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Aktueller Online-Flyer vom 20. Juli 2019  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Faschistischer Wahlkampf in Zeiten der Judaisierung
Von Evelyn Hecht-Galinski

Derzeit tobt einer der schmutzigsten Wahlkämpfe aller Zeiten im "Jüdischen Staat". Und wenn am 9.April die Wahlen stattfinden, wird König Bibi mit allen Mitteln versuchen, seine "korrupte Monarchie“ weiter zu führen. Schließlich meint er, sich seine eigenen Gesetze formen und sich über bestehende hinwegsetzen zu können. (1) Sollten alle Korruptionsvorwürfe endlich zu einer Anklage führen, dann wird auch das ihn nicht davon abhalten, Ministerpräsident zu bleiben. Den Gedanken an Rücktritt hat er schon mehrmals zurückgewiesen und lästert stattdessen lieber gegen "aufgehetzte linke" Medien. Außerdem diffamiert er eine Opposition, die mit "Arabern paktiere" und dadurch die Sicherheit des "Jüdischen Staates" gefährde. Er, der mit Unternehmern, Medienzaren und Zockerkönigen paktierte, um Vorteile zu erlangen, wie beispielsweise Jubelartikel in rechtsextremen Zeitungen und Internetportalen. Das "Königspaar" Bibi und Sara erhielt Luxusgeschenke, wofür er sich den großzügigen Spendern erkenntlich zeigte mit politischen Erleichterungen. Alles geschah mit Bedacht, von kofferweise schmutziger Wäsche auf Reisen, mit einer Art von Rücksichtslosigkeit, die fassungslos macht.

Israel: das Land, wo der Rassismus blüht

Das schlimmste dabei ist, dass weder seine Likudpartei noch rechtsextreme Koalitionspartner sich von ihm abwandten, sondern ihn weiter unterstützen. Ebenso wie "sein" Volk, das weiter hinter ihm steht und alles glaubt, was aus seinem Mund kommt. Tatsächlich ist der "Jüdische Staat" das Land, wo der Rassismus blüht und in dem es möglich ist, dass sich ein vor der Anklage stehender Regierungschef zur Wiederwahl stellt. Je brutaler er gegen die palästinensische Bevölkerung vorgeht oder Luftangriffe gegen Gaza fliegen lässt, umso beliebter scheint er zu werden. Und das sollte uns allen Angst machen. (2)

Seine Politik der Skrupellosigkeit hat sogar vor einer Annäherung an Saudi Arabien nicht zurückgeschreckt. Und er kann sich auf Trump und Orban verlassen und spielt den Führer aller Juden weltweit.

Die Besatzung Palästinas ist längst kein festes Thema mehr auf der Weltbühne. Stattdessen rückt die israelische Hasbara den Iran und sein angeblich "geplanter Holocaust" gegen den "Jüdischen Staat" in den Fokus. Diese aggressive Fokussierung auf Iran, die Drohungen gegen Libanon, gegen die Hisbollah und die Hamas im Konzentrationslager Gaza, die starke Aufrüstung, auch dank Deutschland, lässt die Atommacht "Jüdischer Staat" immer bedrohlicher und mächtiger werden.

Nackte und schmutzige Wahrheit: "Israel ist NICHT ein Staat aller Bürger“

Auch die einseitige Anerkennung von Jerusalem als „ewiger“ Hauptstadt eines "Jüdischen Staates" zeigt den Friedensunwillen der jüdischen Herrscher in Palästina. Am letzten Sonntag zeigte Netanjahu per Instagram-Botschaft endlich sein wahres Gesicht, in dem er ganz klar hervorhob: "Israel ist NICHT ein Staat aller Bürger, sondern ausschließlich der Juden.“ "Gemäß dem von uns verabschiedeten Nationalgesetz ist Israel der Nationalstaat des jüdischen Volkes und nur das"! So hat der "Jüdische Staat" jeglichen Anspruch, eine „Demokratie“ zu sein, endgültig verwirkt. Netanjahu sieht "kein Problem mit arabischen Bürgern", sie hätten ja die gleichen Rechte, aber im "Jüdischen Nationalstaat" haben allein Juden das Recht auf Selbstbestimmung. Zudem wird Hebräisch zur alleinigen Nationalsprache erklärt, während Arabisch, das im "Jüdischen Staat" bisher ebenfalls offizielle Sprache war, demnächst einen nicht definierten Sonderstatus erhalten wird. So werden die etwa 17,5 Prozent der palästinensischen Israelis an den Rand gedrückt, ihre minimalen Rechte nochmals beschnitten und damit die ethnische Säuberung Palästinas immer weiter vorangetrieben. Das ist die nackte und schmutzige zionistische Wahrheit, die den palästinensischen Bürgern endgültig deutlich macht, dass sie unerwünschte Bürger zweiter Klasse sind. (3)

