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Aktueller Online-Flyer vom 15. April 2021  

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Kultur und Wissen
Die Zukunftsvision freier Bürger
Eine libertäre Gesellschaft mit freien Menschen
Von Rudolf Hänsel

Freie Bürger, die gegen die Tyrannei aufstehen, haben nichts gegen die Machthaber. Sie tun ihnen nichts. Sie kämpfen für eine gerechtere Ordnung, für ihr Recht auf das Leben, auf Freiheit, Frieden und Sicherheit. Wenn nichts mehr hilft, so lautet die Botschaft von Thomas Morus‘ Roman „Utopia“, dann hilft es, die Dinge radikal anders anzugehen. (1) Für den humanistischen Gelehrten war der kleine Inselstaat ein Gegenmodell zur verfallenden Gesellschaft des damaligen Englands. Für den Autor ist eine freiheitliche Gesellschaftsordnung mit freien Menschen das Gegenmodell zur gegenwärtigen totalitären Herrschaftsform der Unfreiheit, Gewalt und Ausbeutung. Diese Zukunftsvision, für die jeder vollsinnige und unverblendete Bürger kämpfen sollte, hatten einige reife Menschen wie Peter Kropotkin und andere freiheitliche Sozialisten bereits vor über 100 Jahren. Da sie die Gefühlsreaktionen des Menschen aber nur vorausgeahnt und noch nicht erkannt hatten und zudem von autoritär gesinnten Zeitgenossen vehement bekämpft wurden, konnten sie ihre fortschrittlichen Ideen nicht in die Tat umsetzen. Somit ist der Mensch bis heute nicht frei.

Gottfried Keller: Selber vor die Haustüre treten und nachsehen, was es gibt!

Jedes Individuum ist aufgerufen, seinen Beitrag zur Lösung der drängenden Probleme unserer Zeit zu leisten. Und selbstverständlich sind wir dazu in der Lage, wenn wir uns bewusst sind, dass es auf jeden einzelnen von uns ankommt. Warum nicht den Mut aufbringen, sich des eigenen Verstandes zu bedienen und das Ungeheuerliche von heute nicht zu verdrängen, sondern es zu sehen und dagegen aufzustehen – intellektuell, emotional, politisch. Die Trägheit des Herzens überwinden und handeln! Allen Widrigkeiten zum Trotz die Entschlossenheit aufbringen, die Wahrheit zu suchen und dadurch die Würde als Mensch zu bewahren und eine lebenswerte Zukunft für uns und unsere Kinder zu schaffen.

Der Schweizer Dichter und Romanautor Gottfried Keller (1819-1890) drückte es so aus:

„Keine Regierung und keine Bataillone (…) vermögen Recht und Freiheit zu schützen, wo der Bürger nicht imstande ist, selber vor die Haustüre zu treten und nachzusehen, was es gibt.“ (Züricher Novellen)

Albert Camus: Jeder Mensch besitzt einen mehr oder weniger großen Einflussbereich

Der Literatur-Nobelpreisträger Albert Camus (1913-1960), einer der wichtigsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts, äußerte sich kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in einem „Brief an einen Verzweifelten“ zur Rolle des Individuums in einer als hoffnungslos empfundenen Situation. (2) Es sind Gedanken, die Camus’ Aktualität bis in unsere heutigen Tage dokumentieren und zutiefst berühren.

Die nützliche Aufgabe, die der Ratsuchende nach Camus’ Ansicht auch noch nach Ausbruch des Großen Krieges zu erfüllen habe, ist auch eine Aufgabe für jeden einzelnen Menschen in unserer gegenwärtigen Zeit, dem weltweiten Krieg der herrschenden Clique gegen uns Bürger:

    „Sie schreiben mir, dass dieser Krieg Sie bedrückt, dass Sie bereit wären zu sterben, dass Sie aber diese weltweite Dummheit nicht ertragen können, diese blutrünstige Feigheit und diese verbrecherische Naivität, die immer noch glaubt, menschliche Probleme könnten mit Blut gelöst werden. Ich lese Ihre Zeilen und verstehe Sie. Ich verstehe Sie, aber ich kann Ihnen nicht mehr folgen, wenn Sie aus dieser Verzweiflung eine Lebensregel machen und sich hinter Ihren Ekel zurückziehen wollen, weil ja doch alles unnütz sei. Denn die Verzweiflung ist ein Gefühl und kein Zustand. Sie können nicht darin verharren. Und das Gefühl muss einer klaren Erkenntnis der Dinge weichen.“ (3)
     
