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Aktueller Online-Flyer vom 22. Oktober 2020  

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Literatur
Drosten-Dramolett - Oder:
Wir alle sind die Welle
Von Rudolph Bauer

Die Personen:
  • Sprecher/in
  • Interviewer/in
  • Drosten
  • Kommentator/in

Sprecher:

Prof. Dr. Christian Drosten (46 Jahre alt) gilt als Experte und ist – Zitat – „einer der führenden Virologen in Deutschland“. Er leitet das Institut für Virologie an der Berliner Charité, ist dort also der Chef. Am 22. September 2020 veröffentlichte der Berliner Tagesspiegel ein Interview mit ihm. Das gleiche Interview erschien am selben Tag in der Bremer Tageszeitung Weser-Kurier auf zwei Seiten und mit einem riesigen Foto – 25,5 cm breit, 30 cm hoch. Überschrift: „Man muss die Bevölkerung mitdenken lassen“. Das Interview beginnt mit der Feststellung, dass Herr Drosten nach einer Urlaubspause wieder mit dem Podcast beim Norddeutschen Rundfunk begonnen hat.

Interviewer:
Ist das „ein Zeichen, dass wir am Beginn der zweiten Welle stehen?“

Sprecher:
Antwort Drosten:

Drosten:

„Eine Welle erkennt man erst im Nachhinein. Und sie ist ja auch nichts Unausweichliches, was von alleine über uns schwappt. Wir alle sind die Welle. Das ist genau wie bei einem Stau, von dem jeder Autofahrer ein Teil ist …“

Kommentator:
Aha: Eine Welle ist wie ein Stau. Ein Stau, dem man ausweichen kann. Dem man ausweichen kann, obwohl man ihn erst im Nachhinein erkennt. Der Stau oder die Welle sind wir alle. Wir schwappen aber nicht alleine über uns. Oder? – Merke: Da schwappt einer über, nämlich der angebliche Experte! Ein führender Virologe! Wer hätte das gedacht!? Wirre Kombination von Bildern und Vergleichen. „Wir alle sind die Welle“!

Drosten:
„Wir haben das Virus schon im Labor bemerkt und nicht erst auf der Intensivstation wie in Italien. Deshalb hatten wir in Deutschland so wenig Tote.“

Kommentator:
Capito? Die Zahl der Toten in Italien ist ein Ergebnis der Entdeckung des Virus auf der Intensivstation. Wenn wir hierzulande auf der Intensivstation – auf welcher denn? – gesucht hätten, hätten wir bei uns auch mehr Tote verzeichnen können. Logo. Aber wir haben auf der Intensivstation nicht ausreichend gesucht. Das machen die schlecht bezahlten Putzfrauen aus Südosteuropa und der Türkei und die Afrikanerinnen. Aber von was für Toten redet der Drosten da? Er ist entsetzt … und entsetzlich ungenau: Sind es Tote, die ausschließlich an Corona erkrankt und verstorben sind oder solche mit, bei denen also schon eine andere Erkrankung vorlag? Oder redet er gar von Verkehrstoten, Toten wegen Krebs, wegen Herzstillstand, wegen Krankenhauskeimen, wegen ärztlichen Kunstfehlern oder aufgrund von Antibiotika-Resistenz? Keene Ahnung. Drosten nimmt die Sache mit den Toten nicht so genau, aber er macht sich Sorgen.

Drosten:
„Wir sorgen uns … um den November und den Februar auch noch. Wir müssen vordenken, sonst ist es irgendwann zu spät.“

Kommentator:
Drosten sorgt sich um den November. Warum? Weil da die Präsidentschaftswahlen in den USA stattfinden? Er sorgt sich auch noch um den Monat Februar. Warum, bleibt unklar. Irgendwann sei es zu spät, wenn wir uns nicht ebenso wie er um den November und den Februar sorgen. Meint er. Oder anders herum gedacht: Wenn wir uns jetzt schon mal um den November und den Februar sorgen, ist es nicht zu spät. Hallo?

Sprecher:
Auf die Frage der Journalisten, ob die Schulen gut vorbereitet sind, antwortet Drosten, indem er auf die Frage erst einmal nicht antwortet.