Diese rassistisch-faschistischen Maßnahmen eines jüdischen Groß-Israel sollten auch dem letzten Zweifler endlich die Augen öffnen über diesen Staat. Tatsächlich gibt es kein "jüdisches Volk", sondern es gibt eine Religion, die sich "judaistisch" zu erheben versucht über seine Minderheiten im Land. Diese Ausgrenzungspolitik im Parlament der Knesset wird mit diesem Nationalgesetz und diesem Ministerpräsidenten so gut wie unangefochten durchgeführt. Die Palästinenser werden als „fünfte Kolonne“ weiter diskriminiert und als Gefahr angesehen, die die " jüdische Seele" des Landes bedroht. (4)

Gerade wir Deutsche kennen diese Art der Politik der Ausgrenzung nur zu genau! Nun sehen wir, wie eine ähnliche Politik „light“ im „Jüdischen Staat“ versucht wird.

Der Holocaust heiligt nicht alle Mittel!

Wie ist das möglich? Weil Deutschland, die USA und andere Länder alles daransetzen, all das, was den Juden angetan wurde, wieder gut zu machen, allerdings auf Kosten der Palästinenser. So wird versucht, alte Schuld mit neuer zu vergelten. Nein, Schuld bleibt Schuld und man kann es nicht oft genug wiederholen: der Holocaust heiligt nicht alle Mittel! Wenn ehemalige Opfer und ihre Nachfahren zu Tätern werden, dann müssen sie dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

Schon Hannah Arendt erkannte sehr früh die "doppelte" Loyalität, die Israel am Beispiel von US-Juden beschrieb, indem diese gezwungen wurden, als "Lobby" für den "Jüdischen Staat" zu dienen. Auch war Hannah Arendt sehr beunruhigt über die Arroganz der Gründer Israels, die mit der Verachtung und Feindschaft gegen die Araber/Palästinenser einhergehe.

Tatsächlich war und ist diese jüdisch-zionistische Arroganz der "Auserwählten" von Beginn der Staatsgründung und der daraus resultierenden Nakba, der Vertreibung des palästinensischen Volkes aus ihrem Land, und die anhaltende ethnische Säuberung Palästinas das treibende Moment der zionistischen Politik.

Schlimmer noch zu sehen, wie sich der Einfluss der Israel-Lobby in den letzten 30 Jahren massiv zugespitzt hat, die mit viel Geld von Lobbygruppen und staatlichen Geldern massiv unterstützt wird. Es ist eine "Unterstützungs-Industrie", die ihresgleichen sucht. Wie also konnte diese Lobby so mächtig werden? Dank unser aller Hilfe und dank der "christlich-jüdischen Werte-Lobby", die im Grunde nur ein Ziel kennt: den Kampf gegen Muslime und den Islam.

Wenn also immer wieder vom gemeinsamen Kampf gegen Terror gesprochen wird, der uns verbindet, dann sollten wir uns endlich fragen, wieso sich die deutsche Regierung mit Terrorstaaten wie Ägypten, Saudi-Arabien oder eben mit dem "Jüdischen Staat" verbündet.

Der "Jüdische Staat" muss gestoppt werden!

Hier haben wir es mit demselben Phänomen der Doppelstandards zu tun, denn was Terror ist und von wem er ausgeht, wird willkürlich bestimmt. Mit der gleichen Art der gefährlichen scheinheiligen Verlogenheit haben wir es zu tun, wenn in Deutschland schon wieder Juden diskriminiert werden, wenn dazu aufgefordert wird, ihnen keine Räume zu vermieten, ihre Konten zu kündigen und sie als Antisemiten und Nestbeschmutzer diffamiert werden. Gerade Deutschland sollte sich weigern, sich der Politik des "Jüdischen Staates" und seiner Lobby-Organisationen unterzuordnen, und schlimmer noch, mit diesen Lobbyisten gemeinsame Sache zu machen. Tatsächlich gibt es inzwischen zwei Arten von Juden, nämlich die mit Gewissen und die Gewissenlosen. Was wir anlässlich der Verleihung des Göttinger Friedenspreises an die „Jüdische Stimme für gerechten Frieden“ erleben mussten, ist an Peinlichkeit für Deutschland nicht zu überbieten! Schämen sollten sich all die Politiker und Unterstützer der Politik des "Jüdischen Besatzerstaats", der jeden Anspruch auf Anerkennung verwirkt hat. Ja, ich spreche es wieder aus: dieser Staat ohne definierte Grenzen, mit rassistischen Gesetzen und einer Pseudo-Verfassung, der nur eines kennt: die Judaisierung ganz Palästinas, und der seit Jahrzehnten eklatant gegen das Völkerrecht und die Menschenrechte verstößt, muss gestoppt und nicht weiter unterstützt werden. Gerade diese Bundesregierung unter der christlichen Zionistin Merkel und Außenminister Maas, der wegen Auschwitz in die Politik ging, sollten sich daran erinnern, was das bedeutet. (5)

Das Schweigen zu den Verbrechen des zionistischen Regimes zum beendet werden!

