NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 02. Dezember 2020  

zurück  
Druckversion

Kultur und Wissen
Menschen mit Mut
Informieren, recherchieren und nachdenken
Patricia Philipp – interviewt von Andrea Drescher

Dass aus „ganz normalen“ Bürgern auf einmal Revoluzzer werden, macht Hoffnung. Patricia Philipp aus dem Unterfränkischen ist eine dieser Revoluzzerinnen. Die gelernte Busfahrerin kam 1976 in Bad Soden zur Welt und lebt jetzt im Unterfränkischen, wo sie die Gruppe Querdenken-Miltenberg, also Querdenken-9371, ins Leben gerufen hat. Ihre beiden Kinder sind mit 22 und 24 bereits aus dem Gröbsten `raus, ihrem Beruf als Mitarbeiterin im Verkaufsinnendienst kann sie aufgrund von Kurzarbeit aktuell nicht nachgehen, so dass sie sich intensiv den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen widmen kann.


Patricia Philipp


Sie haben Querdenken-9371 ins Leben gerufen, wie kam es dazu?

Im April habe ich eine Gruppe „Der Corona-Wahnsinn“ gegründet, dann habe ich mich Mitte Juni  Querdenken angeschlossen und „umfirmiert“ :-).
 
War das gleich gut organisiert?

Naja. Ich war anfangs komplett allein unterwegs, obwohl ich eigentlich ein unpolitischer Mensch war. Aber ich musste aktiv werden, um mit dem Wahnsinn umgehen zu können. Ab Juni gab es dann eine Orga-Gruppe aus fünf Menschen, die sich nach dem 1.8. nochmals komplett umstrukturiert hat. Nach einem Aufruf in Telegram hat sich jetzt ein Team von verlässlichen Menschen zusammengefunden, das richtig gut funktioniert, Hand in Hand zusammenarbeitet und einfach „macht“. Wir sind meines Wissen die zweitgrößte Orga-Gruppe nach Stuttgart, die richtig gut läuft. Anfangsschwierigkeiten gehören wohl dazu.

Wieviele seid ihr und was macht ihr in der Orga?

Wir sind jetzt 15 Aktive und haben gut zu tun. Bei größeren Aktionen fällt ja einiges an – was man auf den ersten Blick nicht sieht. Die Aufgaben sind schon sehr vielfältig, angefangen bei der Anmeldung der Veranstaltungen und den Kooperationsgesprächen mit den Behörden, den Hintergrund-Recherchen, der Abwicklung mit den Sprechern, über Mobilisierung durch Werbung und Pressearbeit, dem Verteilen von unseren Flyern, der Organisation der Ordner vor Ort, dem Catering, der Weitergabe von T-Shirts und Buttons gegen Schenkung, der Betreuung des Kindertischs, damit die Eltern in Ruhe zuhören können, bis hin zur Aufzeichnungen der Veranstaltung … Aber egal was ansteht: einer aus der Gruppe ist immer da und macht es.
 
Sie sind überregional aktiv?

Ja – neben den Veranstaltungen in Miltenberg haben wir beispielsweise in Berlin die Demo am 27.8. sowie die inzwischen berüchtigte Demo am 11.10 angemeldet.
 
Warum berüchtigt?

Weil die Polizei leider sehr gewalttätig wurde. Das hatte ich in der Form noch nicht erlebt. Einen Zusammenschnitt findet man im Video von Boris Reitschuster. [https://www.youtube.com/watch?v=Xpnv0qk61HY] Das war echt unfassbar für mich und wird auch strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
 
Und Sie waren früher unpolitisch?

Nein, ich war ehrlich gesagt ein ganz normaler treudoofer Bürger, der nie auf einer Demonstration war und mit Politik nichts am Hut hatte. In meiner Tanzgruppe bekam ich aber dann bald im April den Spitznamen „Die Revoluzzerin“.
 
Was hat Sie bewegt, aktiv zu werden?