    „(…) Zunächst müssen Sie sich fragen, ob Sie wirklich alles getan haben, um diesen Krieg zu verhindern. (…) Aber ich bin sicher, dass Sie nicht alles getan haben, was nötig war, genauso wenig wie wir alle. Sie haben es nicht verhindern können? Nein, das stimmt nicht. Dieser Krieg war nicht unabwendbar, das wissen Sie. (…) Noch gibt es eine nützliche Aufgabe zu erfüllen.“ (4)
     
    „Sie haben eine Aufgabe, zweifeln Sie nicht daran. Jeder Mensch besitzt einen mehr oder weniger großen Einflussbereich. Er verdankt ihn seinen Mängeln ebenso wie seinen Vorzügen. Aber wie dem auch sei, er ist vorhanden und er kann unmittelbar genutzt werden. Treiben Sie niemanden zum Aufruhr. Man muss mit dem Blut und der Freiheit der anderen schonend umgehen. Aber Sie können zehn, zwanzig, dreißig Menschen davon überzeugen, dass dieser Krieg weder unabwendbar war noch ist, dass noch nicht alle Mittel versucht worden sind, ihm Einhalt zu gebieten, dass man es sagen, es wenn möglich schreiben, es wenn nötig hinausschreien muss! Diese zehn oder dreißig Menschen werden es zehn anderen weitersagen, die es ihrerseits weiterverbreiten. Wenn die Trägheit Sie zurückhält, nun gut, so fangen Sie mit anderen von vorne an.“

Abschließend ermutigt Camus den Ratsuchenden, nicht an der Geschichte zu verzweifeln, in der das Individuum alles vermag:

    „Individuen sind es, die uns heute in den Tod schicken. Warum sollte es nicht anderen Individuen gelingen, der Welt den Frieden zu schenken? Nur muss man beginnen, ohne an so große Ziele zu denken. Vergessen Sie nicht, dass der Krieg ebenso sehr mit der Begeisterung derer geführt wird, die ihn wollen, wie mit der Verzweiflung derer, die ihn mit der ganzen Kraft ihrer Seele ablehnen.“ (5)

„Die Internationale“: Auf zum letzten Gefecht!

„Die Internationale“ ist das weltbekannte Kampflied der sozialistischen Arbeiterbewegung, dessen Aufforderung zum letzten Gefecht nach der gewaltsamen Niederschlagung der Pariser Kommune im Mai 1871 an die internationale Arbeiterbewegung erging. (6) Die deutsche Version des ursprünglich französischen Textes von Emil Luckhard (1910) lautet:

„Wacht auf, Verdammte dieser Erde, die stets man noch zum Hungern zwingt! (…) Heer der Sklaven, wache auf! (…) Völker, höret die Signale! Auf zum letzten Gefecht! (…) Es rettet uns kein höh’res Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun! Uns aus dem Elend zu erlösen, das können wir nur selber tun!“

Karl Marx: Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein

Karl Marx (1818-1883) hat – gestützt auf Ludwig Feuerbach (1804-1872) – die Auffassung vertreten, dass das Bewusstsein des Menschen durch die gesellschaftlichen Verhältnisse geprägt wird und hat damit den Menschen auf die Erde zurückgeholt. Seine materialistische Geschichtsauffassung war ein ungeheurer Einbruch in die Gefühlswelt des Menschen. Marx und einige freiheitliche Sozialisten haben begonnen, den Menschen richtig zu sehen – und dieser Mensch hat angefangen, sich mit sich selbst zu befassen. Vorher hat in Schule und Universität die Tendenz vorgeherrscht, dass die Seele des Menschen hier auf dieser Welt bloß eine Prüfung durchmacht und das ewige Leben erst im Himmel beginnt.