Maas, der mit unerträglicher Chuzpe gegen Maduro, dem gewählten Staatschef Venezuelas, vorgeht, und tatkräftig eine US-Marionette unterstützt, Russland-Sanktionen fordert und immer an vorderster Front steht mit unerträglicher Besserwisserei und erhobenen Zeigefinger auftritt, schweigt zu den Verbrechen des zionistischen Regimes. Wäre er wirklich wegen Auschwitz in die Politik gegangen, dann würde er es nicht zulassen, dass in Deutschland schon wieder Juden ausgegrenzt und diffamiert werden. Klipp und klar gesprochen: es ist ganz sicher kein Antisemitismus, den "Jüdischen Staat" und seine Besatzungspolitik zu kritisieren, und es ist auch kein muslimischer Antisemitismus, wenn muslimische Bürger nicht bereit sind zu schweigen, wenn ihre Glaubensgeschwister im „Jüdischen Staat“ verfolgt werden.

Auch die neuerlichen Ausschreitungen am Haram al-Sharif zeigen, wie das Netanjahu-Regime alles versucht und sich mit rechtsextremen Juden gemein macht in diesen Zeiten des faschistisch-zionistischen Wahlkampfs. Ohne Rücksicht trampelte Ariel Scharon, der "Schlächter“ im Libanonkrieg, im Jahr 2000 über den Haram al-Sharif und löste damit die zweite Intifada aus. Jetzt fordert die israelische Regierung Jordanien heraus, denn zum 11. Mal wurde der von König Abdullah eingesetzte jordanische Vertreter verhaftet, nachdem diesem schon 19. Mal verboten wurde, die Al Aqsa-Moschee zu betreten. Wieder einmal legt es das Netanjahu-Regime auf eine Konfrontation an und gefährdet damit den Status Quo. So also stellen sich die jüdischen Besatzer die "Religionsfreiheit" vor, und die Staatengemeinschaft, die so oft die viel beschworenen „Werte“ im Munde führt, schweigt dazu. König Abdullah hat laut Friedensvertrag von 1994 mit Israel die Legitimität für die Ausübung als Hüter der muslimischen und christlichen Stätten in Jerusalem. Soviel zu der Einhaltung von Verträgen mit dem "Jüdischen Staat" und den USA. (6)(6a)

Nicht umsonst halten alle rechten und faschistischen neuen Führer und Parteien zum "Jüdischen Staat" und sind deren „natürliche Verbündeten“, weil sie meinen, nur so den Kampf gegen den Islam zu gewinnen. Diese Rolle ist für Netanjahu und Trump wie auf den Leib geschneidert, ähneln sie sich doch so sehr in ihrem Handeln und Denken. (7)

Kämpfen wir weiter gegen eine Israelisierung Deutschlands!

Es sollte unser aller Bestreben sein, jüdische Bürger und Aktivisten zu unterstützen, die sich für BDS (Boykott, Desinvestment, Sanktionen) friedlich einsetzen. Überlassen wir es nicht einem Zentralrat, einem von der Bundesregierung eingesetzten Antisemitismusbeauftragen, sowie Politikern quer durch alle Parteien, diversen jüdischen und zionistischen Organisationen und der Gesamtheit der Israel-Lobby, die Meinungshoheit, die sich nicht scheut, Juden als Antisemiten zu dämonisieren. Kämpfen wir weiter gegen eine Israelisierung Deutschlands für Meinungsfreiheit und für die Freiheit Palästinas in diesen Zeiten des faschistischen Wahlkampfs der Judaisierung.


Fußnoten:

(1) https://www.fr.de/politik/aufbruch-oder-bloss-heilloses-chaos-11842758.html
(2) https://de.sputniknews.com/politik/20190310324267042-netanjahu-warnung-hamasvor-militaerschlag/
(3) https://www.dailysabah.com/deutsch/naher-osten/2019/03/11/netanjahu-israel-gehoert-nur-den-juden-nicht-der-arabischen-minderheit
(4) https://www.sueddeutsche.de/politik/israel-nationalstaatsgesetz-1.4061161
(5) https://deutsch.rt.com/newsticker/84785-israel-nimmt-nach-tempelberg-unruhen-muslimische-verwalter-fest/
(6) https://www.tagesspiegel.de/politik/goettinger-friedenspreis-antisemitismus-ist-mehr-als-ein-label/24063608.html
(6a) https://www.haaretz.com/israel-news/israel-police-break-into-temple-mount-after-firebomb-hurled-at-holy-site-1.7017542
(7) https://www.tagesspiegel.de/politik/israel-und-europas-rechtspopulisten-verbuendete-gegen-islam-und-islamismus/23938578.html


Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Zentralratsvorsitzenden der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt. (http://sicht-vom-hochblauen.de/) 2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten "Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik" ausgezeichnet.


Online-Flyer Nr. 696  vom 13.03.2019

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