Drosten:
„Zunächst einmal bedauere ich … so viel irreführende Informationen. … Es kursierte ja die Vorstellung, dass Kinder kaum am Infektionsgeschehen beteiligt sind. Wir konnten jedoch … als erste zeigen, dass Kinder etwa eine gleich große Menge Viren mit sich herumtragen wie Erwachsene und daher möglicherweise eine vergleichbare Ansteckungsgefahr von ihnen ausgeht.“

Kommentator:
Statt auf die Frage, ob Schulen gut vorbereitet sind, antwortet Herr Drosten zunächst mit dem Bedauern über irreführende Informationen. Dann behauptet er, dass Kinder „etwa eine gleich große Menge“ Viren mit sich herumtragen wie Erwachsene. Etwa!? Eine gleich große Menge!? Viren herumtragen!? Trägt man Viren herum? In der Hosentasche? Im Schulmäppchen? In der Einkaufstüte? Was ist das denn: eine etwa gleich große Menge? Ist das mengenmäßig etwas mehr oder etwas weniger als eine Menge?

Sprecher:
Prof. Dr. Drosten, Leiter des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, schlussfolgert …

Drosten:
… dass von Kindern „möglicherweise eine vergleichbare Ansteckungsgefahr … ausgeht“.

Kommentator:
Ja, was denn nun? Ist es die Ansteckungsgefahr, die möglicherweise vergleichbar ist? Oder geht eine möglicherweise vergleichbare Ansteckungsgefahr von den Kindern aus? Soll das etwa die hochgelobte Wissenschaft eines Starberaters der Bundeskanzlerin sein? Oder ist Drosten ein Spökenkieker? Schaut der Chefvirologe in die Glaskugel?

Drosten:
„Kritischer Diskussion meiner Forschungsergebnisse stelle ich mich immer. … Ich habe immer gesagt, dass die Schulen offenbleiben sollten, aber man muss doch darüber reden, wie das erreicht werden kann. … Da muss etwa geklärt werden, ob die Schüler immer noch in einem geschützten rechtlichen Raum sind, wenn man etwa Hallen oder Festzelte anmietet, um für mehr Abstand zu sorgen, ob der Arbeitsschutz ständige Zugluft zulässt, und was Ventilatoren kosten würden.“

Kommentator:
Herrje! Drosten beschreibt sich selbst als jemanden, der bereit sei, sich der kritischen Diskussion seiner Forschungsergebnisse zu stellen, um dann aber im gleichen Atemzug – statt auf die gestellte Frage betreffs „grob falscher“ statistischer Auswertungen einzugehen – über Schulöffnung zu reden, über Abstand, Zugluft und die Kosten von Ventilatoren. Das ist hochnotpeinlich unseriös. Und die Kosten von Ventilatoren sind nun wahrhaftig nicht Drostens Ding als angeblicher Virologe.

Drosten:
„Wir werden Probleme kriegen mit der unbeschränkten Schulöffnung.“

Kommentator:
Merke: Einerseits habe er, Drosten, – wie er sagt – immer gesagt, dass die Schulen offenbleiben sollten. Andererseits aber soll die Öffnung der Schulen nicht unbeschränkt sein. Ja, was denn nun? Ist Herr Dr. Drosten ein Wirrkopf? Herr Prof. Dr. Drosten ist ein heilloser Wirrkopf. Und von einem Heillosen sollen wir uns Heil versprechen? Viele tun das ja … Heil Drosten!

Sprecher:
Es folgt die Bemerkung der Interviewer …

Interviewer:
… dass der Professor und andere Wissenschaftler „die Politik mit einer Äußerung vor sich hertreiben können, etwa, wenn Sie sich skeptisch gegenüber Schulöffnungen zeigen".

Drosten:
„Da ist einfach viel Erzählung dabei, die einfach nicht wahr ist.“

Sprecher:
Dann beginnt Drosten aber selbst mit einer Erzählung.

