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Aktueller Online-Flyer vom 31. Januar 2023  

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Kultur und Wissen
Kunstbetrachtung in Basel (Schweiz)
Kunst findet statt – im Jahr 2021 der Plandemie
Von Eva und Markus Heizmann (Bündnis gegen Krieg, Basel)

Wie anderenorts auch, so findet auch in Basel die Kunst vorwiegend in dafür vorgesehenen Räumlichkeiten statt: In Galerien, Museen oder in andern dafür nominierten Lokalitäten. In den Zeiten von Corona gestaltet sich der Kunstgenuss etwas komplizierter. Mochte sich ein emanzipierter Mensch schon vor Corona vom oft elitären Charakter der dargebotenen Kunstwerke distanzieren. Dies nicht zuletzt, weil die Ausstellungen oft mit Mäzenen verbunden sind, die – gelinde ausgedrückt – als fragwürdig bezeichnet werden müssen. Andererseits müssen auch kritische Menschen konstatieren, dass es wohl besser ist, wenn die Reichen und die Superreichen das Geld, welches ihnen ja gar nicht wirklich gehört, in Kunst investieren, statt in Waffen oder wie aktuell in Impfstoffe, die ja auch schon als kriminell bezeichnet wurden. Das Kunstmuseum Basel genießt einen ausgezeichneten Ruf. Allerdings wollen wir an dieser Stelle nicht auf die gewiss interessanten Dauer- oder Sonderausstellungen des Kunstmuseums eingehen. Darüber mag sich die interessierte Leserschaft auf der Homepage des Museums orientieren. Was uns erstaunt hat und was uns auch dazu bewegt, dies hier niederzuschreiben, ist nicht, was IM sondern was VOR dem Museum stattfindet.


Außenansicht des Museums mit Baustelle


Bauhütte, abgeschlossen, wahrscheinliche zur Aufbewahrung von Werkzeug. Links im Bild ein (toter?) Baum, um den herum Spritzen wie Vögel fliegen. Rechts oben ein rotes Kreuz auf weißem Grund. Die Grundierung in der Mitte und Rechts deutet darauf hin, dass es sich um ein Werk in Arbeit handelt. Möglicherweise soll ein Triptychon entstehen?


Ausschnitt mit dem (toten?) Baum, der von Spritzen, einem Herzen und einem umgekehrten Kreuz umflogen wird.


«Collage». Es ist unklar, ob der Titel von der Künstlerin / dem Künstler selbst stammt oder nachträglich von BesucherInnen des Museums oder von PassantInnen hinzugefügt wurde. Die Grundierung unten, die möglicherweise als Fortsetzung des Werkes gedacht war, ist fast vollständig mit den Eintrittstickets bedeckt.


Ausschnitt aus dem mit «Collage» überschriebenen Werk. Die Kreuze, die auf dem Kopf stehend von Himmel zu regnen scheinen, bilden schlussendlich einen Friedhof, der das Bild dominiert.


Seitenansicht einer der Bauhütten: Links im Bild wurde offensichtlich versucht zu grundieren. Diese Grundierung wurde einerseits mit Klebern der Eintrittstickets versehen, andererseits mit «Kaos Basel» besprayt, ein Tag, der in der Stadt oft zu sehen ist. Die beiden anderen Bilder auf der Seite der Bauhütte konnten vollendet werden.


Eines der eindrucksvollsten Bilder der Serie: Ein schwarzer Fluss, an dessen Ufern wir kriechende Gestalten erkennen. Wieder das Motiv der toten Bäume, umflogen diesmal nicht von Spritzen, sondern von stilisierten schwarzen Vögeln. Rechts im Bild eine nutzlose, in der Mitte durchbrochene Brücke. Über all dem thront eine Kirche ohne Turm. Es bedarf einer sehr genauen Betrachtung, um die Symbolsprache dieses Bildes zu verstehen: Der Schlüssel unter der Brücke, der in einem Rahmen «eingesperrte» Baum oder der stilisierte Galgen auf der Brücke sind dazu Stichworte.


