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Aktueller Online-Flyer vom 25. April 2019  

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Medien
Eine lockere Folge von Leserbriefen und Kommentaren
Hajos Einwürfe
Von Hajo Kahlke

Darf eine linke Zeitung das rechte Umsturz-Programm in Venezuela beschönigen? Darf sie hemmungslose Lobhudelei für schlimmste Kriegshetze betreiben? Was verleitet sie zu einer völlig unakzeptablen Manipulation? Warum nimmt eine Mainstream-Zeitung Abschied vom richtigen Gebrauch der eigenen Sprache? Wie steht es um die Propaganda-Botschaft von der "roten Gefahr"? Das sind Fragen, die in "Hajos Einwürfen" zum Thema gemacht sind. Die Neue Rheinische Zeitung versteht sich im Verbund mit der Vierteljahresschrift DAS KROKODIL als ein Forum, das zum Nachdenken anregen, eingefahrene, verkrustete Denkstrukturen aufbrechen bzw. der bewusst lancierten Desorientierung des Denkapparats – besonders der Linken – entgegenwirken will. Hajos kurze Texte sollen dazu ihren Beitrag leisten. Die Neue Rheinische Zeitung bringt deshalb in loser Folge von ihm verfasste Leserbriefe und Kommentare, die bei den Angeschriebenen nur selten das Licht der Öffentlichkeit erblicken.


Rechtes Umsturz-Programm in Venezuela beschönigt

Es gibt bei der jungen Welt eine formelle oder infomelle Sprachregelung, jegliche Protestaktion der AfD oder ähnlicher rechter Kräfte mit dem martialisch klingenden Wort "Aufmarsch" zu bedenken. Die Aufmärsche der venezolanischen Contra hingegen, die in der Tat extrem gewaltaffin angelegt sind und darüber hinaus als Teil eines gewaltsamen, notabene äußerst rechten Umsturz-Programms fungieren, werden im Sprachgebrauch der jungen Welt jetzt hingegen mit der - demokratische Legitimation assoziierenden - Vokabel "Proteste" beschönigt. Honi soit qui mal y pense (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt).

Leserbrief zum Artikel "Gefährliches Drehbuch - In Venezuela mobilisiert die Opposition zu Protesten und will Gegenregierung bilden. Ausschreitungen in der Hauptstadt" von Modaira Rubio in "junge Welt" vom 23.01.2019, Seite 7


Abschied vom richtigen Gebrauch der eigenen Sprache

Dass die deutschen Konzernbosse und ihr politischer und sonstiger Anhang nun verstärkt gegen den Brexit Stimmung machen, versteht sich. Ebenso, dass die schwülstige Europatümelei selten mit gedanklicher Klarheit einhergeht. Aber was bitte soll ein Satz wie "Großbritannien ist Teil dessen, wer wir als Europäer sind"? Verabschieden sich da die Unterzeichner des Briefes vor lauter Sehnsucht nach einer Nation Europa schon mal vom richtigen Gebrauch der eigenen Sprache?

Leserbrief zum Offenen Brief "Wir wollen, dass Ihr bleibt" - Offener Brief "aus Politik und Wirtschaft an die Briten", Rhein-Neckar-Zeitung vom 19./20.1.2019, Seite 21



Hemmungslose Lobhudelei für schlimmste Kriegshetze

Vor langer Zeit war Hans Magnus Enzensberger einmal ein engagierter linker Schriftsteller. Seit mindestens drei Jahrzehnten aber ist er das Gegenteil davon, schlimmste Kriegshetze mit eingeschlossen. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb lässt ihm die junge Welt jetzt eine hemmungslose Lobhudelei zukommen. Fast eine Seite lang wird da die "Schönheit sprachlicher Präzision", "die gewaltlose Kraft des Sarkasmus", und wieder und wieder der angebliche "Eigensinn" Enzensbergers beklatscht. Der ja überhaupt ein "genuiner Aufklärer war und ist". Dass Enzensberger seinerzeit insbesondere darüber aufklärte, dass Saddam Hussein geradezu Hitler Nummer Zwei war, hält die junge Welt wohl für in Ordnung - zumindest aber für so unwichtig, dass sie diese Aufklärungstat Enzensbergers nun nicht einmal erwähnt. Immerhin, eines macht ihre Enzensberger-Ehrung beispielhaft deutlich: nämlich was die junge Welt mit der von ihr ständig beschworenen "Gegenkultur" denn konkret meint.