Da die Religion mit Angst und Schrecken verbunden ist, glaubt der Mensch, so lange er Angst hat. In der materialistischen Geschichtsauffassung hört der Glaube an Götter und übernatürliche Wesen auf. Hat der Mensch mehr Kenntnis über die Natur und mehr Sicherheit, dann wird er ruhiger und hat diese Gefühlsreaktion nicht mehr. Er ist ein anderer: Er hat keine Angst vor dem Leben, vor dem Verhungern oder vor Ausbeutung; er hat Zeit, sich zu entwickeln, zu lesen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu erfahren und sich Gedanken über die Welt zu machen.

Peter Kropotkin: Das Prinzip der gegenseitigen Hilfe in Tier- und Menschenwelt

Der russische Anarchist, Geograph und Schriftsteller Fürst Peter Kropotkin (1842-1921) beobachtete sowohl die Natur als auch die Naturwesen und bezog seine Erkenntnisse auf den Menschen. In seinem Buch „Die gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“ schreibt Kropotkin, dass in Natur und Gesellschaft keineswegs nur ein Kampf aller gegen alle (Sozialdarwinismus) stattfindet, sondern dass ebenso das Prinzip der „gegenseitigen Hilfe“ vorherrscht. Diejenigen Lebewesen, die dieses Prinzip umsetzen, würden erfolgreicher überleben.

Die naturwissenschaftliche Tiefenpsychologie basiert auf diesen Erkenntnissen. Demnach ist der Mensch ein naturgegeben soziales, auf die Gemeinschaft seiner Mitmenschen ausgerichtetes Wesen. Auch hat er eine natürliche Neigung zum Guten, zur Wahrheitserkenntnis und zum Gemeinschaftsleben. Vor diesem Menschen müssen wir keine Angst haben. Er möchte in Freiheit und Frieden leben, ohne Gewalt und Krieg – so wie wir alle.

Der Mensch ist ein naturgegeben freies, soziales und vernunftbegabtes Wesen

Die Freiheit, die dem Menschen (wieder) gegeben werden soll, weil sie ihm von Natur aus zusteht, ist selbstverständlich nicht die Freiheit, den anderen Menschen auszubeuten und seine sauer verdienten Ersparnisse zu plündern. Das ist die „Freiheit“, die die herrschende Clique im Kapitalismus meint und die den Menschen unwillkürlich korrupt macht. Dem Menschen die Freiheit geben soll heißen, ihm das Recht auf ein menschenwürdiges Leben, auf Gerechtigkeit, Sicherheit und Ruhe geben.

Dieses Prinzip der Freiheit bedeutet, dass jeder arbeitende Mensch weiß, sollte er aus Alters- oder Krankheitsgründen nicht mehr arbeiten können, dass er dann nicht gekündigt wird, sondern genauso weiterleben kann wie bisher: Er bekommt auch künftig den letzten Lohn, behält seine Wohnung und muss nicht in der kommunalen Gemeinschaftsküche oder bei der Kirche um eine Suppe betteln. Sollte er wegen eines Unfalls unverhofft ums Leben kommen, dann wird seine Familie weiterhin versorgt und seine Kinder können eine gute Schule besuchen.

In einer freiheitlichen Gesellschaft hat er nicht nur Sicherheit, sondern auch Ruhe. Keine sogenannte Autorität wird sich aufschwingen, um über ihn zu herrschen; es wird keine Gewalt geben, keinen Krieg, keinen Militärdienst, keine Not, kein Irrenhaus, keine Gefängnisse. Die äußere Freiheit wird auch zur inneren Freiheit führen: Der Mensch wird ein anderes Bewusstsein haben, ein anderes Denken, eine andere Beziehung zum Mitmenschen, ein anderes Gefühl zum lieben Gott.

Nach der Revolte die Menschen frei lassen!


Werden wir wieder eine Diktatur errichten und den Menschen zwingen? Oder werden wir an den Menschen glauben, uns mit ihm assoziieren, uns in ihn einfühlen, an ihn appellieren? Er will gut leben mit seinen Kindern und ein Dach über dem Kopf haben. Dieser Mensch wird mittun in einer freiheitlichen Gesellschaft, weil das seiner Natur entspricht. Vor ihm müssen wir keine Angst haben. Auch in der Freiheit müssen wir keine Gefahr sehen. Wenn einer nicht willens oder fähig ist, in einer Gemeinschaft mit zu leben, dann wird er von den anderen mitgenommen. Mit den Kranken wird man ebenso fertig werden; sie werden nicht stören. Im Gegenteil, in einer freiheitlichen Gesellschaft werden sie gesund.