Drosten:
„Wir sind damals zu Fuß durch menschenleere Straßen von der Charité ins Kanzleramt gelaufen. Und wir haben dort nicht empfohlen, die Schulen zu schließen. … Zunächst dachte ich, dass Kinder zahlenmäßig nicht so ins Gewicht fallen in der Pandemie, dann bekam ich einen Hinweis auf eine Studie, die aufzeigt, dass sie in der Influenza-Pandemie von 1918 doch eine überproportionale Rolle gespielt haben. … Die Entscheidung (Schulen zu schließen) haben dann die Politiker getroffen, und zwar, nachdem wir die Sitzung verlassen hatten.“

Kommentator:
Erst denkt (!) der Chefvirologe, dann bekommt er – von wem auch immer – einen Hinweis (!) auf die Ergebnisse einer Studie, die sich auf die Zeit der Spanischen Grippe vor hundert (!) Jahren bezieht, und dann treffen die Politiker eine Entscheidung – ohne Drosten. Und dann werden die Schulen geschlossen. Offenbar, weil Drosten einen Hinweis erhalten hat, der sich auf 1918 bezieht und auf eine ganz andere Epidemie, und aufgrund von dessen Weitergabe haben „die Politiker“ eine Entscheidung getroffen, als Drosten und sein Trupp das Kanzleramt bereits verlassen hatten. Whow! Der Mann ist unterhaltsam. – Aber noch eines zeigt die Antwort: Drosten, …

Sprecher:
… angeblich „einer der führenden Virologen in Deutschland“ …

Kommentator:
… Drosten erfährt erst durch einen Hinweis (!) von den Auswirkungen der Spanischen Grippe vor hundert Jahren. Er gibt also zu, dass er keinen blassen Schimmer von der Sozial- und Medizingeschichte hat, keine Ahnung von den historischen Dimensionen seines Faches. Sein Bildungshorizont ist der einer – um es giftig zu formulieren – einer Laborratte. Er kennt die Geschichte seines Faches nicht. Er ist ein Laboridiot. Ob Frau Esken, die SPD-Co-Vorsitzende wohl Leute wie Herrn Drosten gemeint hat, als sie über Covidioten lästerte? Drosten mag sich wohl auskennen mit Petrischalen und Pipetten, aber um über den Tellerrand der schulmedizinischen Virologie hinauszuschauen, da bedürfte es doch etwas mehr als der Fähigkeit, Hinweise aufzuschnappen, diese in einer Politikerrunde zum Besten zu geben und sich rechtzeitig zu verabschieden, bevor es ums Eingemachte geht: um politische Entscheidungen. Dafür übernimmt Herr Prof. Dr. Drosten keine Verantwortung …

Sprecher:
… und er erklärt:

Drosten:
„Ich habe vor den Entscheidungen, die die Politik immer wieder treffen muss, ziemlichen Respekt.“

Kommentator:
… heuchelt er aus dem ach so warmen Hinterteil des politischen Establishments.

Sprecher:
Besorgt fragen die Journalisten:

Interviewer:
„Sind diejenigen, die die Gefährlichkeit des Virus leugnen, eine Gefahr für die Gesundheit, weil sie die Eindämmungsmaßnahmen konterkarieren?“

Kommentator:
Man beachte zunächst das Framing der Fragestellung: Gefährlichkeit … Gefahr … Eindämmung. Dann die Antwort, die weder ja noch nein lautet. Drosten holt ziemlich weit aus und erklärt:

Drosten:
„Eine Studie von James Lloyd Smith in ‚Nature‘ zeigt anhand der Sars-Epidemie von 2002, dass zwei verschiedene Sorten von Maßnahmen kombiniert gut funktionieren.“

Sprecher:
Nämlich erstens das Maskentragen, aber mit …

Drosten:
„… nur 20 Prozent Durchschlagskraft“ …

Sprecher:
… und zweitens …

Drosten:
„… das Eindämmen von Superspreading-Events, wenn eine Person sehr viel weitere ansteckt.“

Kommentator:
Wir haben es hier mit einer Antwort zu tun, die erstens das Ergebnis der erwähnten Studie falsch wiedergibt und die zweitens auf die gestellt Frage überhaupt nicht eingeht. Zu erstens: Lloyd und sein Team haben herausgefunden, dass in einer Gruppe von mit SARS und Masern infizierten Personen lediglich 20 Prozent mit mehr als 80 Prozent für die Ansteckung anderer verantwortlich waren. Die meisten infizierten Personen übertragen demnach die Krankheit gar nicht. Zweitens haben wir es hier mit einer Antwort zu tun, die auf die gestellt Frage überhaupt nicht eingeht. Droste weicht der Frage aus, er schummelt und geht ihr aus dem Weg. Stattdessen hat er ein paar Fremdworte parat und erwähnt die Studie eines anderen, über den wir weiter sonst nichts erfahren. Geschickter Schachzug.

