893-1982). From him, the author has unpublished manuscripts and extensive personal records of private and public conversations at his disposal.

Another basis are the works of the French Enlightenment philosopher and encyclopaedist Baron Paul-Henri Thiry d'Holbach (1723-1789) "System of Nature" (5) and "The Common Sense of Father Meslier" (6). In addition, there are the thoughts of the French radical enlightener and "atheist in a priest's skirt" Jean Meslier (1664-1729), which he wrote down in his testament "Memorandum of the Thoughts and Convictions of J. M".

Holbach's book "System der Natur oder von den Grenzen der physischen und der moralischen Welt" (System of Nature or of the Limits of the Physical and Moral World) appeared in 1770 under fictitious authorship and caused a scandalous stir. The French clergy demanded its immediate banning by parliament because it was "godless, blasphemous and seditious". Excerpts from the author's preface suggest that:

    "Man is unhappy only because he misjudges nature. His mind is so contaminated by prejudice that one could believe he is condemned to error forever: he is so tightly bound up with the veil of views that is spread over him from childhood that he can only be released from it with the greatest difficulty. A dangerous ferment is mixed with all his knowledge and makes it necessarily vacillating, unclear and false; he wanted, to his misfortune, to transcend the limits of his sphere and tried to raise himself above the visible world; (...)

    There is only one truth; it is necessary for man, it can never harm him, its invincible power will reveal itself sooner or later. That is why it must be revealed to the human race; (...)

    Let us, then, try to dispel the mists which prevent man from advancing with a sure step on his path of life, let us instil in him courage and respect for his reason; let him learn to recognise his nature and his legitimate rights, let him ask the advice of experience and renounce the prejudices of his childhood; let him base his morality on his nature, his needs, his real advantages which society affords him; let him dare to love himself; let him work for his own happiness by promoting that of others; in a word: let him be sensible and virtuous in order to be happy here on this earth, and not occupy himself with dangerous and useless reveries! " (7)

In 1772, just two years after the publication of "System der Natur", the book "Der gesunde Menschenverstand des Pfarrers Meslier" (8) appeared under the title "LE BONS SENS DU CURE MESLIER". To avoid persecution by the "Holy Inquisition", Holbach published his thoughts under the name of the already deceased free-thinking priest Jean Meslier.

Meslier, who was not allowed to share his critical thoughts with the church community during his tenure, wrote them down during his last years. This comprehensive, anti-religious manifesto "Mémoire" was published as a testament after his death in 1729 and exerted a considerable influence on the incipient Enlightenment. Melier's ideas were disseminated in many excerpts and were considered a bestseller among the secret writings. In 1792, Voltaire also commented on it.

In 1878, a German translation of "LE BONS SENS DU CURE MESLIER" was published: "Der gesunde Menschenverstand oder das religiöse Testament des Pfarrers Meslier aus Étrépigny. A religious-philosophical treatise on the concept of 'religion' and on the existence of a divine creative being - Dedicated to the spiritually advanced people -" (9). Orthography, punctuation and sentence order were adopted unchanged.

Already in the introduction Holbach writes:

    "It is a vain effort to try to cure people of their vices if one does not begin by curing their prejudices. They must be told the truth, so that they learn to know their dearest interests and the true motives that lead them to virtue and their true happiness.

    The teachers of the people have long enough raised their eyes to heaven; would that they would at last turn them to earth! Bowed down by incomprehensible theology, by ridiculous fables, by impenetrable mysteries, by childish ceremonies, let man at last concern himself with natural things, with intelligible objects, with visible truths, with useful knowledge! Eliminate the vain chimeras which keep men in bondage; and sensible thoughts will, as it were, take root of their own accord in minds which were believed to be destined for eternal error. (...)

    To discover the true principles of morality, man needs neither theology, nor revelation, nor God; he needs only a sound mind; he need only look within himself, investigate his own nature, consider his advantages, contemplate the purpose of society and of all its members, and he will easily come to the conclusion that virtue makes happy and vice makes unhappy.

    Let us tell men to be just, charitable, temperate, and sociable, not because their gods demand it, but because one must seek to please one's fellow men; let us tell them to abstain from sin and vice, not because one will be punished in another world, but because evil already punishes itself in this life. (...).

    Truth is simple; error is complicated, uncertain in its course and surrounded by deviations. The voice of nature is intelligible; that of falsehood is ambiguous, enigmatic, mysterious. The path of truth is straight, that of deceit is crooked and dark. This truth is necessary to all men, and is felt by all the righteous. The teachings of reason are for all those who are of an honest mind. Men are unhappy because they are ignorant; they are ignorant because everything conspires against their enlightenment, and are bad merely because their powers of thought are not sufficiently developed." (10)

The French philosopher and writer Pierre Bayle (1647-1706), also a central figure of the Enlightenment, believes:

    "That an opinion, merely because it has dragged on from century to century, is now a truth, is quite simply a delusion." (11)

High "suggestibility" in childhood supports religious readiness to believe

The Christian Church believes that what is missed in the religious education of the child can hardly be recovered. It must first artificially induce its teachings in the young, still spiritually helpless person in order to have him firmly in its grip as an adult.

Man likes to believe what corresponds to his desires and his respective mood. Suggestibility" is a personality trait that expresses the extent of "receptivity" to suggestively transmitted information about certain facts that are integrated into one's own cognitive systems (perceiving, thinking, remembering, etc.). Often people transmit this information as self-experiences or their own experiences. In this process, thoughts, feelings, perceptions or ideas are taken over from outside that do not correspond to reality and are intended to influence the person mentally and psychologically in a manipulative way (12).