Lassen wir den Menschen frei und verlangen wir nichts von ihm! Er wird das gerne aufnehmen und sich anders verhalten, weil er eine andere gesellschaftliche Situation vorfindet. Der Mensch kann sich ändern, meinte Marx – und die Tiefenpsychologie bestätigt das. Auch soll er die Freiheit gleich bekommen. Die Kirchen werden nicht zugesperrt wie es die Bolschewisten in Russland getan haben, weil das die Menschen im tiefsten Inneren, in ihrem Glauben, in ihrer Abhängigkeit, in ihrer Angst verletzt. Sie fühlen sich dann in ihrem Gemüt, in ihrer Seele angegriffen und dazu aufgerufen, dagegen zu kämpfen. Man muß den Menschen die Religion nicht nehmen, sondern sie frei lassen und beten lassen. Nicht der Staat entscheidet, sondern der einzelne Mensch und die Gemeinschaft entscheiden. Im gegenwärtigen Prinzip der Gewalt und der Autorität kann sich der Mensch nicht entwickeln.

Einige reife Menschen, die einen gedeckten Tisch hatten, haben erahnt, dass das vorherrschende kapitalistische System nicht richtig ist. Wie viele Nutznießer gibt es in diesem System, die keinen Beitrag leisten zur Aufrechterhaltung der Gemeinschaft. Es waren Peter Kropotkin, Michail Bakunin und noch einige Reiche, die Gelegenheit gehabt haben, sich zu bilden und zu forschen. Doch man wollte es nicht zulassen, dass die freiheitlichen Sozialisten eine Gemeinschaft anstrebten, in der die freie Assoziation vorherrscht, in der jeder Mensch entscheidet, welchen Weg er wählen will, mit wem er sich assoziieren und wie er leben will. Deshalb wurden sie erbittert bekämpft.

In einer freiheitlichen Gesellschaft verändert sich das Bewusstsein des Menschen

Karl Marx hatte Recht: Wenn der Mensch die Sicherheit seines Lebens hat, denkt er anders. Er hat andere Gedanken, andere Gefühle und eine andere Beziehung zum Mitmenschen. Der Mensch wird anders, wenn er den gedeckten Tisch hat. Er hat andere Gefühle als der, der in Unsicherheit lebt, ausgebeutet wird, arm ist, Angst vor Hagel und Blitz hat, den Gott ihm schickt, wenn er nicht genug betet. Angst, dass der liebe Gott sein Haus anzündet oder Hagel schickt und das Korn zerschlägt, sodass er verhungert. In seinem ganzen Gefühlsleben und Denken wird er dadurch in Anspruch genommen.

Wenn wir eine Gesellschaft einrichten, in der der Mensch sein Recht auf das Leben hat, dann hat der Mensch ein anderes Bewusstsein. Die Angst im Kapitalismus prägt den Menschen. Ausbeuter und Ausgebeutete sind gleich arm. Die Kirche hält dieses System aufrecht mit Wundermännern, die in Beziehung mit dem lieben Gott stehen und alles ordnen. Wenn wir das kapitalistische System aufgeben und eine Gemeinschaft bilden, wo das nicht in Frage kommt, dann gibt es keine Ausbeuter, keine Kapitalisten, keine Kriege, keine Angst. Dann entwickelt sich ein anderer Mensch.

Es gibt dann auch keine Angst vor der Gottesstrafe und der Hölle und darum auch keine Religion. Der Mensch hat ein anderes Bewusstsein, denkt selbst, vertraut in die eigenen Kräfte, überprüft an der Erfahrung, hat andere Gedanken und Gefühle. Der Kranke wird durch ein anderes gesellschaftliches System gesund und hat eine angstfreie Beziehung zum Mitmenschen. Er kann sich mit ihm solidarisieren, sich ihm anschließen und sich mit ihm auf gleiche Stufe stellen. Der Mensch kann sich entwickeln und ändert sein Verhalten, er wird nicht mehr korrupt wie im kapitalistischen System. Er bildet sich und lernt das Lesen und Schreiben. Er wartet nicht mehr auf das Paradies im Himmel, sondern will es auf Erden haben; er entscheidet selbst, welchen Weg er geht.

