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Aktueller Online-Flyer vom 02. Juli 2020  

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Globales
Interview der Wiener Publikation "International"
Karin Leukefeld über Syrien und die Haltung der EU
Zusammengefasst und kommentiert von Brigitte Queck

Die Nahost- und Syrien-Kennerin Karin Leukefeld schätzt in einem Video-Interview, dass sie der in Wien erscheinenden Publikation "International – Die Zeitschrift für internationale Politik" gegeben hat, detailliert die Lage in Syrien ein und beschreibt dessen Einbettung in den Nahen Osten. Brigitte Queck hat die Äußerungen von Karin Leukefeld zusammengefasst und mit einem Kommentar versehen. Hier zunächst die Zusammenfassung ihrer Aussagen in geraffter Form:

  1. Idlib, wo gegenwärtig die Kämpfe zwischen der syrischen Armee und den Dschihadisten stattfinden, teilt eine lange Grenze mit der Türkei und ist die letzte "Rebellenhochburg" in Syrien.

  2. Mit dem Beginn des Krieges in Syrien 2011 kamen "Dschihadisten" und Waffen aus der Türkei nach Syrien. In der Türkei war auch die "Freie Syrische Armee" gegründet worden. Idlib entwickelte sich fortan zum Begrüßungszentrum der religiösen internationalen Dschihadisten (ISIS). Schon in den 1960er und den 1970er-Jahren hatte es Kämpfe zwischen der syrischen Baath-Regierung und den Muslimbrüdern gegeben, die sich zuspitzten im Hamma-Massaker 1982. Die Türkei schlug der Assad-Regierung vor, der Muslim-Bruderschaft in Syrien größere Unterstützung zuteilwerden zu lassen. So sollten die Muslimbrüder 50 Prozent der Sitze in der syrischen Regierung erhalten. Assad lehnte dieses Ansinnen ab.

  3. Als sich im Jahre 2015 die NATO durch das Bombardement syrischer Städte in die dortigen Kampfhandlungen einmischte, bat die syrische Regierung auf der Grundlage des Art. 51 der UNO-Charta Russland und den Iran um militärische Unterstützung.

  4. Nachdem 2016 Aleppo von der ISIS befreit worden war, gab es von der syrischen Regierung das Angebot an die Dschihadisten, sich nach Idlib zurückzuziehen, oder das Land zu verlassen. Viele Dschihadisten zogen sich tatsächlich mit ihren Familien nach Idlib zurück.

  5. Die Nusra–Front richtete fortan dort ihren Stützpunkt ein und gründete eine Art "Regierung der Erlösung", das Kalifat Idlib, das immer mehr in- und ausländische Dschihadisten um sich scharte. Russland bemühte sich, die Lage zu deeskalieren.
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  7. Im Jahre 2018 wurde zwischen Russland und der Türkei ein Abkommen geschlossen, die Lage in und um Idlib zu normalisieren, von dem immer wieder Angriffe der Dschihadisten auf syrisches Territorium erfolgten. Diesem Abkommen zufolge, das von der Türkei, Russland und dem Iran unterzeichnet worden waren, sollten keine Kämpfe mehr in und um Idlib stattfinden, die Dschihadisten sollten ihre Waffen abgeben, und die Türkei sollte in Idlib und Russland und der Iran außerhalb Idlib die Einhaltung der Vereinbarungen kontrollieren. Aber die Dschihadisten hielten sich nicht an dieses Abkommen, und die Türkei als Unterstützer der ISIS nahm weder deren Entwaffnung ernst noch traf sie sich mit den russischen Verbänden zu vereinbarten Beobachtungen in diesem Raum. Stattdessen nahmen die Angriffe auf syrisches Territorium zu. Die syrische Regierung hatte ein Jahr auf die Einhaltung der Sotschi-Vereinbarungen gewartet. Nun begann sie, ebenfalls militärisch auf vermehrte Angriffe der Dschihadisten zu antworten und konnte bis Mitte Februar 2020 Gebiete um Idlib zurückerobern. So wurden die Verbindungsstraßen nach Idlib, die Straße von Aleppo nach Damaskus und die Straße von Aleppo nach Latakia zurückerobert.

  8. Ziel der Türkei ist es, an der ganzen Grenze zu Syrien, zwischen Euphrat und Tigris, eine Pufferzone einzurichten, um ein gemeinsames Kurdistan zu verhindern.

  9. Durch die Zusammenarbeit der Kurden in Nordsyrien mit den USA ist die Türkei lange Zeit gegen dieses kurdische Gebiet nicht vorgegangen!

  10. Russland unterstützt die Türkei UND die Kurden.
  11. Ein Großteil der Kurden in Nordsyrien unterstützt die syrische Regierung, aber fordert mehr Rechte ein: wie Regierungsbeteiligung, kurdische Lehrbücher und kurdische Sprache an den Schulen.

  12. DIE IRAKISCHEN KURDEN SIND STÄRKER AN EINEM EINHEITLICHEM KURISTAN, DAS SOWOHL GEBIETE IN SYRIEN ALS AUCH IM IRAK EINSCHLIEßEN SOLL, INTERESSIERT ALS DIE KURDEN IM NORSYRIEN. AUßERDEM WÄREN DIE ÜBERWIEGEND DORT LEBENDEN BEDUINEN IM IRAKISCHEM KURDENGEBIET GEGEN EINE VEREINNAHMUNG DURCH DIE KURDEN!

  13. Die syrische Armee führt KEINEN KRIEG gegen die Kurden!

Karin Leukefeld weist im Interview ferner darauf hin, welche Perspektiven sich für die EU in Syrien bei einem etwaigen Sinneswandel ergäben. Zu diesem Zweck wäre notwendig:

  1. die Aufhebung der seit 2011 über Syrien verhängten Wirtschaftssanktionen gegen die mehrheitlich vom Volk gewählte Assad-Regierung zu beschließen;

  2. die Wiedereröffnung syrischer Botschaften in den einzelnen Ländern der EU zu veranlassen;

  3. eine Mittlerrolle in Idlib zwischen den einzelenen Parteien einzunehmen.

DAMIT KÖNNTE DIE EU EINE GRÖßERE POLITISCHE ROLLE IN SYRIEN SPIELEN UND AUCH IHRE POSITION IM NAHEN OSTEN AUSBAUEN. EINE WEITERE MILITÄRISCHE OPTION INS AUGE ZU FASSEN UND DAMIT DER AGGRESSIVEN USA IN DIESEM RAUM ZU FOLGEN, WIE ES DER EUROPARAT VORSCHLUG, WÄRE KONTRAPRODUKTIV! MIT EINEM SINNESWANDEL ABER KÖNNTE SIE SICH VON DEN USA EMANZIPIEREN UND DAMIT - SICHER ERFOLGREICH - GEWISSEN ÖKONOMISCHEN ZWÄNGEN DER USA AUF DIE EU ENTLEDIGEN! ZUM ANDEREN: SOLLTE ES DIE EU UND SPEZIELL DEUTSCHLAND, WIRLICH ERNST MEINEN MIT EINEM KLIMAWANDEL, DANN KANN IHR DOCH NICHT AN EINER WEITEREN MILITÄRISCHEN ESKALATION IN DIESEM RAUM GELEGEN SEIN! SCHLIEßLICH WEISS HEUTE FAST JEDES SCHULKIND (FRIDAYS FOR FUTURE), DASS KRIEGE UND MILITÄR DIE SCHLIMMSTEN UMWELTKILLER AUF DER WELT ÜBERHAUPT SIND!


Das Video-Interview:



Online-Flyer Nr. 737  vom 26.02.2020

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