Sprecher:
Die Ergebnisse der von Drosten erwähnten Studie gehen zurück auf die Sars-Epidemie von 2002, also vor fast zwei Jahrzehnten.

Kommentator:
Gibt es denn keine neueren Studien? Oder kennt Drosten sie nicht? Hat er sich nicht ausreichend informiert und kundig gemacht? Offenbar nicht. Z. B. weiß er nichts über die Erfahrungen zu berichten, die in China gemacht wurden. Russland existiert auf seiner Weltkarte auch nicht. Auch europäische Nachbarländer fehlen. Deutschland – der Nabel der epidemischen Welt! Ganz grundsätzlich fällt auf: Von den jüngsten Erfahrungen Chinas lernen, wo die Epidemie ausgebrochen ist? Fehlanzeige! Das nenne ich Ignoranz, Ignoranz im Laborkittel Von Ignoranz und Arroganz zeugt auch Drostens Antwort auf die Frage, ob Wissenschaft nicht klar sagen müsse, „was Stand des Wissens ist“. Bezogen auf den Beginn der Maskendiskussion im März, als noch von der Wirkungslosigkeit der Masken ausgegangen wurde, erklärt Herr Drosten:

Drosten:
„In dem Moment gab es nun einmal keine speziellen Daten zu Covid-19, man musste Analogien bemühen.“

Kommentator:
Man hat also – um es anschaulich zu sagen – von Äpfeln auf Birnen geschlossen. Das meint Analogie. Angeblich sei man da aber heute weiter.

Drosten:
„Es ist heute so, dass … wir nur Datenstände berichten, aus denen dann andere Empfehlungen formulieren.“

Kommentator:
Datenstände berichten? Wir dachten, Drosten sei forschender Virologe, der Forschungsergebnisse berichten kann. Verwechselt er etwa experimentelle Forschungsergebnisse im Labor mit statistischen Datenständen? Das sollte ihm eigentlich nicht passieren.

Sprecher:
Über Datenstände berichtet bekanntlich das Robert-Koch-Institut, das RKI. Dessen Präsident, ein Tiermediziner mit Nähe zur CSU, verkündet Datenstände, die bekanntlich übers Wochenende nicht vollständig abgerufen werden können …

Kommentator:
… und die – das ist der echte Skandal – nicht ins Verhältnis gesetzt werden, etwa zur Zahl der Tests. Jeder weiß doch: Je mehr Autos dem TÜV vorgestellt werden, desto höher ist die Zahl der reparaturbedürftigen Fahrzeuge. Also: Reines Addieren und Subtrahieren findet da statt. Von höherer Mathematik und theoretischen Modellen nicht die Spur. Die gewitzten Mathematiker arbeiten vermutlich bei den Versicherungsunternehmen, wie man geschickt die Policen erhöht. Doch unsere (unsere!?) Politiker verlassen sich auf die Datenstände. Sie verlassen sich auf die Ergebnisse simpler Rechenoperateure aus der Veterinärmedizin. Sie verlassen sich darauf – und sind verlassen … und noch viel mehr wir! Wir sind die Gelackmeierten eines Systems, in dem ein einziger überforderter Wissenschaftler sich anmaßt, die Richtung vorzugeben, in die uns die in der Sache völlig inkompetenten Politikdarsteller dann treiben – uns, das Lämmervolk.

Sprecher:
Was ist zu tun?

Interviewer:
„Ist Lüften wichtiger als Händewaschen?“

Drosten:
„Ja, das ist es, nach Datenstand.“

Kommentator:
Wir fragen uns, wie ein solcher Datenstand über das Lüften zustande kommt. Noch dazu ein Datenstand, der Lüften und Händewaschen vergleicht. Das lässt sich nicht erklären. Aber vielleicht ist die Frage der Journalisten nur blöd gestellt, und der sog. Experte ist zu feige bzw. zu eitel, die Lüftungsfrage schlicht als dumm zu bezeichnen. Weiter sagt der virologische Luftikus:

Drosten:
„Doch entscheidend ist die Aha-Formel: Abstand, Hygiene, Alltagsmasken und zusätzlich natürlich noch die Aufklärung über die Maßnahmen.“

Kommentator:
Aha: eine Aha-Formel ist besser als Lüften. Donnerwetter. Wozu dann Lüften?

