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Medien
Leserbrief an die "junge Welt" zur Schwerpunktseite vom 19.12.2018
Was geschah am 19.12.2016 auf dem Berliner Breitscheidplatz?
Von Sebastian Bahlo

Claudia Wangerin schreibt: "Der Tunesier wurde als derjenige identifiziert, der den Lkw gekapert, den Speditionsfahrer erschossen und mit dem Fahrzeug elf weitere Menschen getötet sowie mehr als 70 verletzt hatte." Tatsächlich findet sich diese Aussage nicht in dieser Form in den öffentlichen Verlautbarungen der Bundesanwaltschaft oder von einzelnen Bundesanwälten. Diese sagen lediglich explizit, dass Amri den Speditionsfahrer erschossen hätte. Die dafür genannten Indizien sind dünn: Die durch Video-Aufnahmen belegte Anwesenheit Amris am Friedrich-Krause-Ufer, seine Fingerabdrücke im LKW und eine Patronenhülse, die aus der Waffe stammen soll, die Amri vier Tage später bei seiner Tötung in Mailand bei sich getragen habe. Ein ballistisches Gutachten hat die Bundesanwaltschaft trotz eines Antrags im Berliner Abgeordnetenhaus bis heute nicht vorgelegt.

Amris Fingerspuren im Fahrzeug müssen vor dem Hintergrund der ohnehin merkwürdigen Tatsache bewertet werden, daß der LKW die Ladung, mit der er nach Berlin gefahren war, im gleichen Mailänder Vorort aufgenommen hatte, in dem Amri eine Woche später getötet worden sein soll. Kein Wort verlieren die Ermittler über die Aussage des LKW-Halters, dass das Fahrzeug am Nachmittag des Tattages mehrfach gestartet worden sei, "als ob jemand damit übt". Zu dieser Zeit soll sich Amri an einem anderen Ort aufgehalten haben. Die Aussage, dass Amri den LKW in den Weihnachtsmarkt gesteuert habe, ist in den offiziellen Informationen der Ermittler, notabene, nirgends wörtlich zu lesen. Die zwei an die Öffentlichkeit gelangten Video-Zeugnisse des Anschlags sind so geschnitten, dass die Entfernung des Fahrers vom Tatort nicht zu sehen ist.

Das BKA fahndete öffentlich mit zwei Bildern nach Amri, die für den unvoreingenommenen Betrachter zwei verschiedene Personen zu zeigen scheinen. Über das bekannte "Bekennervideo" sagt die Bundesanwaltschaft lediglich: "Es ist davon auszugehen, dass das von der IS-nahen Medienstelle AMAQ veröffentlichte Bekennervideo authentisch ist und Anis Amri zeigt." Der normale Betrachter findet auch hier keine überzeugende Ähnlichkeit zwischen dem Protagonisten und den auf dem Fahndungsplakat abgebildeten Personen. Das alles lässt die "Identifizierung" Amris als höchst zweifelhaft erscheinen. Für die parlamentarischen Untersuchungsausschüsse ergibt sich daraus die vordringliche Aufgabe, in Erfahrung zu bringen, was am 19.12.2016 eigentlich geschah, bevor es um Anis Amri gehen kann.


Siehe dazu die Artikel der jW-Schwerpunktseite vom 19.12.2018:

Gut beobachtete Kreise
Aus der Vorgeschichte des Berliner Terroranschlags vor zwei Jahren
Von Claudia Wangerin
https://www.jungewelt.de/artikel/345711.trotz-allem-nicht-gestoppt-gut-beobachtete-kreise.html

Kein Prozess in Aussicht
Von clw
https://www.jungewelt.de/artikel/345711.trotz-allem-nicht-gestoppt-gut-beobachtete-kreise.html

"Amri war von V-Männern umstellt"
Frühes Behördenwissen über mutmaßlichen Haupttäter des Berliner Terroranschlags wird ungern zugegeben. Ein Gespräch mit Martina Renner
Von Claudia Wangerin
https://www.jungewelt.de/artikel/345712.schl%C3%BCsselfigur-abgeschoben-amri-war-von-v-m%C3%A4nnern-umstellt.html

Online-Flyer Nr. 688  vom 26.12.2018

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