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Literatur
Yavuz Özoguz: "Der Islam gehört zu Deutschland - Historische Spuren der Muslime in Deutschland und Österreich"
Eine gelungene literarische Reise
Buchtipp von Fariss Wogatzki

„Es ist ganz einerley, in welchem Kreise wir unsere Kultur beginnen, es ist ganz gleichgültig, von wo aus wir unsere Bildung in's fernere Leben richten, wenn es nur ein Kreis, wenn es nur ein Wo ist." (Goethe) Deutschland kann auf einen Sohn blicken, Johann Wolfgang von Goethe, dessen Erkenntnisse in seinem kulturellen Schaffen weltumspannend und weltberühmt sind. Gleich Goethes kulturelles Schaffen für jeden Menschen erkannt werden kann, sind, wenn auch nicht immer auf den ersten Blick, und leider nicht in dem Maße gewürdigt wie wünschenswert, Kulturschätze aus der islamischen Kultur in vielen Städten von Deutschland vertreten. Im Dezember 2018 veröffentlichte der Eslamica Verlag den bemerkenswerten Titel "Der Islam gehört zu Deutschland" von Dr. Yavuz Özoguz. Im Vorwort des farbig und in Hochglanz gehaltenen Buches gibt der Autor eine essentielle Aussage; die Klarheit: "Die Spuren einer Kultur lassen sich in anderen Kulturen wiederfinden, mit denen sie in Kontakt getreten ist."

"Historische Spuren der Muslime in Deutschland und Österreich", so der Untertitel des mit Liebe zu Kultur, sowie kultureller Bewusstwerdung vorliegenden Buches, lädt den Leser und Betrachter der Fotografien auf die interessante Reise nach eben dieser ein.

Sicherlich haben schon viele von der vormaligen Zigarettenfabrik "Yenidze" in Dresden gehört, einem Bauwerk aus dem Jahr 1908 im Stil einer Moschee. Gleichfalls Millionen internationale Besucher des Schlosses Sanssouci in Potsdam, dem preußischen Königssitz, an dem auch der weltberühmte Dichter Voltaire ("Candide") verkehrte, zeigt den kulturellen Reichtum des Islam, den auch die Hohenzollern pflegten und zu schätzten wussten. Hier findet sich, ebenfalls in Gestalt einer Moschee, ein Nebengebäude auf dem Schlosssitz, die islamische Schönheit architektonischer Kultur.

An dieser weltberühmten Kulturstätte, die zweifelsohne Besucher und Bewunderer aus der ganzen Welt hat, da diese eben authentische, erfassbare, ja erlebbare Kultur des Schaffens und Seins einer Nation darstellt, ist die Liebe von umspannender Kultur zur Kultur ihrem Grunde nach erkennbar. Dass sich hier eine Größe wie Voltaire wohl gefühlt hat, ist erwiesen.

Der Autor zeigt die verschiedenen, auch unauffälligen, die für den Sehenden beeindruckend schaffenden Einflüsse des Islam in Deutschlands Kulturgeschichte, dessen Vielfalt und dem Islam innewohnenden Kulturschaffung und geistigen Bildung, ein Ausdruck des spirituellen Reichtums ist, den bereits Goethe bewunderte. Der Weltgelehrte hat mit seinem Werk: "Der westöstliche Diwan" dem Islam ein poetisches Werk, ja bald der Liebe gewidmet. Und eben die von Goethe erkannte Liebe ist in Dresden, Leipzig, Berlin; gleichsam zwischen Mannheim und Heidelberg, im Schwetzinger Schlossgarten in der "Roten Moschee" zu erleben.

Ja, zu erleben! Denn die durch den Autor dargelegten Exemplare islamischer Kultur, sonach Leben, sind in ihrem Sein, in den Bauwerken ein in sich integrierter Teil der Gesamtheit von Seinsbedeutung, und trägt folgerichtig zum Leben und Erhalt desselben bei.

Die Reise des Autors geht im vorliegenden Band nach Darmstadt, Offenbach, Münster, bis nach Süddeutschland nach Nürnberg, Ingolstadt und an die Isar nach München. So belegt der Autor mit einer, wie der architektonischen Kunst gleich, im beruhigenden Fluss, auch und eben über die, denen menschliches Schaffen für die eigene Heimat von hoher Bedeutung war, wie sich die islamische Kultur auf harmonische Weise mit der deutschen Kultur ergänzt. Autarke Kulturen, die in und durch Freiheit entstehen konnten, bei Kontakt, einander Ergänzen und so neue, weitere Kultur entsteht, darin weder die eine noch die andere ihre Identität reduziert. Ein wertvoller Gewinn.