In Russland, in Kuba und im ehemaligen Jugoslawien mit einer einstmals sehr hohen Analphabeten-Rate haben die alten Menschen Lesen und Schreiben gelernt. Papier haben sie noch nicht gehabt, deshalb haben sie die Buchstaben im Schnee oder Sand geübt.


Fussnoten:

(1) https://www.globalresearch.ca/die-utopie-als-politisches-mittel-in-...en-nicht-in-passivitat-und-resignation-zu-versinken/5709995
https://www.globalresearch.ca/utopia-political-means-not-sinking-passivity-resignation-social-crisis/5709993
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=26733
(2) Marin, L. (Hrsg.) (2013). Albert Camus – Libertäre Schriften (1948-1960). Hamburg
(3) A.a.O., S. 271
(4) A.a.O., S. 272
(5) A.a.O., S. 273
(6) https://www.globalresearch.ca/reflections-secret-agenda-elite-roleus-citizens/5709112
https://www.globalresearch.ca/uberlegungen-zur-heimlichen-agenda-,,,-sogenannten-elite-und-zur-rollevon-uns-burgern/5709117
http://nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=26716


English version:
The Future Vision of Free Citizens
A Libertarian Society with Free People

By Dr. Rudolf Hänsel

Free citizens who stand up against tyranny have nothing against those in power. They do nothing to them. They fight for a more just order, for their right to life, to freedom, peace and security. When nothing else helps, that is the message of Thomas More's novel "Utopia", then it helps to do things radically differently. (1) For the humanist scholar, the small island state was a counter-model to the decaying society of England at the time.

For the author, a liberal social order with free people is the counter-model to the present totalitarian form of rule of unfreedom, violence and exploitation. This vision of the future, for which every full-minded and unblinded citizen should fight, was already held by some mature people like Peter Kropotkin and other liberal socialists more than 100 years ago. However, since they had only anticipated and not yet recognised the emotional reactions of human beings and were also vehemently opposed by authoritarian-minded contemporaries, they were unable to put their progressive ideas into practice. Thus, man is still not free today.

Gottfried Keller: Step outside the front door yourself and see what is available!
 
Every individual is called upon to make his or her contribution to solving the pressing problems of our time. And of course we are able to do so if we are aware that it depends on each and every one of us. Why not muster the courage to use our own minds and not repress the monstrosities of today, but to see them and stand up against them - intellectually, emotionally, politically. Overcome the inertia of the heart and act! Against all odds, muster the determination to seek the truth and thereby preserve our dignity as human beings and create a future worth living for ourselves and our children.

The Swiss poet and novelist Gottfried Keller (1819-1890) put it this way:

"No government and no battalions (...) are able to protect law and freedom where the citizen is unable to step outside the front door himself and see what is available." (Zurich Novellen)

Albert Camus: Every human being has a more or less large sphere of influence

Shortly after the outbreak of the Second World War, the Nobel Prize winner for literature Albert Camus (1913-1960), one of the most important intellectuals of the 20th century, commented in a "Letter to a Desperate Man" on the role of the individual in a situation perceived as hopeless. (2) These are thoughts that document and deeply touch Camus's relevance to our own day.

