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Aktueller Online-Flyer vom 05. August 2020  

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Globales
Ein Beitrag zum Widerstand im Juli 2020 in Zeiten von Russophobie, Sinophobie und Corona-Wahn
"Eine Grenze hat Tyrannenmacht"
Von Irene Eckert

„Aber die Menschheit hat nun einmal den Verstand verloren“, sagt Astrid Lindgren 1942. Vor vielen Jahren, im Aufwind der großen Friedensbewegung der 80er-Jahre des vorigen Jahrhunderts schnappte ich einmal folgendes Bonmot einer Kollegin auf: „Es gibt verschiedene Theorien über die Beschaffenheit des Erdkerns, über die sich sachkundig streiten lässt. Wenn aber einer etwa daher käme und behauptete, der innere Kern unseres Mutterschiffs bestünde aus Marmelade, dann hörte ich auf, mich an der Debatte zu beteiligen.“ (1)

Russophobie, Sinophobie und Corona-Wahn

In der Zwischenzeit hat der russo- und sinophobe sowie der Corona-bedingte völkerverwirrende Wahnsinn ein solches Ausmaß an Methodik erreicht, dass die Kalte-Kriegs-Rhetorik nichts mehr dagegen ist und selbst ein Shakespeare darüber erbleichen würde. Womöglich ließe er Prinz Hamlet gänzlich verstummen. (2) Mit dem großen britischen Dramatiker sehe ich, wieviel mehr noch inzwischen faul ist und nicht nur im Staate Dänemark. Mit Goethes Mephistopheles sehe ich nach wie vor:

    Nur, wie sich die Menschen plagen.
    Der kleine Gott der Welt bleibt stets von gleichem Schlag,
    Und ist so wunderlich als wie am ersten Tag.
    Ein wenig besser würd er leben,
    Hättst du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben
    Er nennts Vernunft und brauchts allein
    Nur tierischer als jedes Tier zu sein.“

    (Faust I, Prolog im Himmel, Der Herr und Mephisto im Dialog) (3)

Und dennoch und trotz alledem, solange noch Leben in uns wohnt, muss es gesagt sein, und müssen vielleicht die Klassiker zu Hilfe gerufen werden, denn

    Eine Grenze hat Tyrannenmacht:
    Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden,
    wenn unerträglich wird die Last, greift er
    hinauf getrosten Mutes in den Himmel
    und holt herunter seine ew'gen Rechte,
    die droben hangen unveräußerlich
    und unzerbrechlich wie die Sterne selbst.

    (Schiller, Wilhelm Tell II, 2. - Stauffacher)

Das mag melo-dramatisch, ja hyperbolisch klingen, aber um nichts weniger geht es, Freunde, als um die Brechung der Tyrannen-Macht. Diesmal geht es nicht nur, wie zu Schillers Zeiten, darum, unsere Freiheit, unsere demokratischen Rechte wiederzuerlangen. Es geht um unsere körperliche Unversehrtheit und für sehr viele wieder einmal ums nackte Überleben. Im diesjährig konkreten Fall, im Widerstand gegen die angstgesteuerte CORONA-Hysterie geht es um die Brechung des Weltherrschaftsanspruchs der Pharmakonzerne, der Rüstungsindustrie und des Finanzkapitals. Es waren von der ersten Stunde an Sozialisten, es waren Luxemburg und Lenin, die vor diesen Mächten warnten. Ja, der russische Bolschewist hat am entschiedensten gegen diese Kräfte gesprochen. In seiner Schrift vom „Imperialismus als höchste Stufe des Kapitalismus“ mahnte er vor ihnen und nannte dessen systemisch angelegte, kriegerische Potenz beim klaren Namen. Inzwischen sollte man meinen, sei es eine Erfahrungstatsache geworden, dass Krieg ein äußerst einträgliches Geschäft ist. Die angstgeschürte, virale Erkrankung der ganzen Menschheit neben Drogen- und Menschenhandel als neues bedeutsames Geschäftsfeld kam noch hinzu.

Wenn aber der offene Krieg der großen Über-Mächte am Ende nicht mehr führbar scheint wegen der alles zerstörenden Kraft nuklearer und anderer Massenvernichtungsmittel, dann greifen die am nackten Gelde orientiert Kreise zu Mitteln der hybriden Kriegsführung. Die Zerschlagung der im Laufe von Jahrhunderten errungenen bürgerlichen und Freiheitsrechte gehört längst zu ihrem breit gefächerten Waffenarsenal. Grundgesetze werden hinfällig, die Würde des Menschen gilt nicht mehr als das höchste zu schützende Gut. Propaganda wird zur gekrönten Spitze ihrer allzeit bereiten Hilfsmittel. Angstnebel werden versprüht, um unsere Gehirne zu verkrusten.