Sprecher:
Gegen Ende des Interviews bemerken die beiden Journalisten, …

Kommentator:
… denen Drosten die Gnade eines Interviews gewährt hat (oder haben die Interviewer dem Interviewten die Gnade ihrer Fragen gewährt?):

Interviewer:
„Neben aller Kritik wird ihnen ja auch sehr viel Verehrung entgegengebracht …“

Sprecher:
Die Interviewer zählen die Preise auf, die Drosten erhalten hat: den Grimme-online Preis, den Radio-Preis und den Kommunikationspreis. Vergessen haben sie das Bundesverdienstkreuz am Band.

Kommentator:
Und wir wundern uns: So viele Preise für einen Dampfplauderer, für Geschwätzigkeit ohne Aussage, für einen virologischen Schwafler. Typisch für unsere Zeit, typisch für Interviews und Talkshows und die sog. Streitkultur. Journalisten sind Stichwortgeber für das Ausscheiden von Geschwätz auf hohem Niveau.

Sprecher:
Drosten bemerkt:

Drosten:
„Die Medienpreise nützen mir als Wissenschaftler für meinen Lebenslauf nichts.“

Kommentator:
Drosten spricht von seinem akademischen Lebenslauf, von seiner Vita. Er merkt aber gar nicht, dass er längst schon kein Wissenschaftler mehr ist, sondern eine Figur des öffentlichen Lebens und der Medien – ein virologischer Dieter Bohlen, ein regierungsamtlich beglaubigter Hanswurst im Dschungelcamp wirtschaftlicher Interessen, ein falscher Kommissar bei der Tatort-Krimi-Serie mit dem Titel „Tod durch Corona“.

Sprecher:
Zum Schluss des Interviews bemerkt er:

Drosten:
„Es ist sicher nicht garantiert, dass wir im nächsten Jahr impfen können, aber meine Einschätzung ist positiver.“

Kommentator:
In einen einzigen Satz packt Drosten vier Aussagen: erstens, im nächsten Jahr impfen zu können, ist nicht sicher; zweitens, auf keinen Fall ist es garantiert; drittens, dennoch hat er eine positive Einschätzung; viertens: seine Einschätzung ist nicht nur positiv, sondern – Komparativ – positiver. Fragt sich allerdings, positiver als was?

Sprecher:
Fassen wir zusammen:

Kommentator:
Drosten redet viel, sagt aber substanziell wenig, und bei dem Wenigen, das er sagt, wirft er mit eloquentem Schwung vieles durcheinander. Er erwidert nicht auf die Fragen, geht einer Antwort aus dem Weg, schweift ab, lässt vieles in der Schwebe, entzieht sich, spielt Blindekuh. Jemanden wie ihn zum wissenschaftlichen Apologeten der Epidemie-Maßnahmen zu machen, das kann nur schief gehen.

Specher:
An keiner Stelle spricht Drosten von Demokratie, von den Sorgen der Menschen, von den Kindern und Schülern, von der Notwendigkeit sozialer Nähe und Mitmenschlichkeit, von der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung der Medizin, von der Rolle der Pharmaindustrie, von der Gewinngeilheit der Reichen und Superreichen, von der Selbstüberschätzung der Götter in Weiß, von der Nemesis der Medizin, jener von Ivan Illich 1975 formulierten Kritik der Medikalisierung des Lebens.

Kommentator:
Arme Wissenschaft! – Das Interview mit Christian Drosten kündet zugleich auch vom Elend des Journalismus. Die Interviewer sind schlecht vorbereitet. Sie haben keine Ahnung von der Virologie, auch nicht von der Medizin. Sie fordern den verehrten Exklusiv-Politikberater Professor Drosten nicht heraus, sie fragen nicht nach, sie nageln ihn nicht fest. Das Interview ist ein Plauderstündchen. Erfahrungen aus andern Ländern kommen nicht vor. Die Spenden von Bill Gates an die Charité kommen nicht vor. Die Interessen der Pharmaindustrie werden nicht berührt. Frühere, von Drosten zu verantwortende Pleiten wie bei der Schweinegrippe werden nicht angesprochen. Die gesellschaftliche Verantwortung der Wissenschaft, nicht zuletzt der Virologie, ist kein Thema. Locker plätschert das Interview dahin – …

Sprecher:
… und wenn wir nicht endlich aufgewacht sind, dann schlafen wir noch heute.

Online-Flyer Nr. 754  vom 30.09.2020

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