Das bedeutet, dass islamische Kultur, die von Kulturschaffenden im öffentlichen Raum, Architekten wie Stadtgestalter, in dezenter Form sich in das Bestehende einfließen und so, wie es im Buch dem Leser bewusst wird, Kunst und Schönheit ergänzt. Im Verlauf des Buches, es ist ja eine Einladung zu einer kleinen Reise in und durch Deutschland, durch einen Teil von Deutschland, der darin wohnenden Kultur, erfährt der Leser etwas. Etwas stilles, vollständig unaufdringliches, und zwar: Erkenntnis.

Wenn der Autor schreibt: "Will jemand ein wirklich umfangreiches Museum mit Bezug zum Islam besuchen, dann muss er nicht in den Orient reisen." fließt der Erkenntnisgewinn mit. Wahr ist diese Aussage, denn viele Europareisende haben gewiss auch einmal die spanische Stadt Granada mit ihrer ausnehmend atemberaubenden, wahrhaft von Glanz überstrahlenden Alhamabra bestaunt.

Der Autor Özoguz verweist unter anderem auf das Deutschlandweit bekannte "Pergamon Museum" in Berlin. "Als wichtige Sammlung gelten die Fassade des Palastes von Mschatta aus dem 8. Jahrhundert, das Aleppo-Zimmer, eine Kuppel aus der Alhambra, Gebetsnischen aus Kaschan und Konya, ein Quran-Kasten aus der Zeit der Mamluken [...]" Und der Autor berichtet weiter über meine Heimatstadt Berlin. Auch die Wilmersdorfer Moschee aus dem Gründungsjahr 1928 gibt Zeugnis, dass der Islam seit langer Zeit ein Teil deutscher Kultur ist. Doch bereits im Jahr 1798, also zu einer Zeit als Goethe das Epos "Herrmann und Dorothea" zur Uraufführung hatte (1797), entstand der muslimische Friedhof im heutigen Neukölln, angrenzend zu Tempelhof.

Grund der Entstehung des ältesten muslimischen Friedhofs in Deutschland war das Ableben des damaligen Botschafters der Osmanen. Der Platz um die Berliner Hasenheide wurde durch Order von König Wilhelm II. hierfür angeordnet.

Es ist die Sanftheit dieses Kulturbuches das es so wertvoll macht, da dem Interessierten sowohl bekannte Plätze und Städte, Straßen und historische Persönlichkeiten nahegebracht werden, die das Zusammenleben von deutscher Geschichte und dem Islam liebevoll aufzeigen.

Vom weltgrößten Rundteppich mit einer Fläche von beeindruckenden 200 qm, zu erkunden in der "Imam Ali Moschee" in Hamburg, oder dem "Kinderspielhaus mit Halbmond" in der Parkanlage des Nymphenburger Schlosses in München, bis zu dem durch den Bayerischen Staatsminister für Unterricht und Kultus, Dr. Ludwig Huber, erbauten Gedenkstein zu Ehren des pakistanischen Philosophen und Nationaldichters Muhammad Iqbal, in München-Schwabing. Und welcher jüngere Münchener war noch nicht in der so genannten Muffathalle bei einem Konzert; im Muffat-Werk am Gasteig, erbaut 1837.

Still, respektvoll, in Würde und im Einklang mit der sie umgebenden Welt, zeigen sich die historischen Spuren des Islam in Deutschland in wohltuender Form.

Der Autor erweist im Besonderen Deutschland eine Danksagung, in dem er auf die in Deutschland verschwiegene Kultur unprätentiös aufmerksam macht. Die Spurensuche in "Der Islam gehört zu Deutschland" erstreckt sich auch auf Exponate im Nachbarland Österreich. Es ist wohl so, keineswegs allein prominent gehaltene Güter geben Auskunft über die historisch gewachsene Kultur einer Nation. Dass eben auch Kultur in ihrer Werdung und ihrem Sein sehr wohl erkannt werden können, islamische Kultur in Deutschland, in ihrer Erkennbarkeit, die deutsche Kultur in ihrer Werdung und ihrem Sein geprägt und gefördert hat, zeigt die vorliegende, liebevolle Arbeit. Eine gelungene literarische Reise von Yavuz Özoguz.


Dr. Yavuz Özoguz: "Der Islam gehört zu Deutschland - Historische Spuren der Muslime in Deutschland und Österreich"



Hardcover mit Farbbildern, 141 Seiten, 17 x 24 cm, Bremen 2019, ISBN 978-3-946179-15-3, für 19 Euro inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten zu bestellen bei eslamica.de


Siehe auch:

Dr. Yavuz Özoguz: Der Islam gehört zu Deutschland
Zu Ehren von Heimatminister a.D. Horst Seehofer
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
NRhZ 689 vom 02.01.2019
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25556

Online-Flyer Nr. 693  vom 20.02.2019

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