Leserbrief zum Artikel "In Ruhe gelassen werden - Der stille Eigensinn: Hans Magnus Enzensbergers autobiographische Anekdoten" von Jürgen Roth in "junge Welt" vom 14.01.2019, Seite 10



Völlig unakzeptable Manipulation

Mitten auf den beiden "Thema"-Seiten prangt dominierend und raumgreifend ein Doppel-Foto: Es zeigt die Rückenansichten zweier Männer aus verschiedener Zeit, so jedoch arrangiert, als stünden diese Männer fast nebeneinander - als ob sie denn zusammen gehörten. Während auf dem Rücken links bzw. auf einem dort umgehängten Schild geschrieben steht "Nehme jede Arbeit an", ist auf dem Rücken rechts ein Shirt-Aufdruck "Alternative für Deutschland" zu lesen. Die Botschaft des Foto-Arrangements ist klar: Arbeiter-Entrechtung bedeutet AfD - und AfD heißt Arbeiter-Entrechtung.


Seiten 12/13, "junge Welt" vom 8.1.2019

Das ist zwar nicht völlig, aber ziemlich falsch. Denn tatsächlich entscheiden politisch, inklusive über Arbeiter-Entrechtung, immer noch die globalistischen Mainstream-Rechten von CDU/SPD/FDP/GRÜNE. Und die sind, dank der notorischen AfD-Fixierung der Linken, immer wieder fein aus dem Schneider. Gewiss, "Die bekämpfen wir doch auch" heißt es dann von links - aber halt nur als Pflichtübung, ohne Engagement und Kraft. Oder wann wurde denn zum letzten Mal versucht, z.B. einen GRÜNEN-Parteitag zu verhindern? Aha, noch nie? Eben!

Nein, wer nicht die globalistischen, wirklich tätigen Verrichtungsgehilfen des Kapitals als parteimäßigen aktuellen Hauptfeind ansieht, sondern stattdessen die nationalistischen, nur potentiellen Verrichtungsgehilfen des Kapitals, dessen antikapitalistischer Kampf ist nicht stimmig und überzeugt niemanden.

Im übrigen ist die Art dieses Photo-Arrangements eine völlig unakzeptable Manipulation: Mit der gleichen fehlenden sachlichen Berechtigung, sprich mit der gleichen Willkür, könnte man dem "Nehme jede Arbeit an"-Rücken statt eines AfD-Rückens z.B. einen "Refugees Welcome"-Rücken zur Seite gesellen!

Leserbrief zum Artikel "Von oben arrangiert - Die Schuld für den Aufstieg der so genannten Rechtspopulisten soll bei den verblendeten Unterklassen liegen – die Verantwortung der Eliten wird negiert" von Michael Klundt in "junge Welt" vom 8.1.2019, Seiten 12/13


Propaganda-Botschaft von der "roten Gefahr"

Offensichtlich passt hier die Propaganda-Botschaft von der "roten Gefahr" und das zur Illustration ausgewählte Foto nicht recht zusammen: Die beiden lächelnden hübschen Jungkommunistinnen, mit traditioneller Mao-Mütze einerseits und im schicken roten Jackett andererseits, strahlen nun überhaupt keine Gefahr aus. Hatte man hier denn wirklich kein Foto von einem grimmig dreinblickenden chinesischen Soldaten mit vorgehaltener Waffe zur Hand? Oder aber will man die Propaganda gegen die "rote Gefahr" (sie wie früher als gelb zu bezeichnen ist in politisch korrekten Zeiten ja nicht mehr statthaft) niederschwellig, spielerisch beinahe, beginnen, um dann ernsthafter zu werden und die Dosierung mehr und mehr zu steigern? Tatsächlich ist China für niemanden auf dieser Welt eine Gefahr, auch nicht für jene westlich-weißen Länder, deren Herren in ihrer Hybris seit rund 500 Jahren auch die Herrschaft über den Globus beanspruchen. Und für Taiwan, dessen Reintegration ins Mutterland selbstverständlich, und zwar friedlich, kommen wird - Hongkong zeigt, wie es funktionieren kann - schon gar nicht.

Leserbrief zu Titelbild und Schlagzeile "Die neue rote Gefahr", Rhein-Neckar-Zeitung vom 3.1.2019

Online-Flyer Nr. 690  vom 30.01.2019

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