Mein Bauchgefühl hat mir gesagt, dass etwas nicht stimmt. Am 17.3 wurde ich nach Hause geschickt, als der erste Lockdown begann. Ich habe einfach gefühlt, dass etwas gegen den Himmel stinkt.
 
Was „stank“ Ihnen denn – wenn Sie unpolitisch waren?

Die Maßnahmen. Sie erschienen mir sehr schnell als völlig unverhältnismäßig. Wäre das Virus so tödlich, wie man es uns glauben machen wollte, müsste die halbe Menschheit tot sein. Sobald man sich informiert, recherchiert und nachdenkt, entdeckt man die Widersprüche. Die Fakten liegen ja alle auf dem Tisch, wurden über Medien aber nicht entsprechend kommuniziert. Dagegen wollte ich etwas unternehmen.
 
Darum die Demos?

Richtig. Die Kundgebungen dienen zur Aufklärung, der Präsentation der Fakten. Aber das mache ich auch tagtäglich im normalen Leben. Und das ist mindestens genauso wichtig, weil man Menschen erreicht, die nicht auf Demos gehen.

Was machen Sie, können Sie ein paar Beispiele nennen?

Bei meiner Tankstelle gab es anfangs massive Angriffe, ich solle trotz Attest ein Visier tragen. Die Mitarbeiter waren nicht ausreichend informiert. Ich habe deutlich gemacht, dass selbst laut Angaben der Polizei mein Attest reichen würde. Eine Zeitlang bin ich dort dann nicht mehr hingefahren, bis es sich aufgrund der Leere im Tank nicht vermeiden ließ. Der Mitarbeiter, mit dem ich mich beim letzten Mal auseinandergesetzt hatte, bat mich um ein Gespräch. Erst einmal entschuldigte er sich, dann teilte er mir mit, dass er sich informiert habe und mittlerweile der Meinung ist, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Ein schöner Erfolg.
 
IKEA ist ein anderes Beispiel. Da ich ein Ersatzteil von dort benötigte, habe ich die Maske kurzfristig in Kauf nehmen müssen, da IKEA Menschen mit Behinderungen ja diskriminiert. Im Restaurant habe ich nur Vor- und Zunamen angegeben, was für entsprechenden Ärger sorgte. Ich wies darauf hin, dass alles andere nicht DSGVO-konform sei und kam mit einem jungen Mitarbeiter ins Gespräch, der das Datenschutz-Argument gut nachvollziehen konnte. Querdenken kannte er noch nicht, jetzt kennt er uns.
 
Was mich erschreckt, sind Menschen wie das ältere Ehepaar gestern beim Einkaufen, das die Maske trug, obwohl sie sichtlich Probleme hatten. Ich forderte sie auf, sie sollten die Maske doch einfach wegtun. Wir kamen ins Gespräch, sie erwiesen sich als recht gut informiert, ordnen sich aber trotzdem den sinnlosen Maßnahmen unter. Und ganz schlimm sind die Denunzianten, die andere anzeigen. Manchmal halten die ja selbst die Regeln nicht ein – tragen ihren Mundschutz unter der Nase – aber pöbeln Menschen ohne Maske an, ohne zu bedenken, dass es Menschen gibt, die mit Maske einfach Probleme bekommen. Das höre ich von vielen.
 
Kommen Sie mit vielen ins Gespräch?

Manchmal mehr als mir lieb ist. Viele Mütter rufen an und bitten um Hilfe. Es geht um Mundschutz bei Kindern, der ja im Unterricht – sogar in der Grundschule – in Bayern wieder mal Pflicht wurde. Es ist unmöglich.
 
Wie können Sie da helfen?

Ich bin mit den Klagepaten und den Anwälten für Aufklärung in direktem Kontakt. Wir müssen immer rechtlich absichern, dass unsere Aussagen auch Hand und Fuß haben und starten dann entsprechende Aktionen vor Ort. Laut Pressemitteilung aus München müssen dort Grundschulkinder keine Maske im Unterricht tragen. Es ändert sich ständig. Darum bin ich auch ständig mit den Juristen und Anwälten in Verbindung.