Nein zum Kapitalen (!) Haß auf sozialistische Gegen-Entwürfe

Dahin, dahin, o Freunde, haben uns der Kapitalismus und sein blinder Hass auf sozialistische Gegenentwürfe gebracht. Das ist des Pudels schwarzer Kern!

„Ob die anderen Völker in Wohlstand leben oder ob sie verrecken vor Hunger, das interessiert mich nur in soweit, als wir sie als Sklaven für unsere Kultur brauchen... Ob bei dem Bau eines Panzergrabens 10.000 russische Weiber an Entkräftung umfallen oder nicht, interessiert mich nur insoweit, als der Panzergraben für Deutschland fertig wird... Ich wünsche, dass die SS mit dieser Einstellung dem Problem aller fremden, nicht-germanischen Völker gegenübertritt, vor allem den Russen.“ (Heinrich Himmler 1943) (4)

    So was hätt einmal fast die Welt regiert!
    Die Völker wurden seiner Herr, jedoch
    Dass keiner uns zu früh da triumphiert -
    Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!

    (Bert Brecht, Arturo Ui) (5)

Die Sowjet-Russen waren es, die das menschenverachtende NS-Regime vor 75 Jahren in seine Schranken verwiesen. Wie man weiß, geschah dies unter ungeheuren Opfern.

Die US-Amerikaner belieferten Hitler unterdessen mit Erdöl. Henry Ford, überzeugter Antisemit und NS-Bewunderer verdiente am massenhaften Verkauf von Armeefahrzeugen an Deutschland, aber auch an seinesgleichen. Er war der drittgrößte Rüstungs-Lieferant der US-Armee. (6) „Hitlers Aufstieg wurde von angloamerikanischen Kreisen mitfinanziert, nicht nur von Henry Ford, dem Automobilmogul. Die 'Bank of England' half unter der Führung von Montagu Norman, einem engen Freund des deutschen Reichsbankpräsidenten Hjalmar Horace Greeley Schacht.“ (7)

Der Sinn solcher Übung war über den unmittelbaren monetären Gewinn hinaus die Zerstörung der sozialistischen Sowjetunion, auf die es imperiale Kreise von Anfang an abgesehen hatten. (8) Das Gegenmodell zum ungezügelten Kapitalismus musste vernichtet werden, denn im sozialistischen Machtbereich ist die Möglichkeit zu schrankenlosem Profiterwerb zumindest eingeschränkt worden. Das Menschenrecht ist den zum Kampf bereiten, satanischen Kräften unterdessen vollkommen gleichgültig, auch wenn sie es stets im Munde führen. In ihrem Herrschaftsbereich ist es nichtig und dient nur, solange es propagandistisch gebraucht wird. Die umfangreicheren Rechte und der wachsende Lebensstandard für Arbeiter und Bauern im sozialistischen Herrschaftsbereich verkörpern eine stete Bedrohung für die Belange der Kapitalanleger. Wenn Volks-China bereits 850 Millionen Menschen aus der Armut befreit hat und sich zügig daran macht, allen seinen 1,4 Milliarden Bürgern ein erträgliches Auskommen zu sichern, dann spüren sie ihre Macht zu schrankenloser Ausbeutung am Schwinden. Dem Konkurrenten auf dem Weltmarkt muss um jeden erdenklichen Preis Einhalt geboten werden. Ihr Interesse an den Chinesen galt den Billiglöhnern und den guten Profiten, nicht etwa dem Menschenrecht.

Der NS-Faschismus und seine Handlanger als Gegen-Entwurf

Es ist das alte Lied neu vertont: 1941 wurde von Hitler-Deutschland zum Sturm auf die von Stalin geführte UdSSR geblasen. Trotzky und seinesgleichen waren die 5. Kolonne. Sie hatten nachweislich viele Verbündete in und außerhalb der jungen Sowjetunion. Sie bliesen nicht nur die propagandistische Begleitmusik zur NAZI-Aggression, sie sorgten für Sabotage und Terrorakte im Lande selbst. Sie schufen die nötigen Opfer, die am Ende dem Heroen Stalin in die Schuhe geschoben werden konnten. Der Mittelsmann dafür war Chruschtschow - will heißen: der Feind in den eigenen Reihen war mit dem Ende der NS-Herrschaft nicht endgültig besiegt worden. Vieles ist hierzu nachzulesen bei US-Autoren wie Sayers und Kahn, bei Grover Furr, vieles auch beim deutschen Sozialdemokraten Max Seydewitz, „Stalin oder Trotzky“, 1937. Andere zeitgenössische Autoren geben Auskunft über die wahren Zusammenhänge und das echte Bemühen authentischer Kommunisten. Man kann sich aber auch damit begnügen, die Hasstiraden zu studieren, die NS-Autoren und ihre Freunde einst vor und nach dem Kriege über die Sowjetunion verbreitet haben und kann sie mit den entsprechenden Ausfällen gegenüber Russland und seinem Präsidenten Putin heute vergleichen. Die Sprache ähnelt sich wie ein Ei dem anderen, obwohl das große Russland heute nicht nur amputiert ist, sondern auch längst nicht mehr sozialistisch geführt wird. Dennoch stellt es noch immer eine reiche Beute dar. Analoges gilt für das bevölkerungsreiche China, das einen anderen Weg wie Sowjetrussland beschritten hat, einen Weg der großen Öffnung, der Kapitalisierung, mit dessen Hilfe es sich aus den Klauen kolonialer Vorherrschaft befreien konnte.

Auch dieser Weg kann und darf aus der Sicht der Profiteure der kolonialen Ausbeuter-Ordnung nicht erfolgreich sein. Viel weniger noch darf das Beispiel Schule machen, noch dürfen die Länder des Globalen Südens mit all ihren Bodenschätzen und ihrem „Menschenmaterial“ sich mit chinesischer Hilfe selbst befreien. Das würde kapitalen, imperialen Interessen mächtig schaden, deshalb blasen sie zum Krieg.

Wer uns im Weg ist, der wird ausgeschaltet, sagt das Kapital

Einer, der wie der aktuelle US-Präsident Trump halbe Sachen macht und sich etwa mit Russland und China friedlich ins Benehmen setzen will, der muss ebenfalls beiseite geräumt werden, koste es, was es wolle. Er wird mit dem gleichen Hass verfolgt, wie er sonst nur Sozialisten, Kommunisten oder Verfechtern eines unabhängigen Weges, Bewohnern der sprachlich zur Dritten Welt degradierten Hemisphäre zugedacht ist.

Wenn die Mittel aus dem Arsenal der Psychowaffen eines Edward Bernays und seiner „Propaganda“-Maschine (9) nicht mehr ausreichen, dann, ja dann wird zu anderen Methoden gegriffen. Aufstände werden geschürt. „Black Lives Matter“ lässt grüßen. Die bunten Putsche rund um den Globus von Soros und seiner Open Society Foundation gesteuert, waren die Vorläufer nur. Auch unsichtbare Feinde wie das Corona-Virus werden losgetreten, die Angstmaschine wird angeworfen, die Wirtschaft wird lahmgelegt, Ausgangsperren werden verhängt. So mancher Muskel wird ins Spiel gebracht, während man dem Rest der Menschheit Kontaktsperren und Gesichtsmasken verordnet. Wer mit Schiller geltend macht „Das Volk hat aber doch gewisse Rechte“, dem erwidert man mit Gessler dreist: „Die abzuwägen ist keine Zeit! Weitschicht'ge Dinge sind im Werden … Dies kleine Volk ist uns ein Stein im Weg – so oder so Es muss sich unterwerfen.“ (10) und weiter lässt Schiller den despotischen Statthalter Gessler sagen:

    Ein allzu milder Herrscher bin ich noch
    Gegen dies Volk – die Zungen sind noch frei,
    Es ist noch nicht ganz, wie es soll, gebändigt –
    Doch es soll anders werden, ich gelob es,
    Ich will ihn brechen diesen starren Sinn,
    Den kecken Geist der Freiheit will ich beugen.
    Ein neu Gesetz will ich in diesen Landen
    Verkündigen – Ich will

Aber wenn die Herrschenden gesprochen haben, dann sprechen die Beherrschten (11). Und so wird der unerbittliche Landvogt mitten im Wort niedergestreckt: „Ein Pfeil durchbohrt ihn, er fährt mit der Hand ans Herz und will sinken. Mit matter Stimme kann er noch sagen "Gott sei mir gnädig!" (12)

Mit dem Klassiker sollten wir über 200 Jahre später nicht nur seufzen: „In welchen Zeiten leben wir“ sondern bekräftigen: „Das Werk ist angefangen, nicht vollendet. Jetzt ist uns Mut und feste Eintracht not... Ist aus dem Innern doch der Feind verjagt, Dem Feind von außen wollen wir begegnen.“ (13)