Due to the more or less great suggestibility of almost all people, religious belief is substantially supported. Very suggestible adults are often called "naive" or "gullible". It is different with children: Their suggestibility is very high, which is why young people are particularly targeted for manipulative influence. In addition, children can tend to confuse suggested information with what they have experienced (13). Before even consciousness awakens and before it can think and evaluate, the child is instilled with the ideas of God, the devil, demons, dark forces and hell. The very thought of doubting these ideas leads directly to hell.

As a rule, the believer enters his church already in a semi-suggested state; further things happen automatically: the solemn church milieu, the priestly dress, incense, organ music, litanies and the sermon that pathetically wants to persuade. All this completes the suggestion and shuts down the critical thinking faculty. Thinking is quietly and imperceptibly pushed aside and lulled by the voice of the preacher. The same thing is said for the hundredth and thousandth time, one hardly listens any more.

Through religious suggestion, not only the intelligence is intimidated, but also the will and the self-confidence, because apostasy and leaving the church have been considered grave sins, infidelities and Judas deeds since apostolic times. The healthy and spiritually-psychologically unmanipulated person expresses judgements only when he has checked them against experience and recognised them as not contrary to reason.

The soporific effect of monotonous religious ceremonies and the religious festivals which represent the climax of the year, as well as the constant devaluation of a temporary existence on earth in favour of eternal life in the hereafter, mean that a fatalistic and passive attitude often becomes the dominant character trait of the personality.

A person can, however, change in his way of thinking and his world of thoughts. Young people today are freer than in the past; it is already a different world because civilisation has advanced. This young person has grown up with religion, he knows all the mystical thought and is still afraid not to believe because that is a sin and he could lose eternal life.

But if he trusts an enlightened psychotherapist, for example, and gets courage, after some time a person stands before us who can put all this aside: He no longer believes because he has gained insight into natural science, because he has begun to read and because he has become acquainted with church history and the history of the other side, the doubters, who have rebelled against religion. He begins to have an eye for the real world and gets new thoughts; he no longer believes in the old ones. He has a different view of life because he has examined his thoughts and feelings.

The problem of violence in authoritarian education

In our society and culture, violence is always used. It starts with the mother. How is it that a mother beats, insults and irritates her child? Surely this is not intentional: she brought a child into the world and put her whole heart into it. However, if we include our entire social order – the principle of violence and coercion – then the mother has already been brought up in this way and believes that she must also bring up her child in this way.

A high percentage of the population – the intelligent, the stupid, the academics, the non-academics, the believers and the unbelievers – they all vote for "peace and order!". That is the barrack yard, our cultural problem and our misfortune! That is where "the dog is buried". We have all experienced compulsion in education – and therefore we have compulsion within us.

School is also an institution of violence – even if it has been somewhat mitigated today because of psychological findings. The teacher is no longer allowed to hit - but he hits anyway. The teacher's whole attitude is authoritarian, even if he does not hit. The child is not happy in life. He does not live in a friendly world; everything is the continuation of the educational problem at home.

The professor is also a ruler to whom the student is no match. This idea of authority is cultivated everywhere. Teacher and professor are afraid of losing their prestige if they talk to and help the student. They are afraid because they too have experienced this education. It is not a good, equal relationship.

In authoritarian education, we don't guide the child gently and we don't treat him or her like a being who is to become, who is developing. We demand a lot and quickly become nervous. Father and mother just come from the melting pot of the church and mysticism. Our morals and opinions are infused with the thought of religion.


Footnotes:


(5) D'Holbach, Paul Thiry (1978). System der Natur oder von den Gesetzen der physischen und der moralischen Welt. Frankfurt am Main
(6) D'Holbach, Paul-Henri Thiry (1878). Common Sense or the Religious Testament of Father Meslier of Étrépigny. St. Gall
(7) D'Holbach, Paul Thiry (1978). System der Natur oder von den Gesetzen der physischen und der moralischen Welt. Frankfurt am Main, p. 11 f.
(8) D'Holbach, Paul-Henri Thiry (1878). Common Sense or the Religious Testament of Father Meslier of Étrépigny. St. Gall
(9) D'Holbach, Paul-Henri Thiry (1976). The common sense of the priest Meslier. Zurich
(10) op. cit., p. 4 ff.
(11) Hagen, Friedrich (1977). Jean Meslier or an atheist in a priest's skirt. Leverkusen and Cologne, p. 36
(12) https://de.wikipedia.org./wiki/Suggestibilität
(13) op. cit.



Dr. Rudolf Lothar Hänsel ist Lehrer (Rektor a. D.), Doktor der Pädagogik (Dr. paed.) und Diplom-Psychologe (Schwerpunkte: Klinische-, Pädagogische- und Medien-Psychologie). Als Pensionär arbeitete er viele Jahre als Psychotherapeut in eigener Praxis. In seinen Büchern und pädagogisch-psychologischen Fachartikeln fordert er eine bewusste ethisch-moralische Werteerziehung und eine Erziehung zum Gemeinsinn und Frieden.

Dr. Rudolf Lothar Hänsel is a teacher (retired headmaster), doctor of education (Dr. paed.) and psychologist (specialising in clinical, educational and media psychology). As a retiree, he worked for many years as a psychotherapist in his own practice. In his books and educational-psychological articles, he calls for a conscious ethical-moral values education and an education for public spirit and peace.






Teil/Part 1:
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28086

Teil/Part 3:
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28116

Online-Flyer Nr. 791  vom 01.06.2022

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