The useful task that, in Camus' view, the person seeking advice still has to fulfil after the outbreak of the Great War is also a task for every individual in our present time, the worldwide war of the ruling clique against us citizens:

    "You write to me that this war depresses you, that you would be ready to die, but that you cannot bear this worldwide stupidity, this bloodthirsty cowardice and this criminal naivety that still believes human problems can be solved with blood. I read your lines and I understand you. I understand you, but I can no longer follow you when you make a rule of life out of this despair and want to retreat behind your disgust because everything is useless. For despair is a feeling and not a state. You cannot remain in it. And the feeling must give way to a clear realisation of things." (3)
     
    "(...) First of all, you must ask yourself whether you have really done everything to prevent this war. (...) But I am sure that you did not do everything that was necessary, any more than any of us. You were not able to prevent it? No, that's not true. This war was not inevitable, you know that. (...) There is still a useful task to be done." (4)

    "You have a task, do not doubt it. Every person has a more or less large sphere of influence. He owes it to his shortcomings as well as to his advantages. But be that as it may, it is there and it can be used immediately. Do not drive anyone to riot. You have to be sparing with the blood and freedom of others. But you can convince ten, twenty, thirty people that this war was neither inevitable nor is it, that all means have not yet been tried to stop it, that it must be said, written if possible, shouted out if necessary! These ten or thirty people will spread the word to ten others, who will in turn spread it. If inertia holds you back, well then, start all over again with others."

In conclusion, Camus encourages the advice-seeker not to despair of history, in which the individual is capable of everything:

    "Individuals are what send us to our deaths today. Why should other individuals not succeed in giving peace to the world? Only one must begin without thinking of such great goals. Remember that war is waged as much with the enthusiasm of those who want it as with the despair of those who reject it with all the strength of their souls." (5)

"The International": To the final battle!

"The Internationale" is the world-famous struggle song of the socialist workers' movement, whose call to the last stand was issued to the international workers' movement after the violent suppression of the Paris Commune in May 1871. (6) The German version of the original French text by Emil Luckhard (1910) reads:

"Wake up, damned of this earth, who are still forced to starve! (...) Army of slaves, wake up! (...) Peoples, hear the signals! To the final battle! (...) No higher being, no god, no emperor, no tribune can save us! To deliver us from misery, that we can only do ourselves!"

After the revolt, let the people go free!

Karl Marx (1818-1883) – drawing on Ludwig Feuerbach (1804-1872) – argued that man's consciousness is shaped by social conditions and thus brought man back to earth. His materialist conception of history was a tremendous intrusion into the emotional world of man. Marx and some liberal socialists began to see man correctly – and this man began to deal with himself. Before that, the tendency prevailed in schools and universities that man's soul merely undergoes a trial here in this world and that eternal life only begins in heaven.

Since religion is associated with fear and terror, man believes as long as he is afraid. In the materialistic view of history, belief in gods and supernatural beings ceases. When man has more knowledge about nature and more certainty, he becomes calmer and no longer has this emotional reaction. He is a different person: he is not afraid of life, of starvation or of exploitation; he has time to develop, to read, to learn scientific knowledge and to think about the world.

The Russian anarchist, geographer and writer Prince Peter Kropotkin (1842-1921) observed both nature and natural beings and related his findings to human beings. In his book "Mutual Aid in the Animal and Human World", Kropotkin writes that in nature and society there is by no means only a struggle of all against all (social Darwinism), but that the principle of "mutual aid" also prevails. Those living beings that implement this principle would survive more successfully.

Scientific depth psychology is based on these findings. According to this, man is a naturally social being, oriented towards the community of his fellow human beings. He also has a natural inclination towards good, towards the knowledge of truth and towards community life. We do not have to be afraid of this human being. He wants to live in freedom and peace, without violence and war – just like all of us.

Leading man to freedom!

The freedom that is to be (re)given to man, because it is his by nature, is of course not the freedom to exploit the other man and to plunder his hard-earned savings. This is the "freedom" that the ruling clique in capitalism means and that makes man involuntarily corrupt. To give man freedom is to give him the right to a decent life, to justice, security and tranquillity.

This principle of freedom means that every working person knows, should he no longer be able to work for reasons of old age or illness, that he will not then be dismissed, but can continue to live just as before: he will continue to receive his last wage, keep his flat and not have to beg for soup in the communal kitchen or at the church. If he should die unexpectedly because of an accident, his family will continue to be provided for and his children can attend a good school.

In a free society, he not only has security but also peace of mind. No so-called authority will rise to rule over him; there will be no violence, no war, no military service, no hardship, no lunatic asylum, no prisons. External freedom will also lead to internal freedom: Man will have a different consciousness, a different thinking, a different relationship with his fellow man, a different feeling towards the dear God.