Will sagen: weder „der lautlosen Eroberung“, die seitens Chinas angeblich den „westlichen Demokratien“ droht (14), noch dem vermeintlichen Diktator Stalin sollten wir unsere Aufmerksamkeit zuwenden, wenn wir politisch denken wollen. Wir sollten prüfen, wer uns gegenwärtig unserer Rechte und Freiheiten beraubt und wer unseren Wohlstand gegen die Wand fährt und zwar zielgerichtet und absichtsvoll. Dem Paroli zu bieten, ist Mut und feste Eintracht nötig, vor allem aber ist selber denken angesagt. Denn, es kommt immer anders, wenn man denkt. (15)


Fußnoten:

1 Ich erinnere mich noch immer gerne an die friedensaktive Bärbel Schmidthals, die damals den Arbeitskreis Friedenspädagogik der GEW-Berlin im Haus der Kirche leitete, der sich eines großen Zuspruchs erfreute.

2 „Ist es doch Wahnsinn so hat es doch Methode“ erkennen Hamlets Freunde seinen „Doppelsprech“ und „Da ist etwas faul im Staate Dänemark“ sagt Hamlet, der sich das Narrengewand eines dem Wahnsinn verfallenen zugelegt hat. In welche Sprache lässt sich heute Erkenntnis kleiden? Vielleicht in die des listigen Theatermannes Bert Brecht, der seine stärkste Rolle im Anti-Kriegsstück „Mutter Courage“ einer Stummgemachten, einem Kriegsopfer zuschreibt, nämlich der aus innerer Menschenliebe getriebenen Katrin, der Tochter der Marketenderin Anna Fierling.

3 Faust I, Prolog im Himmel, Der Herr und Mephisto im Dialog

4 Der Leiter der „Schutzstaffel“/SS am 4. Oktober im polnischen Posen, zitiert nach Daniele Ganser, Imperium USA, Zürich 2020 S. 139

5 Bert Brecht, Arturo Ui

6 Siehe Daniele Ganser a.a.O. S. 143

7 Weiß u.a. Thorsten Schulte in „FremdBestimmt“, Bautzen 2020, S. 18 mit Quellenangaben

8 Siehe dazu Michael Sayers und Albert E. Kahn „Die große Verschwörung “, Berlin 1951, Original amerikanisch „The Great Conspiracy Against Russia“. Beide Autoren waren zur Zeit ihres Wirkens hochgeschätzte, investigative US-Journalisten. Zur Kalten Kriegszeiten wurden sie selbstredend, wie so viel andere, inklusive F.D. Roosevelt verunglimpft.

9 Siehe dazu Edward Bernays, eine Arte Dokumentation „Propaganda“
https://www.arte.tv/sites/presse/files/dossier-web-propaganda.pdf

10 Wilhelm Tell IV/3

11 Brecht, Lob der Dialektik
https://www.deutschelyrik.de/lob-der-dialektik-1934.html

Das Unrecht geht heute einher mit sicherem Schritt.
Die Unterdrücker richten sich ein auf zehntausend Jahre.
Die Gewalt versichert: So, wie es ist, bleibt es.
Keine Stimme ertönt außer der Stimme der Herrschenden.
Und auf den Märkten sagt die Ausbeutung laut:
Jetzt beginne ich erst.
Aber von den Unterdrückten sagen viele jetzt:
Was wir wollen, geht niemals.

Wer noch lebt, sage nicht: niemals!
Das Sichere ist nicht sicher.
So, wie es ist, bleibt es nicht.
Wenn die Herrschenden gesprochen haben,
Werden die Beherrschten sprechen.
Wer wagt zu sagen: niemals?
An wem liegt es, wenn die Unterdrückung bleibt? An uns.
An wem liegt es, wenn sie zerbrochen wird?
Ebenfalls an uns.
Wer niedergeschlagen wird, der erhebe sich!
Wer verloren ist, kämpfe!
Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein?
Denn die Besiegten von heute sind die Sieger von morgen,
Und aus Niemals wird: Heute noch!

Der Autor war noch zu Stalins Zeiten mit dem Stalin-Friedenspreis für sein Gesamtwerk ausgezeichnet worden.

12 Schiller Wilhelm Tell IV/3

13 W. Tell V/1

14 Oliver Hamilton/ Mareike Ohlberg* „Die lautlose Eroberung – Wie China westliche Demokratien unterwandert und die Welt neu ordnet“ München 2020 DVA/ Spiegel Bestseller (*Stipendiatin des German Marshall Fund)

15 https://t.me/s/Rubikon_Magazin?before=77


Siehe auch:

ARTIKELÜBERSICHT Corona-Manöver
Allen Spins und Hintergründen nachspüren
Von NRhZ-AutorInnen
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=26721

Online-Flyer Nr. 750  vom 30.07.2020

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