Das Bild am rechten oberen Rand dieser Tafel mildert mit den hellen, freundlichen Farben den apokalyptischen Eindruck des Ganzen nur zum Schein: Die Spritzen die in die Arme gerammt werden und die Kreuze verdeutlichen die beängstigenden Szenen, die sich abspielen.


Eine Variante des Bildes 007: Wieder das Motiv der zerbrochenen Brücke. Ein mythologisch anmutendes Wesen mit einem Zauberhut schwebt über der Szenerie und beobachtet diejenigen, die von der Brücke stürzten.


Hinteransicht einer der Bauhütten. Zu sehen ist das offizielle Plakat der Bauherrschaft, daneben eine Grundierung wahrscheinlich gedacht für ein neues Werk.


Von der Künstlerin / dem Künstler übermalte Kleber der Eintrittstickets. Das verspielteste Werk der Serie. Die Musiknoten, die Gitarre und die Tabakspfeife vermitteln Fröhlichkeit und Optimismus.


Versteckte Kunst

Im Moment befindet sich vor dem Kunstmuseum eine Baustelle. Bedingt durch diese Baustelle finden wir aufgebaute Schalbretter und provisorische Bauhütten. Diese Bretter wurden von einer unbekannten Künstlerin oder von einem unbekannten Künstler bemalt. Touristen und Einheimische müssen schon sehr genau hinsehen, um diese Kunstwerke als solche zu erkennen. Auf den ersten Blick mag man sie für «gewöhnliche» Wandmalereien halten. Erst beim genaueren Hinsehen erschließt sich der politische Kontext dieser versteckten Kunst. Die Künstlerin / der Künstler befasst sich in diesen wilden Werken eindeutig mit der Plandemie. Dies ausgerechnet an einer Baustelle vor dem Tempel der offiziellen Kunst, der stolz darauf ist, sämtliche staatlichen Maßnahmen gehorsam nachzuvollziehen. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, diese Bilder zu betrachten, während die BesucherInnen des Kunstmuseums bei 30 Grad im Schatten an der Kasse Schlange stehen, natürlich in gebührendem Abstand und natürlich mit Masken vor den schwitzenden Gesichtern.

Technik

Die Holzbretter der Baustelle wurden jeweils grundiert. Die Künstlerin / der Künstler musste sich danach wohl in Geduld üben. Erst, nachdem die Grundierung getrocknet ist, kann mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden. An einigen Stellen wird die Grundierung, bei der es sich eindeutig um ein Werk in Arbeit handelt, von Graffiti-Tags übersprayt. BesucherInnen des Kunstmuseum kleben ihre runden Eintrittstickets auf die Werke. (Ob sie dies im Museum selbst wohl auch so handhaben?) Wenn möglich werden diese Kleber ins jeweilige Werk integriert. (Dies geht natürlich nicht, wenn die Kleber erst nach der Vollendung des Bildes angebracht werden). Die Malerei selbst wurde mit Pinseln, nicht aus der Spraydose ausgeführt. Wahrscheinlich handelt es sich bei dem aufgetragenen Material um wasserfeste Acrylfarbe.

Guerilla Kunst


Graffitis - einst der Prototyp der urbanen Guerilla-Kunst - etablieren sich mehr und mehr. Auftragswerke für die KünstlerInnen mit Spraydosen sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Hier haben wir es jedoch mit einer äußerst eindrucksvollen, künstlerisch hochstehenden Arbeit zu tun, die alles andere als Gefälligkeit und Ästhetik sucht. Vielmehr erscheint es uns offensichtlich, dass hier die dystopische Realität, in der wir uns bewegen, düster und dennoch mit einer Portion Ironie abgebildet wird. Diese Art von Guerilla-Kunst wird es wohl kaum in eine Galerie oder in ein Museum schaffen. Vielmehr ist zu befürchten, dass die Werke verschwinden werden, sobald die Baustelle aufgehoben wird.

Online-Flyer Nr. 775  vom 25.08.2021

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