How do we set up the new social order?

Will we again establish a dictatorship and force the human being? Or will we believe in man, associate ourselves with him, empathise with him, appeal to him? He wants to live well with his children and have a roof over his head. This human being will cooperate in a free society because this corresponds to his nature. We do not have to be afraid of him. We do not have to see any danger in freedom either. If someone is not willing or able to live in a community, then he will be taken along by the others. The sick will be dealt with in the same way; they will not be a nuisance. On the contrary, in a free society they will get well.

Let us leave man free and demand nothing of him! He will gladly accept this and behave differently because he finds a different social situation. Man can change, Marx said - and depth psychology confirms this. He should also be given the same freedom. The churches will not be closed like the Bolshevists did in Russia, because that hurts people deep inside, in their faith, in their dependence, in their fear. They then feel attacked in their minds, in their souls, and are called upon to fight against it. One must not take religion away from people, but leave them free to pray. It is not the state that decides, but the individual and the community. In the present principle of violence and authority, man cannot develop.

Some mature people who have had a laid table have guessed that the prevailing capitalist system is not right. How many beneficiaries there are in this system who do not contribute to the maintenance of the community. It was Peter Kropotkin, Mikhail Bakunin and a few more rich people who have had the opportunity to educate and research. But they would not allow the liberal socialists to strive for a community in which free association prevailed, in which each person decided which path to choose, with whom to associate and how to live. That is why they were bitterly opposed.

In a free society, the consciousness of man changes

Karl Marx was right: when man has the security of his life, he thinks differently. He has different thoughts, different feelings and a different relationship to his fellow man. Man becomes different when he has the table laid. He has different feelings than the one who lives in insecurity, is exploited, is poor, is afraid of hail and lightning that God will send him if he does not pray enough. Afraid that the good Lord will set his house on fire or send hail and smash the grain so that he starves. In his whole emotional life and thinking he is taken up by this.

If we establish a society where man has his right to life, then man has a different consciousness. Fear in capitalism shapes the human being. Exploiters and exploited are equally poor. The church maintains this system with miracle men who are in relationship with the dear God and order everything. If we give up the capitalist system and form a community where this is not an issue, then there are no exploiters, no capitalists, no wars, no fear. Then a different human being develops.

Then there is no fear of God's punishment and hell and therefore no religion. The person has a different consciousness, thinks for himself, trusts in his own powers, checks by experience, has different thoughts and feelings. The sick person becomes healthy through a different social system and has a fear-free relationship with his fellow human being. He can show solidarity with him, join him and put himself on an equal footing with him. Man can develop and changes his behaviour, he no longer becomes corrupt as in the capitalist system. He educates himself and learns to read and write. He no longer waits for paradise in heaven, but wants it on earth; he decides for himself which way he will go.

In Russia, in Cuba and in the former Yugoslavia with a once very high illiteracy rate, the old people have learned to read and write. They did not have paper yet, so they practised the letters in the snow or sand.


Notes:


(1) https://www.globalresearch.ca/die-utopie-als-politisches-mittel-in-...en-nicht-in-passivitat-und-resignation-zu-versinken/5709995
https://www.globalresearch.ca/utopia-political-means-not-sinking-passivity-resignation-social-crisis/5709993
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=26733
(2) Marin, L. (ed.) (2013). Albert Camus - Libertarian Writings (1948-1960). Hamburg
(3) op. cit., p. 271
(4) op. cit., p. 272
(5) op. cit., p. 273
(6) https://www.globalresearch.ca/reflections-secret-agenda-elite-roleus-citizens/5709112
https://www.globalresearch.ca/uberlegungen-zur-heimlichen-agenda-,,,-sogenannten-elite-und-zur-rollevon-uns-burgern/5709117
http://nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=26716


Dr. paed. Rudolf Hänsel ist Erziehungswissenschaftler und Diplom-Psychologe.
Dr. paed. Rudolf Hänsel is an educationalist and qualified psychologist.





Siehe auch:

Hoffnungsschimmer – Glimmer of Hope
Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht!
Von Rudolf Hänsel
NRhZ 760 vom 31.12.2020
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=27200



Online-Flyer Nr. 760  vom 31.12.2020

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