Was ist geplant?

Wir wollen Demos vor dem Landratsamt machen, gegen Maskenpflicht in der Grundschule. Weitere Aktionen sind in Vorbereitung. Diese sind aber noch nicht spruchreif; sondern müssen erst anwaltlich abgesichert werden.

Auf wie vielen Demos waren Sie bis jetzt?

Ganz ehrlich? Einfach viel zu vielen. Es sind zu viele, um sie noch zählen zu können. Ich bin jede Woche unterwegs, in Berlin, Miltenberg oder Aschaffenburg. Die ganze Geschichte ist Lug und Trug – wir müssen mehr Menschen erreichen, damit der Wahnsinn aufhört.
 
Beruflich haben Sie keine Probleme?

Nein, ich bin ja seit 17. März zu 100% in Kurzarbeit - es ist auch nicht absehbar, wann es bei uns weiter geht. Darum nutze ich die Zeit, mich zu engagieren. Jetzt arbeite ich rund das Doppelte meiner normalen Arbeitszeit für Querdenken.
 
Belastet Sie das nicht sehr?

Die ganze Situation ist belastend, selbst mein Privatleben leidet darunter, auch wenn mein Partner mich voll unterstützt und hinter mir steht. Ich bin sehr viel unterwegs, habe ziemlich viel Stress. Mein ganzes Leben ist eingeschränkt – ich kann und darf eigentlich nichts mehr machen, was einfach nur Spaß macht. Wir haben keine Freiheiten mehr.  Ich warte nur noch auf den nächsten Lockdown - in Garmisch ist er ja schon da. Darum muss ich einfach aktiv sein.
 
Was wollen Sie mit Ihrem Aktivismus erreichen?

Mir geht es um die Menschen. Ich will nicht auf der Bühne stehen, die Anerkennung ist zwar nett – aber wichtig ist, dass wir mehr und mehr Menschen erreichen, sie motivieren; selbst zu recherchieren. Wenn ich einen Menschen pro Tag dazu bringe nachzudenken, habe ich mein Ziel schon erreicht.
 
Aber in Berlin waren Sie auf der Bühne?

Ja. Die 33-iger Hundertschaft hat mich motiviert, auf die Bühne zu gehen. Deren grundlose Gewalt hat sehr deutlich gemacht, dass wir keine Rechte mehr haben, dass die Gesetze auf der Strasse de facto ausgehebelt sind. Die Gewalt gegen Stefan Brackmann, der die Polizei vor aggressiven Demonstranten schützen wollte und dem als Dank der Ellenbogen gebrochen wurde, sagt ja alles.

Haben Sie keine Angst vor Repressalien?

Nein. Warum? Ich mache ja nichts Gesetzwidriges.

Sie wollen also auch mit rechtsstaatlichen Mitteln den Rechtsstaat wieder herstellen?

Ja – zumindest versuche ich es. Ich will mir nie vorwerfen lassen müssen, ich hätte nichts unternommen.

Können Sie der Situation noch etwas Positives abgewinnen?

So schlimm wie die Situation momentan ist - ich habe nie so tolle Menschen kennengelernt wie in dieser Zeit. Ich bin dankbar, dass sich bei mir der Verlust an Freunden in Grenzen hielt, ich habe keinen meiner guten Freunde verloren. Und ich werde – wie jeden Tag seit acht Monaten – alles daran setzen, dass wir die Situation noch drehen können.
 
Auch Sie gehören zu den tollen Menschen, den mutigen Menschen – Danke dafür!

Online-Flyer Nr. 756  vom 04.11.2020

Druckversion     



Startseite           nach oben

KÖLNER KLAGEMAUER


Für Frieden und Völkerverständigung
FILMCLIP


Friedrich Engels und der Pietismus
Von Arbeiterfotografie
FOTOGALERIE


IMAGINEartists4assange: Werke, die noch zu haben sind
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann